Nicht mehr vermittelbar?

geschrieben von Sabine Bade

4. November 2019

Aus Polen verbannt: Die italienische Auschwitz-Gedenkstätte

Das renommierte Mailänder Architekturbüro BBPR schuf 1980 im Auftrag der italienischen Deportiertenvereinigung ANED in Block 21 des ehemaligen KZ Auschwitz eine – durch Texte von Primo Levi, Musik von Luigi Nono und Gemälde von Pupino Samonà – ungemein beeindruckende Gedenkstätte. Dreißig Jahre später entsprach das Werk nicht mehr der Gedenkstättenkonzeption der polnischen Regierung und musste, um der Zerstörung zuvorzukommen, abgebaut und rückgeholt werden. In Florenz wurde die italienische Auschwitz-Gedenkstätte nun wieder aufgebaut.

Am 13. April 1980 wurde im Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau das Memoriale italiano di Auschwitz, die italienische Auschwitz-Gedenkstätte, eingeweiht. Nachdem Italien – wie auch alle anderen Staaten, die während des Zweiten Weltkrieges von den Nationalsozialisten überfallen und besetzt worden waren und nach Auschwitz deportierte Einwohner zu beklagen hatten – das Recht eingeräumt worden war, dort eine eigene nationale Ausstellung zu errichten, hatte die Associazione nazionale ex deportati nei campi nazisti (ANED) das Mailänder Architekturbüro BBPR mit den Planungen zu deren Realisierung beauftragt.

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Raus aus der Nische

geschrieben von Ulrich Schneider

4. November 2019

Antifaschistische Eindrücke von der Frankfurter Buchmesse

Die Buchmessen in Leipzig und Frankfurt/M. waren und sind immer auch Indikatoren für die geistige Lage in unserem Land. Während in Leipzig der unmittelbare Kontakt zu den Leserinnen und Lesern mit mehreren tausend Veranstaltungen und Lesungen im Mittelpunkt steht, ist Frankfurt eher der Ort für die Präsentation der Neuerscheinungen und Tendenzen in der Branche. Dabei fällt auf, dass der Hype um E-Books und BoD (Books on demand) scheinbar etwas abgenommen hat. Das traditionell in einem Groß- oder Nischenverlag publizierte Buch hat weiterhin Konjunktur und – laut Aussage des Börsenvereins des deutschen Buchhandels – seine Zukunft. Das bestätigt auch der diesjährige Rundgang über die Frankfurter Messe.

Politische Themen waren in den bürgerlichen Großverlagen eher randständig vertreten, wenn man von einzelnen Ausnahmen, wie Deniz Yücels »Agentterrorist«, absieht. Interessant ist aber, dass in vielen belletristischen Programmen in diesem Jahr Romane und Erzählungen zu finden sind, die Migrationserfahrungen in familiärer oder gesellschaftlicher Perspektive verarbeiten. Den Deutschen Buchpreis erhielt der bosnisch-stämmige Schriftsteller Saša Stanišič, der das Thema Migration unter dem Titel »Heimkehr« verarbeitete. Diese Entscheidung wurde in vielen Feuilletons nicht nur als Anerkennung für Schriftsteller mit Migrationshintergrund kommentiert, sondern mit Begeisterung auch als Retourkutsche gegen das schwedische Nobelkomitee bewertet, das den Literaturnobelpreis 2018 nachträglich an Peter Handke vergeben hatte. Statt mit Zufriedenheit darauf zu reagieren, dass erstmals seit vielen Jahren wieder ein deutschsprachiger Autor die Auszeichnung erhalten hat, verzeiht man Handke bis heute seine klare Kritik am Jugoslawien-Krieg und seine Unterstützung der rechtmäßigen Regierung von Milosevic nicht. Die »freundlichste« Umschreibung lautete noch »Apologet serbischer Kriegsverbrechen« (Die Zeit).

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Gegen Verbots- und Zensurpolitik

geschrieben von Verlagsmitteilung

4. November 2019

Solidarität mit dem prokurdischen Mezopotamya-Verlag

Ein einmaliger Vorgang in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Ein ganzer Verlag wurde kurzerhand zu einer Teilorganisation der in Deutschland verbotenen PKK erklärt, und alle seine Medien wurden beschlagnahmt. Gegen diesen Zensurakt wendet sich die Gemeinschaftsedition Mezopotamya und zahlreiche namhafte Herausgeber und Herausgeberinnen mit einer Neuauflage beschlagnahmter Bücher.

