Nachdem im vergangenen Jahr bekannt geworden war, dass im rheinland-pfälzischen Herxheim in der Kirche eine Glocke mit der Inschrift »Alles fürs Vaterland – Adolf Hitler« hängt und nach einem entsprechenden Gemeinderatsbeschluss als »Erinnerung« an »Gewalt und Unrecht« auch hängen bleiben soll, ergaben Nachforschungen, dass (wie der Evangelische Pressedienst epd mitteilte) noch »in etwa zwei Dutzend deutschen Kirchen« Glocken hängen, auf denen Hakenkreuze, Hitler-Widmungen oder andere Hinweise auf Denkwürdiges aus der Nazizeit sich befinden. Im niedersächsischen Weserdorf Schweringen griffen Unbekannte zum Winkelschleifer und entfernten kurzerhand das Hakenkreuz und einen Teil des Textes von der dortigen Glocke.
Autoritäre Krisenbewältigung
3. Juli 2018
Was der autoritäre Populismus mit Neoliberalismus zu tun hat
»Reale Probleme«, seien es, welche die AfD anspricht. So kriegen wir es in Diskussionen um die Strategie gegen die AfD immer wieder zu hören. Dass die Antworten der AfD auf diese »nun mal vorhandenen« gesellschaftlichen Probleme nationalistisch, rassistisch, sexistisch, exklusiv usw. sind, wird als das eigentliche Problem angesehen. Doch inwieweit gehen wir der AfD damit schon auf den Leim, wenn wir ihre Problemdarstellungen und Themensetzungen aufgreifen und versuchen dafür progressive Lösungen anzubieten? Denn für manche »Probleme« gibt es schlicht keine akzeptablen Lösungen, weil sich die Probleme selbst auf eine Gegenwart beziehen, die wir eher überwinden als zementieren wollen. Autoritäre Krisenbewältigung weiterlesen »
Alarmierende Entwicklungen
30. Juni 2018
Warum beschäftigt sich ver.di mit Neonazis und Rechtspopulisten?
Die Gewerkschaft ver.di hat wie alle anderen Gewerkschaften den ihr von unseren als Widerstandskämpfern gegen den NS-Faschismus verfolgten und ermordeten Kolleginnen erteilten Auftrag ernst zu nehmen, zur Schaffung einer Welt des Friedens und der Freiheit beizutragen, wozu »die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln« als Voraussetzung zu begreifen ist. Das Wurzelwerk ist verankert im kapitalistischen Wirtschaftssystem und durchaus noch vorhanden. Es bringt zurzeit neue Triebe hervor: Mit dem Aufkommen von »Pegida« und dem Aufstieg der AfD besteht die Gefahr einer neuen profaschistischen Massenbewegung. Eine Bedrohung für diese Republik insgesamt und insbesondere für die abhängig Beschäftigten. Ihr muss ver.di wie der gesamte DGB in allen Betrieben und Dienststellen und darüber hinaus in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung auf allen Feldern und mit allen Mitteln, d. h. ohne irgendein den Gewerkschaften zur Verfügung stehendes Mittel grundsätzlich auszuschließen, entgegentreten. Alarmierende Entwicklungen weiterlesen »
Autoindustrie als Auftakt
30. Juni 2018
Ultrarechte Listen gegen DGB-Gewerkschaften
Nach der Befreiung vom Faschismus wurden neben den 1933 verbotenen Parteien auch die Gewerkschaften wieder gegründet. Die Grundlagen dafür wurden auf der Potsdamer Konferenz vom 17. Juli bis 2 August 1945 gelegt. In § 10 des Abkommens heißt es: »Die Gründung freier Gewerkschaften, gleichfalls unter Berücksichtigung der Notwendigkeit der Erhaltung der militärischen Sicherheit, wird gestattet.« Weil die christlichen Gewerkschaften 1933 die Machtübertragung begrüßt hatten und sich an die neuen Machthaber angebiedert hatten, blieben christliche Gewerkschaften davon ausgenommen. Erst in den fünfziger Jahren, als der Antikommunismus in Westdeutschland blühte und 1956 die KPD verboten wurde, entstanden auch wieder christliche Gewerkschaften. Autoindustrie als Auftakt weiterlesen »
Erst gespalten, dann zerschlagen
30. Juni 2018
Gewerkschaften und die faschistische Machtübernahme
Obwohl die Vernichtung des Marxismus erklärtes Ziel Hitlers war, glaubten viele Gewerkschafter noch Anfang 1933, dass er die Gewerkschaftsstrukturen nicht angehen würde. Bereits 1927 waren von dem Berliner Ernst Engel, der im gleichen Jahr Mitglied der NSDAP geworden war, Betriebszellen gegründet worden. Er selbst war ihr erstes Mitglied. Bereits ein Jahr später gab es neben dieser ersten Gruppe bei den Berliner Verkehrsbetrieben weitere Gruppen in anderen Berliner Betrieben. Von Anfang an war ihre Gründung der Versuch, Arbeiter zu organisieren, die Mitglieder der NSDAP waren, oder mit der Partei sympathisierten, also eine Art Gegengewerkschaft zu gründen. Erst gespalten, dann zerschlagen weiterlesen »
Zwangsarbeit und Tod
27. Juni 2018
Gedenktafel in Chemnitz erinnert an Rüstungsbetrieb
