Fund in Sachsenburg

geschrieben von Enrico Hilbert, Vorsitzender – LAG Sachsenburg e. V.

18. März 2014

Unterstützung für eine Gedenkstätte erbeten

 

Auf dem Gelände des ehemaligen KZ Sachsenburg (1933-1937) wurde im letzten Jahr ein sensationeller Fund gemacht. Eine Inschrift, die die Existenz des Lagers belegt, wurde freigelegt und in den letzten Wochen gereinigt und gesichert. Sie soll in den kommenden Wochen saniert und später in die entstehende Gedenkstätte integriert werden. Nach 80 Jahren ist dies eine Seltenheit. Dazu wurden eine Postkarte und eine Photographie gefunden, die eindeutig darauf hinweisen, dass die Nationalsozialisten in der Öffentlichkeit keinen Hehl aus der Existenz des KZ machten. Noch bis in die 1980er Jahre war der Schriftzug weit ins Land zu sehen, bis er schließlich von der Natur überwuchert wurde. So wie die steinernen Zeugen, sind auch andere Belege für das KZ von großem Interesse. Bisher ist es der Lagerarbeitsgemeinschaft KZ Sachsenburg gelungen, einige dieser Zeugnisse zu sichern. Sein Domizil hat der Verein in Frankenberg. Geplant sind weitere Dokumentationen zur Geschichte des Konzentrationslagers und zu den dort Inhaftierten.

Leider gibt es keine Häftlingskartei und kein Verzeichnis von Überlebenden oder Verwandten. Der Verein bittet auf diesem Weg um Hilfe und Unterstützung seiner Arbeit. In diesem Jahr sind ein Gedenkwochenende, der Beginn der Sanierung des Zellenbaus sowie die Erstellung einer ersten Ausstellung vor Ort geplant. Es wäre schön, wenn sich Hinterbliebene oder Interessierte beim Verein melden und die Arbeit somit unterstützen könnten. Kontakt: info@vvn-bda-chemnitz oder per Post LAG Sachsenburg e. V., Bahnhofstraße 1, 09669 Frankenberg/Sa.

Das Gedenkwochenende findet vom 30. Mai bis 01. Juni 2014 in Frankenberg und Sachsenburg statt. Gern sind wir bei der Vermittlung von Unterkunft behilflich und schicken das Programm zu.

Was in der Ukraine passiert

geschrieben von Tobias Baumann

18. März 2014

In den letzten Tagen wurden Hunderte Büros der Kommunistischen Partei der Ukraine von bewaffneten Faschisten gestürmt. Das heißt, die Ukraine hat in Sachen Rechtsruck in der Krise die reaktionäre Orban-Regierung in Ungarn binnen weniger Tage überholt. Mittlerweile setzt auch die EU ungeniert auf neofaschistische Kräfte, um die gefährlicher werdende »rote Gefahr« effektiv und präventiv zu bekämpfen; dies ist ein Testlauf der neuen aggressiven EU-Außenpolitik, denn die Außenminister Polens, Deutschlands Frankreichs haben ihr gemeinsames Vorgehen für das EU-Kapital abgestimmt. Die schwammige Erklärung der drei Außenminister Laurent Fabius, Radek Sikorski und Frank-Walter Steinmeier zur Lage in der Ukraine findet sich hier: http://bit.ly/1euNvox). In der Krise sind die EU und die USA brandgefährlich für den Weltfrieden, zumal die Vorherrschaft in Osteuropaherrschaft seit 100 Jahren erklärtes deutsches (Kriegs)-Ziel ist. Dafür ist jedes Mittel Recht, auch neofaschistische Bundesgenossen. So ist ein Mitglied der Swoboda-Partei neuer designierter Generalstaatsanwalt der Ukraine. Einige Rabbiner haben ihre Glaubensbrüder bereits offen zur Flucht aus Kiew aufgerufen. Die Friedensbewegung und alle Antifaschistinnen und Antifaschisten müssen jetzt handeln und der unverhohlenen Kriegshetze der deutschen Medien entgegentreten!

Konsequent demokratisch

geschrieben von P. C. Walther

18. März 2014

Der Antifaschist und Ausnahmejurist Heinz Düx wird 90

 

Es gibt zwei aktuelle Anlässe, auf Dr. Heinz Düx – seinerzeit Untersuchungsrichter beim Frankfurter Auschwitzprozess, Vorsitzender Richter beim Oberlandesgericht, und ehemals Präsidiumsmitglied der VVN-BdA in der alten Bundesrepublik – besonders hinzuweisen:

Vor kurzem ist ein 980 Seiten starkes Werk von Schriften und Arbeiten aus seiner Feder erschienen – und am 24. April ist sein 90. Geburtstag.

Heinz Düx im Dokumentarfilm »Der Einzelkämpfer – Richter Heinz Düx« von Wilhelm Rösing 2011.

Heinz Düx im Dokumentarfilm »Der Einzelkämpfer – Richter Heinz Düx« von Wilhelm Rösing 2011.

