Skandaldeal

9. September 2021

Im Prozess gegen elf Faschisten, die 2014 einen brutalen Überfall auf eine Kirmesgesellschaft im thüringischen Ballstädt verübt hatten, sind Mitte Juli neun Angeklagte zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Bei zwei weiteren Tätern wurde das Verfahren gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt. Die geringen Strafen waren Folge von Absprachen zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Aufgrund der langen Ermittlungszeit hatten die Justizorgane wohl die Verjährung der Tat befürchtet und den Angeklagten Straferlass gegen Geständnisse angeboten. Bereits im Vorfeld war der Deal von Antifaschist*innen kritisiert worden.

Späte Einsicht

9. September 2021

Unter Beteiligung des Ministerpräsidenten Bayerns, Markus Söder, des Münchener Oberbürgermeisters Dieter Reiter und weiterer Kommunalpolitiker gedachten Angehörige der Opfer aus München und Hanau sowie weitere Bürger*innen der neun Todesopfer und der fünf Schwerverletzten des Terroraktes vom 22. Juli 2016 beim Olympia-Einkaufszentrum. Die Hauptveranstaltung fand am 2017 errichteten Denkmal für die Ermordeten statt. David Sonboly schoss aus rassistischen Gründen gezielt auf Menschen. Es hatte mehrere Jahre gedauert, bis auch die Behörden von einer »klar politisch motivierten Gewalttat von rechts« sprachen, wie dies Markus Söder (CSU) beim Gedenken tat.

Holocaust relativiert

9. September 2021

Eine Hausdurchsuchung fand am 23. Juli bei einem 45-jährigen Münchener statt. Er hatte auf seiner Facebook-Seite ein zweigeteiltes Bild gepostet. Auf der unteren Hälfte war ein Foto des Eingangs des KZ Auschwitz mit dem Schriftzug »Arbeit macht frei« zu sehen, auf der oberen eine Karikatur mit einer Reihe Schwarzuniformierter mit Spritzen und dem Schriftzug »Impfen macht frei«. Smartphones und Computer des Mannes wurden beschlagnahmt. Gegen ihn wird wegen Volksverhetzung ermittelt.

Sechs Jahre Knast

9. September 2021

Die bayrische Rechtsterroristin Susanne Gemeinhardt-Seitz ist Ende Juli zu einer sechsjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat durch die Herstellung eines Brandsatzes war der Hauptgrund für die Strafe. Ihr ebenfalls aus dem neofaschistischen Milieu stammender Verteidiger Wolfram Nahrath hatte bis zum Schluss ihre Unschuld behauptet und hat inzwischen auch Revision eingelegt.

»Querdenker«-Angriff

9. September 2021

Jörg Reichel, Landesgeschäftsführer der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union in Berlin, ist bei einer trotz Verbots durchgeführten Demo der »Querdenker«, angegriffen worden. Am 1. August wurde er in Berlin-Kreuzberg durch mehrere Personen vom Fahrrad gerissen und dann krankenhausreif geprügelt. Hilfe erhielt Reichel durch zufällig heraneilende Passant:innen. Reichel ist seit Monaten Bedrohungen und Diffamierungen durch »Querdenker« ausgesetzt gewesen.

»Combat 18« größer

9. September 2021

Die seit Januar 2020 verbotene Organisation »Combat 18« war offensichtlich deutlich größer, als bisher öffentlich bekannt war. Auf das Konto des Anführers und Kassenwarts Stanley Röske sind Zahlungen von etwa 60 Personen eingegangen, teilte die Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen vom 13. Juli mit. Frühere Angaben lagen bei etwa 20 Personen. Den Mitgliedern von »Combat 18« werden zahlreiche Gewalttaten und andere typisch der extremen Rechten zugerechnete Delikte vorgeworfen. Über das Verbot ist lange vorher spekuliert worden, sodass bei den Durchsuchungen, die sich dem Verbot anschlossen, keine Waffen gefunden wurden.

Nordkreuz aktiv

9. September 2021

Die Bundesregierung musste Anfang August einräumen, dass die Prepper-Gruppe »Nordkreuz« fortbesteht. Trotz der seit vier Jahren laufenden Ermittlungen des Generalbundesanwalts gegen zwei Mitglieder der Gruppe, sind mehrere Mitglieder weiterhin als Sportschützen aktiv und verfügen legal über Waffen. Zu den Quellen ihrer Informationen wollte sich die Regierung nicht äußern. Die Bundestagsabgeordnete Martina Renner (Die Linke) kritisierte die lasche Verfolgung und hält insbesondere die Verbindung der Gruppe zu Sicherheitsbehörden für alarmierend.

Urteile rechtskräftig

9. September 2021

Kurz vor Redaktionsschluss hat der Bundesgerichtshof (BGH) die Revisionen der im NSU-Prozess Verurteilten ohne mündliche Verhandlung verworfen. Damit sind die Urteile gegen Beate Zschäpe (Lebenslänglich mit anschließender Sicherungsverwahrung), Ralf Wohlleben (10 Jahre Gefängnis), Holger Gerlach (3 Jahre) rechtskräftig. Carsten Schultze (3 Jahre) legte kein Rechtsmittel ein. Nur im Fall des NSU-Gehilfen André Eminger kommt es zu einer mündlichen Verhandlung. Gegen seine zweieinhalbjährige Haftstrafe hatte die Bundesanwaltschaft Revision eingelegt.

Nazis wittern Morgenluft

geschrieben von Max Gerlach

9. September 2021

Die Hochwasserkatastrophe und die Mobilisierung extrem rechter Akteure

Spätestens seit der Corona-Krise ist allgemein offenkundig, dass Neonazis und andere extreme Rechte in Krisen- und Katastrophenmomenten wie der jüngsten Hochwasserkatastrophe Morgenluft wittern und das Thema bespielen mit dem Ziel, politisches Kapital daraus zu ziehen. Doch wollen sie nicht uneigennützig Hilfe zur Selbsthilfe leisten, sondern sich als unentbehrliche politische und soziale Avantgarde der Gesellschaft darstellen. Nazis wittern Morgenluft weiterlesen »

Ein neuer Freisler?

geschrieben von Ulrich Sander

9. September 2021

Der AfDler Matthias Helferich sieht sich als »freundliches Gesicht des NS«

Eine nennenswerte Zahl der Bundesbürger – eine Forsa-Umfrage ermittelte einmal mehr als 20 Prozent – sind der Ansicht, das NS-Regime hätte auch gute Seiten gehabt. Auf die Stimmen jener Wähler schielt die AfD. Wenn nicht ein demokratisches Donnerwetter dazwischenkommt, wird dem nächsten Bundestag ein »demokratischer Freisler« angehören.

In positiven Bezug zu Roland Freisler, den mörderischen Präsidenten des Volksgerichtshofs der Nazis, setzte sich mit dieser Selbstcharakterisierung Matthias Helferich, wie jüngst geleakte Chats aus dem Jahr 2017 zeigen. Besagter Helferich ist AfD-Kandidat mit sicherem MdB-Platz auf der NRW-Liste. Der heute 32jährige Jurist bezeichnete sich laut der geleakten Dokumente auch als das »freundliche Gesicht des NS«. Als neues Kennzeichen der Rechten schwebt Helferich zudem die Kornblume vor. Sie sei das geheime Symbol der Nazis »während des Verbots in Österreich« gewesen. Helferich gibt sich sicher, die Naziszene in Dortmund werde wohl aufrufen, ihn zu wählen. Er »kenne die Jungs aus Dorstfeld«, prahlte er in dem Chat. Ein neuer Freisler? weiterlesen »

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