Im Februar 2019 hat Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) den in Neuss ansässigen prokurdischen Mezopotamien-Verlag (und die MIR Multimedia GmbH) per Erlass verboten und aufgelöst. Dem Verlag wird unterstellt, eine Teilorganisation der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) zu sein, die als angeblich »terroristische Vereinigung« und »ausländerextremistische Organisation« in der Bundesrepublik einem Betätigungsverbot unterliegt.

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AfD-Bundesparteitag

geschrieben von Alfred Hartung

1. November 2019

Braunschweig: Breiter Protest angekündigt

Die AfD hat angekündigt, ihren Bundesparteitag am 30.11./1.12.2019 in der Volkswagen-Halle in Braunschweig abzuhalten. Das Braunschweiger Bündnis gegen Rechts protestiert gegen die Vermietung der Halle an die rassistische und fremdenfeindliche Partei. Eine entsprechende Online-Petition haben bisher bereits über 15.000 Menschen unterzeichnet

In einem Aufruf des Bündnisses unter dem Motto »Stoppt die AfD« heißt es: »Wir werden mit vielen Menschen und gemeinsam mit demokratischen, gewerkschaftlichen, antifaschistischen, sozialen und kulturellen Initiativen, Organisationen, Religionsgemeinschaften und Parteien auf die Straße gehen, um unseren Protest und unseren Widerstand gegen den Rechtsruck zum Ausdruck zu bringen.« Mehr als 30 verschiedene Verbände und Organisationen, darunter auch die VVN-BdA Niedersachsen und die Braunschweiger und Wolfsburger Kreisvereinigungen, haben diesen Aufruf unterzeichnet.

Für den Fall der Durchführung des Parteitages kündigt das Bündnis breiten und vielfältigen Protest an: »Wir rechnen mit sehr, sehr vielen Menschen, die nicht nur aus der Region kommen werden, sondern aus dem gesamten Bundesgebiet«, so ver.di-Geschäftsführer Sebastian Wertmüller für das Bündnis.  Die besondere Bedeutung des Parteitages für die weitere Radikalisierung der AfD hin zum offenen Rechtsextremismus mache den Protest noch notwendiger.

Das Braunschweiger Bündnis hat bisher vier Kundgebungen und eine Demonstration für Samstag, den 30.11., bei der Stadt angemeldet. Dazu erklärt der Bündnissprecher David Janzen, der bereits mehrere Morddrohungen aus der rechten Szene erhalten hat: »Mit diesem Plan sollte es uns gelingen, dass kein Teilnehmer der AfD-Veranstaltung die VW-Halle betreten kann, ohne zu merken, dass er bzw. sie in Braunschweig nicht erwünscht ist.« Mit der Großkundgebung vor dem Schloss, für die auch bundesweit bekannte Redner*innen und Künstler*innen angefragt worden sind, werde das politische Signal deutlich werden: »Eine Gesellschaft nach den Vorstellungen der AfD wird es mit uns nicht geben, wir stehen für Vielfalt, Toleranz und Solidarität – gegen Rassismus und Nationalismus.«

Weitere aktuelle Informationen finden sich auf der Homepage des Bündnisses: www.buendnisgegenrechts.net

 

Überraschende Wiederbegegnungen

geschrieben von Janka Kluge

1. November 2019

Was von der Sprache der Faschisten bis heute übrig blieb

Sprache prägt unsere Vorstellungen von den Dingen. Der Journalist Matthias Heine hat ein Wörterbuch mit Begriffen aus der Zeit des Faschismus erarbeitet und ist der Frage nachgegangen, inwieweit wir diese Worte auch heute noch benutzen. Am Ende eines jeden Begriffes wägt er ab, ob das Wort heute bedenkenlos benutzt werden kann.

Im Vorwort beschreibt Heine, wie die Nazis die Sprache geprägt und geformt haben. Er arbeitet dabei vier unterschiedliche Strategien heraus. Zum ersten bildeten sie neue Wörter (Neologismen), als Beispiel hierfür führt er die Begriffe »Vergeltungswaffen« und »Kulturschaffende« an. Als zweite Strategie benennt er die Bedeutungsänderung von Worten. »Fanatisch« dient ihm hier als Beispiel. Hitler hat sich in dem Buch »Mein Kampf« selbst als fanatisch beschrieben. Seitdem wurde das Wort von Mitgliedern der NSDAP als positive Eigenbeschreibung genutzt. Davor hatte es eher eine negative Bedeutung.

