Das Leben von Seka und Ado

geschrieben von Ernst Antoni

4. Mai 2017

Eine antifaschistische Familie in den Kämpfen des 20. Jahrhunderts

»Vor Ado zeigen sich die Tiere.« Vom Titel-Krokodil, das einst eine Rolle spielte, als der Vater der Autorin im jugoslawischen Exil der 30er-Jahre die junge Seka aus Sarajevo kennenlernte, bis zur Schlange, die er nach überstandener Flucht aus einem Außenlager des KZ Buchenwald am Strand von Ahrenshoop den Kindern präsentiert, und schließlich den Krokodilen im Leipziger Zoo, vor deren Gehege er, 60 Jahre alt, tot zusammenbricht, kreucht und fleucht allerlei durch diesen ungewöhnlichen Familienroman.
In acht Kapiteln, aufgeteilt in 120 Episoden, lernen wir das Leben von Seka und Ado von Achenbach kennen, beginnend mit Sekas Geburt im April 1917. Ein »Revolutionsjahr«, auch in Bosnien. Das Umfeld, in dem das Mädchen auf die Welt kommt, allerdings ist konservativ: »gehobene« großbürgerliche und -bäuerliche Verhältnisse.

Marina Achenbach, Ein Krokodil für Zagreb, Edition Nautilus Hamburg, 224 S., 19,90 Euro

Marina Achenbach, Ein Krokodil für Zagreb, Edition Nautilus Hamburg, 224 S., 19,90 Euro

Aus diesen drängt es sie bald hinaus, ins weltläufigere Zagreb. 1938 darf Seka als junge Journalistin für das dortige Abendblatt den doppelt so alten, vor den Nazis nach Jugoslawien emigrierten deutschen Adelsspross Ado von Achenbach interviewen, den Theatermann, Bohemien, einstigen Räterevolutionär. Prompt funkt es. Obwohl bereits einem Fabrikerben versprochen, stürzt sich Seka in die neue Beziehung, ebenso wie Ado, der schon eine Ehe hinter sich hat. Es wird geheiratet, die Tochter Marina kommt 1939 auf die Welt, wenige Jahre später folgt Sohn Andreas.
»Über viele Jahre«, schreibt die Autorin, »bewahre ich ein erfundenes Bild in mir und lasse es durch nichts antasten: Da sehe ich Ado und Seka mit dem neugeborenen Andreas im Arm vor dem Radio stehen und die Nachricht vom deutschen Überfall auf Jugoslawien hören. Ich habe sein Auf-die-Welt-kommen und den Krieg nicht zusammen denken können. Damit habe ich meine Vorstellung von Ado und Seka geschützt, als hätten sie immer ihre Gegenwart erkannt und bewusst gehandelt. Als hätten sie nicht im Krieg gelebt wie fast alle, zeitwillig erblindet, unentwirrbar mit dem Alltag verwoben, der nie aufhört. Den jüngeren Bruder aber, den sie nach der Rückkehr aus Ados erster Haft gezeugt haben, hole ich mit dieser Zeitverschiebung in die Zagreber Vorkriegs-Glückskapsel mit herein.«
Die Realität: »Die Wehrmacht marschiert in Kolonnen ohne Widerstand in Zagreb ein und nimmt Quartier in den Kasernen vor der Stadt. Über Nacht sind die kroatischen Ustaschas da. Straßennachbarn legen Uniformen und Abzeichen an und geben zu erkennen, dass sie längst zu ihnen gehören. Eine Woche lang halten alle anderen ihre Türen verschlossen. Nachts herrscht Ausgangssperre, Seka und Ado hören Schüsse, morgens liegen Tote auf der Straße.« Seka ist da noch schwanger. Während sich Ados Exil-Gefährten Partisanengruppen anschließen, bleibt er bei seiner Frau. »Im Frühjahr trifft eine Vorladung zur Polizei ein, Decke und Zahnbürste sind mitzubringen.« Vor den Ustaschas flüchtet das Paar nun mit Tochter und neu geborenem Sohn mit Hilfe eines Konsuls, der einst Assessor bei Ados Vater war, als »Volksdeutsche« getarnt nach Nazideutschland.
In Ados Elternhaus nach Berlin, zu dessen Mutter Paula, »die erst durch die faschistischen Rassengesetze daran erinnert wurde, dass sie Jüdin ist.« Seit 1933 ist sie Witwe. Ihr Vermögen wird als »Judenbuße« eingezogen, schließlich wird sie nach Theresienstadt deportiert. In die Berliner Kapitel flicht die Autorin Rückblicke ein auf die Geschichte der Achenbach-Familie, auf Ados Flucht aus dieser »geordneten« Welt ins Künstler- und Revolutionärsleben. Und schildert dann wieder den Alltag gegen Kriegsende, den Weg des Vaters ins KZ, die Umsiedlung nach Ahrenshoop.
An Spannung mangelt es auch in den weiteren Kapiteln nicht, die uns bis ins Jahr 2007 führen, als Seka, 90 Jahre alt, in München stirbt. Die Hoffnungen auf einen antifaschistischen Neubeginn, das Heranwachsen der Kinder, die Trennung von Ado und Seka, deren neue Ehen – Seka schließt eine kurze, beide nicht besonders befriedigende mit dem ehemaligen Spanienkämpfer und Schriftsteller Alfred Kantorowicz – Ado als DDR-Kulturfunktionär, sein früher Tod, Sekas Weg in die Bundesrepublik.
Dies alles ist verbunden mit der Schilderung von Auseinandersetzungen, Widersprüchen, politischen Entwicklungen, Schicksalsschlägen, die den handelnden Personen das Leben nicht gerade leicht machen. Immer wieder gibt es Hindernisse: Für Seka etwa ist es in ihrer DDR-Zeit plötzlich der »Titoismus«-Vorwurf. Als sie dann plant, mit den Kindern in ihre jugoslawische Geburtsheimat zurück zu ziehen, wird sie dort als »DDR-Agentin« verdächtigt.
»Seka«, schreibt Marina Achenbach über die wichtigste Quelle ihres Buches, »erzählt ihr Leben lang Geschichten, wir hören süchtig zu, obwohl wir sie verdächtigen, dass sie übertreibt. Aber wir spornen sie an mit einem geflüsterten: ‚Und dann?‘. Sie rollt ihren Erzählfaden auf, lässt ihn schwirren und kreisen. Wenn wir anfangen, sie nach Umständen und Gründen zu fragen, versickert ihre Erzähllust. Ein geordnetes Berichten langweilt sie. Sie steht auf und kocht sich einen Tee. Als wollte sie uns sagen: Wenn ihr mir nicht glaubt, finde ich es traurig, aber auch euch, meinen Lieblingen, wird es nicht gelingen, mich zu zähmen.«

