Was heißt Antifaschismus heute?

5. September 2013

Antragsteller: Bundesausschuss

Mai-Juni 2008

Der Bundesausschuss der VVN-BdA hat sich in seiner Tagung am 19./20. April 2008 ausführlich mit dem bereits vorliegenden Leitantrag des Bundessprecherinnen- und Bundessprecherkreises befasst, ihn weiter bearbeitet und ihn sich schließlich in der nun hier veröffentlichten Form zu eigen gemacht.

Als vor 75 Jahren, im Januar 1933, den deutschen Faschisten auf Betreiben einflussreicher Kräfte des Großkapitals und der Reichswehr sowie von Parteien und konservativen Politikern die Macht übertragen worden war, begann eine Entwicklung, die in Terror, Krieg und Völkermord mündete. Millionen Deutsche haben diesen Schritt mit ermöglicht, indem sie Hitler 1932 ihre Stimme gaben. In vielfältigen Formen bildete sich aber auch Widerstand heraus, der zur Niederlage des Faschismus beitrug, aber auch unermessliche Opfer kostete.

Das beispielhafte Handeln der Frauen und Männer des antifaschistischen Widerstands war eine Voraussetzung dafür, dass sich nach dem Sieg über den Faschismus Menschen unterschiedlicher politischer und weltanschaulicher Positionen im antifaschistischen Konsens finden und zusammenschließen konnten. Mit der größten deutschen Verfolgtenorganisation, der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, schufen sie eine notwendige politische Kraft. Resultierend aus den Erfahrungen des Widerstands wurden die Antifaschistinnen und Antifaschisten aktiv bei der Gestaltung eines neuen, friedlichen, demokratischen Gemeinwesens im Sinne des Schwurs von Buchenwald: »Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.«

Eine wesentliche Erkenntnis aus dem opferreichen Kampf bestand darin, dass nur gemeinsames Handeln erfolgreich ist.

Antifaschismus heute erfordert, über das Verbrechen Faschismus aufzuklären und dem Neofaschismus und seiner Verharmlosung entgegenzutreten.

Das bedeutet:

Antifaschismus heute erfordert, historische Erfahrungen zu bewahren und Geschichtsrevisionismus zurückzuweisen.

Das bedeutet:

Antifaschismus heute erfordert Kampf gegen Militarisierung und Krieg.

Das bedeutet:

Antifaschismus heute erfordert die Verteidigung demokratischer Rechte und Freiheiten.

Deshalb ist es notwendig:

Antifaschismus heute erfordert, gegen Rassismus und Antisemitismus vorzugehen. ‰

Das verlangt:

Antifaschismus heute erfordert, soziale Rechte zu verteidigen und den Sozialabbau zu stoppen.

Dazu ist notwendig:

Antifaschismus heute erfordert das Zusammengehen in breiten Bündnissen aus Organisationen, Parteien, Gewerkschaften, Kirchen, Vereinen, Gruppen und Initiativen die Stärkung des zivilgesellschaftlichen Engagements.

Antifaschismus heute bedeutet auch, die VVN-BdA als antifaschistische Organisation zu stärken;

Zur Gedenkstättenpolitik

5. September 2013

Antragsteller: Kreismitgliederversammlungen Düsseldorf/Essen,
Landeskonferenz Nordrhein-Westfalen der VVN-BdA

Mai-Juni 2008

Nach dem Anschluss der DDR an die BRD und der nachfolgenden Politik der Delegitimierung der ehemaligen DDR erfolgte ein Paradigmenwechsel in der Gedenkstättenpolitik.

Spätestens mit der Verabschiedung des Sächsischen Gedenkstättengesetzes wird die Zielsetzung deutlich: Gedenkstätten, ehemalige Konzentrationslager und andere Stätten des Gedenkens an die Verbrechen des Faschismus sollen umgewidmet und umgestaltet werden zu Gedenkstätten gegen Diktatur und Extremismus.

