Terroranschlag

23. März 2020

Im hessischen Hanau hat in der Nacht zum 20. Februar ein Mann neun Menschen mit migrantischen Hintergrund, seine Mutter und sich selbst erschossen. Am 19. gegen 22 Uhr hatte der Täter zunächst vier Menschen in und vor einer Shisha-Bar und einem Café getötet. Er fuhr dann unbehelligt in einen anderen Stadtteil und ermordete in bzw. vor einem weiteren Café fünf weitere Menschen. Gegen 3 Uhr morgens fand die Polizei den Täter und seine Mutter ebenfalls erschossen in seiner Wohnung vor. Der Täter besaß als Sportschütze legal eine Waffe. Er hinterließ eine Videobotschaft und ein schriftliches »Manifest«, die neben wirren Verschwörungstheorien seine rassistische Gesinnung offenbaren. Die Morde gehören zur Kette rechter Gewalttaten, deren verbindendes Element eine stetige Radikalisierung der Täter durch Unterstützer in der digitalen und realen Welt ist.

Bombe an der KZ-Gedenkstätte

23. März 2020

Am 19. Januar ist an der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora ein Sprengsatz entdeckt worden. Nach kriminaltechnischen Untersuchungen steht Ende Februar nun fest, dass es sich bei dem verdächtigen Päckchen »um einen zündfähigen Sprengkörper, mit ernstzunehmender Wirkung« handelte, teilte die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora in Weimar mit. Eine Sprecherin der Polizei gab an, dass wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz ermittelt werde. Es gäbe derzeit keine konkreten Hinweise auf einen politischen Hintergrund. Das thüringische Innenministerium betonte aber, dass dieser auch nicht ausgeschlossen sei.

Kein Pakt mit Nazis

23. März 2020

Auszüge aus der Rede von Ferda Ataman zum 20. Jahrestag der Gründung von attac

1. Das Problem

Wir leben in einer Zeit, in der eine bisweilen faschistische, stramm nationalistische Partei erschreckend viele Wähler*innenstimmen bekommt und in allen Parlamenten sitzt. Wir leben in einer Zeit, in der der Chef des Bundesverbands der Feuerwehr sich gegen die AfD positioniert – und am Ende gehen muss. Etwa zur gleichen Zeit bekommt die ›Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes und der Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten‹ die Mitteilung, dass ihnen die Gemeinnützigkeit aberkannt wird. Anfang letzten Jahres, das wissen Sie, entschied der Bundesfinanzhof über die Gemeinnützigkeit von Attac und erklärte, dass die ›Einflussnahme auf politische Willensbildung und Gestaltung der öffentlichen Meinung […] keinen gemeinnützigen Zweck erfüllt.‹ So allgemein formuliert ist diese Aussage fatal und demokratieschädigend. Kein Pakt mit Nazis weiterlesen »

Gemeinnützigkeit und Antifaschismus

geschrieben von Erika Klantz

23. März 2020

VVN-BdA diskutierte das Thema öffentlich in Berlin

Die juristischen und politischen Hintergründe, Auswirkungen und Gegenmaßnahmen hinsichtlich des Verlustes der Gemeinnützigkeit unserer Bundesvereinigung waren die Themen der Podiumsdiskussion »Auf dem Weg zur dritten Schuld?«, die am 14. Februar in der TU Berlin stattfand.

Annähernd 70 Interessierte fanden sich in dem Hörsaal des TU-Hauptgebäudes ein. Auf dem Podium diskutierten die Rechtsanwälte Eberhard Reinecke aus Köln, Hans E. Schmitt-Lermann aus München, Rechtsanwältin Gabriele Heinecke aus Hamburg mit der Vorsitzenden der VVN-BdA, Cornelia Kerth. Gemeinnützigkeit und Antifaschismus weiterlesen »

Widerspruch!

23. März 2020

Zum Beitrag von Rosel Vadehra-Jonas »Nationalismus raus aus den Köpfen« in der Januar-Ausgabe

So, wie in dem angegebenen Artikel, werden durch Aktivitäten der deutschen Lagergemeinschaft Ravensbrück/Freundeskreis (LGRF) und auch durch die kurz genannte Uckermark-Initiative in Wort, Schrift, im Internet, auf Veranstaltungen und auch auf der Tagung in Heideruh seit mehr als einem halben Jahrzehnt Verunglimpfungen antipolnischen Charakters verbreitet.

