Zum Tod von Ruth Klüger (1931 – 2020)
In ihrem provozierend-irritierenden Erinnerungs- und Reflexionsband »weiter leben. Eine Jugend« bescheinigte sich die Auschwitz-Überlebende und US-amerikanische Germanistin Ruth Klüger 1992 ein »Talent zur Freundschaft« oder genauer, man sage über sie, sie habe ein solches. Als Leser hat man den Verdacht, dass diese Freundschaften nicht ganz einfach gewesen sein können. Der vorherrschende Ton des Buches ist schneidend, bissig, angriffslustig. Verschont bleibt niemand – nicht ihr akademisches Milieu, nicht Anna Seghers und Paul Celan, nicht die eigene Mutter, nicht die eigenen Kinder und der deutsche Leser, für den »weiter leben« als »…ein deutsches Buch« geschrieben ist, schon gar nicht. Man kann sich gut vorstellen, dass Studierende mit gemischten Gefühlen zu ihren Seminaren geeilt sind. Zu lernen gab es bei ihr als führender Vertreterin ihres Faches in den USA sicher viel, aufmunternde Worte vermutlich wenige.



