Erste Beispiele der Umwidmung unter dem Motto »Zwei Diktaturen auf deutschem Boden« gibt es bereits. Sie wurden allerdings begleitet von massivem Protest der Opferverbände aus dem In- und Ausland, unter ihnen die VVN-BdA, der Zentralrat der Juden und der Zentralrat der Sinti und Roma, die deshalb ihre Mitarbeit in der Sächsischen Gedenkstättenstiftung eingestellt haben.

Der damit einhergehende Versuch, die DDR mit dem deutschen Faschismus gleichzusetzen, relativiert und verharmlost die Verbrechen des Naziregimes. Er reiht sich ein in die beschönigende Darstellung des deutschen Faschismus in der Literatur, in Film und Fernsehen der letzten Jahre.

Wir lehnen diese Umwidmungsversuche in der Gedenkstättenpolitik entschieden ab. Sie verändern und verfälschen den Charakter der Gedenkstätten für die Opfer des Faschismus als Orte der Trauer, des Gedenkens und des Mahnens, aber auch der Vermittlung der faschistischen Verbrechen und der Erinnerung an den Widerstand. Diese Gedenkstätten wurden teilweise erst nach zähem Ringen von Opferorganisationen und engagierten Bürgern errichtet, unter ihnen viele Mitglieder der VVN.

Wir sind der Meinung, dass die VVN sich diesem Thema stärker widmen muss. Wir fordern die Bundesorganisation der VVN-BdA auf,

Vereinheitlichung des Erscheinungsbildes

5. September 2013

Antragsteller: Bundessprecherinnen- und Bundessprecherkreis

Mai-Juni 2008

Der Bundeskongress möge beschließen:

Der Bundesausschuss der VVN-BdA wird beauftragt, ein einheitliches und verbindliches Logo für die Gesamtorganisation zu beschließen, graphisch umzusetzen und für alle Organisationsgliederungen zur Verfügung zu stellen.

Begründung:

Alle Parteien, Gewerkschaften und relevanten gesellschaftlichen Organisationen verfügen über ein einheitliches Logo und in der Regel über Absprachen was die Verwendung von anderen graphischen Mitteln (z.B. Farben) angeht. Dies ermöglicht ein hohes Maß an Wiedererkennbarkeit in der Öffentlichkeit, eine stärkere Bindekraft gegenüber den eigenen Mitgliedern und dadurch eine insgesamt höhere Wirksamkeit. Es ist dringend an der Zeit, dass auch die VVN-BdA eine entsprechende Einheitlichkeit herstellt.

»antifa« stärken!

5. September 2013

Antragsteller: Bundessprecherinnen- und Bundessprecherkreis

Mai-Juni 2008

Der Bundeskongress möge beschließen:

Die Zeitschrift »antifa« ist gleichzeitig Mitglieder- und Abonnementszeitschrift. Sie wirkt deshalb auch über den Verband hinaus, ist Träger unserer Ideen, bindet Leser, wirbt Mitglieder und verbessert unsere finanzielle Lage.

Die Werbung für die »antifa« als Abonnementszeitschrift sollte deshalb ausgebaut werden. Alle Organisationsgliederungen der VVN-BdA sind aufgerufen, für die Zeitschrift zu werben. Die Landesvereinigungen werden aufgefordert, in Absprache mit den Kreisorganisationen bis Ende 2008 konkrete Überlegungen zur Abonnentenwerbung anzustellen. Auf dieser Basis könnte dann eine bundesweite Werbekampagne für die »antifa« eingeleitet werden. Diese Kampagne sollte verbunden werden mit der Werbung neuer Mitglieder.

Die Bundesvereinigung stellt für diese Zwecke so schnell wie möglich Werbeexemplare, neues Werbematerial und einen erneuerten Internetauftritt zur Verfügung. Es sollen außerdem gezielt Spenden und Soliabos für die Zeitschrift geworben werden, um Multiplikatoren (z. B. Jugendzentren) kostenfrei beliefern zu können.

