Wasserwege des Widerstands

3. Juli 2021

Eine Reise entlang dem Rhein

In ihrer Publikation »Gefahrgut – Transporte auf dem Rhein 1933 …« tragen Brigitte und Gerhard Brändle Informationen über Menschen im Widerstand gegen den NS-Faschismus zusammen. Die Dokumentation in der Form einer Reise auf dem Rhein ist der Versuch, eine Lücke in der Erforschung des Widerstands zu schließen. Zu verschiedenen Beteiligten werden biografische Informationen präsentiert. Gemeinsam ist ihnen allen ihr Tätigkeitsbereich am, um oder auf dem Rhein.

Für die Erforschung dieser Widerstandsgeschichte gab es einen wesentlichen Beweggrund: Der Schluss von Anna Seghers’ Roman »Das siebte Kreuz« verweist auf den Rhein als Rettungsweg. Anna Seghers hat dies nicht einfach erfunden, sie muss reale Vorbilder gehabt haben: der Kasteler Brückenkopf, die Anlegestelle in Mainz, zudem das Netzwerk von Menschen, die zusammenarbeiteten, um diesen einen aus dem KZ entflohenen Nazi-Gegner zu retten, so Mitglieder des 1933 verbotenen Arbeitersportklubs »Fichte«, der Verband der Seeleute und Hafenarbeiter und vor allem ein »holländischer Schiffer, der allerlei riskiert«. Wasserwege des Widerstands weiterlesen »

Widerständige Patientin

geschrieben von Peps Gutsche

3. Juli 2021

Ein neues Buch zeichnet die Lebensgeschichte von Rosa Schillings nach

Zwischen 1939 und 1945 wurden mehr als 300.000 Menschen mit psychischen, körperlichen und seelischen Behinderungen getötet. In dem hier vorliegenden Buch wird die systematische Vernichtung dieser Menschen anhand der Lebensgeschichte von Rosa Schillings, der Großmutter der Autorin, nachgezeichnet.

Rosa Schillings wurde am 2. Mai 1941 in der Gaskammer der Tötungsanstalt Hadamar ermordet. Chronologisch wechseln sich einschneidende Erlebnisse in Rosas Leben ab mit Einordnungen zur sogenannten Rassenhygiene der Nazis und der damit verbundenen Propaganda des »unwerten« Lebens, dem Aufbau des Verwaltungsapparates zur »Aktion T4« und der Verantwortung des medizinischen und des Pflegepersonals, die sich bereitwillig dem Vernichtungsterror der Nazis anschlossen. Widerständige Patientin weiterlesen »

Gefährliches Gedankengut

geschrieben von Leonore Leonberger

3. Juli 2021

Ein Frauen-Lyrikband scheut die Kommentierung

Mehr als 500 Gedichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart, dazu verschiedene Perspektiven: Kanon, Literaturgeschichte, Emanzipation, weibliche Stimmen – das Ganze mit Querverweisen. Ein sehr interessanter Frauen-Lyrikband von Reclam. Aber von Seite 473 bis 488 sind Gedichte mit nationalsozialistischem Gedankengut abgedruckt (Ingeborg Teuffenbach, Agnes Miegel, Ina Seidel und andere). Diese Gedichte sind kommentarlos zusammengestellt mit Gedichten von Frauen, die vor der Verfolgung durch das Nazi-Regime fliehen mussten oder getötet wurden (Gertrud Kolmar, Edith Stein, Selma Meerbaum-Eisinger, Hannah Arendt und andere). Der Reclam-Verlag schreibt dazu: »Die chronologisch aufgebaute Anthologie bildet ab, dass Autorinnen zu allen Zeiten aktiv an der Geschichte der Lyrik beteiligt waren – und dazu gehört auch die Zeit des Nationalsozialismus. Gefährliches Gedankengut weiterlesen »

Briefmarkenserie: Niemals vergessen

geschrieben von Gerald Netzl

3. Juli 2021

Es gab eine Zeit, da gab die österreichische Post Sondermarken mit politischem, ja mit antifaschistischem Inhalt heraus. Im September 1946 wurde im Künstlerhaus in Wien die antifaschistische Ausstellung »Niemals vergessen!« eröffnet. Zu dieser Ausstellung erschienen vor 75 Jahren auch Briefmarken.

