Keine Berührungsängste

geschrieben von Joachim Aust

3. Dezember 2020

Ab 1929 wurde die NSDAP an der Macht beteiligt

Eine wichtige Lehre aus dem deutschen Faschismus ist der Prozess seiner Herausbildung innerhalb der Weimarer Republik (1918 – 1933). Ausschlaggebend dafür war die Tolerierung und Machtbeteiligung der Nazis ab 1929.

Bei der sächsischen Landtagswahl im Mai 1929 erhöhte die NSDAP ihre Mandatszahl von zwei auf fünf. Mit Hilfe der NSDAP, die eine rechtsbürgerliche Regierung tolerierte, stellte künftig die DVP den sächsischen Ministerpräsidenten. Im Juni errang die NSDAP bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Schwerin zwei Mandate und konnte mit 4,1 Prozent der abgegebenen Stimmen ihren Wähleranteil mehr als verdoppeln. Die übrigen Parteien konnten allein keine Landesregierung bilden. Die NSDAP-Gau-Leitung erhandelte eine Tolerierungsvereinbarung, nach der der Rittergutsbesitzer Karl Eschenburg (DNVP) als Chef einer Minderheitsregierung zum Ministerpräsidenten gewählt wurde. Wie von der NSDAP Mecklenburg-Lübeck verlangt, wurden daraufhin im September fünf verurteilte Feme-Mörder aus der Haft entlassen.

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Vor den Richtern der Völker

geschrieben von Ulrich Schneider

3. Dezember 2020

Vor 75 Jahren schuf der Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess Völkerrecht

»Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht!« So heißt es im Schwur von Buchenwald vom 19. April 1945. Die überlebenden Häftlinge richteten ihre Hoffnung dabei auf die alliierten Siegermächte, die schon im Oktober 1943 in Moskau festgelegt hatten, dass die Hauptkriegsverbrecher sich vor einem Gericht der Völker verantworten sollten.

Basierend auf dem »Londoner Statut«, in dem sich die vier Siegermächte über das Verfahren verständigt hatten, wurde am 20. November 1945 in Nürnberg, der Stadt der NSDAP-Reichsparteitage, der Prozess gegen 24 Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof eröffnet.

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Neue Ikone der Rechten

geschrieben von  Janka Kluge

30. November 2020

Wortgewandtes Übermenschentum im Comedy-Format

An der Comedian Lisa Eckhart kommt man zurzeit im Feuilleton nicht vorbei. Sie scheint überall Gesprächsthema zu sein. Gab es im August wirklich Drohungen gegen eine Lesung von ihr in Hamburg? Oder war es ein geschickter Marketingtrick, um ihr Buch »Omama« in die Schlagzeilen zu bringen. Ein Buch, von dem selbst wohlmeinenden Kritiker schreiben, dass es ihnen schwer gefallen ist, eine Handlung zu finden.

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Wer entscheidet

geschrieben von Lisa Mangold

30. November 2020

»Cancel Culture« und Diversität im Kulturbetrieb

Es ist kein Zufall, wer eine Fernsehsendung moderiert, auf der Bestsellerliste steht oder wessen Stimme in einer Talkshow gehört wird. Die Auswahl wurde von Menschen getroffen, der Marktwert abgeschätzt, Netzwerkkontakte haben diese Entscheidungen befördert, der Mensch und sein Produkt müssen zu dem Konzept passen. Im kulturellen Raum Deutschlands sind mehrheitlich weiße Menschen zu sehen, vor allem Männer. Es werden sexistische Witze erzählt, antisemitische Mythen weitergegeben und rassistische Dialoge geführt. Schauen wir uns die Geschlechterverteilung an: Moderator*innen und Journalist*innen sowie Expert*innen in TV-Informationssendungen sind zu 80 Prozent männlich. Ein Drittel der Programme im Fernsehen kommt laut der Studie »Audiovisuelle Diversität« der Universität Rostock ganz ohne Protagonistinnen aus.

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Ein europäisches Ereignis

geschrieben von Axel Holz

27. November 2020

Neuer Blick auf den Hitler-Stalin-Pakt

Die Historikerin Claudia Weber von der Viadrina-Universität Frankfurt/Oder hat 80 Jahre nach dem Nichtangriffspakt zwischen Nazi-Deutschland und der Sowjetunion ein neues Buch über die umstrittene Vereinbarung vorgelegt. In einer Video-Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung nannte sie das Vertragswerk ein europäisches Ereignis. Dieser Blick ist neu, ebenso wie der Bezug zur Kontinuität erfolgreicher wirtschaftlicher Beziehungen beider Länder seit dem Rapallo-Vertag 1922 und den detaillierten Informationen über die Organisation des Bevölkerungsaustausches nach der Besetzung Polens durch Deutschland und die Sowjetunion.

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Strategien der Bewältigung

geschrieben von Dana Vowinckel & Emma Samme

27. November 2020

Tipps zum Umgang mit der Mehrheitsgesellschaft

Max Czolleks zweiter Essayband trägt den kurzen aber komplexen Titel »Gegenwartsbewältigung«. Czollek, geboren 1987, legt hier folgend auf seinen Bestseller »Desintegriert Euch!« (2018) ein weiteres Plädoyer für ein Um- und Neudenken der deutschen Gesellschaft vor.

