Wer erinnert heute an wen? Gedenkpolitik als Ausdruck nationalistischer Narrative

geschrieben von Franziska Bruder

23. März 2020

Am 19. April 2020 wird der 75. Jahrestag der Befreiung des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück begangen. Wie derzeit auch an anderen Orten wie bspw. dem Marzahner Parkfriedhof im Januar 2020, erwarten AntifaschistInnen dort erinnerungspolitische Konflikte. Seit 2018 mussten sie sich hier mit dem geschichtspolitisch exklusiven Agieren der rechts-konservativen polnischen PiS-Regierung und ihrer Anhänger sowie dem Auftreten rechtsextremer Polen mit Fahnen der Narodowe Siły Zbrojne (NSZ, Nationale Streitkräfte) auseinander setzen. Wer erinnert heute an wen? Gedenkpolitik als Ausdruck nationalistischer Narrative weiterlesen »

Widerstand in Brandenburg

geschrieben von Günter Wehner

23. März 2020

Eine historische Spurensuche

Die soeben erschiene Publikation von Dr. Hans-Rainer Sandvoß stellt überzeugend unter Beweis, dass die Thematik des antifaschistischen Widerstands gegen das NS-Regime immer noch große weiße Flecken aufweist, die weiter zu erforschen sind. Auf diesen Umstand verweist der Autor treffend, über siebzig Jahre nach Ende der NS-Schreckensherrschaft liegt z.B. immer noch keine Gesamtdarstellung zum Widerstand in der früheren Provinz Brandenburg vor.

Im Kapitel »Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold und der verlorene Kampf um die Weimarer Republik« belegt er mit sorgfältig recherchierten Fakten, wie früh sich die Angehörigen des Reichsbanners dem aufkommenden Faschismus in Deutschland entgegenstellten und das Ringen gegen die braune Diktatur nach dem 30. Januar 1933 fortsetzten. Widerstand in Brandenburg weiterlesen »

Die Spuren von Pete Seeger

geschrieben von Walter Kaufmann

23. März 2020

Wer kennt sie nicht, die Songs von Pete Seeger – Where have all the flowers gone, Turn, turn, turn oder If I had a hammer, Songs, die ihn zum Vater des Folkrevivals machten. Immer trat er für die Sache der Arbeiter ein, für Rassengleichheit, Frieden und Bürgerrechte; als Kommunist geriet er zwischen die Mühlsteine der McCarthy-Ära, was ihn siebzehn Jahre lang vom US-amerikanischen Rundfunk verbannte. Er fand andere Wege, sang in Schulen, bei Jugendtreffen und vor Gewerkschaftern – und mit seinem Segelschiff Clearwater stellte er sich an die Seite derer, die sich für saubere Flüsse, einen sauberen Hudson einsetzten. Power of Song, der ihm gewidmete Dokumentarfilm, lässt ihn wunderbar zu Wort kommen, auch seine Weggefährten Arlo Guthrie, Joan Baez, Bob Dylan, Johnny Cash, Bruce Springsteen, und natürlich seine Familienangehörigen. Die Spuren von Pete Seeger weiterlesen »

Von wegen angepasst Elfriede Brüning – Feministin, Sozialistin, Antifaschistin

geschrieben von Wolfgang Herzberg

22. März 2020

Elfriede Brüning (1910-2014) war eine der beliebtesten Frauenautorinnen der DDR. Günter Kunert verstieg sich 2000 in der »Welt« dazu, sie »brave Parteigängerin des realen Idiotismus« zu nennen, die ihre »Hervorbringungen« angeblich »problemlos veröffentlichen« konnte. Dass ihre Bücher schon deshalb nicht aus der Literaturgeschichte zu streichen sind, weil sie zur »Bückware« zählten, also nur an Vorzugskunden verkauft wurden, entnimmt man einer Studie von Sabine Kebir. Sie durchforstete den Brüning-Nachlass, der im Dortmunder Fritz-Hüser Institut liegt, das eine bedeutende Sammlung von Literatur der Arbeitswelt pflegt. Von wegen angepasst Elfriede Brüning – Feministin, Sozialistin, Antifaschistin weiterlesen »

