Tausendfältig eingehämmert

geschrieben von Gerald Netzl

6. November 2021

Die Eiserne Front: Drei Pfeile zerspalten wie Blitze die Nacht

Im Herbst 1931 nahm die republikfeindliche Stimmung in Deutschland deutlich zu. Die großen Wahlerfolge der NSDAP bei Landtagswahlen, der Zusammenschluss national-konservativer Gegner der Republik zur sogenannten Harzburger Front, ein Massenaufmarsch der SA und schließlich die Veröffentlichung geheimer Pläne der NSDAP für eine gewaltsame Machtübernahme rüttelten die Befürworter der Republik auf. Auf Initiative des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold wurde am 16. Dezember 1931 das republikanische Abwehrbündnis Eiserne Front gegründet. Der Harzburger Front der Republikfeinde sollte die Eiserne Front der republiktreuen Bürgerinnen und Bürger entgegengestellt werden.

Durch den Zusammenschluss demokratischer Massenorganisationen erreichte das antifaschistische Bündnis bei Veranstaltungen und Aufmärschen eine überaus große Zahl von Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Die Eiserne Front war der umfassende, aber letztlich gescheiterte Versuch, sich den immer stärker werdenden Widersachern der Republik entgegenzustellen. In ihrer Agitation und in der Gestaltung ihrer Massenkundgebungen krempelte die Eiserne Front die bisherige – eher altbackene und langweilige – sozialdemokratische Art der Propaganda völlig um. Tausendfältig eingehämmert weiterlesen »

Unübersehbar

geschrieben von Manfred Weißbecker

6. November 2021

Vor 100 Jahren trat der Nazifaschismus in Erscheinung

Als sich die Nazis zu organisieren begannen und mit ihren ersten größeren Auftritten zugleich ihr faschistisches Wesen zu erkennen gaben, hielt sie so mancher ihrer Gegner eher für eine Randerscheinung, unbedeutend und einflusslos. Weit gefehlt, wie die Geschichte belegt und wie es wohl immer sein wird: Aus Kleinem kann Großes entstehen, aus dem, was zunächst ungefährlich daherkommt, zutiefst Unmenschliches. Zudem vollziehen sich Veränderungen oft in kleinen Schritten. Und jeder von ihnen ist wahr- und ernst zu nehmen. Wer dem Faschismus widerstehen wollte (und heute will), muss rechtzeitig und sorgsam auf alle Gefahrenzeichen achten. Für Antifaschisten bedurfte es von Anfang an konsequenter Haltung und Politik. Unübersehbar weiterlesen »

Ungebrochener Widerstand

6. November 2021

Mikis Theodorakis – Musiker und Antifaschist im Alter von 96 Jahren verstorben

Anfang September 2021 verstarb der legendäre griechische Komponist und Antifaschist Mikis Theodorakis. Er war und ist bis heute in Griechenland und international bekannt für seine phantastischen musikalischen Beiträge, seine vielfältigen Kompositionen, seine Volkslieder sowie die großartige Vertonung des »Canto General« nach Versen von Pablo Neruda.

Gleichzeitig ist an ihn zu erinnern als antifaschistischer Kämpfer, der schon als Jugendlicher in den Reihen der Griechischen Volksbefreiungsarmee ELAS gegen die deutsche Besetzung Griechenlands kämpfte. Mit 18 Jahren wurde er erstmals inhaftiert und gefoltert. Ungebrochener Widerstand weiterlesen »

Für ein freies Hellas

geschrieben von Ulla Jelpke

6. November 2021

Vor 80 Jahren bildete sich die Nationale Befreiungsfront gegen die Nazibesatzer

Am 28. Oktober 1940 waren zuerst italienische Truppen in Griechenland einmarschiert. Doch die zwar schlecht bewaffneten, aber hoch motivierten und von der Bevölkerung unterstützten griechischen Soldaten jagten die faschistischen Besatzer schnell wieder aus dem Land. Nun griff Nazideutschland als Italiens Verbündeter ein und begann im April 1941 mit der Besetzung Griechenlands. Die Besatzer, die Teile des Landes Italien und Bulgarien überließen, sicherten sich vor allem strategisch wichtige und rohstoffreiche Regionen zur erbarmungslosen Ausplünderung. Eine Folge davon war eine Hungersnot, der schon im Winter 1941/42 Zehntausende Griechen zum Opfer fielen. Das befeuerte den Widerstand. Für ein freies Hellas weiterlesen »