Alle Gliederungen ans Netz!

5. September 2013

Antragsteller: Bundessprecherinnen- und Bundessprecherkreis

Mai-Juni 2008

Der Bundeskongress möge beschließen:

Alle Organisationsgliederungen (Länder wie Kreisvereinigungen) werden aufgefordert, sich einen Internetauftritt zuzulegen. Der Bundesausschuss macht allen Organisationsgliederungen das Angebot, die technischen, organisatorischen und finanziellen Voraussetzungen für einen eigenen Internetauftritt zu schaffen.

Es sollten Subdomains in der Form xy.vvn-bda.de bevorzugt werden.

Begründung:

Internetseiten sind ein zentrales und unverzichtbares Mittel der Öffentlichkeitsarbeit. Sie sind aufgrund technischen Fortschritts sehr einfach zu bedienen und können problemlos zentral von der Bundesorganisation bereitgestellt werden. Wer ein Flugblatt oder eine Einladung schreiben kann, kann auch eine Homepage bedienen. Die entstehenden Kosten sind gering im Vergleich zu Printmedien und vor allem im Vergleich zum erreichbaren Öffentlichkeitseffekt.

Sind wir Extremisten?

geschrieben von Dr. Ulrich Rabe, Rostock

5. September 2013

Zu »Rechts gleich links in Schwerin?« in »antifa«
-Januar/Februar 2008

Mai-Juni 2008

Wenn wir über den Gesetzestext und unsere Haltung als Antifaschisten dazu sprechen, müssen wir meiner Meinung nach den beschlossenen Gesetzestext mit dem Statut der VVN-BdA Mecklenburg-Vorpommern vergleichen. Denn das Statut ist ja die von uns beschlossene Darstellung unserer Haltung und Richtschnur unserer Handlungen. Zu den Zielen und Aufgaben der Vereinigung haben wir im § 3 als abschließende Formulierung festgehalten: »Sie (die Vereinigung) ist offen für alle, die jede Form von Faschismus, Rassismus, Antisemitismus und Militarismus ablehnen und für friedliche, demokratische und humane Verhältnisse, für eine menschenwürdige Zukunft eintreten … Die VVN-BdA tritt für eine gewaltfreie Lösung politischer Konflikte ein.«

Die Fraktionen des Landtages einigten sich auf folgenden Text:

»Alles staatliche Handeln muss dem inneren und äußeren Frieden dienen und Bedingungen schaffen, unter denen gesellschaftliche Konflikte gewaltfrei gelöst werden können. Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker oder der Mecklenburger und Vorpommern zu stören und insbesondere darauf gerichtet sind, rassistisches und anderes extremistisches Gedankengut zu verbreiten, sind verfassungswidrig.«

Dieser Text entspricht meiner Meinung nach inhaltlich genau der Aussage uneres Statuts.

Wenn uns Andere als extremistisch bezeichnen, so ist das falsch. Es widerspricht dem Vermächtnis des Schwures von Buchenwald. Wenn uns Andere als extremistisch bezeichnen, so wollen sie uns diskriminieren. Wohin Diskriminierung führt, mussten wir nach 1933 erleben. Formen der Diskriminierung erleben wir wieder in der Gegenwart. Wollen wir uns dieser Diskriminierung fügen, sie für uns akzeptieren? Natürlich nicht! Wir müssen diese Diskriminierung durch Wort und Tat ad absurdum führe und versuchen, die Gewaltbereitschaft derer zu zügeln, die sich als Antifaschisten sehen und bezeichnen. Dann handeln wir nach unserem Statut und der jetzigen Landesverfassung. Im übrigen halte ich es für undemokratisch und überflüssig, im Nachhinein über einen Beschluss zu diskutieren, dem unsere Kameraden nach sorgfältiger Prüfung und Bewertung der Situation im Landesparlament zugestimmt haben.