Führer-Phantasien

geschrieben von Janka Kluge

22. März 2020

Die »Zukunftsvisionen« des Björn Höcke

Björn Höcke hat seine Ideen für ein künftiges Deutschland in einem Buch gebündelt und im kleinen rechten »Manuscriptum Verlag« veröffentlicht. Dabei handelt es sich um ein langes Interview, dass Sebastian Hennig mit ihm geführt hat. Die beiden verstehen sich gut, es gibt keine kritischen Nachfragen. Im Gegenteil, sie ergänzen sich und spielen sich Gedankenbälle zu. Schon der Titel des Buches »Nie zweimal in denselben Fluss« lässt aufmerken.

Was meint Höcke damit? Er beschreibt so seine Distanzierung von Hitler und der NSDAP. »Der Nationalsozialismus und Faschismus sowie der Kommunismus versuchten Anfang des 20. Jahrhunderts mit brachialen Mitteln und Methoden, die Krisen der Modernen in den Griff zu bekommen, scheiterten aber dramatisch und hinterließen Trümmerfelder, auf denen sich der zersetzende Materialismus noch ungezügelter ausbreiten konnte.« Führer-Phantasien weiterlesen »

Neue Einsichten, alte Mythen

geschrieben von Jakob Knab

22. März 2020

Die beiden namhaften Autoren des im November erschienen Buches »Die Wehrmacht – Krieg und Verbrechen« sind ausgewiesene Kenner der deutschen und preußischen Militärgeschichte. Zudem verfassten sie eine Reihe profilierter Gutachten zu historisch bedenklichen und geschichtspolitisch umstrittenen Traditionsnamen in der Bundeswehr. Aus diesen Gründen wird man diese Neuerscheinung mit erwartungsvoller Spannung zur Hand nehmen.

Das erste Kapitel befasst sich mit der ­Blockade von Leningrad. Diese Millionenstadt wurde am 8. September 1941 von der Heeresgruppe Nord eingeschlossen. Zu Beginn der Blockade war der im Text nicht genannte GFM Ritter von Leeb der Oberbefehlshaber. Nach Leebs Rücktritt bekam Küchler am 17. Januar 1942 das Kommando über diese HG. Der Leser erfährt nicht, dass Leeb bis 1992 in der Bundeswehr traditionswürdig war, obwohl er u.a. auch wegen der Weitergabe des Kommissarbefehls zu drei Jahren Haft verurteilt worden war. (Nota bene: Tradition ist nicht Geschichte, sondern eine absichtsvolle und sinnstiftende Auswahl aus ihr.) Auch der Durchhaltekrieger Fahnert war bei der Blockade von Leningrad dabei. Jener Fahnert, der schon ab September 1904 bei der Niederwerfung des Aufstandes der Herero und Nama dabei war, war zudem bis Oktober 2016 Kasernenpatron der Bundeswehr in Karlsruhe. Doch davon wollen die beiden Autoren nichts wissen. Neue Einsichten, alte Mythen weiterlesen »

Gewöhnung ans Autoritäre Die beiden Verfilmungen von Siegfried Lenz′ Roman »Deutschstunde«

geschrieben von Axel Holz

22. März 2020

Seit dem Erscheinen von Siegfried Lenz′ Roman »Deutschstunde« im Jahre 1968 hat er Millionen Leser gefunden. Lenz scheint einen Punkt getroffen zu haben, der die neue Generation faszinierte und die ältere nachdenklich stimmen konnte.