Marina Achenbach, geboren 1939 in Zagreb, wuchs in der DDR auf, hat danach Slawistik in München, Tübingen und Moskau studiert und als Übersetzerin für Russisch und Serbokroatisch sowie für den polnisch-deutschen Kulturaustausch gearbeitet. Sie drehte Dokumentarfilme und war 1990 an der Gründung der Wochenzeitung „Der Freitag“ beteiligt, entstanden aus der Fusion der BRD-„Volkszeitung“ (die wiederum aus einer vorhergegangenen Verbindung des Friedensbewegungs-Traditionsblattes „Deutsche Volkszeitung“ mit der VVN-Wochenzeitung „die tat“ hervorgegangen war) und der DDR-Kulturbund-Wochenschrift „Sonntag“. Über ein Jahrzehnt schrieb sie für den „Freitag“ Reportagen, nicht zuletzt über den Jugoslawienkrieg, zu dem sie 1994 auch das Buch „Auf dem Weg nach Sarajevo“ veröffentlichte. 2004 erschien von ihr im Asso Verlag Oberhausen das Buch „Fasia geliebte Rebellin“ über die Liedermacherin und Sängerin Fasia Jansen.

»Motor der Veränderung«

geschrieben von Heinrich Fink

4. Mai 2017

Avantgarde-Kunst zur Oktoberrevolution in Chemnitz

Die Kunstsammlungen Chemnitz luden zu einer Ausstellung »Revolutionär!« (mit Ausrufezeichen) der russischen Avantgarde aus der Sammlung Vladimir Tsarenkov.
Der Termin der Ausstellung war für den aufmerksamen Zeitgenossen nicht frei von der Vermutung, daß er im Zusammenhang mit dem Datum »100 Jahre Oktoberrevolution« gewählt wurde. die »Revolutionäre« sind die russischen Künstler aus der revolutionären Kunstszene, die sich »Futuristen« nannten. Wladimir Majakowski soll zum Ereignis der Oktoberrevolution argumentiert haben »Anerkennen oder Ankommen war für mich keine Frage. Das war meine Revolution.«
Revolutionär!Die erste Aufforderung Lenins an die futuristischen Künstler unterschiedlicher Richtungen wurde spontan angenommen – sich mit ihrer Kunst an der Revolution zu beteiligen. Damit wurde die Oktoberrevolution zu einer Kulturrevolution. Das wird in dieser Ausstellung sehr deutlich. Die Kulturrevolution der Künstler war der »Motor der Veränderung Rußlands«, so Heinrich Vogeler.
Der erste umfassende Auftrag der Partei war die Ausgestaltung von großen öffentlichen Plätzen, besonders von Petrograd und Moskau. Für Petrograd wurde für den Revolutionsfeiertag im November 1918 ein Kunstwettbewerb ausgeschrieben, an dem sich nahezu 500 Künstler beteiligten, darunter auch einige, die in der Ausstellung in Chemnitz zu sehen sind.
Allein in Moskau wurden von 1918 bis 1921 25 Denkmale und über 500 Gedenktafeln geschaffen. Die große Bereitschaft vieler Künstler war verblüffend. Die Frage bleibt, ob sie von der Politik der Revolution ebenso bewegt waren. Jedenfalls kann der Beobachter in der Chemnitzer Ausstellung den Eindruck bekommen, daß die politische Überzeugung der Künstler mit ihren revolutionären Arbeiten übereinstimmt.