In vierzig Jahren Justizdienst war Heinz Düx primär mit juristischen Aufarbeitungen der Verbrechen des deutschen Faschismus beschäftigt. Als Untersuchungsrichter beim Frankfurter Auschwitzprozess hatte er wesentlichen Anteil am Zustandekommen dieses Verfahrens. Später, als langjähriger Vorsitzender des Entschädigungssenats des Frankfurter Oberlandesgerichts, waren auch hier Folgen des Naziregimes sein Arbeitsthema.

Fast noch wesentlicher und aussagekräftiger sind seine politischen und publizistischen Arbeiten und Engagements.

Heinz Düx, radikaler Demokrat und Antifaschist, gehörte – zum Teil nur zeitweise, was u.a. seiner Distanz gegenüber Organisationsapparaten entspricht; er selbst nennt seine Organisationszugehörigkeiten »zeitweise Assoziierungen« – u.a. der KPD, der SPD, der Gewerkschaft ÖTV, der VVN und der Vereinigung demokratischer Juristen (VdJ) an; bei den letztgenannten als Präsidiums- bzw. Vorstands- und Gründungsmitglied.

Er engagierte sich ebenso in der Friedensbewegung und in der Protestbewegung gegen die Berufsverbote; er war Mitgründer und Autor der Zeitschrift »Demokratie und Recht«; schrieb Kommentare in der antifaschistischen Wochenzeitung »die tat«, publizierte in weiteren Medien und hielt zahlreiche Vorträge.

Es ist unmöglich, in einem einzigen Artikel die Leistungen dieses »Ausnahmejuristen«, wie Erich Buchholz ihn nannte, mehr als nur ansatzweise zu beschreiben und zu würdigen. Es gibt – neben weiteren Publikationen von und über Heinz Düx – zwei mehr oder minder aktuelle Werke, die viel über ihn aussagen: Da ist einmal der Dokumentarfilm von Heinz Rösing (Bremen): »Der Einzelkämpfer – Richter Heinz Düx«, der eindrucksvoll und anschaulich über Lebensabschnitte und Leistungen von Heinz Düx berichtet.

Und es gibt das vor kurzem im Verlag Pahl-Rugenstein erschienene Buch »Heinz Düx: Justiz und Demokratie«, herausgegeben von Friedrich-Martin Balzer. Es enthält weit über zweihundert Arbeiten von Heinz Düx und gibt damit – insbesondere auch durch das ausführliche Vorwort des Herausgebers Friedrich-Martin Balzer –interessante und aufschlussreiche Einblicke in die vielfältigen Leistungen und das Leben dieses Mannes.

Das Buch beinhaltet neben dem Text seiner Dissertation von 1948 u.a. kritische Kommentare zur bundesdeutschen Geschichte, zu den Themen Antifaschismus, Frieden, Abrüstung und Entspannung, zum Verfassungsrecht, vor allem auch Beiträge der Justizkritik sowie autobiographische Texte.

Wer Heinz Düx, sein Engagement und seine Ansichten kennenlernen will, wer Näheres und Kritisches über die bundesdeutsche Geschichte und Justiz erfahren will, kann dies alles am besten durch die Lektüre dieses Buches.

Heinz Düx beschränkt sich nicht aufs nur Juristische. Für ihn gehören die gesellschaftlichen Verhältnisse und die politischen Entwicklungen immer dazu. Dabei lässt er Zusammenhänge und Ursachen nicht außeracht – und weicht auch nicht der Frage aus, wie man die Dinge möglicherweise verändern könnte.

Justiz und Demokratie.: Anspruch und Realität in Westdeutschland nach 1945, 980 Seiten, 39,99 EUR

Justiz und Demokratie.: Anspruch und Realität in Westdeutschland nach 1945, 980 Seiten, 39,99 EUR

Heinz Düx hat eine einnehmend freundliche Art. Wenn er sich mit politischen Entwicklungen und Ereignissen befasst, ist er jedoch keineswegs zurückhaltend. Er nennt die Dinge beim Namen, legt den Finger auf die Wunde. Wenn er etwas erforscht und erkannt hat, vertritt er, ohne rechthaberisch aufzutreten, nachdrücklich seinen Standpunkt, gegebenenfalls auch ohne Rücksicht auf mögliche Nachteile für ihn.

Im deutschen Justizapparat war er eine Besonderheit, eine rühmliche Ausnahme – und nicht bei allen Teilen der Justiz und der Gesellschaft beliebt, schon gar nicht bei der der herrschenden Politik. Die hessische CDU versuchte in den siebziger und achtziger Jahren zweimal, die Entlassung von Heinz Düx aus dem Justizdienst zu erreichen; erfreulicherweise ohne Erfolg.

Er ist auch heute noch, soweit Alter und Gesundheitszustand es ihm erlauben, gelegentlich unterwegs, an politischen Debatten und Ereignissen immer interessiert – und vielerorts ein gern gesehener Gast und willkommener Gesprächspartner.

