Von der Küstenstraße zwischen Málaga und Almería
Das Mädchen auf dem Foto ist keine fünf Jahre alt. Unterm Arm geklemmt hält es eine nackte schwarze Puppe. Ein längeres und ein kürzeres Bein baumeln zu Boden. Das Kind trägt ein helles dünnes Kleid. Das Foto entstand Anfang Februar 1937 auf der Küstenstraße N340 zwischen den andalusischen Städten Málaga und Almería.
Auf einem der nächsten Fotos, die mir vorgelegt werden, liegt die schwarze Puppe auf dem staubigen Boden und das Mädchen kaut auf einem Stück Zuckerrohr vom Wegrand. Auf weiteren Fotos sind andere Kinder, die sich an den Händen halten, eine Mutter mit Säugling im Arm, die am Weg ihr Baby stillt und alte Menschen – eine stützt sich beim Gehen auf einen Ast, ein anderer sitzt auf einem Esel. Flüchtlingskolonnen, die kaum Hab und Gut mit sich führen. Die Menschen kamen aus Málaga oder flohen aus anderen Teilen Andalusiens in Richtung Almería. Dorthin, wo die Republik sie noch schützen konnte. Dass sie hier auf der schmalen Küstenstraße zwischen kahlen, kaum bewachsenen Bergen und der steilen Felsküste in der Falle saßen, konnte sich zum Zeitpunkt dieser Fotoaufnahmen noch niemand vorstellen.
»Desbandá« bedeutet so viel wie »überstürzte Flucht« und ist der stehende Begriff für ein bislang wenig bekanntes Massaker an der Zivilbevölkerung, welches die Truppen der damaligen Führer des europäischen Faschismus, General Francisco Franco, Benito Mussolini und Adolf Hitler, im Februar 1937 gemeinsam begangen haben. Unbeugsames Gedenken weiterlesen »



