Meiner Meinung nach diffamieren die Funktionsträger der LGRF national und international das Gedenken der Polinnen und Polen zu Unrecht als nationalistisch und antisemitisch. Das Entsetzen polnischer Überlebender darüber wird nicht zur Kenntnis genommen, ebenso wenig wie Briefe der beleidigten Jugendlichen, geschweige denn wird angemessen darauf reagiert. Widerspruch! weiterlesen »

Für Konsens und Vernunft PC Walther verstand es, mit Widersprüchen umzugehen

geschrieben von Ernst Antoni

23. März 2020

Anfang 2005, vor 15 Jahren, veröffentlichten wir in der kurz davor zu einer »gesamtdeutschen« VVN-Zeitschrift fusionierten »antifa« (die »Ost«-Zeitschrift hieß schon seit Anfang der 90er-Jahre so, das »West«-Vorgängerblatt »antifa-rundschau«) eine Seite »antifa-Redaktion stellt sich vor«. Mit Fotos und Kurzbiographien der damaligen Redaktionsmitglieder.

Eines der Porträts zeigte einen freundlichen nicht mehr ganz jungen bärtigen Herren: »Peter Christian (PC) Walther«, stand darunter, »Jahrgang 1932, Journalist. Von 1968 bis 1978 Redakteur VVN-Zeitung ›die tat‹. Seit über 50 Jahren politisch engagiert in diversen Funktionen als Gewerkschafter, Sozialist, Sozialdemokrat, Antifaschist und friedenspolitisch; seit 1973 in der VVN-BdA; nach 1990 auch auf Bundesebene aktiv. Verheiratet, 3 Kinder, 2 Enkel. Beheimatet in Südhessen.« Für Konsens und Vernunft PC Walther verstand es, mit Widersprüchen umzugehen weiterlesen »

Wolfenbüttel

geschrieben von Alfred Hartung/Michael Rössig

23. März 2020

Blutjustiz der Nazizeit und Repression im Kalten Krieg

Im November 2019 wurde in der Haftanstalt Wolfenbüttel, Niedersachsen, eine Dokumentationsstätte eröffnet, die zusammen mit der KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen von der »Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten« verwaltet wird. In Vorbereitung der Neukonzeption hatten sich u.a. die niedersächsische VVN-BdA, die »Initiative zur Rehabilitierung der Opfer des Kalten Krieges« und die AG »Kinder des Widerstandes« stark dafür eingesetzt, dass auch die Geschichte und Nachnutzung dieser Nazi-Hinrichtungsstätte nach der Befreiung berücksichtigt wird. Dies ist in der neuen Ausstellung – teilweise mit Archivalien aus dem VVN-Archiv – umgesetzt worden. Wir drucken im Folgenden einen gekürzten Artikel von Michael Rössig aus der UZ vom 13.12.19 nach, der durch Fotos aus der Ausstellung von der VVN ergänzt wurde: Wolfenbüttel weiterlesen »

Gegen die Republik

geschrieben von Gerald Netzl

23. März 2020

Vor 100 Jahren scheiterte der Kapp-Putsch

Schon früh war in der Weimarer Republik in der nationalistischen Rechten die Zuversicht gewachsen, dass das »republikanische Zwischenspiel« an sein Ende gekommen wäre. Besonders in den »Freikorps« sammelte sich der Kern eines kämpferischen, antidemokratischen Nationalismus, für den die verfassungsmäßige Regierung der »Novemberverbrecher« einfach nur eine »Schandregierung« war.

Am Morgen des 13. März 1920, Punkt 7 Uhr, marschierte mit der verbotenen Reichskriegsflagge an der Spitze und mit klingendem Spiel die Marinebrigade Ehrhardt durch das Brandenburger Tor. Auf den Stahlhelmen prangte bereits ein aufgemaltes Hakenkreuz. Mit Inkrafttreten des Versailler Vertrags sollten Freikorps und Reichswehr von mehr als 500.000 Bewaffneten auf 100.000 (plus 15.000 Mann für die Reichsmarine) reduziert werden. Das schmeckte den Betroffenen natürlich nicht. Die reguläre Reichswehr, deren Aufgabe es gewesen wäre, die Regierung zu schützen, weigerte sich, gegen die Putschisten zu kämpfen. Reichswehr-Truppenamt-Chef von Seeckt soll gesagt haben »Truppe schießt nicht auf Truppe«. Wolfgang Kapp war ein hoher Verwaltungsbeamter, seine nächsten Mitverschwörer waren General Walther von Lüttwitz und Erich Ludendorff.