Leider ist diese Ausstellung trotz einmaliger Verlängerung immer noch zu früh beendet worden. Aber als Dokument bleibt der sehr gut konzipierte und gestaltete Katalog von 421 Seiten, verlegt im Sandsteinverlag.
Die in dieser Ausstellung präsentierte Auswahl umfasst die Zeit von 1917 bis 1930, von der Marc Chagall meint, sie wäre die produktivste Zeit der Kunst in Russland gewesen. Den Verfassern und Gestaltern dieses Katalogs ist für ihre Arbeit zu danken, damit das Interesse für die revolutionäre Kunst in Russland geweckt zu haben.
Es ist nur zu bestätigen, was die Herausgeberinnen, Ingrid Mössinger und Britta Milde, schreiben: »Mit ›Revolutionär! – die russische Avantgarde aus der Sammlung Vladimir Tsarenkov‹ ist es uns im Rahmen unseres internationalen Ausstellungsprogramm erneut gelungen, eine repräsentative Epoche russischer Kunst auf höchstem Niveau zu zeigen. … Die Sammlung … zeigt die außergewöhnliche Vielfalt der russischen Kunst im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts am Beispiel von rund 400 Werken von 110 Künstlern … Schmerzlich wurden wir in unserem Hause an die etwa 1000 Verluste während des Nationalsozialismus erinnert, wie z.B. das Aquarell »Skala« (1928) von Kandinsky und Lithographien von Jawlensky.
Eine Besonderheit der Chemnitzer Ausstellung ist das sogenannte Agitationsporzellan, das uns in den Zeitgeist jener Jahre führt. In der Zeit des noch verbreiteten Analphabetismus lesen wir auf den Tellern sehr eindrücklich gemalt: »Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.« Oder »Hast Du Dich schon als Freiwilliger gemeldet?« Oder der einfache Aufruf gegen die Hungersnot unter dem gemalten Hammer und Sichel: »Hast Du schon geholfen, Hunger zu stillen?«
Die Porzellansammlung zeigt gegossene Rotarmisten, Arbeiterinnen mit umgebundener Schürze und Sportler.
Sehr gut mit anzusehen sind Schachspiele, z.B. mit Figuren der Roten und der Weißen. Der König der Weißen hat die Gestalt des Todes. Ihm liegen statt Bauern gefesselte Sklaven zu Füßen. Auf der Seite der Roten findet man Arbeiter und Bäuerinnen, beschützt von Rotarmisten.
Der Katalog gibt einen hervorragenden Einblick in die Arbeit der russischen Avantgarde mit ihrer Botschaft für die Zukunft »Nahrung für alle« und ihrer Hoffnung, daß die revolutionäre Kunst einen kulturellen Bestand haben soll. Sie begriff sich und ihre Kunst als futuristisch, was sie meinten, es wäre die Zukunft auf dem Wege der Erfüllung. Sie wollen ein neues, gemeinsames Leben mit neuen Menschen, in dem Gemeinschaft für alle gleichberechtigt wächst und gedeiht.
So trugen auch bildende und angewandte Kunst ebenso wie das sowjetische Theater und die Filme von Eisenstein dazu bei, dass viele Menschen außerhalb Russlands – von den Arbeitern bis zur Intelligenz – die Entwicklungen in Sowjetrussland mit Interesse und Sympathie verfolgten.
Es war eine gute Idee, mit dieser Ausstellung an das 100. Jubiläum der Oktoberrevolution zu erinnern.

