»Stoppt die Brandstifter«

21. Februar 2020

20.000 Menschen gegen die AfD in Braunschweig

Die Proteste gegen den Bundesparteitag der AfD am 30. November in Braunschweig waren ein Riesenerfolg: Kraftvoll, bunt und entschlossen zeigten Gewerkschafter*innen, Jugendverbände, Fridays for Future, Aufstehen gegen Rassismus (AgR), Antifagruppen, Parteien, Geflüchtete, Kirchengemeinden, muslimische und Migrant*innen-Organisationen, Sportvereine und viele andere mehr Gesicht gegen die rechte Hetze der AfD. Über 20.000 Menschen aus der Region und aus ganz Deutschland bildeten einen kilometerlangen Demonstrationszug und die Abschusskundgebung erstreckte sich über den Schlossplatz hinaus bis in die Seitenstraßen. »Stoppt die Brandstifter« weiterlesen »

Zunahmen I

18. Februar 2020

Die Zahl der Rechtsextremisten ist im vergangenen Jahr 2019 nach amtlicher Darstellung um rund 30 Prozent von 24.100 im Jahre 2018 auf 32.200 gestiegen. Der Hauptanteil der Zunahmen entfällt auf den »Flügel« der AfD (rd. 7.000) und die AfD-Jugend »Junge Alternative« (rd. 1.000). Die amtliche Zahl der gewaltorientierten Rechtsextremisten stieg um 300 auf 13.000. Die Zahl »rechter Gefährder« wurde von den Landeskriminalämtern allerdings mit lediglich 48 angegeben. Zum Vergleich: Die amtliche Zahl sogenannter »islamistischer Gefährder« beläuft sich auf 679.

Tausende gegen Nazis

18. Februar 2020

Auch im letzten Quartal des abgelaufenen Jahres gab es an mehreren Orten Protestaktionen gegen Neonazis und Rassisten. Drei Beispiele: In Bielefeld demonstrierten 14.000 Menschen gegen einen Aufmarsch von rund 230 Neonazis, die ausgerechnet am Jahrestag der Novemberpogrome zu einer Sympathiekundgebung für die Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck aufgerufen hatten. In Hannover stellte sich mehr als 7.000 Menschen einem NPD-Aufzug, der zum Hass gegen kritische Journalisten aufstachelte, entgegen. In Binz auf Rügen versammelten sich rund 600 Bürger zum Protest gegen ein Treffen des Höcke-Flügels der AfD.

Rechtes Stelldichein

geschrieben von Andreas Siegmund-Schultze

18. Februar 2020

Den knapp 600 Delegierten, die am 30. November und 1. Dezember zum AfD-Bundesparteitag in Braunschweig zusammenkamen, wird zumindest bei der Anreise eines sicher nicht entgangen sein: Rund 20.000 Antifaschisten waren zu den lautstarken Protesten gegen das in der Volkswagen-Halle ausgerichtete Treffen erschienen. Neben zahlreichen lokal Aktiven, hatte auch das überregionale Bündnis »Aufstehen gegen Rassismus« gegen das Stelldichein der Rechtsaußenpartei mobilisiert. Erwartungsgemäß sorgte dann ein Polizeiaufgebot aus rund 2.000 Beamten, dass drinnen alles wie geplant ablaufen konnte. Immerhin gelang es tausenden Gegendemonstrantinnen, auf dem Europaplatz eine Kundgebung in Hör- und Sichtweite des Parteitags abzuhalten. Viele Delegierte mussten sich mühsam, von viel Lärm und engen Polizeikesseln begleitet, ihren Weg in die Halle verschaffen. Das VW-Firmenlogo hatte Sponsor der Location zuvor aus Imagegründen abdecken lassen.

Das AfD-Treffen selbst war dann stark vom Zwist der beiden Parteiströmungen geprägt, dem völkisch-nationalistischen »Flügel« und den vermeintlich Gemäßigten. Debatten um Sozialpolitik wurden erneut verschoben. Dem scheidenden Ko-Vorsitzenden Alexander Gauland folgt der vom »Flügel« unterstützte 44jährige Malermeister Tino Chrupalla aus Sachsen, Jörg Meuthen bleibt Teil der Doppelspitze. Gauland ist nun Ehrenvorsitzender und hatte Chrupalla als seinen Nachfolger empfohlen. Bemerkenswert, dass die aktivsten Widersacher des »Flügels« nicht mehr Teil des neugewählten AfD-Sprecherkreises sind. Björn Höcke hatte vor dem Parteitag vollmundig bekanntgegeben, er werde im Vorstand aufräumen und machte deutlich, dass er dies auch ohne Amt in den neu zu besetzenden Gremien der Partei könne.

Eines wurde auf dem Treffen somit erneut deutlich: Ohne den »Flügel« läuft in der AfD nichts. Spätestens im Frühjahr will der Verfassungsschutz bekanntgeben, ob er die AfD weitergehend als bisher beobachten will. Auch die Auseinandersetzungen insbesondere in den ostdeutschen CDU-Landesverbänden um Bündnisse mit der AfD dürften weiter einiges an Konfliktpotential bereithalten.

