Einheit ist eine Waffe

geschrieben von Ali Ahmed

17. Juli 2019

Zur Lage im Sudan nach der Absetzung von Omar al-Bashir durch das Militär

Am 30. Juni 1989 riss im Sudan Omar al-Bashir die Macht durch einen Militärputsch gegen eine zivile Regierung an sich. Dabei wurde er von der Islamischen Partei massiv ideologisch unterstützt. Schon zu Beginn seiner diktatorischen Herrschaft wurden Tausende entlassen und verhaftet. Nach der Ermordung von 28 Generälen, die sein Regime kritisiert hatten, im Ramadan 1993, begann eine massive Auswanderung aus politischen und ökonomischen Gründen, die die Wirtschaft des Landes erheblich beeinträchtigte. Einheit ist eine Waffe weiterlesen »

Ein Schlag ins Gesicht

geschrieben von Janka Kluge

17. Juli 2019

Strategien und Verbindungen der Neuen Rechten

Bücher über die Neue Rechte gibt es einige. Trotzdem lohnt sich immer wieder ein Blick in Neuerscheinungen. »Das Netzwerk der Neuen Rechten« von Christian Fuchs und Paul Middelhoff ist solch ein Buch. Die beiden arbeiten als Journalisten für »Die Zeit« und »Zeit online«. Seit Jahren beschäftigen sie sich mit der Neuen Rechten und der AfD.

In zehn Kapiteln versuchen die Autoren zu erklären, was eigentlich ein Widerspruch zu sein scheint. Wie kommt es, dass intellektuelle und gebildete Menschen für Rassismus, Ungleichheit und Nationalismus anfällig sind? Dabei beziehen sie sich auf die Konservative Revolution, eine Bewegung, die in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts zu den Wegbereitern des Faschismus gehörte. Über den Unterschied zur alten Rechten schreiben Fuchs und Middelhoff: »Die Strömung lehnt Hitler und seine Verbrechen ab, leugnet weder die Shoa, noch die Konzentrationslager und gibt sich als Vertretung der `christlich-jüdischen abendländischen Tradition‘.« Die neue Rechte leugnet die Verbrechen nicht, sie sind für sie nur nicht wichtig, oder wie Gauland sagte, ein »Vogelschiss der Geschichte«. Auch wenn diese Äußerung unerträglich ist, ist es wichtig, den Unterschied zur alten Rechten zu verstehen. Ein Schlag ins Gesicht weiterlesen »

Auf der Suche nach Freiheit

geschrieben von Dirk Krüger

17. Juli 2019

Eine Erinnerung an den Dichter, Revolutionär und Antifaschisten Ernst Toller

Am 22. Mai 1939 – in diesen Tagen vor 80 Jahren – hat sich Ernst Toller in einem New Yorker Hotel sein bewegtes und so endlos wertvolles Leben genommen. Mit Hilfe seiner Sekretärin hatte er für eine Reise nach Europa die Koffer bereits gepackt. Als sie aus einer kurzen Mittagspause zurückkehrte, hatte er sich erhängt.

An der Gedenkfeier nahmen 500 Trauergäste teil. Oskar Maria Graf, Juan Negrin und Sinclair Lewis hielten die Grabreden, Olga Fuchs rezitierte aus dem »Schwalbenbuch«, seinen 1923 im Festungsgefängnis Niederschönenfeld geschriebenen Texten.

Bei der Einäscherung am nächsten Tag waren nur noch drei Menschen anwesend. Die Urne mit Tollers Asche stand danach unbeachtet über zwei Jahre im Keller des Krematoriums. Niemand hat sie abgeholt. Auf der Suche nach Freiheit weiterlesen »

Vielfältig und doch vereint

geschrieben von Friedbert Mühldorfer

14. Juli 2019

Nachkommen melden sich zu Wort

»Keiner erklärte uns damals … das Wort Auschwitz. Das Schweigen über die Stationen des aufgeschobenen Sterbens und Überlebens meines Großvaters … war dennoch unüberhörbar.« Mit diesen Worten erinnert sich der 1976 in Polen geborene Kamil Majchrzak an seine Kindheit in der Familie. Erst als Erwachsener, nach der Geburt seiner Tochter, beschloss Kamil, der Einsamkeit und Isolation seines längst verstorbenen Großvaters auf den Grund zu gehen und Spurensuche zu betreiben.

Kamil Majchrzak ist einer von 22 Nachkommen von Verfolgten des Naziregimes, von Exil und Widerstand, die in einer von der Berliner VVN-BdA herausgegebenen Broschüre über den eigenen Umgang mit diesen besonderen Familiengeschichten reden. Vielfältig und doch vereint weiterlesen »

Der vorpolitische Raum

geschrieben von Markus Roth

14. Juli 2019

Ob »Bella Ciao« als Sommerhit des Jahres das Denken verändert?

Die Hymne der italienischen PartisanInnen im Zweiten Weltkrieg wurde letztes Jahr zum offiziellen Sommerhit ernannt. Die Cover-Version des französischen DJs Florent Hugel erfülle laut dem Marktforschungsinstitut GfK Entertainment alle Kriterien: eine eingängige Melodie, Urlaubsstimmung, er läuft in allen Clubs und ist weit oben in den Charts. Obwohl die Anzahl der Neuinterpretationen des Liedes seit Jahrzehnten nicht abnimmt, ist die Adelung zum Chartstürmer und »Sommerhit« dennoch eine genauere Betrachtung wert. Der vorpolitische Raum weiterlesen »

Antifaschismus als Aufgabe

geschrieben von Ulrich Sander

14. Juli 2019

Dritte Broschüre der »Kinder des Widerstandes« erschienen

Da sind 28 »Kinder des Widerstandes« im vorgerückten Alter. Sie haben sich in drei kleinen roten Büchern zu Wort gemeldet. Zuerst trauten sich die Frauen, inzwischen ist das Verhältnis 17 Frauen zu elf Männern, die über ihre Kindheit und Jugend als Nachkommen von Widerstandskämpfern und Opfern des Faschismus berichten, oder sich als Freunde dieser Menschen zu Wort meldeten.