Editorial

geschrieben von Ernst Antoni

22. April 2017

Eine Großveranstaltung extrem rechter europäischer Parteien im Januar in der Koblenzer Rhein-Mosel-Halle mit Spitzenfunktionären aus Österreich, Italien, den Niederlanden und Marine Le Pen aus Frankreich, herzlichst begrüßt von Frauke Petry von der AfD. Das befremdliche Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das der NPD eine »Wesensverwandtschaft mit dem Nationalsozialismus« bescheinigt, um dann doch kein Verbot auszusprechen. »Neurechte« Formen der Holocaust-Leugnung, ein »Integrationsgesetz« in Bayern, das sich gegen Aus- und Inländer richtet, zunehmende Rüstungs- und Militarisierungsbestrebungen allerorten, die Bundesrepublik ganz vorne dabei…
Es sammelt sich derzeit schnell vieles an, über das in einem Magazin für antifaschistische Politik und Kultur kritisch berichtet werden muss. Zu den oben aufgeführten Punkten steht deshalb einiges Ausführlicheres in dieser Ausgabe der antifa. Ergänzt wie immer aber auch durch Überlegungen und positive Beispiele, wie und mit wem solchen Entwicklungen etwas entgegengesetzt werden kann. Wie hierzulande und andernorts humanistisches Engagement Impulse erhalten kann, breitere Bündnisstrukturen entstehen können, Wege des Widerstandes erprobt. Wichtig und nützlich ist hier nach wie vor die Erinnerung an Persönlichkeiten des antifaschistischen Widerstandes, an Verfolgte des Naziregimes und deren Wirken. Dazu auch in diesem Heft wieder einiges auf den Geschichts-, Porträt- und Kulturseiten.
Die aktuellen Entwicklungen vor dem Hintergrund unserer Erfahrungen und Erkenntnisse werden auch Gegenstand der Diskussionen und Schlussfolgerungen des Bundeskongresses 2017 der VVN-BdA sein, der am ersten April-Wochenende in Frankfurt am Main stattfindet. 70 Jahre nach der damals die alliierten Besatzungszonen übergreifenden Gründung des Gesamtverbandes. Die »Spezial«-Seiten dieser antifa informieren über Schwerpunkte des Kongresses, über den vom Bundesausschuss verabschiedeten Leitantrag und einen friedenspolitischen Antrag aus NRW.

Titelbild

22. April 2017

OLYMPUS DIGITAL CAMERAUnser Titelbild: Fröhliche Inbesitznahme: Trotz mehrsprachiger Hinweise, wer auf solchen Bänken nur sitzen dürfen soll, lassen sich junge Menschen in der Münchner Innenstadt nicht vom Platznehmen abhalten. Bayerisches »Integrationsgesetz« hin oder her. Eine kritische Kunstaktion mit Publikumsbeteiligung. Siehe auch Seite 31 dieser antifa. Foto: Wolfgang Smuda

Weg vom Mittelmaß

geschrieben von Markus Roth

19. April 2017

Deutsche Großmachtträume dürfen ruhig etwas kosten

Schon seit Jahren fordert das Militärbündnis Nato seine Mitglieder auf, mindestens zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) pro Jahr für ihre Armeen auszugeben. Der deutsche Wehretat ist mit 37 Milliarden bei etwa 1,2 Prozent des BIP und damit nur Mittelmaß. Was bei der Nato-Konferenz 2015 in Wales beschlossen und 2016 nochmal bestätigt wurde, wird nun auch von der zuständigen Ministerin von der Leyen gefordert: Eine schrittweise Erhöhung bis zur 2-Prozentmarke. Es sei schließlich unfair wenn die USA doppelt so hohe Militärausgaben hätten, als alle europäischen Staaten zusammen, so die Ministerin. Ihre Unterstützer verweisen auf die Annexion der Krim durch Russland bzw. die angebliche Untätigkeit der Nato bei dieser Krise und die allseits bekannte desolate Verfassung der Bundeswehr. Doch ein wichtiger Grund für die Erhöhung des Bundeswehretats dürfte auch in dem deutschen Bedürfnis nach einer Führungsrolle innerhalb der europäischen Nato-Streitkräfte zu suchen sein. Deutschland will nicht nur in den Nato-Strukturen kämpfen, sondern sie – neben den USA – auch anführen. Erste Schritte dazu sind die schon länger praktizierte Einbindung kleinerer Armeen (z.B. die niederländische, die tschechische und rumänische) in Kommandostrukturen der Bundeswehr, sowie neue Kooperationen mit Norwegen (U-Boot Flottille) und Frankreich (Beschaffung und Betrieb taktischer Transportflugzeuge). Das Ziel ist augenfällig: Wenn der Weg zur europäischen Armee zu steinig ist, dann soll es eben die Nato sein, die dem deutsch Führungsanspruch genügt.
Was gerade »nur« als Konjunkturprogramm für Rüstungsschmieden und Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für »die Rekruten« daherkommt, birgt also noch größere Gefahren: Der deutsche Militarismus entscheidet, wann es wieder Zeit ist für das Sterben.

 

Mit wem und wofür?

geschrieben von Regina Girod

19. April 2017

Bündnispolitik in schwierigen Zeiten

Nach der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA gab es wochenlang keine Nachrichtensendung, keine Zeitung, überhaupt kein Medium, aus dem einen nicht als erstes ein Foto von ihm entgegensprang, dazu eine Schlagzeile, was er nun wieder angeordnet, gesagt oder getan hat. Die Welt scheint völlig aus den Fugen. Ob Nato, Freihandel oder Feindbilder – was scheinbar für die Ewigkeit gegolten hat, wirkt auf einmal zur Disposition gestellt. Hilflose Reaktionen bei Freund und Feind. Wie verhält man sich als Vorkämpfer von TTIP, wenn die USA es plötzlich nicht mehr wollen? Und was bedeutet das für TTIP-Gegner? Einen Sieg, eine Niederlage, oder gar nichts?

