Ein Verhinderungsgesetz

geschrieben von Silvia Rölle

7. Januar 2022

Proteste in NRW mit wenig Wirkung gegen Grundrechte einschränkende Regierung

Rund 7.000 Menschen demonstrierten Ende Oktober in Köln gegen das geplante Versammlungsgesetz der schwarz-gelben NRW-Landesregierung. Aufgerufen hatte das Bündnis »Versammlungsgesetz NRW stoppen! Grundrechte erhalten«, getragen von mehr als 100 Organisationen, darunter die VVN-BdA-Landesvereinigung NRW. Der gemeinsame Protest von Antifaschist:innen, Friedensaktivist:innen, Klimaaktivist:innen, Gewerkschafter:innen, Politiker:innen verschiedenster Couleur, migrantischen Initiativen, Antikapitalist:innen, Jurist:innen, Fußballfans und Datenschützer:innen schien Wirkung zu zeigen. Die nordrhein-westfälische Landesregierung sah sich genötigt, den Gesetzentwurf abzuändern. Leider blieb es bei kosmetischen Änderungen. Am Kern der Kritik ändere sich nichts, so der Republikanische Anwältinnen- und Anwälteverein, der Verein Demokratischer Juristinnen und Juristen und das Komitee für Grundrechte und Demokratie in einer gemeinsamen Stellungnahme. Ein Verhinderungsgesetz weiterlesen »

Zu Kurz? Zu lang!

geschrieben von Gerald Netzl

7. Januar 2022

A Star was born: Sebastian Kurz zieht sich in Österreich von weiteren Ämtern zurück

Am 2. Dezember 2021 informierte Sebastian Kurz die Öffentlichkeit über seinen Rückzug von der Funktion des Klubobmanns (= Fraktionsvorsitzenden) der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und als Nationalratsabgeordneter, nachdem er zwei Monate zuvor als Bundeskanzler der Republik Österreich »zur Seite getreten« war. Mit Hilfe von Intrigen, Fake-Umfragen und gekaufter Berichterstattung hatte Kurz zuerst die Macht in der ÖVP und dann im Staat Österreich erlangt. Erst skandalöse Chats und Durchsuchungen im Bundeskanzleramt (BKA), im Finanzministerium und in der ÖVP-Zentrale stoppten das System Kurz. Zu Kurz? Zu lang! weiterlesen »

AfD träumt vom Bürgerkrieg

geschrieben von Janka Kluge

7. Januar 2022

»Ohne Umsturz und Revolution kein Kurswechsel«: Bayerns AfD auf Telegram

Bis Dezember galt die bayerische AfD noch als ein eher gemäßigter Teil der rassistischen Partei. Dies hat sich mit der Veröffentlichung von Nachrichten aus der geschlossenen Telegram-Gruppe »Alternative Nachrichtengruppe Bayern« geändert. Die jetzt ans Licht gebrachten Nachrichten umfassen den Zeitraum von 2017 bis Mitte 2021. Auswertungen von Journalisten haben ergeben, dass seit Beginn der Corona-Krise der Ton innerhalb des Chats deutlich verschärft hat.

In dem Chat tauschen sich Mitglieder des südlichen AfD-Landesverbands über politische Strategien aus. Rainer Rothfuß, seit Oktober erster stellvertretender AfD-Landesvorsitzender, schrieb beispielsweise laut BR von »Impfdiktatur« und »Impfapartheid« und fährt dann fort, die Immunisierung mittels Vakzin sei ein »Genozid an den reichen Europäern und Nordamerikanern, die sich die Impfung leisten können«. Ein in dem BR-Beitrag nicht näher bezeichneter Kreisvorsitzender aus Oberbayern schrieb Ende 2020 im Chat: »Ohne Umsturz und Revolution erreichen wir hier keinen Kurswechsel mehr« und »Wahlen helfen eh nicht mehr«, um die »regierenden Verbrecher« loszuwerden. Von der Landtagsabgeordneten Anne Cyron bekam er sofort Unterstützung. Sie antwortete auf seinen Post: »Denke, dass wir ohne Bürgerkrieg aus dieser Nummer nicht herauskommen werden«. Georg Hock, Mitglied im Landesvorstand, fasste seine Haltung mit den Worten »absolute Zustimmung« zusammen. AfD träumt vom Bürgerkrieg weiterlesen »

Entkriminalisieren!

7. Januar 2022

Schwangerschaftsabbrüche: Polnisch-deutsche Gruppe »Ciocia Basia« im Interview

antifa: Eure Organisation Ciocia Basia aus Berlin hilft seit mehreren Jahren ungewollt Schwangeren aus Polen beim Abbruch. Wie entstand eure Initiative?

Gosia: Ciocia Basia entstand 2015 als Kollektiv von Aktivist:innen, die beobachteten, dass Menschen aus Polen aufgrund der dortigen Kriminalisierung ungewollt Schwangerer nach Berlin oder Deutschland kamen. Und sie dabei praktisch zu unterstützen, diese Schwangerschaften abzubrechen, ist sozusagen unsere Kernaufgabe.

antifa: Was geschieht, wenn ihr um Unterstützung bei einem Schwangerschaftsabbruch gebeten werdet? Entkriminalisieren! weiterlesen »

Schlimmer als gedacht

geschrieben von Nora Winter

7. Januar 2022

NS-Kontinuitäten in der Bundesanwaltschaft

Der Anteil der ehemaligen NSDAP-Mitglieder in den höheren Diensträngen der Bundesanwaltschaft pendelte je nach Jahr zwischen 60 und fast 80 Prozent. Schaut man auf die Oberstaatsanwälte in den 1950er Jahre waren zeitweise alle von ihnen vor 1945 in der NSDAP. Die alten Seilschaften funktionierten prächtig; selbst ein Vorantreiben von Todesurteilen war kein Karrierehindernis. Ihre Pensionen bekamen sie alle bis zum Schluss.