Die FIR zur Europawahl

18. März 2014

Wählt Antifaschisten ins Europäische Parlament!

 

Im Mai 2014 finden die Wahlen zum Europäischen Parlament statt. Für die Veteranen des antifaschistischen Kampfes und für Antifaschisten heutiger Generationen sind diese Wahlen aus zwei Gründen von Bedeutung:

Die gegenwärtige Politik und Entwicklung der Europäischen Union entspricht nicht den Interessen großer Teile der Menschen in den europäischen Ländern. Zahlreiche Entscheidungen führen zu massiver sozialer Ausgrenzung, gehen zu Lasten der Schwächsten der jeweiligen Länder. Daher müssen im Europäischen Parlament die Stimmen gestärkt werden, die sich für eine demokratische, friedensorientierte, solidarische und sozial gerechte Entwicklung Europas einsetzen.

Zweitens treten in verschiedenen europäischen Ländern rassistische und extrem rechte Kräfte zu den Wahlen an, denen im Wahlkampf und im Parlament aktiv und engagiert entgegengetreten werden muss.

Wir rufen daher dazu auf, bei der Europawahl in allen Ländern solche Frauen und Männer zu wählen, die sich einsetzen für ein Europa,

• das jeder Form der rassistischen Diskriminierung oder der Fremdenfeindlichkeit entgegentritt,

• das sich für Flüchtlinge einsetzt und ihnen eine menschenwürdige Behandlung garantiert,

• das sich gegen jegliche Form von Holocaustleugnung, Geschichtsrevision und Rehabilitierung von SS-Verbrechern einsetzt,

• das eine soziale Politik gewährleistet, durch die allen Menschen Arbeit, Bildung, Ernährung und eine angemessene Wohnung garantiert wird,

• das für eine Friedenspolitik eintritt, die nicht auf Hegemonie, sondern auf nicht-militärischen Konfliktlösungen beruht,

• das eine Gemeinschaft im Interesse der Menschen darstellt und nicht der Herrschaft von Banken und Wirtschaftsverbänden,

• das für vergleichbare Lebensbedingungen in allen Ländern eintritt und gegen erzwungene Arbeitsmigration,

• das eine Gleichberechtigung zwischen den Völkern und Nationen garantiert und keine Hegemionialpolitik.

 

Ein solches Europa ist möglich, wenn sich die Völker aktiv und vernehmbar für ihre Interessen einsetzen.

Gegen Geschichtsrevisionismus in Ungarn

18. März 2014

Die Internationale Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) – Bund der Antifaschisten, die Dachorganisation ehemaliger Partisanen, Widerstandskämpfer, Deportierter und Opfer des Naziregimes und Angehöriger der alliierten Streitkräfte aus mehr als 25 Ländern Europas und Israels, unterstützt den Protest von Historikern, Antifaschisten und anderen Angehörigen der ungarischen Zivilgesellschaft gegen das geplante Denkmal zur Erinnerung an die Opfer der deutschen Okkupation.

besatzung

So richtig jede öffentliche Erinnerung an die Opfer faschistischer Terror-Herrschaft ist, müssen wir jedoch feststellen: Dieses Denkmal auf dem Budapester Freiheitsplatz soll das profaschistische Horthy-Regime entlasten, indem mit diesem Denkmal alle Ungarn – mit Ausnahme der faschistischen Pfeil-Kreuzler – zu »Opfern des Faschismus« gemacht werden.

Damit reiht sich dieses Projekt ein in die massiven Versuche der Rehabilitierung des Horthy-Regimes und der Leugnung des antifaschistischen Widerstandes, der bereits in den 30er und 40er Jahren geleistet wurde, ein.

Damit wird eine Tür geöffnet für Geschichtsfälschung und Umdeutung der Erinnerung, wie sie beispielsweise in der Ehrung jener ungarischen Soldaten stattfindet, die an der Seite der SS und der deutschen Wehrmacht im Frühjahr 1945 gegen die Befreiung des Landes vom Faschismus durch durch die sowjetische Armee als Teil der alliierten Streitkräfte gekämpft haben. Die FIDESZ – Administration zeigt damit, dass sie keine ernsthafte inhaltliche Distanz zu den neofaschistischen Kräfte von JOBBIK und anderen Gruppen der extremen Rechten hat.

Die FIR fordert die ungarischen Verantwortlichen auf, dieses Projekt nicht zu verwirklichen. Sie unterstützt den zivilgesellschaftlichen Protest und wird selber vor Ort ihre Ablehnung zeigen.

Das Alte stürzt

geschrieben von Regina Girod

18. März 2014

Vor 40 Jahren siegte in Portugal die Nelkenrevolution

Am 25. April 1974 verlas um 0.30 Uhr der Sprecher eines katholischen Rundfunksenders in Portugal die erste Strophe des von der Diktatur verbotenen Liedes Grândola, Vila Morena, danach erklang das Lied selbst, gesungen von dem antifaschistischen Protestsänger José Zeca Afonso. Das war das Signal für den Aufstand der militärischen Einheiten, die sich zur »Bewegung der Streitkräfte ( MFA)« bekannten.

