Langer Urlaub

geschrieben von Zusammengestellt: Ulrich Stuwe

15. Oktober 2020

Olaf Latzel, Pastor der innerstädtischen St.-Martini-Gemeinde in Bremen, wurde vom 9. Juli bis 24. August beurlaubt. Darauf verständigten sich laut Pressestelle der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK) führende Vertreter des Kirchenausschusses und Latzel in einem Dienstgespräch am 3. Juli. Anlass für das Treffen war die am  Tag zuvor veröffentlichte Klageerhebung durch die Staatsanwaltschaft Bremen wegen Volksverhetzung gegen den Pastor. Latzel soll bei einem Eheseminar 2019 Homosexuelle pauschal als Verbrecher und Homosexualität als »Degenerationsform der Gesellschaft« bezeichnet haben. Mitte August erklärte die BEK nach einem weiteren Gespräch, Latzel dürfe nun weiterarbeiten.

Facebook-Sperre bleibt

geschrieben von Zusammengestellt: Ulrich Stuwe

15. Oktober 2020

Das Oberlandesgericht Dresden hat Mitte Juni entschieden, dass die Facebook-Seite des rechten Netzwerks »Ein Prozent« weiterhin gesperrt bleiben darf. Das Netzwerk erklärte, man setze nun verstärkt auf die alternativen Kommunikationswege bei Telegram, Twitter und YouTube. Doch die juristischen Schritte seien noch nicht ausgeschöpft. Solange es noch Möglichkeiten gebe, »juristische Siege einzufahren oder unsere Gegner zu zwingen, Farbe zu bekennen,« müssten diese genutzt werden, heißt es bei »Ein Prozent«.

Sarrazin ausgeschlossen


geschrieben von Zusammengestellt: Ulrich Stuwe

12. Oktober 2020

Das oberste Schiedsgericht der SPD hat Ende Juli bestätigt, dass der ehemalige Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin aus der Partei ausgeschlossen ist. Bereits mehrmals hatte die Parteispitze versucht, Sarrazin loszuwerden. Er vertrete in seinen Äußerungen und Publikationen rassistische und islamfeindliche Thesen, die mit SPD-Werten unvereinbar seien. Weiter erklärte das Schiedsgericht, seine Auffassungen seien »eingebettet in eine Linie der Herabwürdigung von Menschen, vor allem muslimischen Glaubens, denen er nach dem Gesamteindruck seines Werks im Kern den gleichen Wert und die gleiche Würde abspreche.« Sarrazin kündigte an, vor ein Zivilgericht zu ziehen.

Angreifer wieder frei

geschrieben von Zusammengestellt: Ulrich Stuwe

12. Oktober 2020

In der Nacht zum 1. August sind im Erfurter Plattenbaugebiet Herrenberg drei Männer aus Guinea angegriffen worden. Zwei erlitten zum Teil schwere Verletzungen. Die Polizei ordnete die zwölf Tatverdächtigen der Partei »Der III. Weg« zu. Sie hätten sich in der Tatnacht vor dem Domizil der Partei aufgehalten und seien der Polizei größtenteils bekannt. Die mutmaßlichen Täter sind inzwischen wieder auf freiem Fuß. Die Staatsanwaltschaft sah keine Haftgründe.

Razzia in der Prignitz

geschrieben von Zusammengestellt: Ulrich Stuwe

12. Oktober 2020

Mit einer Großrazzia ist die Polizei in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt Anfang Juli gegen die neofaschistische Organisation »Freie Kräfte Prignitz« vorgegangen. Sieben Männer im Alter zwischen 32 und 40 Jahren hatten einen Brandanschlag auf eine Moschee in Wittenberge (Prignitz) vorbereitet. Außerdem soll die Neonazi-Gruppe Angriffe auf Geschäfte geplant haben, die von Inhabern mit Migrationshintergrund geführt werden. Bei den Durchsuchungen in sechs Objekten wurden laut Polizei unter anderem Schreckschuss-, Hieb- und Stichwaffen sowie scharfe Munition gefunden. Zudem seien verschiedene Nazidevotionalien, beispielsweise eine Armbinde mit Hakenkreuzaufdruck, und Propagandamaterial beschlagnahmt worden.

Vergessene Verfolgte

geschrieben von Andreas Siegmund-Schultze

9. Oktober 2020

Initiative in der Uckermark will an Opfer von Jugend-KZ erinnern

Große Aufmerksamkeit erhielten in diesem Frühjahr die Feiern zum 75. Jahrestag der Befreiung ehemaliger Konzentrations- und Vernichtungslager. Wie sich diese unter den Bedingungen der Corona-Pandemie überhaupt gestalten ließen, wurde häufig an Beispielen von Gedenkstätten gezeigt, die in der Öffentlichkeit ohnehin eine gewisse Bekanntheit haben. Doch was ist mit den Erinnerungsorten, die nicht im Fokus stehen?

