Projekt von Reaktionären

geschrieben von Cornelia Kerth

8. März 2022

Koloniales Raubgut und extrem rechte Spender: Zum Prunk des Berliner Stadtschlosses

Die Rekonstruktion des Berliner Stadtschlosses und das Humboldt-Forum waren schon Gegenstand eines antifa-Spezials vom November/Dezember 2019 (siehe kurzelinks.de/stadtschloss2019). Im Januar 2022 schrieb nun Stephan Trüby, Professor für Architektur und Kulturtheorie, im Wiener Standard: »Das Humboldt-Forum im Berliner Schloss, immerhin das wichtigste deutsche Kulturprojekt seit der Wiedervereinigung, ist in die Hände von Reaktionären und Planlosen geraten«. Dem könnte man zustimmen, wenn die Rekonstruktion des Symbols der Hohenzollern-Herrschaft und des deutschen Imperialismus in der Mitte der alten und neuen Hauptstadt nicht von Anfang ein Projekt von Reaktionären gewesen wäre. Projekt von Reaktionären weiterlesen »

Hilferuf aus dem Norden

8. März 2022

Die antifaschistische Erholungs- und Begegnungsstätte »Heideruh« benötigt nach Sturmschäden Unterstützung

Kurz vor Fertigstellung dieser Ausgabe erreichte uns noch ein Hilferuf aus dem Norden, den wir hier gern weiterverbreiten: Die antifaschistische Erholungs- und Begegnungsstätte »Heideruh« in Buchholz/Nordheide benötigt infolge von Sturmschäden Unterstützung. Die Unwetter um den 20. Februar haben in Heideruh viele Bäume umgelegt, zwei davon landeten – nicht ohne Folgen – auf dem Kleinbus und einem Pkw. Als diese Ausgabe in den Druck ging, endete eine spontan angesetzte Bauwoche mit dutzenden solidarischen Helfer:innen, um die gröbsten Schäden schon einmal zu beseitigen. ­Angekündigt waren Holzverarbeitung, die Sicherung des Geländes und dringend notwendige Reparaturen. Aber: Das alles kostet neben viel persönlichem Engagement auch eine Stange Geld, das aufgrund der Pandemie in »Heideruh« (und ganz sicher nicht nur dort) sowieso schon knapp ist. Viele Mitglieder der VVN-BdA kennen das Projekt eine Zugstunde südlich von Hamburg durch Seminare, Wochenendausflüge und Kurzurlaube. Viele aber sicher auch noch nicht. Daher sollen hier ein paar Worte über Bedeutung und Geschichte von Heideruh stehen, die wir einem Antrag entnahmen, der auf dem Bundeskongress der VVN-BdA im April 2021 in Frankfurt am Main unter dem Motto »Solidarität mit Heideruh« eingereicht worden war und – Antragsdiskussionen finden manchmal kein Ende – vor einigen Monaten dann durch den Bundesausschuss der VVN-BdA seine Unterstützung ausgesprochen bekam. Hilferuf aus dem Norden weiterlesen »

»Volksfrontaktivitäten«

geschrieben von Regina Girod

8. März 2022

Richtungskämpfe in der SPD: Ein Fundstück aus dem Bundesarchiv der VVN-BdA

Die VVN hat sich in der BRD in den 1970er- und 1980er-Jahren intensiv in der Friedensbewegung und in der Kampagne gegen Berufsverbote engagiert. So hatte die Initiative »Weg mit den Berufsverboten« ihren Sitz in der Bundesgeschäftsstelle der VVN, in der Frankfurter Rossertstraße. Auf den großen Friedenskundgebungen 1981 und 1983 in Bonn sprachen prominente Mitglieder der VVN-BdA wie Emil Carlebach und Etty Gingold. Während sich die Grünen damals aktiv in die Friedensbewegung einbrachten, war das Verhältnis der SPD zu den außerparlamentarischen Bewegungen widersprüchlich und umkämpft. Der Hauptgrund dafür lag im jahrzehntelang gepflegten Antikommunismus der Partei. So existierten Unvereinbarkeitsbeschlüsse der SPD zu allen Organisationen, die sich selbst als kommunistisch bezeichneten oder als »kommunistische Tarnorganisationen« galten, darunter schon seit 1948 auch zur VVN. »Volksfrontaktivitäten« weiterlesen »

