Ruf zur Umkehr

geschrieben von Jakob Knab

8. März 2022

Gedenkbuch über Hans Paasche: Vom Leutnant zum Kritiker des preußischen Militarismus

Hans Paasche, 1881 in Rostock geboren, wuchs in einem großbürgerlichen, national-protestantisch geprägten Elternhaus in Berlin auf. Seine Jugend fiel in jene Zeit, da Großadmiral von Tirpitz mit seinen Plänen, die Flotte aufzurüsten, reichsweit Begeisterung auslöste.Auch den jungen Preußen Paasche packten die Träume von Weltmacht und Seegeltung. Es drängte ihn zur Marine; 1899 wurde er Seekadett, ab 1904 Leutnant im Küstenwachdienst in Deutsch-Ostafrika, ab 1906 war er Befehlshaber der deutschen Schutztruppe am Rufiji gegen den Maji-Maji-Aufstand. Einmal befiehlt er sogar, Gefangene zu erschießen. 1909 nahm er seinen Abschied als Kapitänleutnant. Ruf zur Umkehr weiterlesen »

Alle Opfer – keine Täter?

geschrieben von Harry Friebel

7. März 2022

Was von der Erinnerungskultur an die Nazizeit bleibt

Gestern ist auch morgen. Der »neue« Antisemitismus und die bittere Tatsache, dass Zeitzeugen der NS-Diktatur immer weniger für die alltägliche Aufklärungsarbeit zur Verfügung stehen, sind zwei Anlässe, grundsätzlich neu über die Gestaltung des Gedenkens und der Erinnerung nachzudenken. Mindestens ebenso bedeutsam für diese Arbeit sind der gesellschaftliche Wandel, z. B. in der Migra­tionsgesellschaft und das zunehmende Desinteresse gegenüber der weiteren Aufarbeitung des NS-Zivilisationsbruchs. Alle Opfer – keine Täter? weiterlesen »

Keine Monster zeigen

geschrieben von Axel Holz

7. März 2022

80 Jahre Wannseekonferenz: Wie kann die Erinnerung gegenwärtig bleiben?

Der 20. Januar 1942 war über Jahrzehnte kaum beachtet in der Erinnerungskultur, obwohl die einzige Ausfertigung des Protokolls der Wannseekonferenz für die Forschung schon lange – in der alten BRD spätestens seit Ende der 50er Jahre – zur Verfügung stand.

Es war die Ausfertigung für das Auswärtige Amt, die Unterstaatssekretär Martin Luther als Teilnehmer der Konferenz erhielt, der selbst 1943 ins KZ Sachsenhausen als »privilegierter Schutzhäftling« kam und kurz nach Kriegsende starb. Keine Monster zeigen weiterlesen »

Die gesamte Januar/Februar-Ausgabe zum Nachlesen!

7. Januar 2022

Wir wünschen unseren Leser*innen ein gesundes und politisch erfolgreiches neues Jahr. Die Bundesvorsitzenden der VVN-BdA, Cornelia Kerth und Florian Gutsche, umreißen auf Seite 3 die anstehenden Themen. Nach den Bundestagswahlen im letzten Jahr, erwarten uns mehrere Landtagswahlen und damit eine Dauermobilisierung gegen die AfD. Der Bundesparteitag in Wiesbaden wurde pandemiebedingt verschoben und wir freuen uns schon dieses so wichtige Event der AfD irgendwann in diesem Jahr bundesweit mit Protesten zu begleiten. Wir freuen uns auch schon auf das Fest zum 75 jährigen Bestehen der VVN am 26. März in Frankfurt/Main.

Mittlerweile kennen wir die Ideen der neuen grünen sozial-liberalen Bundesregierung (zum Koalitionsvertrag S.5) und werden ganz genau die Vorhaben in den Gedenkstätten im Auge behalten. Wir freuen uns, dass dafür nun auch eine feste Stelle in der Bundesgeschäftsstelle (siehe S.1 der Länderseiten) eingerichtet wurde. Wie diskursiv und praktisch umkämpft Gedenk- und Erinnerungsarbeit ist, zeigt unser Gesprächsprotokoll zum Essay »Tränen ohne Trauer« (S.32).  Die Pandemie verlangt auch 2022 von uns weiterhin einen klaren Kopf. Während die sog. Corona-Proteste hierzulande durch neue Protestformen (»Spaziergänge«) behördliche Auflagen und Verbote umgehen, sich selbst aber auch dezentralisieren und verkleinern, radikalisieren sich Massenproteste im europäischen Ausland zunehmend. Wie auch hier, sorgen vor allem extrem rechte Gruppierungen für den dafür nötigen Organisierungsgrad. Um den Überblick zu behalten haben wir auf Seite 25, die unterschiedlichen Bewegungen zusammengefasst. Diese rechten Aufläufe dürfen gleichzeitig nicht dazu führen, dass die Versammlungsgesetze weiter geschleift werden (wie in NRW S.6).

Dieses Jahr erwarten uns auch die Wahlen zu den Betriebsräten in vielen Unternehmen. Da die AfD angekündigt hat in Gewerkschaften aktiver zu werden, heißt es hier wachsam zu sein. Wir berichten auf Seite 11 von einer Tagung antifaschistischer Gewerkschafter*innen. Das Spezial-Thema »50 Jahre Berufsverbote« erinnert an ein Dauerthema der deutschen Arbeiter*innenbewegung.

