Wider die Macht

geschrieben von Gerald Netzl

4. September 2022

Die Kunstsammlung des Dokuarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW)

Seit Februar 2022 und noch bis 15. Januar 2023 zeigt das Haus der Geschichte in der Landeshauptstadt von Niederösterreich St. Pölten mehr als 150 Grafiken, Zeichnungen und Ölgemälde aus der ca. 200 Objekte umfassenden Kunstsammlung des DÖW. Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) mit Sitz in Wien ist eine Stiftung, die gemeinsam von der Republik Österreich, der Stadt Wien und dem Verein Dokumentationsarchiv getragen wird. Es betreibt Informationsarbeit durch Buchveröffentlichungen und im Internet und sammelt, archiviert und wertet Quellen zu folgenden Themen wissenschaftlich aus: Widerstand, Verfolgung und Exil während der Zeit des Nationalsozialismus, NS-Verbrechen, NS- und Nachkriegsjustiz, Rechtsextremismus in Österreich und Deutschland nach 1945, Restitution und Wiedergutmachung von NS-Unrecht. Wider die Macht weiterlesen »

Rechte Wahlbündnisse

geschrieben von Cornelia Hildebrandt

4. September 2022

Was in Frankreich verhindert werden konnte, scheint in Italien machbar

In Frankreich hatte sich lange vor den Wahlen eine gesamtgesellschaftliche reaktionäre Bewegung mit Regierungsmitgliedern, Persönlichkeiten aus dem gesamten politischen Spektrum und Medien formiert und zunehmend die politische Agenda bestimmt, so dass selbst das rassistische Narrativ vom »großen Austausch« einen festen Platz im gesellschaftlichen Diskurs hat. Die Kandidatur Éric Zemmours half darüber hinaus, den Schwerpunkt der Debatten auf die extreme Rechte zu verlagern und durch die Koexistenz verschiedener rechtsextremer Strömungen diesen ideologischen Raum breiter aufzufächern, während Jean-Luc Mélenchons Linksbündnis -NUPES dämonisiert wurde. Hinzu kam die Weigerung Emmanuel Macrons, auf nationaler Ebene eine Wahlempfehlung im Rahmen von Duellen zwischen der NUPES und dem Rassemblement National (RN) von Marine Le Pen abzugeben, mit der Folge des Zusammenbruchs der republikanischen Front in den 200 Wahlkreisen, in denen sich RN für den zweiten Wahlgang qualifiziert hatte. Nun ist Le Pen auch noch drittstärkste Kraft im Nationalparlament. Rechte Wahlbündnisse weiterlesen »

Republik demontiert

geschrieben von Ulrich Schneider

4. September 2022

Teil 1 von 5 der Reihe: Der Weg ins Dritte Reich

Mit dem Sturz der sozialdemokratischen Reichsregierung Müller und der Einsetzung des ersten Präsidialkabinetts unter Heinrich Brüning 1930 begann die Demontage des parlamentarischen Systems der Weimarer Republik. Als der Reichstag den Haushalt 1930 ablehnte, wurde der Haushalt per »Notverordnung zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen« erlassen. Anschließend löste Reichspräsident Paul von Hindenburg – durchaus im Rahmen der Verfassung – den Reichstag auf und ordnete für September 1930 Neuwahlen an. Das Ergebnis war eine massive Verschiebung zugunsten der NSDAP, die über 15 Prozent zulasten der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) und der Deutschen Volkspartei (DVP) hinzugewann und mit 107 Abgeordneten die zweitstärkste Reichstagsfraktion bildete. Zwar besaßen die Rechtsparteien nur knapp ein Drittel der Mandate, sie verkündeten jedoch lautstark einen Machtanspruch der »Nationalen Opposition«. Republik demontiert weiterlesen »

Geschichte eines Dulag

geschrieben von Hans-Georg Schwedhelm

4. September 2022

In Duderstadt sollte an ein Durchgangslager für alliierte Kriegsgefangene erinnert werden

In Duderstadt (Südniedersachsen) soll ein altes Ziegeleigelände zu Wohnraum umgestaltet werden. Ein Investor steht bereit, und die Stadtverwaltung ist dabei, die Voraussetzungen hierfür zu schaffen. Aus verschiedenen Gesprächen mit älteren Einwohner*innen der Stadt wurde bekannt, dass in der Endphase des Zweiten Weltkrieges Tausende von Kriegsgefangenen in der Ziegelei Bernhard untergebracht waren. Duderstadt hatte im Zweiten Weltkrieg keine militärische Bedeutung, so dass die große Anzahl von Kriegsgefangenen doch verwundert. Wie kam es dazu?