Den Plural verwenden

geschrieben von Ulrich Schneider

8. März 2022

75 Jahre VVN – ein Rückblick auf die Anfangsjahre

Wenn man die Entstehung der Vereinigungen der Verfolgten des Naziregimes betrachtet, muss man den Plural verwenden, da es unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges verschiedene Vorläufer der späteren VVN in allen Teilen des befreiten Deutschlands gab, die von den Überlebenden der faschistischen Haftstätten sowie den Frauen und Männern aus dem antifaschistischen Widerstand und dem Exil gegründet wurden. Zum Beispiel gab es in Bremen eine »Kampfgemeinschaft gegen den Faschismus«, in Hamburg ein »Komitee der politischen Gefangenen«, in Stuttgart eine »Vereinigung der politischen Gefangenen und Verfolgten des Nazi-Systems« sowie in zahlreichen Orten Hilfsgemeinschaften der »Opfer des Faschismus«. Auch wenn sie regional unterschiedlich aufgestellt waren, verstanden sie sich von Anfang an als Teil einer parteiübergreifenden und gesamtdeutschen antifaschistischen Gemeinschaft, deren politische Botschaft bereits im Schwur der Häftlinge von Buchenwald so markant auf den Punkt gebracht worden ist: »Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht!

Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel. Das sind wir unseren gemordeten Kameraden, ihren Angehörigen schuldig.« Den Plural verwenden weiterlesen »

»Ich hatte viele Mütter«

geschrieben von Regina Girod

8. März 2022

Ingelore Prochnow wurde im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück geboren

In Ravensbrück, dem größten Frauenkonzentrationslager auf deutschem Boden, waren 120.000 Frauen und Kinder aus mehr als 30 Ländern inhaftiert. Viele der Frauen hatten zu Hause Kinder, über deren Schicksal sie im Ungewissen waren. Etwa 900 Kinder, deren Mütter als Schwangere verschleppt worden waren, wurden im KZ geboren – weniger als drei Prozent von ihnen überlebten. Die meisten Kinder, die überlebten, waren erst Anfang 1945 geboren worden – die Befreiung rettete ihr Leben. »Ich hatte viele Mütter« weiterlesen »

Die Weichen zum Krieg

geschrieben von Hannah Geiger

8. März 2022

VVN-BdA-Onlineveranstaltung zu Hitlers Rede vor Düsseldorfs Industrie-Club 1932

Zum 90. Jahrestag des verhängnisvollen Ereignisses, am 26. Januar 2022, fand unsere Online-Veranstaltung »Wie die deutsche Wirtschaft dem Faschismus zur Macht verhalf« statt. Eingeladen war Ulrich Sander, langjähriges Mitglied des VVN-Bundesausschusses, der im Gespräch mit Maxi Schneider, Referentin für Geschichts- und Erinnerungspolitik der VVN-BdA, referierte. 140 Interessierte nahmen an der Veranstaltung teil. Auf YouTube wurde der Mitschnitt weit häufiger aufgerufen. Ziel der Veranstaltung war es, aufzuzeigen, wie die deutsche Wirtschaft den Faschismus fütterte und gedeihen ließ. Die Weichen zum Krieg weiterlesen »

Mit Terror »serbenfrei«

geschrieben von Gerald Netzl

8. März 2022

Ein »Großkroatien« war das Ziel der Ustaša. Ein Besuch in Jasenovac

Das in Kroatien gelegene Jasenovac ist kein gewöhnlicher Erinnerungsort an die Opfer des Faschismus. Der Ort ist im Ausland kaum bekannt und hat eine äußerst komplizierte Vergangenheit. Der Autor hat die Gedenkstätte und das Museum für die antifa besucht.

Von Hitlers und Mussolinis Gnaden

Im April 1941, nach der militärischen Niederlage Jugoslawiens, rief der kroatische Faschistenführer Ante Pavelić den sogenannten Unabhängigen Staat Kroatien (Nezavisna Drzava Hrvatska, NDH) aus. Er tat dies von Hitlers und Mussolinis Gnaden. Dieser Staat umfasste ziemlich genau das Territorium des heutigen Kroatien und Bosnien-Herzegowina. In diesem Vielvölkerstaat stellten die KroatInnen weniger als 60 Prozent der Bevölkerung. Annähernd zwei Millionen der 6,5 Millionen EinwohnerInnen waren SerbInnen, weitere 800.000 MuslimInnen, über 150.000 Deutsche und knapp 40.000 ­JüdInnen, UngarInnen, Roma und SlowenInnen. Die Ustaša (dt.: »Der Aufständische«) wollte mit Druck und Terror ein »serbenfreies« Großkroatien errichten. »Unerwünschte« Personen konnten willkürlich, ohne rechtsstaatliche Grundlage, für einen Zeitraum von drei Monaten bis zu drei Jahren in neu eingerichtete Arbeits- und Konzentrationslager eingewiesen werden. Viele Häftlinge in den Lagern starben infolge von Krankheit, Epidemien, Erschöpfung oder Misshandlung, bald kamen Massenexekutionen hinzu. Mit Terror »serbenfrei« weiterlesen »