Ich denke, es wäre wichtiger und hilfreicher, die uns zur Verfügung stehende Kraft zu verwenden, um Möglichkeiten zu suchen, wie wir in den vom Rechtsextremismus besonders beeinflussten Bereichen unsres Landes wirken können, um diese Entwicklung zu behindern., Sollten wir darüber hinaus nicht die uns zur Verfügung stehende Kraft besser verwenden, um Möglichkeiten zu suchen, wie wir den von Arbeitslosigkeit und der damit verbundenen gesellschaftlichen Isolierung betroffenen Menschen Hilfe und Hoffnung geben können und sie mit unseren Zielen bekannt und vertraut zu machen?

Was soll man davon halten?

geschrieben von Hannelore Kunze

5. September 2013

Mai-Juni 2008

In Röbel, einem Ort in Mecklenburg-Vorpommern, soll der 8. Mai 2008 auf besondere Weise begangen werden. Unter einem Kriegerdenkmal aus dem Ersten Weltkrieg soll an diesem denkwürdigen Tag eine Tafel feierlich enthüllt werden. Man gedenkt der Opfer des Zweiten Weltkrieges, der ums Leben gekommenen »Feuerwehrleute, Zivilisten, Soldaten und auch der Juden, die aus Röbel deportiert und ermordet wurden«. Mit diesen Worten wird die Vorsitzende des eigens für dieses Vorhaben gegründeten Vereines zur »Förderung des Gedenkens der Opfer des Zweiten Weltkrieges« zitiert. Neun Jahre zuvor hat der heutige Verein »Engelscher Hof an der Alten Synagoge« mit großem Engagement das ruinös erhalten gebliebene Bethaus der jüdischen Gemeinde saniert und zum Mittelpunkt von Bildungs- und Kulturveranstaltungen, internationalen Ju-gendbegegnungen und regionaler Jugendarbeit gemacht. Der Initiator dieser Aktivitäten und Leiter der Bildungsstätte fragt berechtigt: Waren die Röbler Juden etwa keine Zivilisten? Und was hat ihre Ermordung mit dem Zweiten Weltkrieg zu tun? Weil Röbeler »Kriegswitwen« eine öffentliches Gedenken bisher vermissten, haben »engagierte Bürger« beschlossen, ein solches an einem der wenigen, vormals zahlreichen »Kriegerdenkmäler« des Bildhauers Wilhelm Wandschneider anbringen zu lassen. Wandschneider war bekennender Nationalsozialist und sein Denkmal in Röbel schmückt ein so genanntes Keltenkreuz. Wenn man bedenkt, dass diese Symbol von den Rechtsextremisten gerne als Hakenkreuz-Ersatz verwendet wird, ist die Frage erlaubt: Was soll man davon halten?

Ein »Frecher Zeichenstift«

geschrieben von Andre Eckardt

5. September 2013

Zum 100. Geburtstag von Herbert Sandberg (1908-1991)

Mai-Juni 2008

Auf seine Weise hat Herbert Sandberg seine Hafterlebnisse in zahlreichen Grafiken und Grafikzyklen verarbeitet, so in »Eine Freundschaft« (1949), »Mein Weg« (1958-1965) und »Erinnerungen an Buchenwald« aus dem Jahr 1980.

Vielen Menschen aus der DDR ist Herbert Sandberg noch durch seine Kolumnen »Der freche Zeichenstift« (Das Magazin) und »Mit spitzer Feder« (Neues Deutschland) bekannt. Doch nur wenige kennen seine Biografie, geprägt von Konzentrationslager und der Begegnung mit Brecht.