 

Weitere Untersuchung

15. Februar 2020

Untersucht werden sollen auf Veranlassung von Bundespräsident Steinmeier nunmehr auch mögliche Beschäftigungen und Einflussnahmen ehemaliger Nazis und deren Ideologien (»ideelle Kontinuitäten«) auf das Bundespräsidialamt sowie dessen Umgang mit der NS-Zeit.

LKA-Spitzen

15. Februar 2020

Nazi-Verbrecher leiteten jahrzehntelang das Landeskriminalamt von Nordrhein-Westfalen. Das ist das Ergebnis einer Studie über die Geschichte des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamtes, die 2016 in Auftrag gegeben wurde. Danach waren die ersten vier LKA-Chefs von 1946 bis 1969 namens Friedrich Karst, Friederich D’Heil, Oskar Wensky und Günter Grasner während der Nazizeit als Polizeiführer an Morden, Massenerschießungen und Judenverfolgungen beteiligt; zum Teil standen sie auf internationalen Kriegsverbrecherlisten. In ihrer LKA-Chefzeit holten sie weitere NS-Täter in den Polizeidienst.

Zunahmen II

15. Februar 2020

Zugenommen hat ebenso die Zahl rechtsmotivierter Straftaten. In den ersten drei Quartalen von 2019 wurden 14.311 Straftaten festgestellt, darunter 625 Gewalttaten mit mindestens 271 Verletzten. In drei Fällen handelte es sich um versuchte Tötungen. Der Mord an Regierungspräsident Walter Lübcke ist bemerkenswerter Weise in dieser amtlichen Aufstellung nicht enthalten. Die Zahl antisemitischer Straftaten betrug 2019 in den ersten drei Quartalen 1.155; davon 41 Gewalttaten mit 17 Verletzten.

Im Fall Oury Jalloh

12. Februar 2020

Gegen die von der Generalstaatsanwaltschaft des Landes Sachsen-Anhalt verfügte Einstellung der Verfahren im Fall des in einer Dessauer Polizeizelle verbrannten Asylbewerbers Oury Jalloh hat nunmehr die Familie des Getöteten Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht eingelegt. Zuvor hatte die Initiative Oury Jalloh ein Gutachten des forensischen Experten Boris Bodelle vorgelegt, aus dem hervorgeht, dass Jalloh vor seinem Tode mutmaßlich schwer misshandelt wurde.

Auf Bewährung

12. Februar 2020

Zu einem Jahr und neun Monaten Haft auf Bewährung wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz in Tateinheit mit Verstößen gegen das Waffen- und das Sprengstoffgesetz wurde der ehemalige Elite-Polizist Marko G. vom Landgericht Schwerin verurteilt. Das Gericht blieb deutlich unter dem Strafantrag der Staatsanwaltschaft, die zwei Jahre und zehn Monate gefordert hatte. Der ehemalige SEK-Polizist und Schießausbilder – mit Verbindungen zum rechtsextremen Hannibal-Netzwerk »Uniter« – war Gründer und Administrator der »Prepper«-Gruppe Nordkreuz, die sich auf einen Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung vorbereitete und dafür Waffen und Geld sammelte. Bei Marko G. wurden mehrere Waffen und rund 55.000 Schuss Munition gefunden. In der Gruppe Nordkreuz wurde rechtsextremes Gedankengut ausgetauscht, das nach Feststellung des Gerichts »teilweise eindeutig außerhalb der freiheitlich-demokratischen Grundordnung« lag. Für das Gerichtsverfahren sei das allerdings unerheblich gewesen. Die Tat des Verstoßes gegen die Waffengesetze sei von der politischen Einstellung zu trennen.

Verdächtige Soldaten

12. Februar 2020

Von »hohen Verdachtszahlen« und »immer neuen Berichten über rechtsextreme Soldaten beim Kommando Spezialkräfte (KSK)« berichtet Mitte Dezember Spiegel-Online. Laut Mitteilung der »taz« vom 3.12.2019 stehen im Bundesinnenministerium »mindestens 90 Aktenordner« mit Angaben »über rechtsextremistische Strukturen bei Bundeswehr und anderen Sicherheitsbehörden«. »Insgesamt stehen in der Armee derzeit 500 Soldaten unter Rechtsextremismusverdacht«, heißt es an gleicher Stelle. Nunmehr doch wegen Terrorismusverdacht vor Gericht gestellt werden soll Bundeswehr-Offizier Franco A. In der AfD sind mehrere ehemalige Bundeswehr-Offiziere aktiv. Ex- Bundeswehr-General Walter Spindler, ehemals Chefausbilder des Heeres, betätigte sich als Verfasser einer verteidigungspolitischen Studie für die AfD.

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