Die alliierten Truppen landeten am 6. Juni 1944 in der Normandie und befreiten Frankreich von der deutschen Besatzung, die Rote Armee im Januar 1945 Polen. Das Deutsche Reich wollte nicht, dass die Kriegsgefangenen, KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter*innen in die Hände der Befreier fielen. Man wollte nicht, dass es lebende Zeugen für die menschenunwürdige Behandlung gab. Geschichte eines Dulag weiterlesen »

Eskalation der Schoa

geschrieben von Janka Kluge

4. September 2022

»Aktion Reinhardt«: Plan zur systematischen Ermordung von Jüdinnen und Juden

Anfang 1942 trafen sich in einer Villa am Rande Berlins führende Vertreter des NS-Regimes und der SS, um über den Massenmord an der jüdischen Bevölkerung zu sprechen. Den Vorsitz des Treffens, das unter dem Namen »Wannseekonferenz« bekannt wurde, hatte Reinhard Heydrich. Dabei wurde der zeitliche Ablauf der Deportationen festgelegt und bestimmt, dass die Koordination in den Händen des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) liegen soll und damit bei Heydrich. Bereits Ende Juli 1941 hatte er von Hermann Göring den Auftrag zur Organisierung des Massenmords bekommen.

Heydrich starb nach einem von Soldaten der tschechischen Exilarmee verübten Attentat am 4. Juni 1942 in Prag. Um ihn zu ehren, wurde die geplante Eskalation der Schoa nach ihm benannt, als »Aktion Reinhardt«. Lange war allerdings unter Historikern umstritten, ob der Massenmord nach ihm benannt sei, schließlich schrieb sich Heydrichs Vorname ohne den Buchstaben T. Nachdem aber Dokumente gefunden wurden, in denen Göring den Namen von ihm auch so schrieb, waren die Zweifel weitgehend passé. Eskalation der Schoa weiterlesen »

Verwobene Geschichte

geschrieben von Blake Smith

4. September 2022

Antisemitismus in Indonesien: Ein Exkurs aus Anlass jüngster Ereignisse auf der documenta

Der Auslöser dafür, dass Antisemitismus in Indonesien Thema in westlichen Medien wurde, war die Kontroverse um ein Banner, das die indonesische Künstlergruppe Taring Padi auf der documenta im Juni 2022 in Kassel präsentierte. Es enthält u. a. Bilder mit üblen Ressentiments gegenüber Juden und israelischen Sicherheitsbeamten, die Naziembleme und Schweinsköpfe tragen. Die Auseinandersetzung gewann durch Reaktionen der documenta-Organisatoren, deutscher Medien und Regierungsvertreter zusätzlich an Fahrt.

Das Transparent mit dem Titel »Peopleʼs Justice« war nicht direkt gegen Juden oder Israel gerichtet. Es scheint vielmehr antisemitische Bilder als Teil einer umfassenderen Kritik am indonesischen Regime und am Zustand internationaler Politik, einschließlich der Israels, verwendet zu haben. Die Feststellung dieser Tatsache legitimiert oder entschuldigt natürlich nicht solche Bilder. Die Verwendung antisemitischer Stereotype, um politische Argumente vorzubringen, die nicht vordergründig mit Juden in Verbindung stehen oder an sie gerichtet sind, ist auch in der westlichen Geschichte bekannt – man denke nur an die Verwendung antisemitischer Stereo-type in der »Kapitalismuskritik« sowohl von links als auch von rechts. Durch die gesamte Neuzeit zieht sich ein Klima antijüdischer Stimmungen. Verwobene Geschichte weiterlesen »