Aufgewachsen als Sohn eines strengen jüdischen Lederhändlers wusste Herbert Sandberg sehr schnell, dass er eine künstlerische Laufbahn einschlagen wollte. Also brach er gegen den Willen seines Vaters 1925 seine Banklehre ab und studierte an der Kunstgewerbeschule und der Kunstakademie seiner Heimatstadt Breslau. Da er von seinem Vater auf keine finanzielle Unterstützung hoffen konnte, begann er in dieser Zeit seine Arbeit als Pressezeichner bei verschiedenen Breslauer Zeitungen. Bereits damals übte Berlin auf kreative junge Leute eine enorme Magnetwirkung aus. Nach seinem Umzug im Herbst 1928 setzte Herbert Sandberg seine Tätigkeit als Pressezeichner in Berlin fort, unter anderem für die »Rote Post«, den »Wahren Jakob« und den »Roten Pfeffer«. Bereits 1928 trat er den KPD-nahen Organisationen »Rote Hilfe« und der »Internationalen Arbeiterhilfe« (IAH) bei, 1929 der Assoziation revolutionärer bildender Künstler Deutschland (ASSO) und 1930 schließlich der KPD. In seiner aktiven Arbeit für die Partei entwarf er zahlreiche Flugblätter und Plakate, illustrierte Pionierzeitungen und arbeitete als Agitpropleiter in Friedenau und Steglitz. Auch nach der Machtübernahme durch die Nazis führte er seine nunmehr illegale Arbeit fort. Er druckte und verteilte Flugblätter »Hitler ist Krieg« und warf sie unter anderem aus der obersten Etage des KaDeWe in die Massen. In den Arbeiterbezirken im Norden Berlins arbeitete er illegal für die KPD unter dem Namen Max Wallach. Erst nach einer Warnung floh er nach Prag. Mit einem Parteiauftrag kehrte er 1934 nach Berlin zurück und wurde bei einer Hausdurchsuchung verhaftet. Das Kammergericht Berlin verurteilte ihn zu 3 Jahren Zuchthaus wegen »Vorbereitung zum Hochverrat«. und sperrte ihn im Zuchthaus Brandenburg-Görden ein.

Nach seiner Zuchthausstrafe wurde Herbert Sandberg nicht entlassen, sondern in die Gestapo-Zellen in der Prinz-Albrecht-Straße und später in das Polizeipräsidium am Alexanderplatz überstellt. 1937 erfolgte die Einlieferung in das damals noch nicht fertig gestellte KZ Buchenwald. Wenn man bedenkt, dass er durch einen roten Winkel und einen gelben Stern als Kommunist und Jude gekennzeichnet war, hätte ihm sicher niemand eine Überlebenschance gegeben. In seinem autobiografischen Buch »Spiegel eines Lebens« schilderte Herbert Sandberg sein Leben im KZ, den täglichen Überlebenskampf und die Brutalität der SS-Aufseher. Der tägliche Überlebenskampf ließ ihn zunächst nicht ans Zeichnen denken. Erst 1944, während einer Krankheit, hielt er mit Ruß und Schlämmkreide 18 Szenen aus dem KZ-Leben fest. Die Blätter wurden illegal aus dem Lager nach Erfurt geschmuggelt und dort versteckt. 1946 vervollständigte er die Arbeiten, die 1949 als Holzschnittskizzen im Aufbau-Verlag in Buchform als Zyklus »Eine Freundschaft« veröffentlicht wurden. Angehörige und Wegbegleiter von Herbert Sandberg wissen zu berichten, dass er auch in späteren Jahren wenig über seine Zeit im KZ gesprochen hat.