Mit »Staatsschutz im Kalten Krieg. Die Bundesanwaltschaft zwischen NS-Vergangenheit, Spiegel-Affäre und RAF« von Friedrich Kießling und Christoph Safferling hat nun auch die Bundesanwaltschaft ein Buch zu ihrer NS-Vergangenheit. Mittlerweile gehört so etwas zum guten Ton einer bundesrepublikanischen Behörde. Die Autoren beschreiben nach der Vorgeschichte im Kaiserreich, der Weimarer Republik und dem Nationalsozialismus den Aufbau, die Entwicklung und die Arbeit der Bundesanwaltschaft von 1950 bis 1974. Durch Zugang zu bisher unerschlossenen Akten können sie Akzente in der bisherigen Geschichtsschreibung verschieben. So zeigen sie zum Beispiel, dass die Bundesanwaltschaft von der Bundesregierung in der Spiegel-Affäre zurückgepfiffen werden musste. Wegen Verdachts auf Landesverrat wurden die Redaktionsräume des Magazins 1962 durchsucht. Der Spiegel sollte geheime militärische Informationen in einem kritischen Artikel preisgegeben haben. Hatte er nicht. Doch die Bundesanwaltschaft ermittelte bis 1966 und bewies damit alleinig, dass sie Artikel 5 des Grundgesetzes, die Presse- und Meinungsfreiheit, noch nicht verinnerlicht hatte. Schlimmer als gedacht weiterlesen »

Ratifizierung verschoben

7. Januar 2022

Erneut hat das namibische Parlament Ende September die Ratifizierung des sogenannten Genozidabkommens zwischen Deutschland und Namibia verschoben. Das Abkommen war wegen des Völkermords an den Herero und Nama zwischen 1904 und 1908 in der deutschen Kolonie Deutsch-Südwestafrika geschlossen worden. Unter anderem war die Zahlung von 1,1 Milliarden Euro zum Wiederaufbau, der Versöhnung und für Entwicklungsprojekte über 30 Jahre vorgesehen. Gegner kritisierten, dass die deutsche Regierung diese Zahlungen nicht als Reparationen ansieht und Vertreter der betroffenen Volksgruppen nicht an den Verhandlungen beteiligt waren. Erneut begleiteten Proteste das parlamentarische Verfahren.

Verfahren gegen Polizei

7. Januar 2022

Die Bundestagsverwaltung hat Mitte Oktober Disziplinarverfahren gegen Bundestagspolizisten eingeleitet. Nach Bekanntwerden von Presserecherchen im Juni, hat es umfangreiche Gespräche mit ca. 200 aktiven und ehemaligen PolizistInnen gegeben. Ein Polizist soll sich in einer Reichsbürgerpartei engagieren, ein anderer zu einer »Querdenker«-Demo aufgerufen, ein dritter im Pausenraum den Hitlergruß gezeigt haben. In dienstlich genutzten Chatgruppen sollen extrem rechte Inhalte verbreitet worden und diskriminierende Sprüche alltäglich gewesen sein.

Wiederaufnahme verlangt

7. Januar 2022

In einem neuen Brandgutachten kommt der britische Sachverständige Iain Peck zu dem Ergebnis, dass der an Händen und Füßen gefesselte Oury Jalloh von Polizeibeamten angezündet worden sein muss. Das Gutachten basiert auf Brandversuchen in einem originalgetreuen Nachbau der Zelle 5 des Polizeireviers Dessau. Der Brandforensiker Peck hielt es für höchstwahrscheinlich, dass Jalloh am 7. Januar 2005 in seiner Zelle mit einer Flüssigkeit wie Benzin übergossen und angezündet wurde. Jallohs Familie forderte Anfang November von der Bundesanwaltschaft die Wiederaufnahme der Ermittlungen. Nach offizieller Version hat Jalloh sich im gefesselten Zustand selbst angezündet.

Reul bestreitet Schuld

7. Januar 2022

Nach dem Tod des 25-jährigen Giórgos Zantiótis im Polizeigewahrsam hat dessen Schwester Strafanzeige gegen beteiligte Polizisten erstattet. Der junge Mann verstarb am 1. November unmittelbar im Anschluss an eine erzwungene Blutentnahme in Wuppertal. Nach Polizeiangaben soll der Deutsche mit griechischen und polnischen Wurzeln LSD konsumiert und seine Schwester verletzt haben. Bei der folgenden Festnahme habe er massiven Widerstand geleistet. Die Obduktion habe ergeben, der Mann sei an einer Grunderkrankung verbunden mit seinem Drogenkonsum verstorben. Fremdverschulden oder Gewalteinwirkung wurden als Todesursache ausgeschlossen. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sprach im Innenausschuss des Landtags von einer persönlichen Tragödie und sah keine Mitschuld der Polizei. Die Schwester von Giórgos und ein Unterstützerkreis sehen dies anders. Es gab mehrere Kundgebungen in verschiedenen Städten.

Marsch in Warschau

7. Januar 2022

Am 11. November, dem polnischen Unabhängigkeitstag, traten in Warschau Nationalisten und extrem Rechte zu einem Marsch an. Zwei Gerichte hatten dies zuvor verboten. Die Regierungspartei PiS hat den Marsch dann zu einer Kundgebung mit »staatlichem Charakter« befördert, um ihn gegen Gerichte und Warschauer Stadtregierung durchzusetzen. Die PiS kooperiert immer wieder mit nationalistischen und extrem rechten Gruppen in Polen.

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