Die Sondermarkenserie umfasste acht Motive mit unterschiedlichen Werten von fünf Groschen bis zu zwei Schilling. Ein Inlandsbrief kostete 1946 im Ortsverkehr zwölf Groschen, im Fernverkehr 18 Groschen. Der Wertzuschlag der Briefmarken wurde, ebenso wie ein Großteil der Einnahmen aus dem Verkauf der Eintrittskarten zur Ausstellung, NS-Opfern zugedacht. Briefmarkenserie: Niemals vergessen weiterlesen »

Ein sensibler Fascho

geschrieben von Hannah Geiger

3. Juli 2021

»Je suis Karl« von Regisseur Christian Schwochow will vor rechter Gefahr warnen

»Bin ich ein Faschist?«, fragt der charmante Karl (Jannis Niewöhner) und wirft Maxi (Luna Wendler, bekannt als Sophie Scholl in der Instagram-Serie »Ich bin Sophie Scholl«) einen rührseligen Blick zu. »Rechts, links, das sind Begriffe, die gibt es für mich nicht mehr«, erklärt er weiter. Aber sein liberales Weltbild ist nur Fassade, in Wahrheit ist er der Kopf einer neofaschistischen Gruppierung, die einen rechten Umsturz plant. Und sie himmelt ihn an.

»Je suis Karl« ist die Geschichte einer rechten Machtergreifung bzw. der Geschehnisse, die dazu führen. Der Regisseur, Christian Schwochow (auch in dieser Rolle beim NSU-Film »Die Täter – heute ist nicht alle Tage«), hat sich beruflich schon viel mit der rechten Szene beschäftigt. Nach eigener Aussage hat er sogar schon im Wohnzimmer von Neonazi und NSU-Unterstützer Ralf Wohlleben gedreht. Ein sensibler Fascho weiterlesen »

Ausgegrenzt und verfolgt

3. Juli 2021

Ralf Bogen vom Geschichtsprojekt der-liebe-wegen.org im antifa-Interview

antifa: Du bist seit Jahren am Projekt der-liebe–wegen.org beteiligt. Was ist die Idee dahinter?

Ralf: Lange Zeit galt: Es gibt nur Mann und Frau, zwei Geschlechter, und alle Menschen sind heterosexuell. Menschen, die nicht in diese Norm passen, galten als krank und pervers. Insbesondere in der NS-Zeit wurden sie unterdrückt und entwürdigt. Zusammen mit einem Exkurs über Minderheiten mit geschlechtlicher Thematik haben wir erstmals für Baden-Württemberg die Ausgrenzungs- und Verfolgungsgeschichte von gleichgeschlechtlich begehrenden Menschen detailliert sichtbar gemacht. Die Idee dahinter ist, dass wir damit zur nachhaltigen Stärkung der Akzeptanz menschlicher Liebes- und Lebensvielfalt beitragen. Ausgrenzende Sexualitäts-, Geschlechts- und Familienbilder sollen nicht noch einmal von rechtspopulistischen und neonazistischen Kräften für demokratiefeindliche Ziele instrumentalisiert werden können.

antifa: Wie habt ihr das umgesetzt? Ausgegrenzt und verfolgt weiterlesen »

Erinnerungsarbeit

geschrieben von Harry Friebel

3. Juli 2021

Mit Lektüre: Fragen an die Vergangenheit und an uns selbst

Die Autor_innen des Buchs »Fatale Männlichkeiten – kollusive Weiblichkeiten« erschlossen sich als sozialwissenschaftlich und psychotherapeutisch beruflich Tätige in jahrelanger Gruppenarbeit die »Früh«geschichte des politischen Agitators und späteren NS-Diktators Adolf Hitler. Auf der Basis historischer Dokumente erarbeitete sich die Arbeitsgruppe den »frühen« Hitler von 1919 bis 1933. Es ist ein Ausschnitt zu einer Täterbiografie aus der Perspektive einer Gruppe von Kriegs- und Nachkriegs-»kindern«.

Das Buch »Männerphantasien« wurde in den 70er Jahren geschrieben; es ist ein Klassiker der Faschismus- und Männerforschung. Klaus Theweleit, der Autor, ist als »Kriegskind« geboren und hat sich in der 68er-Studentenbewegung politisiert. Das Buch präsentiert eine kritische Analyse des nationalsozialistischen Männerbildes. Biografische Dokumente der zwischen den beiden Weltkriegen mit Straßenterror wütenden Freikorps werden hierfür inhaltsanalytisch ausgewertet. Theweleit skizziert dabei den Prototyp des deutschen soldatischen Mannes, der mit einem »Körperpanzer« seine Gefühlswelt verdrängt und mit Hass auf alles, was anders ist als er, Leben zerstört. Im Jahr 2019 legte er einen Neudruck mit einem langen Nachwort vor. Beide Bücher zeigen die Vorgeschichte des nationalsozialistischen Staatsterrors. Sie fokussieren sich auf NS-Taten und -Täter. Erinnerungsarbeit weiterlesen »

Wir sind und bleiben gemeinnützig!

geschrieben von Cornelia Kerth/Florian Gutsche

3. Juni 2021

Starkes Zeichen gegen die Wertung der VVN-BdA durch den bayerischen Verfassungsschutz