25abril1974[1]

Knapp 18 Stunden später hatten sie das Salazar-Caetano-Regime, die älteste Diktatur Westeuropas, gestürzt. Die MFA bestand vornehmlich aus jungen Offizieren der unteren Ränge. Seit Beginn der Kolonialkriege in den afrikanischen Provinzen waren auch einfache Soldaten aus dem Volk zu Offizieren ausgebildet worden. Diese Männer waren es, die den diensthabenden Kommandanten festsetzten und über die Autobahn nach Lissabon fuhren, um Ministerien, Rundfunk- und Fernsehsender sowie den Flughafen zu besetzen. Die Mehrheit der angerückten Regierungstruppen lief zu den Aufständischen über.

Tausende Lissaboner säumten den Weg der Aufständischen, jubelten den Befreiern zu, liefen neben den Armeefahrzeugen her, sprangen auf. Die ersten roten Nelken leuchteten an den Uniformen der Soldaten und aus ihren Gewehrläufen. Die rote Nelke, das Symbol der sozialistischen Arbeiterbewegung, deren Ideen die portugiesische Revolution maßgeblich prägten, gab der Revolution ihren Namen.

In der Nacht zum 27. April wurden die politischen Gefangenen aus dem Kerkern der Geheimpolizei PIDE befreit. Ihre Verwandten und Freunde empfingen sie auf der Straße. Jahrelang waren sie dort ohne Gerichtsverfahren eingesperrt und Folter, Isolationshaft und Demütigungen ausgesetzt gewesen.

Noch vor dem 1. Mai kehrten viele Verbannte und politisch Verfolgte aus dem Exil zurück. Alvaro Cunhal, Vorsitzender der Kommunistischen Partei (PCP) hatte 13 Jahre in den Kerkern der Geheimpolizei verbracht, bis ihm 1960 die Flucht gelang. Seitdem hatte er in Moskau und Prag gelebt. Auch Mário Soares (Sozialistische Partei) kam aus Paris zurück. Ein machtvoller und widersprüchlicher Prozess der Umwandlung begann. Er fand seinen Ausdruck in der 1976 angenommenen neuen Verfassung Portugals.

Urte Sperling, Die Nelkenrevolution in Portugal. Basiswissen Politik/Geschichte/Ökonomie, PapyRossa Verlag, 131 Seiten, EUR 9,90

Urte Sperling, Die Nelkenrevolution in Portugal. Basiswissen Politik/Geschichte/Ökonomie, PapyRossa Verlag, 131 Seiten, EUR 9,90

Als die Nelkenrevolution 1974 siegte, war ich 19 Jahre alt. Wir standen damals alle unter dem Eindruck des faschistischen Militärputsches in Chile und hatten uns nicht vorstellen können, dass auch das Gegenteil- eine antifaschistische Militärrevolte (noch dazu in einem Nato-Land)-überhaupt möglich sei. Mit Begeisterung verfolgten wir die Nachrichten aus Portugal. Später haben viele von uns Portugiesisch gelernt, denn die DDR unterstützte mit Spezialisten den Aufbau in Angola und Mozambique, die durch den mehr als zehnjährigen Kolonialkrieg völlig zerrüttet waren.

Auch wenn die Errungenschaften der Nelkenrevolution in den darauffolgenden Jahren nach und nach revidiert wurden, nimmt sie für mich und viele meiner Generationsgefährten bis heute einen besonderen Platz in der Geschichte ein. Wir gratulieren den Antifaschistinnen und Antifaschisten der UNIÃO DE RESISTENTES ANTIFASCISTAS PORTUGUESE (URAP) herzlich zum 40. Jahrestag ihres Sieges.

Dramen des Widerstands

geschrieben von Reinhard Strecker

14. März 2014

Günther Weisenborns Werke gegen das Vergessen

 

Günther Weisenborn und seine Frau Joy waren in der Gruppe Schulze-Boysen/Harnack aktiv und wurden mit vielen anderen am 26. September 1942 frühmorgens um 5 Uhr verhaftet. Viele ihrer Mitverschworenen wurden bald darauf von einer willfährigen Justiz ermordet.

Obwohl auch schon dem Schafott bestimmt, blieb Weisenborn im Zuchthaus Luckau am Leben. Bei seiner Befreiung durch die sowjetische Armee wurde er dienstverpflichtet als Bürgermeister für Luckau und Umgebung. Erst danach konnte er nach Berlin zurück und seine Frau suchen.