Nach der Befreiung des KZ Buchenwald ging Herbert Sandberg nach Berlin zurück und gründete zusammen mit Günther Weisenborn die satirische Zeitschrift »Ulenspiegel«, für die er namhafte Zeichner und Karikaturisten zur Mitarbeit gewinnen konnte. Als Kolumnist stellte er von 1954 bis 1990 in der Zeitschrift »Das Magazin« unter dem Namen »Der freche Zeichenstift« Karikaturisten aus dem In- und Ausland vor und in der Sonntagsausgabe des ND erschien seine Reihe »Mit spitzer Feder«. Seine weltweit am häufigsten veröffentlichen Porträts haben aber noch einen weiteren Hintergrund. 1955 forderte Brecht Sandberg auf, am Berliner Ensemble die lange Tradition der Theaterzeichnung fortzuführen. So entstanden unter anderem Szenenbilder zu »Mutter Courage«, »Herr Puntila und sein Knecht Matti« und »Der gute Mensch von Sezuan«, auch die Lithografie »Das Berliner Ensemble«, bei der Brecht lesend mittels Handantrieb die Leuchtreklame des Hauses oder wenn man es genauer sieht das gesamte Haus in Bewegung versetzt. Ein weiterer sehr bekannter Steindruck »Brechts Verhör« geht auf den moralisch überlegenen Umgang Brechts gegenüber dem »Ausschuss für Unamerikanische Aktivitäten« zurück. Zahlreiche Theaterzeichnungen, Brecht-Porträts und -karikaturen lassen keinen Zweifel, welche Vorbildfunktion Brecht für Herbert Sandberg hatte. In einer Buchwidmung für Brecht vermerkte Sandberg: »Für Bertolt Brecht, der im Wort das erreichte, was mir im Bild vorschwebt. »

Nach seinem 80. Geburtstag 1988 gab es leider nur vereinzelt kleine Sandberg-Ausstellungen und »der freche Zeichenstift« Herbert Sandberg ist etwas in Vergessenheit geraten. Hoffen wir, dass nach den diesjährigen Ausstellungen anlässlich seines 100. Geburtstages nicht wieder 20 Jahre vergehen!

Unvergessliche Tage

geschrieben von Enrico Hilbert

5. September 2013

Jugendliche aus 18 Ländern trafen sich in Buchenwald

Mai-Juni 2008

»Live the future remember the past!« Keine Angst, es folgen nicht noch mehr Sätze in fremder Sprache und es geht auch nicht um Fremdsprachen. Oder vielleicht doch? Zumindest gab es ein beinahe babylonisches Sprachgewirr an den drei Tagen im April 2008 in Weimar und in Buchenwald. Aber wer näher hinhörte und schaute, dem wurde schnell klar, dass trotz der vielen Sprachen keine Verwirrung herrschte. Steve aus Belgien, Andrès und José aus Spanien, Lena und Philipp aus Deutschland, David und Elsa aus Portugal, Goran aus Kroatien, Sophie aus Frankreich und Allen aus Dänemark verstanden sich mit wenigen Worten, mit Blicken, mit Gesten und mit dem Herzen.

Sie alle waren dem Aufruf der FIR zum internationalen Jugendtreffen gefolgt. Auf dem Gelände des Konzentrationslagers Buchenwald übergaben ehemalige Häftlinge wie Gert Schramm und Günter Pappenheim sowie der Vorsitzende der internationalen Föderation der Widerstandskämpfer, Michel Vanderborght, symbolisch den Staffelstab an die junge Generation. Das wird all jenen ein Dorn im Auge sein, die glaubten, dass sie nun bald ohne den wachen Blick und den hellen Verstand der ehemaligen Häftlinge und ihrer jungen Kameraden ihre Version der Geschichte verbreiten können