Kampagnenseite www.aufstehen-gegen-rassismus.de

Kampagnenseite
www.aufstehen-gegen-rassismus.de

So ratlos scheint die Oppositionsbewegung in den USA selber nicht zu sein. In kürzester Zeit hat sie Hunderttausende auf die Straße gebracht, die nicht zusehen wollen, wie ihnen Pluralität und Bürgerrechte, über Jahrzehnte hart erkämpft, nun im Handstreich genommen werden. Die USA sind tief gespalten. Trumps Politik ist ein Versuch, fundamentale Widersprüche auf reaktionäre Weise beherrschbar zu machen- ein höchst gefährliches Konzept.

Auch wegen seiner »Vorbildwirkung« für Europa und die Welt. Ein rechter Erdrutsch ist in vielen Ländern möglich, in manchen sogar schon Realität. Deshalb ist die Frage nach dem Verhältnis deutscher Linker zur Protestbewegung in den USA kein akademisches Problem.

Es geht in ihr um Bündnisfragen auch bei uns.

Gerade weil man noch nicht viel darüber weiß, welche Kräfte dort agieren, sind Projektionen deutlich zu erkennen, die manchen Wertungen zugrunde liegen. Die Mehrheit fühlt sich der Bewegung in den USA verbunden und hofft auf sie. Doch nicht alle.

Da sind auch jene, die in Trump um jeden Preis einen Partner Putins sehen wollen und bereit sind, alles auszublenden, was nicht in dieses Raster passt. Politisches Wunschdenken, manchmal noch ergänzt durch den Gedanken: »Wenn alle Gegner ihn verdammen, kann er so schlecht nicht sein«. Von einer Analyse ist das allerdings weit entfernt.

Und es gibt andere, die meinen, dass man die Protestbewegung nicht unterstützen darf, solange die Demokraten an ihr beteiligt sind. Die hätten die Misere schließlich mit verursacht und dürften davon nicht noch profitieren. Also lieber eine »kleine aber reine« Opposition, von der selbst Bernie Sanders ausgeschlossen bleibt? Ein Konzept, das mit Garantie in die Niederlage führt.

Spätestens hier sind die Parallelen zu unserer eigenen Situation unübersehbar. Wie breit darf ein Bündnis sein? Ist die AfD so gefährlich, dass man andere Ziele für den Kampf gegen sie zurückstecken muss? Oder orientiert man nun gerade auf die Überwindung des Bestehenden und erledigt die Gefahr von rechts dabei gleich mit?

Doch welche Kräfte stünden dafür überhaupt bereit? Man könnte auch versuchen, der AfD die Wähler abzujagen, indem man ihre Forderungen in abgeschwächter Form übernimmt…? Alles Fragen, die zurzeit in der deutschen Linken kursieren. Wirklich diskutiert aber werden sie nicht, meistens geht es nur darum, Positionen der jeweils anderen zurückzuweisen.

Gerade heute, wo alles in Veränderung begriffen ist, alte Widersprüche unverhofft verschwinden und dafür neue aufbrechen, ist der solidarische Diskurs über Werte, Strategie und Taktik der Linken unerlässlich geworden.

Wir müssen zu gemeinsamem Handeln kommen, sonst droht uns Marginalisierung!

Wie immer geht es dabei auch um Grenzziehungen. Wenn ich dem Parlamentarismus, d. h. dem Gewinn von Wählerstimmen zur Erreichung meiner Ziele höchste Priorität einräume, werde ich versuchen, die Probleme aufzugreifen, mit denen die AfD gerade punktet. Genau das praktizieren im Augenblick Vertreter aller Parteien, bis in die Linke hinein. Und bedienen dabei selbst das Bild der prinzipienlosen und korrupten Kaste, mit dem die AfD sie attackiert. Und – was noch schlimmer ist – das gesamte gesellschaftliche Klima wird nach rechts verschoben. Das betrifft uns alle, damit müssen wir uns auseinandersetzen.

Die Kampagne »Aufstehen gegen Rassismus« wird von einem breiten Bündnis getragen. Alleine daraus, dass in ihm politische Parteien, Gewerkschaften und zivilgesellschaftliche Organisationen verbunden sind, resultieren viele Widersprüche. Interessen, Erfahrungen und politische Kultur unterscheiden sich. Es mangelt an Geld und Aktiven, wie eigentlich überall. Doch nirgends entstehen Verständnis und Solidarität so schnell, wie in der Arbeit an einem gemeinsamen Projekt.