Die Alliierten hatten den großdeutschen Wahnsinn unter beträchtlichen Verlusten allein niederringen müssen und waren an Berichten über irgendwelchen Widerstand gegen die Nazis in Deutschland selbst nicht interessiert. Gegen dieses aktive Desinteresse der Alliierten und um Deutschland vom Widerstand zu berichten und an seine ermordeten Freunde zu erinnern, schrieb Günther Weisenborn sein erstes Drama: »Die Illegalen«. Die Uraufführung fand am 21. März 1946 am Hebbeltheater in Berlin statt. Lange Zeit war es das meistgespielte Stück auf deutschen Bühnen, später kam Zuckmayers »Des Teufels General« dazu. Ricarda Huch hatte im selben Jahr einen Aufruf in der Presse veröffentlicht, ihr Berichte über den Widerstand zu schicken und war ob der Menge des Materials erschrocken. Das könne sie nicht mehr bearbeiten, sagte sie als Präsidentin des 1. Deutschen Schriftstellerkongresses zu Günther Weisenborn, dafür habe sie nicht mehr die Kraft. Wenige Wochen später starb sie und Weisenborn brachte 1953 bei Rowohlt das Buch »Der lautlose Aufstand« heraus, ein Werk über den gesamten deutschen Widerstand, nicht nur über den des eigenen politischen Lagers, wie es üblich geworden war, in Ost und West.

Weisenborn blieb der Chronist des deutschen Widerstands in seiner ganzen Breite und damit un-zeitgemäß in einer Zeit, in der Adenauer glaubte, bei den Deutschen zu punkten und Wahlstimmen zu gewinnen, wenn er Brandt als den »Herrn Frahm« zu verleumden versuchte. Und Strauß fragte öffentlich, was Brandt denn wohl zwölf Jahre da draußen getan habe. Und fügte unfreiwillig entlarvend hinzu: »Wir wissen, was wir zwölf Jahre hier drinnen getan haben.«

Günther Weisenborn verfasste das Drama »Walküre – 44« über den 20. Juli, aber Piscator, der es aufführen wollte, starb. Doch angesichts der Vorwürfe von wiederbeamteten Alt-Nazis, er habe die Spionage der Roten Kapelle zugunsten der Sowjetunion verschwiegen, war es ihm wichtig, nachzuweisen, wie sie ebenso versucht hätten, Seeleute von westlichen Transportdampfern mit Hilfslieferungen auf der Murmansk-Route zu retten.

Doch Weisenborn starb Ende März 1969, so konnte Augsteins Haus-Nazi Heinz Höhne erst im »Spiegel« eine zehnteilige Serie über die Rote Kapelle herausbringen, aus der eine ARD Serie wurde, und dann 1970 bei Fischer in Frankfurt/Main sein Buch: »Kennwort Direktor – Die Geschichte der Roten Kapelle«, das 1972 dann als Fischer-Taschenbuch erschien.

Hans-Peter Rüsing, einem Nachgeborenen, ist zu danken, dass er nunmehr Weisenborn wieder das Wort gibt, der als erster in Deutschland vom Widerstand berichtete, als nur eine beteiligte und betroffene Minderheit etwas davon wusste, und der als Chronist des deutschen Widerstands die Ehre der Widerstandskämpfer als deutsche Patrioten in drei Dramen verteidigt hat.

Ein »Bekennender«

geschrieben von Werner Dietrich

14. März 2014

Heftreihe der VVN-BdA Sachsen-Anhalt zur Geschichte

 

In der Reihe, »Hallesche Hefte des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945« sind seit 2001 sieben – kürzere und längere – Arbeiten erschienen. In Ausgabe 1 (2001) hat Günther Pape den anhaltenden »Skandal um den Ehrenfriedhof der Opfer des NS-Regimes in Blankenburg/Harz« dokumentiert. Den Hintergrund dafür bildete die Umwandlung eines von US-amerikanischen Truppen 1945 im Harzstädtchen eingerichteten Ehrenfriedhofs für Opfer des NS-Regimes im Jahre 1999 zu einer Gedenkstätte aller Opfer von Gewalt, obgleich hier ausschließlich von den Nazis ermordete Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge bestattet wurden. Daran anknüpfend wandte sich Günther Pape in Heft 3 (2002) den »Konzentrations- und Zwangsarbeitslager in Blankenburg/Harz« in einer umfassenden Übersicht zu.

Werner Dietrich: Walter Gabriel – Lebenslinien eines Bekenntnispfarrers (Wider das Vergessen – Hallesche Hefte des Widerstands und der Verfolgung, Nr. 7), Halle (Saale) 2012, 152 S.

Werner Dietrich: Walter Gabriel – Lebenslinien eines Bekenntnispfarrers (Wider das Vergessen – Hallesche Hefte des Widerstands und der Verfolgung, Nr. 7), Halle (Saale) 2012, 152 S.

Im Heft 2 (2001) beschrieb Artur Schellbach ausgewählte Orte der »Zwangsarbeit in der preußischen Provinz Sachsen und in Anhalt zur Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft«. Dazu zählen die Strafanstalten in Halle und Coswig, die KZ-Außenlager in Langenstein-Zwieberge, Rehmsdorf, Uftrungen und Wolfen sowie das sogenannte Arbeiterziehungslager in Zöschen. In letzterem kam der Vater des Autors, ein kommunistischer Funktionär aus Weißenfels, zu Tode. Daran anknüpfend zeichnete sein Sohn in Heft 4 (2004) der Reihe »Arthur Friedrich Schellbach. Ein Lebensbild« Lebensstationen seines Vaters nach.