Vorrang für nationale Identität

geschrieben von Holger Politt

6. November 2021

Bemerkungen zum aktuellen europapolitischen Streit in Polen

In kaum einem anderen Land ist die Zustimmung zur Mitgliedschaft in der Europäischen Union so hoch wie in Polen. Deutlich über 80 Prozent der Befragten sprechen sich regelmäßig für die Zugehörigkeit zur EU aus. Allerdings gibt es unter den Befürwortern einen beträchtlichen Teil, nämlich ein knappes Drittel, der ein »Europa souveräner Vaterländer« mit weniger politischer Integration und rechtlichen Gemeinschaftsverpflichtungen bevorzugen würde. Dieser Teil macht den Kern in der Wählerschaft des nationalkonservativen Regierungslagers aus, das von Jarosław Kaczyński geführt wird.

In der Phase von Sturm und Drang der Jahre 2015 bis 2018 wurde direkt und ungeschminkt gefordert, dass eine neue Verfassung durchgesetzt gehöre, weil die geltende von 1997 dem Land keinen genügenden Schutz vor den Zumutungen aus Brüssel geben könne. Die Menschen hätten damals, als sie in einem Referendum für die Annahme der Verfassung stimmten, noch gar nicht gewusst, welchen Druck eine EU-Mitgliedschaft auf nationale Identität und Souveränität ausüben könne, nämlich dann, wenn nicht genügend Sicherheitsvorkehrungen eingezogen seien. Die alten EU-Mitgliedsländer seien diesbezüglich sehr viel besser gerüstet, neue Mitglieder wie Polen aber müssten nun schnell nachholen, was zuvor blauäugig versäumt worden sei. Und natürlich wurde nicht vergessen, auf die wirtschaftlichen Ungleichgewichte zu verweisen, im polnischen Fall also vor allem auf die gegenüber dem westlichen Nachbarn Deutschland. Vorrang für nationale Identität weiterlesen »

Ein »Aushandlungsprozess«

geschrieben von Thomas Willms

6. November 2021

Münchner NS-Dokumentationszentrum widmet sich Format »Zeitzeugengespräch«

Das Münchner NS-Dokumentationszentrum setzt sich aktuell in einer überschaubaren Ausstellung mit dem Format des »Zeitzeugengesprächs« auseinander. Schwerpunktmäßig mit der audiovisuellen Dokumentation der Gespräche. Mit einer naiven bis sakral angehauchten Haltung gegenüber Zeitzeugenberichten wird erfolgreich aufgeräumt. Sie sind »gemachte Sachen«, wie die Ausstellungsmacher*innen eingangs schreiben. Damit ist gemeint, dass sie in konkreten historischen Situationen entstanden sind, welche wie bei anderen Quellen auch für ihre Interpretation herangezogen werden müssen. Richtig »populär« wurden sie recht spät. Das Gros wurde erst infolge des Spielfilms »Schindlers Liste« in den 1990er Jahren aufgenommen, dessen Gewinn in die Finanzierung des riesigen »Visual History Archive« (siehe vha.fu-berlin.de) geflossen ist. Ein »Aushandlungsprozess« weiterlesen »

Wahlkampf 2.0

geschrieben von Nils Becker

6. November 2021

Die Nutzung der sozialen Medien durch Parteien

Keine Woche vergeht, ohne dass ein Tweet – ein maximal 280 Zeichen langes Statement einer Politiker*in – es bis in die »Tagesschau« schafft. Den Plattformen der sogenannten sozialen Medien wird mittlerweile große Bedeutung für die Kommunikation zwischen Politik und Bürger*innen beigemessen. Im Wahlkampf haben Facebook, Twitter, Instagram und Youtube eine weitere Aufwertung durch die Parteien erfahren. Ein gewichtiger Grund ist, dass Aussagen sehr präzise, strategisch geplant und souverän einer breiteren Zielgruppe präsentiert werden können. Denn mittlerweile nutzt mehr als die Hälfte in allen Altersgruppen soziale Medien – wenn auch jeweils unterschiedliche Plattformen –, um die eigene Meinung zu bilden. Anders als die Gespräche an den Wahlkampfständen sind die Interaktionen zudem messbar und bieten ein weites Feld für Interpretationen. Wahlkampf 2.0 weiterlesen »