Er will »alle« ansprechen

geschrieben von Thomas Willms

8. März 2022

Die Bewegung Zemmours vor der Wahl in Frankreich

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird der amtierende französische Präsident Emmanuel Macron am 24. April erneut in die Stichwahl um das mächtigste politische Amt Westeuropas einziehen. Die politische Linke wird schon beim ersten Wahlgang am 10. April keine große Rolle spielen, ihre traditionellen Parteien erst recht nicht. Außen vor steht auch die linkspopulistische Bewegung »La France Insoumise« von Jean-Luc Melénchon. Der Bedeutungsrückgang der Parteien erstreckt sich aber auch auf die politische Rechte, deren konservativer Flügel als »Les Republicains«, ihr extrem rechter Flügel als »Rassenblement National« antritt, Namen, die es vor wenigen Jahren noch nicht gab und die eine »Umgründung« der UMP respektive des Front National symbolisieren sollen. Er will »alle« ansprechen weiterlesen »

Regressiver Durchbruch

geschrieben von Cornelia Hildebrandt

8. März 2022

Europas rechte Parteien: Vormarsch auch dort, wo sie bisher kaum verankert waren

Betrachtet man heute die gesellschaftspolitischen Landschaften in Europa, so zeigt sich eine stärkere Dynamik auf Seiten der Rechten als auf Seiten der Linken. Selbst in Ländern, in denen extrem rechte Parteien bisher lange außerhalb des Parlaments blieben, gelang ihnen wie in Spanien 2019 mit der Vox (15 Prozent) und nun auch 2022 in Portugal mit Chega (7 Prozent) der parlamentarische Durchbruch als drittstärkste Kraft vor den Parteien der Linken.

Noch deutlicher wird die vorherrschende Dynamik, wenn man Wahlergebnisse oder derzeitige Umfragen der Linksparteien ins Verhältnis setzt zu denen extremer Rechter. In Frankreich z. B. liegt das Potenzial der drei Rechtsparteien mit Marine Le Pen (17 Prozent), Éric Zemmour (15 Prozent) und mit Valérie Pécresse (14 Prozent) bei gut 45 Prozent. Die Kandidaten der gespaltenen Linken unter Einschluss der Sozialisten und Grünen kommen auf 26 Prozent, darunter Jean-Luc Mélenchon auf elf Prozent. Regressiver Durchbruch weiterlesen »

Teil des Widerstands

geschrieben von PEAEA-DSE

8. März 2022

Bei der Befreiung Griechenlands nahmen Kriegsversehrte eine wichtige Rolle ein

Vor 80 Jahren, im Januar 1942, fand mit der Demonstration der Kriegsinvaliden der Kämpfe von 1940/41 deren erste öffentliche Widerstandsaktion gegen die Nazibesatzer statt.

Die militärischen Auseinandersetzungen mit den angreifenden italienischen und deutschen Truppen 1940/41 hatten auf griechischer Seite zu zahlreichen Kriegsinvaliden geführt. Mit der bedingungslosen Kapitulation wurde nicht nur die griechische Armee aufgelöst, sondern auch die Unterstützung für ehemalige Soldaten beendet. Insbesondere die mehr als 15.000 Kriegsinvaliden von 1940/41, die in den 19 Krankenhäusern von Athen lebten, die Militärdivision von Kreta, die in Athen interniert war, aber auch die Invaliden aus anderen ­Regionen des Landes, die wegen ihrer Verwundungen in den Krankenhäusern blieben, benötigten Hilfe und medizinische Betreuung. Daher sahen sich die Kriegsinvaliden im Januar 1942 zu dem öffentlichen Protest gezwungen. Sie forderten eine Verbesserung der Situation in den Krankenhäusern und ihrer Lebensbedingungen, sowohl in Bezug auf die Verpflegung als auch auf die Unterbringung. Im Ministerium übergaben sie General Georgios Bakos ein Memorandum mit ihren Forderungen, die der jedoch als übertrieben ablehnte. Als die versammelten Kriegsinvaliden über die ablehnende Haltung des Generals informiert wurden, waren sie so erbost, dass Fenster des Ministeriums eingeschlagen wurden und Minister Bakos, der sich als Kollaborateur der Besatzer gezeigt hatte, gezwungen wurde, die Forderungen der Kriegsinvaliden zu erfüllen, wobei auch den Reservisten Kretas ein gewisser Lohn gezahlt wurde. Teil des Widerstands weiterlesen »

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