Siegmund Gingold, jüngster Bruder Peter Gingolds, wird am 11. Juli 100 Jahre alt
Er ist elf Jahre alt, als die in Frankfurt am Main lebende jüdische Familie Gingold 1933 beschließt, vor den Nazis nach Frankreich zu fliehen. Am 11. Juli wird er einhundert Jahre alt.
Als die Nazis 1940 Frankreich besetzen, wird Siegmund, er heißt nun Simon, Mitglied der Jeunes communistes, der Kommunistischen Jugend, was ihm mehrere Monate im Gefängnis »Santé« einbringt: »Einige Stunden vor meiner Verhaftung treffe ich in unserer Straße einen Inspektor in Zivil. Der fragt mich nach einem gewissen Monsieur Simon, und ich wittere die Gefahr. Schleunigst begebe ich mich in unsere Wohnung, um das Material verschwinden zu lassen, das bei uns gelagert ist. Die Inspektoren durchwühlen die ganze Wohnung und finden nichts, außer auf dem Dachboden. Meine Brüder hatten dort nämlich eine Schneiderpuppe aus Sperrholz abgelegt, die Hitler mit offenem Maul darstellte und auf dem Fest der L’Humanité als Zielscheibe auf dem Stand für Stoffballwerfen gedient hatte. Das ist das einzige Beweisstück, das sie entdecken, dennoch nehmen sie mich mit auf die Präfektur …« So Siegmunds Schilderungen in seinen »Erinnerungen eines Unerwünschten«. Kostbare Solidarität weiterlesen »



