Die VVN-BdA wird auch im Jahr 2017 ihre Mittel und Ressourcen für den Kampf gegen die AfD einsetzen. Wir bringen sie in das Bündnis »Aufstehen gegen Rassismus« ein. Weitere Mitstreiter dringend gesucht.

www.aufstehen-gegen-rassismus.de

Wie gefährlich ist Beate Zschäpe?

geschrieben von Janka Kluge

16. April 2017

In den letzten Wochen ging es im Prozess gegen Beate Zschäpe um die Frage ihrer Schuldfähigkeit. Ihre Anwälte wollten verhindern, dass der Psychiater Henning Saß sein Gutachten über die Psyche der Angeklagten vorträgt. Sie warfen dem renommierten Gerichtspsychiater vor, dass er nicht mit der Angeklagten gesprochen habe. Unerwähnt ließen sie dabei, dass sie es selbst war, die jeden Kontakt mit dem Psychiater abgelehnt hat. Um den Auftrag des Gerichts zu erfüllen blieb ihm nichts Anderes übrig, als sich auf Aktenstudien und eigene Beobachtungen während des Prozesses zu beschränken.
Saß entwickelte in seinem mündlich vorgetragenen Bericht zwei Szenarien. Im ersten ist er der Frage nachgegangen, ob die Behauptungen von Beate Zschäpe schlüssig sind, oder sie sich nur aus taktischen Gründen als weitgehend unschuldig darstellt. Zu dieser Darstellung gehört auch ihre Aussage, sie habe von den Morden immer erst im Nachhinein erfahren und hätte sie somit nicht verhindern können. Außerdem sei sie, so hat sie es in einer von ihrem Anwalt verlesenen Stellungnahme behauptet, emotional und sexuell von den beiden Uwes abhängig gewesen und habe sich in hohen Alkoholkonsum und die Pflege ihrer Katzen geflüchtet. Diese Sicht läuft überspitzt gesagt darauf hinaus, dass Beate Zschäpe eigentlich das erste Opfer der beiden Mörder gewesen sei und nicht ihre Mittäterin.
Henning Saß widersprach dieser Darstellung in allen Punkten. Er sieht in ihrem Verhalten Anzeichen von manipulativem Verhalten, Verdrängungen und egozentrischen Zügen. Er wollte eine Persönlichkeitsstörung zwar nicht vollständig ausschließen, betonte aber, dass er die Angeklagte in allen Punkten für schuldfähig hält. Außerdem -bescheinigt er ihr, dass sie »erfolgreich Grundsätze (…) der Heimlichkeit, des Verbergens, des Täuschens« eingehalten hat und dadurch das Leben im Untergrund mit ermöglicht hat«. Sie habe sich »lieber als gute Nachbarin« gezeigt, »die von ihrer Gesinnung nicht preisgegeben hat«. Außerdem betonte er, dass sie sich in keinster Weise von ihrer Gesinnung getrennt hat und es möglich ist, dass sie nach Verbüßung der Haftstrafe wieder politisch aktiv wird.
Mit seinem Gutachten stützt Henning Saß die These der Bundesstaastsanwaltschaft, dass Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe gemeinsam und arbeitsteilig die Morde begangen haben.

Mittlerweile haben die Verteidiger von Beate Zschäpe ein zweites Gutachten beantragt. Dadurch wird der Prozess wahrscheinlich weiter verzögert werden.

Erwartungen an einen Kandidaten

geschrieben von Ulrich Schneider

16. April 2017

Steht Martin Schulz zu seinen antifaschistischen Positionen?

Im Januar 2017 überraschte die SPD mit einer Personalentscheidung zur Bundestagswahl. Der ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, wurde nicht nur zum Spitzenkandidat der Partei gekürt, sondern gleichzeitig zum designierten Parteivorsitzenden. Normalerweise beschäftigt sich die VVN nicht mit Personalpolitik in einzelnen Parteien. Nur in den 80er Jahren, als Franz-Josef Strauß Bundeskanzler werden wollte, engagierte sich auch die VVN-BdA in dem breiten überparteilichen Bündnis »Stoppt Strauß«, um eine Rechtsentwicklung in der BRD aufzuhalten.
In diesem Jahr sieht die Situation anders aus. Immerhin hat sich der Kandidat Martin Schulz in den vergangenen Jahren mehrfach deutlich in antifaschistischer Perspektive positioniert. Er war Hauptredner auf dem Kongress der sozialistischen Fraktion des Europaparlaments in Dresden zur Unterstützung des gesellschaftlichen Protestes gegen den internationalen Naziaufmarsch zum 13. Februar. In seiner Heimatregion Aachen trat er mehrfach bei Ehrungen zum Gedenken an die Opfer des Faschismus auf. Und man sollte nicht vergessen, dass er am 8. Mai 2015 aus Brüssel nach Polen reiste, um in der Gedenkstätte Auschwitz auf der Abschlusskundgebung des »Zug der Tausend«, dem beeindruckenden internationalen Jugendtreffen des »Institut des Veterans« und der FIR, zu sprechen. In seiner Ansprache würdigte er die Opfer des Faschismus, erinnerte aber auch an den antifaschistischen Widerstand und forderte die Nachgeborenen auf, selber aktiv zu werden gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, gegen Antisemitismus und wiedererstarkenden Nationalismus. Und zur katastrophalen Situation der Flüchtlinge in den europäischen Aufnahmeländern fand er im vergangenen Jahre durchaus deutliche Worte.
Wir als Antifaschisten beobachten daher, ob Martin Schulz tatsächlich für einen Politikwechsel stehen könnte. Und der bedeutet, nicht den rechtspopulistischen Schlagworten hinterherzulaufen, sondern sich z.B. gegen Abschiebungen von Flüchtlingen nach Afghanistan und in andere Kriegs- und Krisengebiete zu positionieren. Die Forderung nach Überwindung der Gerechtigkeitslücke muss mit tatsächlichen Maßnahmen für alle Menschen verbunden werden, so dass die rassistische und soziale Spaltung der Gesellschaft überwunden werden kann. Und zum antifaschistischen Grundverständnis gehört auch das Eintreten für eine Friedenspolitik und nichtmilitärische Konfliktlösungen. Hier hat der Kandidat noch ein weites Betätigungsfeld. Wir sind gespannt.