Bereits 1971 wurde das Buch in einem zweiteiligen Fernsehfilm in der Regie von Peter Beauvais verfilmt. Derzeit, fünfzig Jahre später, läuft eine Neuverfilmung in den Kinos. Unter der Regie von Christian Schwochow, nach einem Drehbuch seiner Mutter Heide, glänzen Ulrich Nöthen in der Rolle des Dorfpolizisten Jens Ole Jespen und Tobias Moretti als Maler Max Jansen, der an die Person des Malers Emil Nolde angelehnt ist. Gewöhnung ans Autoritäre Die beiden Verfilmungen von Siegfried Lenz′ Roman »Deutschstunde« weiterlesen »

Angriffe auf den Kulturbereich Erfahrungen der Initiative »Verlage gegen Rechts«

geschrieben von Lisa Mangold

22. März 2020

In den vergangenen Jahren waren auf den deutschen Buchmessen rechtsextreme Verlage und ihre Autoren vertreten. In Reaktion auf die Präsenz rechtsextremer Verlage und Akteurinnen auf Buchmessen gründete sich 2017 die Initiative »Verlage gegen Rechts« (VgR). Bei der Leipziger Buchmesse im März diesen Jahres hat sich von den größeren rechten Verlagen bislang lediglich Compact angemeldet, weder die Junge Freiheit noch Cato oder der Antaios Verlag haben einen Stand gebucht.

Nun ist es angesichts des Erstarkens der Rechten und rechter Gewalt sowie Schulterschlüssen zwischen Konservativen und Rechtsextremen nicht angesagt, das Fernbleiben von der Messe als politischen Erfolg zu bejubeln. Eher noch liegt die Vermutung nahe, dass diese Schulterschlüsse und die Anwesenheit rechter Intellektuellen in gesellschaftlichen Debatten und Talkformaten ihr Agieren auf der Messe überflüssig gemacht haben. Angriffe auf den Kulturbereich Erfahrungen der Initiative »Verlage gegen Rechts« weiterlesen »

Eine mehr als trübe Quelle

geschrieben von Hans-E. Schmitt-Lermann

22. März 2020

Hintergründe der Attacken auf die Gemeinnützigkeit der VVN-BdA

Nachdem das Finanzamt Berlin der VVN-BdA-Bundesorganisation den Entzug der steuerlichen Gemeinnützigkeit angekündigt hatte, wurde ich gebeten, eine Inhaltsanalyse zu regionalen Entscheidungen abzugeben, die in der Bundesrepublik allein stehen und auf die sich das Amt in Berlin alleine beruft. Hier meine Stellungnahme zur einzigen Entscheidungsgrundlage des Finanzamtes Berlin: Der regelmäßigen Nennung des Landesverbandes Bayern der VVN-BdA im Bayerischen Landesverfassungsschutzbericht, deren Bestätigung durch die 22. Kammer des Verwaltungsgerichts München 2014 (M 22K 11.2221) nach einer Klage des betroffenen Verbandes und die Nichtzulassung der Berufung durch den 10. Senat des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes 2018 (10 ZB 15.795). Eine mehr als trübe Quelle weiterlesen »

Willkommen in der VVN-BdA

27. Februar 2020

Wir begrüßen unsere mehr als1300 neuen Mitglieder

Eine riesige Welle der Solidarität hat uns erreicht, nachdem uns das Finanzamt für Körperschaften in Berlin die Gemeinnützigkeit für die vergangenen drei Jahre abgesprochen und Steuer-Nachforderungen in fünfstelliger Höhe gestellt hat. All die wichtigen öffentlichen Stellungnahmen, die Petition, politische und juristische Unterstützungs-angebote und nicht zuletzt eine beträchtliche Spendenbereitschaft machen uns Mut. Mit soviel Unterstützung kämpft es sich doch gleich viel optimistischer.

Wir begreifen die enorme Unterstützung und Wertschätzung, die wir in den letzten Wochen des Jahres erfahren durften, auch als Auftrag, unsere Anstrengungen im Sinne der überlebenden Widerstandskämpferinnen und Verfolgten des Naziregimes zu verstärken:

Die Erinnerung an Verfolgung und Widerstand wach zu halten, neue Formen des Gedenkens unter Einbeziehung aller Verfolgtengruppen zu entwickeln und ihre historische Erfahrung in die gesellschaftliche Debatte einzubringen. Dazu gehören auch die Opfer rassistischer Gewalt heute.