Vor besondere Herausforderung war in Zeiten der Seuche auch die »Initiative für einen Gedenk-
ort ehemaliges KZ Uckermark e.V.« gestellt. Dabei handelt es sich um ein Netzwerk autonomer, feministischer Antifaschist*innen. Die Gedenkfeier auf dem früheren Gelände des Jugendkonzentrationslagers musste im April abgesagt werden. Die Uckermark-Initiative, die als Gruppe von Frauen, Lesben, Trans*- und Inter*-Menschen (FLTI*) organisiert ist, widmet einen wichtigen Teil ihrer Arbeit dem Erinnern an die im Jugend-KZ verübten Verbrechen. Vergessene Verfolgte weiterlesen »

Nicht angeklagt

geschrieben von Zusammengestellt: Ulrich Stuwe

9. Oktober 2020

Die zwei mutmaßlichen Haupttäter (NPD/AfD) im sog. »Neukölln Komplex« (rechte Anschlagsserie mit etlichen Bränden in Berlin-Neukölln) stehen ab 31. August vor Gericht. Aber nicht wegen Brandstiftung u.ä. sondern wegen Sprühereien und Stickern. Observationskräfte hatten die beiden dabei beobachtet. Auch beobachtet wurden sie beim ausspähen späterer Anschlagsziele. Bisher bleiben diese Taten ohne Anklage.

Ausschluss aus DPolG

geschrieben von Zusammengestellt: Ulrich Stuwe

9. Oktober 2020

Der sächsische AfD-Landtagsabgeordnete Lars Kuppi ist im August aus der »Deutschen Polizeigewerkschaft« (DPolG) ausgeschlossen worden. Anlass soll ein geplanter Auftritt Kuppis mit dem ehemaligen brandenburgischen AfD-Landespolitiker Andreas Kalbitz gewesen sein. Es werde eine rote Linie überschritten, wenn sich einzelne Mitglieder Menschen oder Flügeln zuwendeten, die vom Verfassungsschutz beobachtet würden, so Gewerkschaftschef Rainer Wendt. Kuppi war früher stellvertretender Vorsitzender des sächsischen Landesverbandes der DPolG. Landesvorsitzende Cathleen Martin sagte der »Sächsischen Zeitung«, die Mitgliedschaft Kuppis ruhe bis zur endgültigen Entscheidung des Landeshauptvorstandes. Dieser tage im Januar. Sie gehe davon aus, dass der Ausschluss bestätigt werde.

Zwangsarbeit bei Rheinmetall

geschrieben von Rheinmetall entwaffnen Rheinmain

6. Oktober 2020

Eine Gedenkinitiative will aufklären

»Durch ihren gewaltsamen Tod sind sie den Lebenden Mahnung zum Widerstand gegen das Unrecht.« Mit diesem Zitat aus der Inschrift des Verbandes der Sinti und Roma auf dem Mahnmal der Gedenkstätte Bergen-Belsen ist die erste Tafel der Ausstellung »Zwangsarbeit bei Rheinmetall – Der Weg der Erinnerung« überschrieben, die sich mit dem Konzentrationslager Tannenberg, einem Außenlager des KZ Bergen Belsen, auseinandersetzt. Zwangsarbeit bei Rheinmetall weiterlesen »

Kontinuitäten und Brüche

geschrieben von Jakob Knab

6. Oktober 2020

Jakob Knab über Sinnstiftung und Traditionspflege in der Bundeswehr

Die Aufarbeitung der Geschichte ist auch ein Kampf um die Deutungshoheit über die Vergangenheit. Bereits im September 1955, also zwei Monate vor der Gründung der Bundeswehr, wurde die ehemalige NS-Ordensburg in Sonthofen (Allgäu) neu benannt in »Generaloberst-Beck-Kaserne«.

Schon damals trat die Spaltung zwischen Reformern und Traditionalisten zutage. Kopf der Traditionalisten war General Josef Kammhuber. Er verordnete der Luftwaffe einen rückwärtsgewandten Heldenkult. Für ihn waren Boelcke, Immelmann und Richthofen, die Fliegerasse des Ersten Weltkrieges, Ideale in höchster Vollendung. Jahre später knüpfte er an Lent, Mölders und Marseille an, den hochdekorierten Fliegerhelden des Zweiten Weltkrieges. Kontinuitäten und Brüche weiterlesen »

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