Reichpräsident Friedrich Ebert, Reichskanzler Gustav Bauer (beide SPD) sowie der Großteil der Minister entkamen knapp nach Dresden und flohen von dort weiter ins sicherere Stuttgart. In dieser bisher schwersten Krise der jungen Weimarer Republik sprangen die freien Gewerkschaften unter Führung von Carl Legien in die Bresche. Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund (ADGB) rief zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft freier Angestelltenverbände (AfA) die ArbeiterInnen, Angestellten und BeamtInnen zum Generalstreik gegen die Putschisten auf. Die gleiche Parole wurde vom Vorsitzenden der SPD, Otto Wels, ausgegeben. USPD, der Deutsche Beamtenbund und liberale Gewerkschaften standen nicht abseits. Obwohl der christliche Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) offiziell den Generalstreik ablehnte, schloss er sich de facto dem Kampf an und auch die Führung der (damals noch sehr kleinen) KPD, die sich zunächst dem Kampf für die Rettung der demokratischen Republik verweigert hatte, entschied sich schließlich zum Mitmachen.

Der Generalstreik entfaltete sich mit voller Macht; er entzog den Putschisten den Boden. Carl Legien erwies sich während des Generalstreiks nicht nur als glänzender Organisator und Koordinator, sondern er wurde auch zum Dreh- und Angelpunkt zwischen Reichsregierung, Koalitionsparteien, USPD und der mobilisierten Arbeiterschaft. Und man entwickelte politische und soziale Forderungen, die der Weimarer Republik ein stabileres Fundament geben sollten (Sozialisierung von Bergbau und Energiegewinnung, Demokratisierung der Verwaltung und der Betriebe, Ausbau der Sozialgesetzgebung etc.). Eine wirkliche Chance, das in der Novemberrevolution Versäumte nachzuholen, bestand allerdings nicht. Jedoch musste auch der unpopuläre Reichswehrminister Gustav Noske (SPD) zurücktreten.

In Berlin, Mitteldeutschland und vor allem im Ruhrgebiet ging der Generalstreik in linke Aufstände über. Die »Rote Ruhrarmee« beherrschte nach schweren, oft brutalen Kämpfen zeitweise fast das ganze Ruhrgebiet. Aber nicht lange, denn bald wurde reguläre Reichswehr gegen diese Aufständischen eingesetzt und es entfaltete sich ein »weißer Terror«. Bereits im Juni 1920 fanden Reichstagswahlen statt, deren Gewinner die nationalliberale DVP und die rechts außen angesiedelte DNVP waren, dem Kabinett gehörten keine Sozialdemokraten mehr an. Für die nächsten acht Jahre wurde das katholische Zentrum die tragende Regierungspartei. Wobei schon dreieinhalb Jahre später der nächste Putsch von rechts passierte, am 9. November 1923 von Hitler und Ludendorff in München. Wolfgang Kapp floh nach Schweden und stellte sich im Frühjahr 1922. Den Hochverratsprozess vor dem Reichsgericht in Leipzig erlebte er nicht mehr, er starb nach einer Operation am 12. Juni 1922 im St.-Georg-Krankenhaus in Leipzig. Der erfolgreiche Generalstreik gegen den Kapp-Putsch lehrt, dass eine demokratische Gesellschaft starke, freie, politische Gewerkschaften und GewerkschafterInnen braucht. Damals wie heute.

Der Widerstand wächst Antifaschistischer Protest gegen NS-Glorifizierung in Ungarn

geschrieben von Florian Gutsche

23. März 2020

Am Samstag, dem 8. Februar, trafen sich Neonazis aus ganz Europa in Budapest und gedachten der sogenannten Helden des erfolglosen faschistischen Ausbruchsversuchs aus dem Kessel der Roten Armee im Februar 1945. Dieses Jahr traf das Neonazievent jedoch auf breiteren Protest als in den letzten Jahren. Der Widerstand wächst Antifaschistischer Protest gegen NS-Glorifizierung in Ungarn weiterlesen »

Aufstehen gegen Rassismus

23. März 2020

Weltweit gewinnen rassistische und faschistische Kräfte an Einfluss. Auch in Deutschland nehmen Antisemitismus, Antiziganismus und antimuslimischer Rassismus zu. Gewaltbereite Nazi-Strukturen machen sich vor dem Hintergrund einer flächendeckenden Präsenz der AfD breit. Der Terroranschlag von Halle und der Mord an Regierungspräsident Walter Lübcke sind nur die Spitze des Eisbergs.

Die AfD hat sich weiter radikalisiert. Der Einfluss des neofaschistischen Flügels ist gewachsen, die angeblich gemäßigten Kräfte um Parteichef Meuthen haben ein Stillhalteabkommen mit Höcke & Co. Wir werden am 21. März darauf hinweisen, dass der Anstieg des Rassismus in der Gesellschaft und die Präsenz von extremen Rechten in den Parlamenten und auf den Straßen Hand in Hand gehen. Aufstehen gegen Rassismus weiterlesen »

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