Fernduell Petry und Höcke

geschrieben von Thomas Willms

16. April 2017

Eine Massenmanifestation extremer Rechter in Koblenz

Die tausendköpfige Menge war begeistert von der Mischung aus vagem Fußball-Triumph- und NPD-Fahneneinmarsch. »Sympathisch, natürlich, bodenständig und von messerscharfer Intelligenz«, so wurde Frauke Petry als letzte Rednerin der großangelegten Konferenz der EU-Parlamentsfraktion »Europa der Nationen und der Freiheit« am 21. Januar in der Koblenzer »Rhein-Mosel-Halle« angekündigt. Für AfD-Verhältnisse sind das zurückhaltende Selbstgratulationen, die mit den einleitenden Worten Petrys, dem nahezu demütigen Dank an die angereisten nationalistischen Spitzenfunktionäre aus Österreich, Italien, den Niederlanden und vor allem Marine Le Pen aus Frankreich ihre Fortsetzung fanden. Und dabei diente das ganze Brimborium, organisiert von Petrys Ehemann und Taschenträger Markus Pretzell, tatsächlich im Wesentlichen der Inthronisation Petrys als oberste deutsche Merkel-Gegnerin in Form der nicht mehr zu hinterfragenden AfD-Spitzenkandidatin. (Dass Europas extreme Rechte in Deutschland direkt auf den deutschen Wahlkampf einwirkten, fiel den Medien übrigens weniger als problematisch auf als die Tatsache, dass später Erdoğans Emissär in Deutschland Wahlkampf für eine türkische Volksabstimmung betrieb.)
Man kann zusammenfassend sagen, dass dieses Vorhaben schief gegangen ist. Zum einen hatte der Oberintrigant Höcke vier Tage zuvor mit seiner »Denkmal-der-Schande«-Rede in Dresden nicht nur das Interesse der Öffentlichkeit erfolgreich auf sich gelenkt, sondern ganz offensichtlich den richtigen Ton bei denjenigen getroffen, die bei anstehenden Parteitagen letztlich die Entscheidungen treffen: dem Parteiaktiv der AfD. Petry war nun in der Pflicht, »zu liefern«, konnte dies aber aus gleich zwei Gründen nicht. Ihre Rhetorik fiel hörbar insbesondere hinter Le Pen zurück. Diese sprach auf Französisch (was anderes kann sie voller Stolz auch nicht) und distanzierte sich dergestalt einerseits von Emmanuel Macron, der zuvor in fließendem Englisch und von Premierminister Jean-Marc Ayrault, der in fließendem Deutsch in Berlin gesprochen hatte.
Und was für eine Rede Le Pen hielt! Jeder Halbsatz gesättigt mit ideologischen Fettsäuren. Mit grausiger Faszination verfolgt man dieses Amalgam aus Pseudo-Maoismus und Nationalismus. Ganz bewusst werden »le peuple« und »les peuples«, das Volk und die Völker verquirlt, so dass Le Pen mit strahlendem Lächeln verkünden kann, »dass das Volk und die Völker um ihre Freiheit ringen!« Wer hier nicht mit aller geistigen Schärfe gegenhält – und wer tut das in Frankreich? – ist verloren.
Verloren war aber auch anschließend Petry. Sie konnte nicht öffentlich sagen, dass Le Pen zwar Frau Merkel um jeden Preis vom Pult weghaben will, darüber hinaus aber eine Politik betreiben will, die ihrem eigenen Deutsch-Nationalismus notwendigerweise diametral entgegengesetzt ist. »Frankreich zuerst!« verlangt nach einem Deutschland, das maximal Zweiter ist, aus FN-Sicht aber eher noch Dritter hinter den Brexit-Briten.
Vor allem aber kam ihr der Pseudo-Sozialismus Le Pens nicht über die Lippen. Der Sozialismus bleibt für sie »der Parasit der Völker« – so ihre einzige nazitaugliche Vokabel – und darf nicht einmal in demagogischer Weise verwendet werden. Petry bleibt im Kern eine wirtschaftsliberalistische Ideologin, die die Hälfte ihrer Rede denn auch der Feier von Europa als Wiege des Individuums und des Individualismus widmete. Wie soll man von dort aus die Kurve zum Völkischen hinbekommen, fragt man sich als Zuhörer? Sie schaffte es nicht. Unverbunden folgten Bekenntnisse zu Volk, Heimat, Kultur und Familie. All das goutierte das Publikum mit nur höflichem Applaus. Stimmung kam erst auf, als sie zu einer rhetorisch verschwurbelten Attacke z.B. auf Klimaschützer anhob. Die Freiheit, die Frau Petry meint, ist nämlich die Freiheit zur Dummheit und zur Ignoranz gegenüber wissenschaftlichen Fakten.
Aufhorchen ließ nur noch der bündnispolitisch bedeutsame Schluss, der aus lobenden Worten gegenüber Helmut Kohl und der »geistig-moralischen Wende« bestand, die es jetzt zu vollenden gelte. Man darf gespannt auf die Fortsetzung des weiteren Rechtsschwenks in der AfD sein.