Czollek ist jüdischer Publizist, Lyriker und Politikwissenschaftler. In seinen Büchern ist er vor allem eins: wütend. Wütend auf ein Deutschland, das er in seinem polemischen Aufruf Desintegriert Euch! als ein Land beschreibt, das erfolgreich seine eigene Geschichte verdrängt oder sich für diese sogar anerkennend auf die Schulter klopft. Ein Land, das dabei für sein Gedächtnistheater die lebendigen und toten Juden benutzt. Wütend auf alle, die das mitmachen.

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Vernichtungskrieg im Osten

geschrieben von Jakob Knab

27. November 2020

Sammelband zu deutschen Verbrechen in Polen und der Sowjetunion

Neben dem Holocaust war der Ausrottungs- und Vernichtungskrieg der Wehrmacht das übelste Kapitel in der deutschen Geschichte. Die Frage, wie mit der NS-Vergangenheit umzugehen sei, war in der »alten« Bundesrepublik stets heftig umstritten. Schon bald nach Kriegsende wurde die Forderung laut, endlich einen »Schlussstrich« unter die politische und strafrechtliche Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit zu ziehen. Jahrzehnte später gelangte Jürgen Habermas zu der Einsicht: »Je mehr die Bosheit zunimmt, um so stärker ist offenbar die Nötigung, das Verschuldete zu verdrängen.« Zu dieser wirkungsmächtigen Verdrängungsstrategie gehörte die Legende von der sauberen Wehrmacht. Mit der Eröffnung der Wehrmachtsausstellung wurde ab 1995 diese Legende zerstört, obwohl Veteranen der Wehrmacht dagegen aufmarschierten und der damalige Bundesminister der Verteidigung, Volker Rühe (CDU), den Soldaten der Bundeswehr jeden Kontakt mit der Ausstellung verbot. Dennoch kam es im Gefolge der Ausstellung zu einem Umdenken in der Traditionspflege. Anstößen aus der Zivilgesellschaft war es zu verdanken, dass Kasernen, die Kriegshelden der Wehrmacht (u.a. Dietl, Kübler, Mölders) öffentlich ehrten, widerwillig umbenannt wurden.

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Abrüsten statt Aufrüsten

geschrieben von abruesten.jetzt

26. November 2020

Aus dem Aufruf zum bundesweiten Aktionstag am 5. Dezember

Das Gespenst des Kalten Krieges ist zurück. Die Welt wird zu einer zerbrechlichen Einheit. Der Nationalismus breitet sich aus. Soziale Ungleichheiten spitzen sich zu. Die globale Klimakrise bedroht die Menschheit. Kriege und Naturzerstörung sind entscheidende Gründe für Flucht und Vertreibung. Die Corona-Pandemie ist ein Beleg dafür, dass die sozialen und ökologischen Schutzschichten des menschlichen Lebens dünn geworden sind. Das 21. Jahrhundert wird entweder ein Jahrhundert neuer Gewalt oder ein Jahrhundert des nachhaltigen Friedens. Darüber entscheiden wir heute. Wir brauchen zivile Antworten, bei uns, in Europa und weltweit.

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Umgang mit Vergangenheit

geschrieben von Regina Girod

24. November 2020

Ein Vergleich US-amerikanischer und deutscher Erfahrungen

Unter dem provokanten Titel »Von den Deutschen lernen« hat sich die US-amerikanische Philosophin Susan Neiman der Frage gestellt, »wie Gesellschaften mit dem Bösen in ihrer Geschichte umgehen können«. Herausgekommen ist ein 600 Seiten starkes Buch, das Ende letzten Jahres auf Englisch und nun auch in deutscher Übersetzung bei Hanser erschienen ist. Titel und Untertitel dürften dem Verkaufserfolg des Buches hierzulande kaum zuträglich sein, mich jedenfalls hat die Kategorie des »Bösen in der Geschichte« genauso irritiert wie die Idee, dass in dieser Frage etwas von den Deutschen zu lernen sei. Zum Glück habe ich mich davon nicht abhalten lassen und konnte mich schnell auf die interessanten und streitbaren Ansichten der Autorin einlassen. Sie behandelt Fragen, vor denen auch Antifaschistinnen und Antifaschisten immer wieder stehen: Kann man überhaupt aus der Geschichte lernen? Ist das mehr ein gesellschaftspolitischer oder ein psychologischer Prozess? Welche Rolle spielen die politischen Bedingungen?

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Geschichte erfahren

geschrieben von Christin Kaspari

24. November 2020

Dokumentation über ein Jugendprojekt in Buchenwald

Contemporary Past – das erste Regieprojekt von Kamil Majchrzak (VVN-BdA Berlin) ist ein dokumentarischer Essay, der nicht nur die Frage nach der ewigen Bewahrung des Erinnerns an den Holocaust stellt, sondern gleichzeitig auch ein Hinterfragen der sogenannten deutschen Erinnerungskultur ist. Beides wird möglich, indem
22 Schüler_innen aus Rumänien, Polen und Deutschland filmisch begleitet werden, wie sie die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald besuchen. Ihre Motive, an der Reise teilzunehmen, sind ganz unterschiedlich. Einigen geht es anfänglich bloß darum, eine gute Zeit weg von Zuhause zu haben. Andere sind in ihrer Schule bereits Teil einer Gruppe, die versucht, über die Diskriminierung von Sinti_zze und Rom_nja in Rumänien aufzuklären. Gemeinsam nähern sie sich der Geschichte Buchenwalds an. Auch, indem sie zu einzelnen Ermordeten persönliche Daten recherchieren und mit diesen Informationen Fundstücke kategorisieren oder Gedenksteine beschriften. Den Rahmen der Dokumentation bilden so das Erleben und persönliche Entwickeln der Schüler_innen.

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