Die Hefte 5 bis 7 wurden vom Autor dieses Beitrags verfasst. Er schreibt in seinen Arbeiten über mitteldeutsche Widerständler und Naziopfer, wobei diese in das gesamtgesellschaftliche Geschehen auf lokaler, regionaler und zentraler Ebene eingeordnet werden. So behandelt Heft 5 (2005) »Widerstand und Verfolgung in Zeitz 1933-1945« mit Dr. Rudolf Agricola, Richard Dietrich, Dr. med. Gustav Flörsheim und Walter Retterath vier Akteure sozialdemokratischer, jüdischer und kommunistischer Provenienz. Internationale Vorgänge kommen in Heft 6 (2006) zur Sprache, da diese Studie unter dem Titel »Max Dankner – Biographische Skizze eines kämpferischen Antifaschisten« einen verdienstvollen Kämpfer im reichsdeutschen Untergrund, dem tschechoslowakischen Exil, dem spanischen Bürgerkrieg und der französischen Résistance porträtiert. Schließlich folgt mit dem aktuellen Heft 7 (2012) »Walter Gabriel – Lebenslinien eines Bekenntnispfarrers« das umfangreiche Porträt eines Aktivisten der christlichen Opposition im sogenannten Dritten Reich.

In der Kirchenfrage im Widerspruch zum totalitären Machtanspruch des NS-Regimes stehend, gehörte Pfarrer Gabriel zu jener Minderheit der evangelischen Gläubigen und Würdenträger, die sich als Widerpart gegenüber den NS-freundlichen Deutschen Christen in der Bekennenden Kirche (BK) sammelten. Als deren Protagonist trug er maßgeblich dazu bei, dass sich die von ihm seelsorglich betreute Gemeinde – die Neumarktgemeinde von Halle (heute St. Laurentius) – zu einer der wenigen Hochburgen der BK im Stadtgebiet entwickelte. Zudem engagierte er sich stark in den Leitungsgremien der BK in der Kirchenprovinz Sachsen und war Teilnehmer zahlreicher lokaler und zentraler Bekenntnissynoden der Kirchenopposition, wie etwa der wegweisenden Synode von Wuppertal-Barmen im Mai 1934.

Wegen seines kirchenoppositionellen Engagements gelangte der Pfarrer schon frühzeitig ins Visier der Geheimen Staatspolizei. Nach Stigmatisierung und vielfältigen Repressalien (zahlreiche Verhaftungen, Hausdurchsuchungen und Beschlagnahmungen) ließ ihn die Gestapo im Februar 1941 ins Konzentrationslager Dachau deportieren. Hier musste er bis Weihnachten 1943 die Hölle im Modell-Lager des KZ-Systems der SS erleiden. Danach stand er unter theologischem Berufsverbot und diente bis Kriegsende als Sanitätssoldat.

Gabriels nach der Befreiung von der NS-Diktatur erfolgte Anerkennung als Opfer des Faschismus, beziehungsweise Verfolgter des Naziregimes, war nur zu berechtigt. Er engagierte sich als Aktivist beim Aufbau der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes in der Provinz Sachsen und der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands, allerdings verließ er den Verband später wieder. Gleichwohl blieb er bis zum Lebensende ein durch die entsprechenden staatlichen und gesellschaftlichen Stellen der DDR betreuter VdN-Kamerad.

Die aus heutiger Sicht problematischen Seiten in Gabriels Lebensweg sind nicht ausgeklammert. Insbesondere betrifft dies eine bis weit in die NS-Diktatur vom nationalen Mythos bestimmte Haltung zu den beiden Weltkriegen oder ebenso lange vertretene antisemitische Ansichten. Solche Positionen kennzeichneten seinerzeit einen Großteil der Würdenträger in der Kirchenopposition.

Die feindliche Übernahme

geschrieben von Wolfgang Triebel

14. März 2014

Heinrich Fink erinnert daran »Wie die Humboldt-Universität gewendet wurde«

 

Dieses kleine Buch berichtet konkret-historisch und politisch brisant über die Einvernahme der Humboldt-Universität zu Berlin in das BRD-Hochschulsystem und die bösartig lancierte Entfernung ihres Rektors Prof. Dr. Heinrich Fink. Das Buch handelt von der Zeit der Eingliederung der DDR in das Staatsgefüge der alten Bundesrepublik Deutschland von 1990 bis 1992. Finks Erinnerungen demonstrieren am Beispiel der HUB, wie die bisherigen »Brüder und Schwestern im Osten« von ihren Arbeitsplätzen vertrieben und nunmehr mit dem Kainsmal »IM der Stasi« versehen als nicht mehr zumutbar abgestempelt worden sind. Als 1989/1990 Bürger der DDR auf die Straßen gegangen sind und der politischen Obrigkeit die Losung entgegenschleuderten »Wir sind das Volk!«, kehrten westliche Politiker und ihre Medien diesen Ruf nach volksnaher Demokratie in der DDR in den nationalistischen Schlachtruf um, »Wir sind ein Volk!« und verkündeten den »befreiten« ostdeutschen Bürgern durch den Zusammenschluss beider Teile Deutschlands »blühende Landschaften«. So etwa ist das bis heute im Bewusstsein der meisten westdeutschen Bürger verinnerlicht. Mit den tatsächlichen Abläufen des Einigungsprozesses 1990 und danach hat das jedoch nichts zu tun. Die damaligen Vorgänge mit ihren Nebenerscheinungen und manchen menschlichen Tragödien verdienen weite Verbreitung, weil die Bundesregierungen dazu schweigen oder die Tatsachen verdrehen.