Die Bestrafung der Täter und die Entschädigung der Opfer zu verlangen, Verantwortliche zu benennen, Aufklärung und Konsequenzen für Zukunft einzufordern.

Deutsche Großmachtträume, die schon zwei Weltkriege verursacht haben, zum Platzen zu bringen. Für Abrüstung statt Aufrüstung, Auslandseinsätze und Rüstungsexporte einzutreten.

Die solidarische Unterstützung von Geflüchteten und von politischen Initiativen gegen die Abschottung Europas.

Nazis und Rassisten entgegenzutreten, wo immer sie den öffentlichen Raum für sich und ihre mörderische Ideologie beanspruchen.

Die schleichende »Normalisierung« der AfD aufzuhalten oder, wie Erich Kästner sagte: »den Schneeball zertreten bevor er zur Lawine wird«.

Wir freuen uns darauf, dass ihr eure unterschiedlichen Erfahrungen und Kompetenzen in unsere Diskussionen einbringt, damit sie in unserer gemeinsamen Arbeit fruchtbar werden können. Wir sehen in diesem großen Mitglieder-Zuwachs eine großartige Chance, denn die Vereinigung lebt von aktiven Mitgliedern und ihren vielfältigen Ideen.

Natürlich wissen wir, dass viele Menschen in die VVN-BdA eintreten, um mit ihrem Mitgliedsbeitrag eine solidarische Unterstützung zu leisten. Das schätzen wir hoch, denn politische Arbeit kostet Geld und wir haben Anfang der 1990er Jahre entschieden, unsere Arbeit aus eigener Kraft zu finanzieren. Das heißt, Mitgliedsbeiträge und Spenden setzen den materiellen Rahmen, in dem wir aktiv werden können. Deshalb erhöht jedes neue Mitglied, mit seinem solidarischen Beitrag unsere Aktionsfähigkeit und hilft uns zugleich, den politischen Unwägbarkeiten der Abgabenordnung nicht völlig ausgeliefert zu sein.

Allerdings stehen wir auch personell vor großen Herausforderungen. So wie diejenigen, die den historischen Faschismus aus eigenem Erleben und Leid kennen, immer weniger werden, so sind viele von uns, die sich zu Beginn der 1970er Jahre als »Junge« der Vereinigung der Verfolgten und Widerstandskämpferinnen angeschlossen haben und die heute wesentlich die Organisationsarbeit leisten, inzwischen auch schon ziemlich alt geworden. Das gilt ebenso für diejenigen, die 1990 noch in der DDR den Bund der Antifaschisten gegründet haben. Der nächste Generationenwechsel steht an und will gestaltet werden.

Vom 22. bis 24. Mai 2020 findet in Frankfurt/Main der nächste Bundeskongress der VVN-BdA statt, wo Vorschläge zur Zukunft des Verbandes im Mittelpunkt der inhaltlichen Debatte stehen werden. Aktuell werden überall in der Republik Delegierte gewählt, alle anderen Mitglieder sind (nach Anmeldung) als Gäste willkommen. Das gilt besonders für die öffentliche Veranstaltung am Abend des 22. Mai. Wir wollen dort in einer Revue den Bogen von den Erwartungen der Befreiten am 8. Mai 1945 zur heutigen Situation und den notwendigen Interventionen von Antifaschistinnen und Antifaschisten schlagen.

Wir möchten euch alle ermutigen, euch in die anstehenden Diskussionen einzumischen. Eure Sicht ist wichtig und kann neue Impulse setzen. Die Einladungen zu den nächsten Treffen eurer Kreisvereinigungen sollten schon bald in euren Briefkästen liegen.

Wir sind guten Mutes, dass wir mit mehr Mitgliedern, mehr Aktiven und neuen Ideen gestärkt aus der aktuellen Auseinandersetzung um die Gemeinnützigkeit hervorgehen werden und dies sich auch in Aktions- und Kampagnenfähigkeit ausdrücken wird.

In diesem Sinne wünschen wir

uns allen ein erfolgreiches Jahr 2020.

Cornelia Kerth und Dr. Axel Holz

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