Der wichtige offizielle Akt am Glockenturm, am Ende der Straße der Nationen, der geprägt war von einer Atmosphäre der Verbundenheit, getragen von Emotionen der Freundschaft und der Entschlossenheit weiter zu ringen für eine Welt des Friedens und der Freiheit, stand nicht am Anfang dieses Treffens. An den beiden Tagen zuvor gab es Diskussionen über die erfolgreiche Aktion der VVN-BdA »no-npd«, Gespräche über die Situation in den Ländern, Besichtigungen der Gedenkstätte auf dem Ettersberg, die Aufführung des Films »Brigadistas« und einen Gedenkmarsch von Weimar nach Buchenwald. Und dass Antifaschisten auch feiern können und ein fröhliches, lebenslustiges Völkchen sind, haben sie mit Singen und Tanz bei den Konzerten im »Mon ami« und im Studentenclub »Schützengasse« bewiesen. Und sammelten so die Kraft für den »Buchenwaldtag« Den Tag zur Erinnerung an die Opfer des Lagers und an seine Selbstbefreiung durch die internationale Gemeinschaft der Häftlinge.

Auch wenn manch Alter und wohl auch mancher Junge den Tränen nah war, als das Buchenwaldlied erklang, man sich voneinander verabschieden musste oder einfach nur so es waren keine Tränen der Trauer. Im Gepäck, die neuen Freundschaften, Adressen, Telefonnummern und für alle die Gewissheit, nicht allein zu sein in dieser Zeit, egal wohin man zurückfuhr, in welches Land. Und an Halsbändern, Fahnen, Hosen und Jacken war auf den Buttons, die wir untereinander tauschten, zu lesen: I spread Demogracy! Live the future remember the past! Und immer werden diese Tage in unseren Herzen bleiben, wegen der Menschen, die wir trafen und der Zuneigung die wir empfanden. Und immer werden diese Tage in unseren Köpfen bleiben, wegen der Gedanken, die uns bewegten und über die wir miteinander sprechen konnten in offenen Worten. Und wir werden verbunden bleiben durch die lebendige FIR, unsere internationale Förderation.

Folgende Jugendliche legten in ihrer Sprache das Versprechen ab, das Erbe des antifaschistischen Widerstandes weiterzutragen:

Österreich: Andreas Dlabaja
Belgien: Céline Baele (flämisch), Xavier Maqua (wallonisch)
Bulgarien: Vanja Kostadinova
Kroatien: Goran Grobotek
Tschechische Republik: Andrea Slezakova
Dänemark: Niclas Jensen
Frankreich: Maxime Verkerckhove
Deutschland: Theresa Wolf
Griechenland: Anna Grigoriadous
Ungarn: Boglarla H. Nagy
Niederlande: Danielle Beijtels
Portugal: David Pereira
Serbien: Srdjan Nikolic
Spanien: Curro Corrales
USA: Timothy Maywood

Inspirierende Erfahrung

geschrieben von Gerhard Hoffmann

5. September 2013

Mai-Juni 2008

Von der Naturfreundejugend Nordrhein-Westfalen kamen sechzehn Genossinnen und Genossen nach Buchenwald, um am Internationalen Jugendtreffen teilzunehmen. Sie fuhren mit starken Eindrücken zurück. Da war das Gespräch mit dem ehemaligen Buchenwaldhäftling Gert Schramm. Er erlebte die oft geleugnete Selbstbefreiung des Lagers. Die Teilnehmer der Gruppe beschlossen, eine Reportage über die Tage in Buchenwald zu fertigen, um anderen vermitteln zu können, wie emotional berührt sie etwa von der Rede des ehemaligen Häftlings Günter Pappenheim an der Rampe von Buchenwald oder der symbolischen Übergabe der Stafette von den Alten an die Jungen, vertreten durch Lena Carlebach, die Enkeltochter des ehemaligen Buchenwalders Emil Carlebach, waren. Bei der Naturfreundejugend NRW soll eine Gruppe entstehen, die sich intensiver mit der Nazizeit befasst, um Wissenslücken schließen und Wissen weitergeben zu können. Außerdem soll eine Arbeitsgruppe zur Koordinierung aller antifaschistischen Aktivitäten in der Naturfreundejugend gebildet werden. Jan Tacke verwies darauf, dass der internationale Charakter des Treffens sehr inspirierend für das eigene antifaschistische Engagement war.

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