Dimension eines Verbrechens

geschrieben von Ulrich Schneider

6. November 2021

Ausstellung zu sowjetischen Kriegsgefangenen in Berlin-Karlshorst

Was macht man, wenn man viele Jahre in einem internationalen Netzwerk eine Ausstellung erarbeitet und dann – unter Corona-Bedingungen – vor dem Risiko steht, dass sie zum historischen Datum nicht in den Räumlichkeiten eines Museums präsentiert werden kann? Man setzt sie technisch als Outdoor-Ausstellung um und zeigt sie im Garten – so geschehen im Deutsch-Russischen Museum in Berlin-Karlshorst, wo im Juni 2021 zum 80. Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion die Ausstellung »Dimensionen eines Verbrechens« eröffnet wurde.

Erarbeitet wurde diese Präsentation zu sowjetischen Kriegsgefangenen im Zweiten Weltkrieg vom Deutsch-Russischen Museum, der KZ Gedenkstätte Flossenbürg, der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, dem Deutschen Historischen Institut in Moskau und dem Volksbund deutscher Kriegsgräberfürsorge. Eröffnet wurde die Ausstellung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Dimension eines Verbrechens weiterlesen »

Notizen aus dem KZ

geschrieben von Harry Friebel

6. November 2021

Briefe jüdischer Häftlinge des KZ Auschwitz-Birkenau

Die Belege zum Arisierungswahn der Nationalsozialisten sind in der Regel kaum zu ertragen und entziehen sich unserem Verstehen. Das Buch »Briefe aus der Hölle« ist nun noch einmal eine Steigerung dieser Zeugnisse des Grauens. Pavel Polian hat in seiner Publikation alle bisher entdeckten Briefe, Notizen und Berichte von ehemaligen Angehörigen des »Sonderkommandos« im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau zusammengeführt und historisch kontextualisiert.

Die Angehörigen des Sonderkommandos – jüdische Häftlinge – waren von der SS dazu gezwungene »Wächter der Höllenpforte«. Sie mussten den Henkersdienst der Vernichtungsmaschine Auschwitz-Birkenau leibhaftig erfüllen: Unter bewaffneter Aufsicht der SS führten sie hunderttausende insbesondere jüdische Häftlinge in die Entkleidungsräume, anschließend zwangen sie sie in die Gaskammern. Danach verbrachten sie die Leichen in die Verbrennungsöfen der Krematorien. Abschließend »entsorgten« sie die Asche der Ermordeten. Täglich begleiteten sie so tausende Opfer in dieser grausamen Passage: Deportation nach -Auschwitz-Birkenau, Ermordung in den Gaskammern, Verbrennung der Leichen in den Krematorien, »Entsorgung« der Asche im Erdreich des Lagers. Notizen aus dem KZ weiterlesen »

Jahrhunderte mitgeprägt

geschrieben von Axel Holz

6. November 2021

Ein Heft zu Antisemitismus in Sprache – und jiddischen Bausteinen im Deutschen

Das Duden-Heft »Antisemitismus in der Sprache« umfasst nur 64 Seiten, aber die haben es in sich. Dass Antisemitismus in Deutschland und weltweit ein Problem ist, ist bekannt. Antisemitische Übergriffe haben in den vergangenen Jahren wieder zugenommen. Sie werden im rechten, im linken und im islamistischen Milieu verortet. Der Antisemitismus in der Sprache betrifft aber alle politischen, sozialen und Altersgruppen mehr oder weniger bewusst. Dies hat damit zu tun, dass Jiddisch, die Sprache von ehemals fast zehn Millionen Menschen in Europa, die deutsche Sprache über Jahrhunderte mitgeprägt hat. Jahrhunderte mitgeprägt weiterlesen »

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