Mehrere tausend Gegendemonstranten begleiteten die ENF-Konferenz. Zu der Kundgebung hatte ein Bündnis aus Gewerkschaften, Parteien, Kirchen und Verbänden unter dem Motto »Koblenz bleibt bunt« aufgerufen. »Es ist eine Demonstration für die Freiheit, für den Zusammenhalt in unserem Land, für Weltoffenheit, für Toleranz«, sagte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) bei der Demonstration.

NPD bedeutungslos?

geschrieben von Ulrich Schneider

13. April 2017

Verfassungsgericht legalisiert Neofaschismus

Am 17. Januar 2017 verkündete das Bundesverfassungsgericht sein Urteil zum Antrag des Bundesrates, die NPD als verfassungswidrig zu verbieten. Schon im Vorfeld wurde darüber spekuliert, dass kein Verbot ausgesprochen werde. Und tatsächlich kam das Gericht zu der Aussage: Der Verbotsantrag sei »unbegründet«. »Ein Erreichen der verfassungswidrigen Ziele der NPD mit parlamentarischen und außerparlamentarischen Mitteln erscheint ausgeschlossen.« Und weiter: »Konkrete Anhaltspunkte von Gewicht, die darauf hindeuten, dass die NPD die Grenzen des zulässigen politischen Meinungskampfes … überschreitet, liegen ebenfalls nicht vor.« Eine solche Entscheidung ignoriert die tatsächliche Politik und Rolle dieser Partei und steht im merkwürdigen Widerspruch zu den inhaltlichen Ausführungen des Gerichtes über die Ziele dieser Partei.
»Die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) vertritt ein auf die Beseitigung der bestehenden freiheitlichen demokratischen Grundordnung gerichtetes politisches Konzept. Sie will die bestehende Verfassungsordnung durch einen an der ethnisch definierten ›Volksgemeinschaft‹ ausgerichteten autoritären Nationalstaat ersetzen. Ihr politisches Konzept missachtet die Menschenwürde und ist mit dem Demokratieprinzip unvereinbar. Die NPD arbeitet auch planvoll und mit hinreichender Intensität auf die Erreichung ihrer gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung gerichteten Ziele hin.«
Diese Begründung bestätigt die Position aller Antifaschisten, dass die NPD von ihrer Politik und Programmatik her eine verfassungswidrige Partei war und ist. Ausdrücklich spricht das Gericht von einer »Wesensverwandtschaft mit dem Nationalsozialismus«. »Hinzu kommt das Bekenntnis zu Führerpersönlichkeiten der NSDAP, der punktuelle Rückgriff auf Vokabular, Texte, Liedgut und Symbolik des Nationalsozialismus sowie geschichtsrevisionistische Äußerungen, die eine Verbundenheit zumindest relevanter Teile der NPD mit der Vorstellungswelt des Nationalsozialismus dokumentieren.« Aber Art. 139 GG möchte man trotzdem nicht anwenden.
Die Entscheidung des Gerichts erschwert den politischen Kampf gegen die NPD, weil die Partei sich weiter auf das Parteienprivileg berufen kann und staatliche Förderung beanspruchen darf, von der sie in den vergangenen Jahren gelebt habt.
Für alle Antifaschisten bedeutet das, den politischen Kampf gegen die NPD auf der Straße und in der gesellschaftlichen Öffentlichkeit fortzusetzen. Wir bleiben bei der politischen Forderung »nonpd – NPD-Verbot jetzt!«, denn »Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!«

Urteil vom 17. Januar 2017, 2 BvB 1/13

Ältere Nachrichten · Neuere Nachrichten