Wie gern hätten wir es schon auf dem Bundeskongress verkündet und wenigstens mit den Delegierten ein Glas Sekt darauf getrunken: Nach fast eineinhalb Jahren hat das Finanzamt für Körperschaften Berlin 1 unserem Einspruch gegen die Bescheide vom 1. November 2019 stattgegeben und uns mitgeteilt: »Die Körperschaft ist auf Grund der geänderten Bescheide ab sofort wieder berechtigt, für Mitgliedsbeiträge und Spenden Zuwendungsbestätigungen … auszustellen.«

Wir sind erleichtert und froh, dass das Finanzamt und die Berliner Finanzverwaltung nach eineinhalbjährigem Verfahren die Wertung des bayerischen Inlandsgeheimdienstes, wir seien »extremistisch«, als widerlegt betrachten.   Wir sind und bleiben gemeinnützig! weiterlesen »

Kasseler Superspreaderevent

geschrieben von red

3. Juni 2021

Bei Großdemo gegen Corona-Maßnahmen ging Polizei gegen Antifaschist:innen vor

Unter dem hochtrabenden Motto »Weltweite Demonstration für Freiheit, Frieden und Demokratie« hatte für den 20. März 2021 eine Gruppe »Freie Bürger Kassel« zu einer »Großdemonstration« gegen die Corona-Maßnahmen in Kassel aufgerufen. Die Organisatoren kündigten bereits bei ihrer Anmeldung 17.500 Teilnehmende an. Die Stadt hatte zwar wegen der Pandemie-Entwicklung alle Veranstaltungen am 20. März 2021 untersagen wollen, ihre halbherzige Verbotsverfügung wurde jedoch vom Hessischen Verwaltungsgerichtshof aufgehoben und eine stationäre Kundgebung am Stadtrand mit 6.000 Teilnehmenden genehmigt. Dieses Urteil verstanden die Corona-Leugner als Einladung. Tatsächlich kamen über 20.000 – mobilisiert über die Social-Media-Netzwerke der »Querdenker«-Strukturen. Kasseler Superspreaderevent weiterlesen »

Editorial

geschrieben von Nils Becker

3. Juni 2021

Diese Ausgabe der antifa erscheint zwei Wochen nach unserem Bundeskongress, der unter großen organisatorischen Anstrengungen digital stattfinden musste. Eine kurze Auswertung findet sich auf den Länderseiten. Nur wenige Tage nach dem Kongress hat das Finanzamt Berlin unserer Bundesorganisation die Gemeinnützigkeit wieder zuerkannt und damit den eineinhalbjährigen Kampf darum zumindest teilweise beendet (mehr dazu auf S. 3). Die Kampagne für unseren Erhalt hat die VVN verändert. Gut ein Viertel der aktuellen sind neue Mitglieder. Gleich mehrere Artikel beschäftigen sich diesmal mit dem Verband und unserer Arbeit. Schon mehrmals gab es Generationswechsel. Vor 50 Jahren öffnete sich die Organisation für nachgeborene Generationen (Spezial ab S. 15). Und auch unsere Arbeit muss sich anpassen und modernisieren. Der Archivfund in Leipzig (S. 11) verweist auf die Dringlichkeit, unsere Archive für die weitere Verwendung zu sichern. Der Fall des Roten Winkels an einem Mahnmal in Mainz (S. 12), zeigt, dass wir einen langen Atem und beständige Strukturen brauchen, um Geschichtsarbeit zu leisten. Die Corona-Krise hat auch unsere Fähigkeiten zur Intervention in gesellschaftliche Debatten verändert. Der Beitrag auf Seite 7 stellt die Probleme und Chancen in diesen Zeiten vor. Auf den Länderseiten berichtet die Lagergemeinschaft Ravensbrück von den Erfahrungen mit dem digitalen Gedenken. Ein weiterer Schwerpunkt dieser Ausgabe ist der Umgang mit der AfD im Wahljahr 2021 (S. 5 und 6). Hier gilt es, Prioritäten zu setzen, um trotz begrenzter Ressourcen an den richtigen Stellen anzusetzen. Im Kulturteil finden sich daher Beiträge, die den Blick über die AfD hinaus auf rechte Allianzen (S. 25) und deren Stichwortgeber*innen (S. 24) richten.

In eigener Sache: Da die Union-Druckerei in Berlin sich nicht davon abbringen ließ, für die rechtsoffene verschwörungsideologische Kommunikations­stelle Demokratischer Widerstand zu drucken, haben wir uns nach jahrelanger Zusammenarbeit entschlossen, uns von ihr zu verabschieden. Die neue Druckerei in Pinneberg druckte schon 1948 für die VVN Broschüren. Es wird im Zuge dessen einige Anpassungen geben. Dafür bitten wir vorsorglich um Verständnis.

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