Heinrich Fink »Wie die Humboldt-Universität gewendet wurde«, Verlag Ossietzky, Hannover, 128 S., 12,50 EUR

Heinrich Fink »Wie die Humboldt-Universität gewendet wurde«, Verlag Ossietzky, Hannover, 128 S., 12,50 EUR

Der Theologe Prof. Dr. Heinrich Fink, seit 1980 Dekan der Theologischen Fakultät und Direktor der Sektion Theologie der HUB, wurde am 3. April 1990 zum Rektor der Humboldt-Universität Berlin gewählt. Zu Recht wird hinzugesetzt, seine Wahl erfolgte in einem ordentlichen universitären akademischen Akt ohne Druck oder Einflussnahme der politischen Obrigkeit der DDR. Finks Losung bei seinem Amtsantritt lautete: »Erneuerung aus eigener Kraft und mit den vorhandenen Menschen.« Dies entsprach auch der Auffassung der meisten der protestierenden Bürger der DDR und war politische Konzeption der DDR-Regierung unter Hans Modrow. Die Wahrheit ist: Der dann am 12. April 1990 von der ersten »frei« gewählten Volkskammer und dem Ministerpräsidenten De Maiziere zum Hochschulminister der DDR ernannte Prof. Dr. Hans-Joachim Meyer verfügte laut Beschluss des neuen Ministerrats vom 23. Mai 1990 die sofortige Auflösung aller Institute für Marxismus-Leninismus an allen Hochschulen der DDR. Das sei »eine notwendige Maßnahme…im Hinblick auf die demokratische Erneuerung der Universitäten und Hochschulen der DDR«. Noch in der DDR wurden diese Hochschullehrer abberufen.

Nach dem 3. Oktober 1990 begann das Überstülpen des westdeutschen und westberliner Hochschulrahmengesetzes. Prof. Fink lässt Zahlen sprechen: »Von den insgesamt 782 Hochschullehrern der HUB verloren 644 ihre Position. Nur 16 % aller im Jahre 1989 Beschäftigten (einschließlich Verwaltung und Technik) gehörten der HUB im Jahre 1994 noch an. Rund 2 500 waren innerhalb dieses Jahrfünfts entlassen worden.« Finks Vorstellung, Erneuerung der Humboldt-Universität aus eigener Kraft und mit den vorhandenen Menschen, wurde mit üblen Mitteln und hinterhältigen politischen Methoden verhindert. Ein übles Mittel war die vom damaligen Berliner Wissenschaftssenator Manfred Erhard (CDU) verfügte Einsetzung – nicht demokratische Wahl! – sog. Gründungsdekane aus dem Westen. Sie hatten Professoren und Dozenten der Sektionen der HUB auf fachliche und politische Eignung zu prüfen. Dieser Erhard war der Haupteintreiber der Abwicklung vor allem der geisteswissenschaflichen Sektionen Geschichte, Philosophie, Erziehungswissenschaft, Rechtswissenschaft und Wirtschaftswissenschaft. Ein Skandal besonderer Art war: Gründungsdekan für die Sektion Wirtschaftswissenschaft wurde der emeritierte Professor Wilhelm Krelle aus Bonn, der sich gegenüber Prof. Fink großspurig vorstellte, er müsse nun »reinemachen«, marxistische Ökonomie wäre sowieso keine Wissenschaft, und »solange er Gründungsdekan sei«, dürfe »kein Marxist seinen Fuß über die Schwelle seiner Fakultät setzen«. Die Studenten, die sich der westlichen Abwicklungspolitik energisch widersetzten, durchleuchteten den Lebenslauf von Prof. Krelle und fanden heraus, dass dieser Herr 1944 SS-Sturmbannführer der Panzergrenadierdivision der SS »Götz von Berlichingen« war, an der Okkupation Griechenlands und am Afrikafeldzug teilgenommen und zum Generalstab des VIII. SS-Korps gehört hatte. Prof. Fink nennt in seinem Buch die Hauptverantwortlichen für die Abwicklungspolitik an der HUB mit Namen, man kann sie darum nicht vergessen.