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Nüchtern abgerechnet

geschrieben von Heinrich Fink

1. November 2019

Was die »Wiedervereinigung« gebracht hat

Pünktlich zum 3. Oktober, an dem der Jahrestag des wiedervereinigten Deutschland gefeiert wurde, lag eine ernüchternde Nachdenkhilfe von Daniela Dahn in den Buchhandlungen.

»Was will dieses Buch? Es ist kein Buch über die DDR, sondern über die 30 Jahre danach. Es gilt, Bilanz zu ziehen, was nicht nur der Mauerfall, sondern der Wegfall des bisherigen Realsozialismus an dem angeblich unbetroffenen Westen eigentlich bewirkt hat. Wie hat sich dieses Land in diesem Europa, in dieser Welt in den letzten 30 Jahren verändert? heißt die Frage.« (S. 17)

In ihrem sorgfältig recherchierte Text »Die Einheit – eine Abrechung« untersucht sie nicht zornig, wohl aber nüchtern auch Legenden aus Festtagsreden und Leseartikeln.

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»Das Vorkommnis weckte mich«

geschrieben von Ernst Antoni

1. November 2019

Ausstellung über Erika Mann als politische Aktivistin

»›Es ist also ein Mädchen‹ – schreibt Thomas Mann nach der Geburt seines ersten Kindes (…) und ergänzt, einen Sohn hätte er als ›poesievoller…als Fortsetzung und Wiederbeginn der eigenen Person‹ empfinden können.« So steht es auf der Tafel, mit der eine neue Ausstellung in der Münchner »Monacensia«-Stadtbibliothek zum Thema »Erika Mann« eingeleitet wird. Im Lauf der Jahre habe Erika aber eine »Vorzugsstellung beim Vater« gewonnen: »Das kühne, herrliche Kind«, wie er sie nannte, habe ihn »mit ihrem Kabarett zu Tränen gerührt« und »in heftige politische Gewissenskonflikte« getrieben. »Und doch soll in dieser Ausstellung eine andere, es soll Erika Manns eigene Geschichte erzählt werden. Sie ist eingebettet ins große Zeitgeschehen des 20. Jahrhunderts, sie handelt von Politik, spielt gelegentlich in der Familie, illustriert das leidenschaftlichen Engagement einer Schauspielerin und Journalistin von hoher Aktualität.«

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Editorial

geschrieben von Ernst Antoni

22. Oktober 2019

Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg: Mehr denn je scheint die Einlösung dieses aus den konkreten Erfahrungen mit dem deutschen Naziregime, seinen  Massenmorden und Eroberungsfeldzügen entwickelte Forderungspaar wieder einmal in die Ferne gerückt zu sein. In unserem Land und weltweit. In dieser Ausgabe der antifa finden sich zahlreiche Berichte und Analysen über  beängstigende Entwicklungen hierzulande und in anderen Ländern. Wie immer aber bringen wir auch auch Beispiele, die zeigen, dass es nicht nur notwendig, sondern auch möglich ist, solchen Trends etwas entgegenzusetzen. Also im Kampf für eine Welt des Friedens und der Freiheit nicht nachzulassen und dafür weitere Mitstreiterinnen und Mitstreiter zu gewinnen.

Von heute auf morgen wird das allerdings nicht geschehen. Aber positive Ansätze zum Weitermachen sind nach wie vor viele vorhanden – und Menschen, die gewillt sind, sich zu engagieren, ebenfalls. Dafür steht auch die »Unteilbar«-Manifestation im August in Dresden mit ihren rund 40 000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern (Seite 6). Zum dennoch nach wie vor beängstigenden Abschneiden der gerade in diesen beiden Bundesländern meist besonders ultrarechts auftretenden AfD gibt es einen kurz vor Druckbeginn dieser antifa noch spontan geschriebenen Kommentar von Thomas Willms (Seite 7), in dem der Autor entwickelt, warum diese »teuren Siege«, die ja doch ein beachtliches Stück hinter ursprünglich prophezeiten Ergebnissen lagen,  diese Partei nicht unbedingt weiterbringen müssen.