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Unser Titelbild:

7. Januar 2022

 »Sei keine Duckmaus« ist ein bekanntes Motto der Bewegung gegen die Berufsverbote und wurde ab 2012 verschiedentlich eingesetzt. Die Plüschtiere sind Modell eines Spielwarenherstellers, die heute als nicht mehr lieferbar gelten. Siehe unser Spezial auf den Seiten 17–20. Foto: berufsverbote.de

editorial

geschrieben von Nils Becker

7. Januar 2022

Wir wünschen unseren Leser*innen ein gesundes und politisch erfolgreiches neues Jahr. Die Bundesvorsitzenden der VVN-BdA, Cornelia Kerth und Florian Gutsche, umreißen auf Seite 3 die anstehenden Themen. Nach den Bundestagswahlen im letzten Jahr, erwarten uns mehrere Landtagswahlen und damit eine Dauermobilisierung gegen die AfD. Der Bundesparteitag in Wiesbaden wurde pandemiebedingt verschoben und wir freuen uns schon dieses so wichtige Event der AfD irgendwann in diesem Jahr bundesweit mit Protesten zu begleiten. Wir freuen uns auch schon auf das Fest zum 75 jährigen Bestehen der VVN am 26. März in Frankfurt/Main. editorial weiterlesen »

Corona, Ampel, Gemeinnützigkeit

geschrieben von Cornelia Kerth und Florian Gutsche

7. Januar 2022

Auch das neue Jahr stellt uns vor viele Herausforderungen

Corona nimmt kein Ende, und die rechten Straßenmobilisierungen unter dem »Querdenken«-Label haben im Westen Deutschlands Teile des grün-alternativen Milieus in der »Mitte« der Gesellschaft erreicht. Auch Menschen, die sich selbst zuweilen als »links« verorten, haben offensichtlich kein Problem damit, gemeinsam mit Aluhutträgern, Propagandist:innen »alternativer Fakten«, Reichsbürgern, AfD und -PEGIDA-Anhänger:innen und anderen Nazis aller Schattierungen auf die Straße zu gehen. Sie demonstrieren gegen Pandemiebestimmungen und Impfpflicht, sehen »globale Eliten« im Angriff auf Freiheit und Selbstbestimmung und stilisieren sich wahlweise als Verfolgte oder Widerstandskämpfer:innen gegen eine neue Diktatur. Sie sehen nicht die Nazis an ihrer Seite, sondern richten den Ruf »Nazis raus« gegen diejenigen, die ihnen entgegentreten. Corona, Ampel, Gemeinnützigkeit weiterlesen »

Eigentlich unbegreiflich

7. Januar 2022

Bundestag hat noch mal die Kurve gekriegt bei der Nichtwahl der AfD-Vertreter

In letzter Minute, aber dann doch deutlich, haben die demokratischen Parteien im Bundestag noch einmal die Kurve gekriegt. Im ersten Versuch ist es der AfD in keinem Ausschuss des Bundestages gelungen, den Vorsitz zu übernehmen. Insbesondere der Zugriff der AfD auf den Innen- und Gesundheitsausschuss wäre eine Katastrophe gewesen. Die Partei der Corona-Verharmloser*innen, Impfskeptiker*innen und Verschwörungserzähler*innen mit dem Vorsitz in dem in diesen Zeiten so wichtigen Gesundheitsausschuss zu betrauen wäre ein Schlag ins Gesicht für alle, die für eine solidarische Überwindung dieser Gesundheits- und sozialen Krise stehen. Eigentlich unbegreiflich weiterlesen »

Klare Absage

geschrieben von Bernd Kant

7. Januar 2022

KZ-Gedenkstätte: »Querdenker« mit antifaschistischem Bildungsinteresse?

Es klingt nach verkehrter Welt, wenn man lesen muss, dass sich Corona-Leugner bitterlich darüber beschweren, dass sie keine Möglichkeit bekämen, die Ausstellungen der KZ-Gedenkstätte Buchenwald zu besuchen. Denn auch dort wurden vor dem Hintergrund der explodierenden Inzidenzzahlen in Thüringen Besuchsbeschränkungen (2G-Modell) für geschlossene Räume angeordnet. Dass sich aber gerade diejenigen mit beleidigenden Äußerungen und in sprachlich gewalttätiger Form über solche Maßnahmen, die dem gesellschaftlichen Gesundheitsschutz dienen, mokieren, die durch ihr eigenes unverantwortliches Verhalten und die Impfverweigerung dazu beitragen, dass das Infektionsgeschehen auch in Thüringen außer Kontrolle gerät, ist an Absurdität nur schwer zu überbieten. Klare Absage weiterlesen »

Externe Kontrolle nötig

geschrieben von Andreas Siegmund-Schultze

7. Januar 2022

Ein Blick auf den neuen Koalitionsvertrag zwischen SPD, Grünen und FDP

Im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung wird zur Kenntnis genommen, dass die extreme Rechte die größte Bedrohung für die Demokratie in der Bundesrepublik darstellt. Anerkennenderweise lässt sich sagen: In dieser Klarheit fand sich diese Feststellung bisher in keinem Koalitionsvertrag. Doch was aus dieser Zustandsbeschreibung heraus folgen soll, kennt Licht wie Schatten.

Zur Erinnerungspolitik gibt es wichtige Bekenntnisse. So heißt es, Gedenkstättenarbeit wolle man »auskömmlich finanzieren«. Entstehen sollen ein Dokumentationszentrum »Zweiter Weltkrieg und Besatzungsherrschaft in Europa« und ein Erinnerungs- und Begegnungsort im Gedenken an die Opfer der Besatzung Polens. Opfer der »Euthanasiemorde« sowie Zwangssterilisation sollen offiziell als NS-Opfer anerkannt werden. Vorantreiben wolle man die Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte, die Rückgabe von Objekten aus kolonialem Kontext werde unterstützt. Externe Kontrolle nötig weiterlesen »

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