Ein unrühmliches Kapitel

geschrieben von Hans Canjé

14. März 2014

Franco und das moralische Versagen der Schweizer Diplomatie

 

Die offizielle Schweiz suchte schon früh die Annäherung an das faschistische Franco-Regime und verschloss die Augen vor dem Massenmord an der spanischen Bevölkerung. So urteilt Ralph Hug, im schweizerischen St. Gallen lebender Journalist und Autor, in seinem neuen Buch. Seine harte Kritik bezieht sich, im Ergebnis umfassender Recherchen in diversen Archiven der Eidgenossenschaft, vor allem auf das moralische Versagen der Berner Regierung angesichts des Umgangs der spanischen Machthaber mit Schweizer Bürgern in den Jahren zwischen dem Putsch Francos gegen die Republikanische Regierung im Juli 1936 und dem von ihm am 1. April 1939 proklamierten Sieg. Es führt weiter bis ins Jahr 1947 und bringt, wie der Verlag ankündigte, tatsächlich »Licht in ein unrühmliches Kapitel der schweizerischen Zeitgeschichte im 20. Jahrhundert«

Als Ursachen für dieses Versagen benennt er zum einen die unverhohlen bekundeten Sympathien für die antikommunistisch-republikfeindliche Zielsetzung des, von den faschistischen Regierungen in Deutschland und Italien massiv militärisch unterstützten Putschisten Franco, im Verbund mit der, auch durch die Berner Regierung mitgetragenen, vorgeblichen »Nichteinmischungspolitik« Frankreichs und Englands. Zum anderen waren da handfeste wirtschaftliche Interessen im Spiel, die den »Finanzplatz Schweiz » zum »Mitfinanzier Francos und der Diktatur« machten.

Auf Verlangen »des mächtigen Wirtschaftsverbandes der Industriellen« war schon im Februar 1937 ein schweizerischer Wirtschaftsvertreter an Francos Amtsitzsitz in Burgos entsandt worden. Eine »faktische Anerkennung der Putschisten«, der folgte dann am 14. März 1939, der Kampf zwischen Francos Truppen und der, von den Internationalen Brigaden unterstützten Republikanischen Armee war noch nicht beendet, mit allem Pomp die Akkreditierung des Schweizer Diplomaten Eugène Broye als offiziellem Repräsentanten.

Der Autor hat sich schon als sachkundiger Koautor von Bert Huber an dem 2009 im selben Verlag erschienenen Biografischen Handbuch »Die Schweizer Spanienfreiwilligen« mit den rund 800 Schweizer Interbrigadisten beschäftigt. Hier widmet er sich nun den »vergessenen Opfern«, die »von der historischen Forschung bislang weitgehend unbeachtet geblieben sind« und »im kollektiven Gedächtnis der Schweiz nie verankert« waren. Das sind Auswanderer, die sich nach dem Ersten Weltkrieg in Spanien eine neue Existenz aufbauen wollten und ab Juli 1936 »in die Wirren des Bürgerkriegs und der ausbrechenden sozialen Revolution« gerieten«.

Da sind aber auch die Schweizer Bürger, die als Interbrigadisten nach Spanien gegangen waren, weil sie, im Gegensatz zu ihrer Regierung, »im Staatstreich der Generäle eine weitere Etappe im scheinbar unaufhaltsamen Vormarsch des Faschismus in Europa (erblickten), der unter allen Umständen gestoppt werden sollte«: Als »Militärdienst in fremden Streitkräften« stand darauf in ihrer Heimat die Verurteilung durch die Militärjustiz. In Spanien folgten für sie, so sie nach Francos Sieg in die Hände des Regimes gefallen waren, Prozesse vor den Militärgerichten des Regimes mit langjährigen Haftstrafen, Verbannung in Konzentrationslager und Zwangsarbeiterlager.

Hug nennt sie beim Namen, die so » in einer Art stillen Komplizenschaft« von den in Spanien amtierenden Schweizer Diplomaten und dem Berner Eidgenössischen Politischen Departement (EPD) Abgestempelten. Dort wusste man sehr wohl etwa um das Geschehen im Konzentrationslager Mirando de Ebro, in dem in den Jahren seiner Existenz an die 80 000 Gefangene inhaftiert und misshandelt worden sind. Man war informiert über das Schicksal beispielsweise der Schweizer Brigadisten Georg Storz und Rudolf Sigg, die Ende 1939 gemeinsam mit 459 Internationalen aus rund dreißig Ländern in einem Zwangsarbeitsbataillon das in den Kämpfen zerstörte Städtchen Belchite zu einer Gedenkstätte des Franquismus gestalten mussten.

In den hier vorliegenden Fallstudien belegt Hug detailliert und umfassend, dass die vielbeschworene Schweizer »Neutralität« nicht nur bei der Wahrung ökonomischer Interessen ihre Grenzen fand. Sie galt auch nicht, wenn es um die notwendige Vertretung der von den Francobehörden verfolgten Landsleute ging. Die dem »faschistischen Sadismus« ausgesetzten Brigadisten galten amtlich als »tendenziell zweitrangige Schweizer, die sich ›neutralitätswidrig‹ verhalten hatten und daher selber die Verantwortung für ihr Schicksal trugen«

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