Allerdings: Unser »Spezial« behandelt diesmal unter verschiedenen Blickwinkeln besondere Netzwerk-Strukturen, die es nicht erst seit kurzem in diversen Bundesländern – West und Ost nehmen sich da nichts – bei Polizei und Militär, »Sicherheits«- und sonstigen offiziellen Organen gab und gibt. Strukturen, die mehr oder weniger ungehindert offen rassistisch und faschistisch auftreten und kommunizieren. Bis hin zu Verbindungen in neofaschistische Terrorszenen wie dem NSU.

Unser Titelbild:

22. Oktober 2019

Foto: Rafael Herlich

Foto: Rafael Herlich

Mit der Ausstellung von zwölf Porträts von Widerstandskämpfer*innen, die zugleich Gründungsmitglieder der VVN waren, bereicherte die Frankfurter VVN-BdA die Gedenkveranstaltung der Stadt Frankfurt am Main zum 20.Juli in der Wandelhalle der Paulskirche. Foto: Rafael Herlich

Massenmord nach Plan

geschrieben von Hannes Heer

22. Oktober 2019

Der Auftakt am 1. September 1939

Hitler hatte bereits in »Mein Kampf« zur Sicherung der »rassischen« wie ökonomischen Lebensgrundlagen des deutschen Volkes zwei Kriege angekündigt – den zur Gewinnung von »Grund und Boden« notwendigen Krieg gegen »Rußland und die ihm untertanen Randstaaten« sowie den Krieg gegen »das Judentum«, das mit Hilfe des »russischen Bolschewismus« versuche, »sich die Weltherrschaft anzueignen«. Als die Macht der Partei und deren Führung endgültig gefestigt und die Wehrmacht aufgerüstet war, begann Nazideutschland am 1. September 1939 mit dem Überfall auf den »Randstaat« Polen und einer gnadenlosen Besatzungspolitik diese Pläne zu realisieren. Die Bilanz: sechs Millionen ermordeter Polen, die Hälfte davon Juden.

Der am 22. Juni 1941 ohne Kriegserklärung erfolgte Einmarsch in die Sowjetunion war das -Signal für die Befreiung von allen moralischen und völkerrechtlichen Bindungen. Den in der Reichskanzlei versammelten Befehlshabern des künftigen Feldzuges offenbarte Hitler im März 1941 in brutaler Offenheit, was er von ihnen erwartete: Der Krieg gegen die Sowjetunion sei ein »Kampf zweier Weltanschauungen« und ein »Vernichtungskampf«, der sich »sehr unterscheiden« werde vom Kampf im Westen. Daher müssten die Befehlshaber im Osten »von sich das Opfer verlangen, ihre Bedenken zu überwinden.« Entsprechend lautete die Generalermächtigung der Wehrmachtsführung für die am Überfall beteiligten mehr als 3 Millionen Soldaten, dass ab jetzt »Rechtsempfinden […] hinter Kriegsnotwendigkeit zu treten habe« Dieser Zielsetzung entsprachen auch die sechs Grundsatzbefehle der Wehrmachtsführung: Erschießung aller gefangenen Kommissare der Roten Armee, Abschaffung der Kriegsgerichte für Delikte der Zivilbevölkerung und stattdessen bei jedem Verdacht sofortige kollektive Strafaktionen durch die Truppe, Behandlung der Kriegsgefangenen als zu »Sabotage, Brandstiftung, Mord« geschulte Gegner und nicht als gefangene »Kameraden«, kalkulierter Hungertod »von zig Millionen« Zivilisten, weil nur die Truppe Zugriff auf alle Lebensmittel hatte und schließlich die Aufforderung zur engen Zusammenarbeit mit der für den Judenmord aufgestellten vier SS-Einsatzgruppen, die der Wehrmacht beim Vormarsch folgten und ihr logistisch unterstellt waren. Das Ergebnis dieser Befehle war ein Völkermord, dem fast 30 Millionen Menschen zum Opfer fielen – 11,4 davon waren Rotarmisten, von denen 3,3 als Kriegsgefangene ihr Leben verloren, und 17 Millionen Zivilisten, von denen 2,8 Millionen Juden waren. Die Verantwortung dafür trugen die 10 Millionen an der »Ostfront« eingesetzten Soldaten der Wehrmacht und die mindestens 50 000 Mann, die in SS-Einsatzgruppen und Polizeibataillonen für den Judenmord zuständig waren. Massenmord nach Plan weiterlesen »

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