Viele der Geschilderten waren als Zeitzeugen tätig, nun weilen sie nicht mehr unter uns, und ihre Kinder, Enkel und Freunde wurden nun zu Zeugen der Zeugen. Das Band der Erinnerungen soll nicht reißen. Antifaschismus als Aufgabe weiterlesen »

Ein »entarteter ›Entarter‹ «?

geschrieben von Reinhold Weismann-Kieser

11. Juli 2019

Emil-Nolde-Ausstellung im Hamburger Bahnhof in Berlin

Der Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin zeigt gegenwärtig eine Ausstellung, die sich mit dem »Nolde-Mythos« der Bundesrepublik der Nachkriegszeit auseinandersetzt und seine eigenen weltanschaulichen und politischen Positionen und die widersprüchliche Rezeption des Expressionismus durch den Faschismus mit seinem Opferstatus als prominentem »Entarteten« konfrontiert. Ein »entarteter ›Entarter‹ «? weiterlesen »

Nie korrigiertes Justizversagen

geschrieben von Axel Holz

11. Juli 2019

Spielfilm über die Hintergründe eines Mordprozesses

Nach langem Schweigen wurde in Deutschland das unbewältigte NS-Erbe auch künstlerisch thematisiert. Ob in den 60er Jahren mit »Die Ermittlung« von Peter Weiss und »Der Stellvertreter« von Rolf Hochhuth oder 2013 im Film »Der Rosengarten« über die Kinder vom Bullenhuser Damm und deren Mörder – seit etwa 60 Jahren gibt es eine gesellschaftliche Debatte über den Umgang der Deutschen mit ihren Kriegsverbrechern. Mit der jüngsten Verfilmung des 2011 erschienenen Romans »Der Fall Collini« von Ferdinand von Schirach durch Regisseur Marco Kreuzpainther wird diese Tradition zugespitzt. In diesem Film geht es nicht nur um die jahrzehntelange Verschleierung von NS-Kriegsverbrechen und um die Behinderung ihrer Verfolgung durch die NS-durchsetzten Eliten der 50er und 60er Jahre, sondern um das Versagen des Staates. Warum kamen eigentlich so wenige NS-Kriegsverbrecher vor Gericht? Eine Ursache dafür liegt in einem unscheinbaren Gesetz aus dem Jahre 1968, dem nach dem ehemaligen Nazi-Staatsanwalt und Ministerialbeamten benannten »Dreher-Gesetz«. Als »Einführungsgesetz zum Gesetz über Ordnungswidrigkeiten (EGOWiG)« wurde es kritiklos durch den Bundestag gewinkt und hatte doch verheerende Auswirkungen auf die Verfolgung von NS-Kriegsverbrechern. Aus Mördern machte es Mordgehilfen, deren Taten 1960 verjährt waren. Das Gesetz unterbrach sofort viele bereits laufende Verfahren. Auf dieser Grundlage mussten nun ehemaligen Wehrmachtssoldaten und SS-Leuten erst individuell niedrige Beweggründe oder andere Mordmerkmale nachgewiesen werden, um eine Verurteilung zu erwirken. Der Film bringt das vergessene Schand-Gesetz wieder ans Tageslicht und zeigt in einer auf Tatsachen beruhenden Geschichte, welche verheerende Wirkung der Staat mit einem Recht bewirkte, dass die NS-Opfer im Stich ließ und die Täter schützte. Nie korrigiertes Justizversagen weiterlesen »

»Volksstücke« mit Anspruch

geschrieben von Ernst Antoni

11. Juli 2019

Museums-Inszenierung zu Ödön von Horváth in München

Schon der Titel der Ausstellung, ein Zitat des Dichters, hat es in sich: »Ich denke ja garnichts, ich sage es ja nur«. So oder ähnlich hätte es bei seinen Bühnen- und Filmauftritten auch Karl Valentin formulieren können, der Münchner »Linksdenker«, wie ihn Kurt Tucholsky einst wegen seiner skurrilen Formulierungen nannte. Die Ausstellung jedoch, die derzeit in den Räumen des Deutschen Theatermuseums in München zu sehen ist, handelt von einem anderen Autor: »Ödön von Horváth und das Theater« heißt sie im Untertitel. Das Titelzitat ist dem Horváth-Stück »Kasimir und Karoline« aus dem Jahr 1932 entnommen. »Volksstücke« mit Anspruch weiterlesen »

Keine Folklore

geschrieben von Florian Gutsche

5. Juni 2019

Vom »Führergeburtstag« zum Netzwerktag europäischer Neonazis

Mitte April erreichte uns durch bulgarische Antifaschisten die Nachricht, dass sich am 20. April Neonazis aus unterschiedlichen europäischen Ländern in Sofia treffen würden – unter ihnen auch die Partei »Die Rechte«. Natürlich kamen wir der Bitte aus Bulgarien nach, einige Informationen über »Die Rechte« zu Verfügung zu stellen. Außerdem veröffentlichten wir ein Statement zu diesem Treffen europäischer Neonazis, das durch die Wahl des Datums eindeutig Bezug auf Hitlers Geburtstag nahm. Keine Folklore weiterlesen »

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