Versteckspiel

geschrieben von Lucas Kannenberg und Emma Sammet

4. September 2022

Ungewöhnliche Wege des Überlebens im NS

Der Begriff »Mimikry« bezeichnet in der Biologie die Fähigkeit bestimmter Tiere, sich zu schützen, indem sie andere Tiere imitieren. In der Filmbiografie »Der Passfälscher« von Maggie Peren über den jüdischen Grafiker Cioma Schönhaus (gespielt von Louis Hofmann) wird Mimikry zum zentralen Handlungsmotiv: Anstatt sich nach der Deportation seiner Eltern 1942 in deren geräumiger Wohnung zu isolieren, sucht der 20-Jährige sein Versteck mitten im Leben Berlins. Versteckspiel weiterlesen »

Blinde im Nationalsozialismus

geschrieben von Trudi Kindl

4. September 2022

Neue Arbeitsgruppe zum Widerstand von Otto Weidt

Als Mitglied in deutschen Blindenverbänden war es mir immer wichtig, deren Geschichte aufzuarbeiten. Welche Möglichkeiten und Grenzen hatten Blinde und Sehbehinderte im Nationalsozialismus? Wie war das Leben in den Blindenschulen und -heimen, und welche beruflichen Möglichkeiten gab es? Wurden sie aufgrund ihrer Behinderung verfolgt und im Rahmen der Euthanasie ermordet?

Im November 1989 fand dazu in Berlin-Wannsee ein Seminar statt, an dem sich Mitglieder der deutschen Blindenverbände beteiligten. In spannenden Referaten lernten wir Grundlagen der NS-Ideologie gegenüber Behinderten und ihre Auswirkungen bis heute kennen. Zeitzeugen berichteten über ihren Alltag im NS. Ein wichtiger Schwerpunkt war »Das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses«, die Praxis der Zwangssterilisation und die Haltung der Blindenorganisationen. Schließlich lernten wir Blinde kennen, die gegen die Nazis Widerstand leisteten. Die Referate und weitere Beiträge sind auch veröffentlicht worden.1 Blinde im Nationalsozialismus weiterlesen »

Nicht das ganze Bild

geschrieben von Sebastian Schröder

4. September 2022

Ein populäres Buch über die Organisation Consul – mit Leerstellen

Novemberrevolution 1918: »Mit dem Monarchen verschwand ein System von Hierarchien aus Deutschland, das alle verinnerlicht hatten, vom Adeligen und Offizier bis zum Angestellten, Arbeiter und Dienstboten. Millionen hatten sich für diese Ordnung in den Schützengräben und in der Heimat aufgeopfert, um sie nun in ein paar novemberklammen Tagen zergehen zu sehen.« Nicht das ganze Bild weiterlesen »

No deals with germany

geschrieben von Harry Friebel

4. September 2022

Eine erinnerungspolitische Posse aus der Bonner Republik

Der Titel des Buchs von Jacob S. Eder »Holocaust-Angst« ist Programm: Die Regierung der Bundesrepublik wurde bereits Ende der 70er irritiert durch Informationen, dass die US-Regierung eine zentrale Holocaustgedenkstätte in Washington plane. Der damalige US-Präsident James Carter hatte »zum angemessenen Gedenken an die Opfer des Holocaust« die Kommission für die Gestaltung eines entsprechenden Konzepts für das spätere »United States Holocaust Memorial Museum« (USHMM) eingerichtet. In dieser Zeit war die Aufmerksamkeit vieler US-Bürger:innen – insbesondere ausgelöst durch die TV-Serie »Holocaust« – auf die Millionen Opferschicksale europäischer Juden in der NS-Diktatur gerichtet. Anfang der 80er-Jahre schrillten dann die Alarmglocken bei der BRD-Regierung, weil die Gedenkstätte in Washington primär aus der Opferperspektive geplant werden sollte. Der Regierung Kohl erschien das als ein Affront: Sie befürchtete, dass »die deutsche Geschichte mit dem Segen der US-Regierung auf den Holocaust reduziert werden würde. So ging man davon aus, dass das USHMM nur Juden als Opfer, Amerikaner als Befreier und Deutsche allein als Täter darstellen würde«. No deals with germany weiterlesen »

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