Am 13. April 2018 wurde am Eingang der Landesdirektion Sachsen in Chemnitz feierlich eine Gedenktafel für die rund 1600 sowjetischen Kriegsgefangenen, deportierten Zivilisten aus Ost- und Westeuropa und KZ-Häftlinge enthüllt, die zwischen 1939 und 1945 in der damals dort ansässigen Astra-Werke AG als Zwangsarbeiter ausgebeutet wurden. Zwangsarbeit und Tod weiterlesen »
Veränderte Arbeitswelt
27. Juni 2018
Warum rechte Ideologien in Betrieben wirken
Zur Bundestagswahl 2018 erzielte die AfD bei Gewerkschaftern mit 15 Prozent eine höhere Zustimmungsrate als in der Gesamtbevölkerung. Im Frühjahr 2018 erschien im VSA-Verlag die Studie »Rechtspopulismus und Gewerkschaften« von Dieter Sauer, Ursula Stöger, Joachim Bischoff, Richard Detje und Bernhard Müller über betriebliche Zustände als Nährboden für Rechtspopulismus. Für die Untersuchung wurden 19 Expertinnnengespräche mit hauptamtlichen Gewerkschaftsfunktionären aus Niedersachsen, Baden-Württemberg, Thüringen, Sachsen und Bayern geführt. Darüber hinaus fanden in zwei Bildungsstätten der IG Metall 14 freiwillige Gruppengespräche mit insgesamt 95 Teilnehmern statt. Sie kamen aus einem Autowerk, Zuliefererbetrieben, IT-Firmen, Luftfahrtunternehmen und Metallbetrieben, aber auch aus 25 Dienstleistungsbetrieben der Finanzdienstleistungen, Telekommunikation, Logistikbranche, Kliniken und Bereichen des öffentlichen Dienstes. Veränderte Arbeitswelt weiterlesen »
Die »Pflicht zum Widerstand«
27. Juni 2018
Abschied vom couragierten Antifaschisten Martin Löwenberg
Am 2. April 2018 ist Martin Löwenberg in München verstorben. Mit ihm verliert die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der AntifaschistInnen einen weit über München und Bayern hinaus bekannten Antifaschisten und Friedensaktivisten, der auch viele Jahre im Münchner Kreis- und im bayerischen Landesvorstand der VVN-BdA wirkte.
Martin, am 12. Mai 1925 in einer sozialdemokratischen Familie in Breslau geboren, bekam bereits als Jugendlicher die rassistische Ausgrenzung durch die Nazis zu spüren – sein Vater war Jude. Da sich dieser noch vor Martins Geburt das Leben genommen hatte, lag es allein an der auch politisch tatkräftigen Mutter, die Familie durchzubringen. Weil die angestrebte landwirtschaftliche Ausbildung für Juden untersagt war, lernte Martin das Sattlerhandwerk. Angespornt durch seinen älteren Bruder Fred organisierte auch er heimlich Brotmarken und Zigaretten und unterstütze damit Zwangsarbeiter in Breslau. Beide wurden festgenommen, Fred ins KZ Buchenwald, Martin in die Konzentrationslager Flossenbürg, Longwy und Leitmeritz zur Zwangsarbeit verschleppt. Die »Pflicht zum Widerstand« weiterlesen »
Erklärung zur Buchenwald-Befreiung
24. Juni 2018
Bedeutsame Bestandteile der faschistischen Ideologie sind Rassismus und Antisemitismus. Die NSDAP verstand im »Kampf gegen das Judentum« eine ihrer wichtigsten Aufgaben. Der Antisemitismus wurde mit aktuellen politischen, ökonomischen und kulturellen Problemen der Zeit verbunden und in den Rang existenzieller Notwendigkeit erhoben. Organisierte antijüdische Übergriffe und Boykottaktionen schürten Judenfeindlichkeit und Rassismus. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannten in Deutschland hunderte Synagogen. Eine hysterische Meute plünderte tausende jüdische Geschäfte. Etwa 30.000 jüdische Männer wurden verhaftet und unter unmenschlichen Bedingungen in die Konzentrationslager verschleppt. Erklärung zur Buchenwald-Befreiung weiterlesen »
Anpassung und »Ausmerzen«
24. Juni 2018
Aktion »Arbeitsscheu Reich« gegen »unliebsame Personen«
Vor 80 Jahren führten die deutschen Faschisten zunächst geheim die Aktion »Arbeitsscheu Reich« (ASR) durch. Grundlage dafür war ein Erlass zur vorbeugenden Verbrechensbekämpfung vom 14. Dezember 1937, der als Maßnahmenkatalog zur Überwachung von angeblichen und potenziellen (Wiederholungs-) Straftätern sowie zum Terror gegen politisch und anderweitig unliebsame Personen galt. Die polizeiliche Vorbeugehaft wurde auf sogenannte Asoziale erweitert, die ab Mitte 1941 direkt auf die »Ausmerze« verlagert wurde, da sie wegen vermeintlich erblicher Veranlagung zu »gesellschaftlich schädlichem Verhalten« neigten.
Der Aktion »Arbeitsscheu Reich« fielen außer Sicherungsverwahrten auch Menschen zum Opfer, die bereits dreimal ein halbes Jahr in Haft waren und potenziell wieder zu Tätern werden konnten oder auch solche, die den Staat nebst Behörden kritisierten und noch nie in Haft waren. Anpassung und »Ausmerzen« weiterlesen »






























