Straffreiheit für Verharmloser

geschrieben von Peter C. Walther

6. Oktober 2018

Widersprüchliche Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts

Sehr deutlich hat das Bundesverfassungsgericht festgestellt, dass wer den Holocaust leugnet, sich nicht auf die grundgesetzlich verbriefte Meinungsfreiheit berufen kann. Die Leugnung des Holocaust ist eine Straftat. »Die Verbreitung erwiesen unwahrer und bewusst falscher Tatsachenbehauptungen kann nicht zur Meinungsbildung beitragen und ist als solche nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt. Die Leugnung des nationalsozialistischen Völkermordes überschreitet die Grenzen der Friedlichkeit der öffentlichen Auseinandersetzung und indiziert eine Störung des öffentlichen Friedens«, erklärt das Gericht. (1 BvR 673/18). Straffreiheit für Verharmloser weiterlesen »

Chemnitz und kein Ende?

geschrieben von Ernst Antoni

6. Oktober 2018

Klaus-Stuttmann ist sicherlich einer der »strichsichersten« Karikaturisten in diesem Land. Auch wir hatten in der antifa und deren Vorgänger-Blättern schon öfter die Freude, das eine oder andere seiner Werke veröffentlichen zu dürfen.

An diesem Sonntag, 2. September, war ich jedenfalls wieder einmal voll d’accord, als ich in Spiegel-online die aktuelle Stuttmann-Zeichnung sah: Ein martialisches graues »Frontex«-Militärschiff. Von dort herunter eine Offiziers-Sprechblase, gerichtet an ein windiges mit dunkelhäutigen Menschen überfülltes Schlauchboot: »Zurück!! Oder wir bringen euch nach Sachsen!!« Chemnitz und kein Ende? weiterlesen »

Abseits der Gesellschaft

geschrieben von Markus Roth

6. Oktober 2018

Wie wenig der neue Verfassungsschutz-Bericht offenbart

Schon im Vorwort des Verfassungsschutzberichtes für das Jahr 2017 steht der »Linksextremismus« gleich nach dem »Islamistischen Terror«. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) verteidigt hier an prominenter Stelle das Verbot der linken Internetplattform »linksunten.indymedia.org« und ereifert sich über die teilweise gewaltförmigen Proteste gegen den G20-Gipfel in Hamburg. Abseits der Gesellschaft weiterlesen »

Polizeirazzia gegen Antifaschisten

3. Oktober 2018

Wer in diesen Zeiten Protestkundgebungen gegen die AfD und gegen den Ausbau der Befugnisse der Polizei vorbereitet, muss sich auf Maßnahmen einstellen, die einem Polizeistaat alle Ehre machen. In Augsburg wurden junge Antifaschisten so lange in Vorbeugehaft genommen, bis der AfD-Bundesparteitag vorüber war. Zugleich wurden in Augsburg Beschlagnahmen bei Betreibern antifaschistischer Internetzeitungen und Blogs vorgenommen. So wurde die Werbung für die Protestaktionen hintertrieben.

Derartiges fand seine Fortsetzung in Dortmund. Es ging bei der Polizeirazzia vom 5. Juli kurz vor der großen Düsseldorfer Demonstration gegen das geplante verschärfte NRW-Polizeigesetz auch um eine Kommunikationssperre für die Antifaschisten, ferner um die Sperrung der Internetzugänge zahlreicher Nutzer aus der ganzen Republik. Des Nachts hat ein Großaufgebot von Polizei-Hundertschaft und Feuerwehr (diese als Einbruchshelferin in Räumen mit Stahltüren) das Gebäude des Kulturzentrums »Langer August« in Dortmund durchsucht. Anders als bei Hausdurchsuchungen bei Wirtschaftsunternehmungen wie Audi und VW wurde die Polizeiaktion bei den linken Gruppen im Morgengrauen durchgeführt und ohne dass die betroffenen Mieter anwesend waren. Das war ebenso illegal wie die Durchsuchung ohne Hausdurchsuchungsbefehl in den meisten Räumen des Hauses. Dieser lag nur für den »Wissenschaftsladen« vor. In weiteren Räumen suchte man nach »Beifang«. Die ganze Hausgemeinschaft, dazu gehört die VVN-BdA, hat jetzt Strafanzeige erstattet.

Demokratische und linke Organisationen haben in diesem nach dem Spanienkämpfer Kurt Schmidt alias Langer August (1905-1938) benannten Haus ihre Büros. In einem Büro des »Wissenschaftsladens« wurden angeblich illegale Daten auf Servern und Unterlagen von Terroristen aus Belgien und Frankreich gesucht und Server beschlagnahmt. Der Wissenschaftsladen dient der freien und unzensierten Nutzung elektronischer Kommunikation. Sämtliche weiteren Räume des dreistöckigen Gebäudes, darunter die der Deutschen Friedensgesellschaft, der VVN-BdA, des Friedensforums und des Bündnisses Dortmund gegen Rechts, wurden ohne Genehmigung geöffnet, einige mit Gewalt, andere mit Schlüsseln nach Ausüben von Druck auf den Hausverwalter. Von Antifaschisten wurden Hardware, Dokumente, Plakate und Flyer mitgenommen.

Aus Hamburg wurde später berichtet: Infolge der Beschlagnahmungen im Wissenschaftsladen wurde der Freie Sender Kombinat/FSK stillgelegt, der über den beschlagnahmten Server aus Dortmund sendete.

Ulrich Sander, Dortmund

Der Wehrkraft-Zersetzer

3. Oktober 2018

Zum 75. Todestag eines österreichischen Katholiken

Am 9. August 2018 jährte sich der Todestag des oberösterreichischen Bauern und Mesners Franz Jägerstätter, der aus religiösen Gründen den Kriegsdienst verweigerte, zum 75. Mal. An diesem Tage wurde Franz Jägerstätter nach Brandenburg/Havel gebracht und hingerichtet. Jägerstätter ist eine Ikone katholischen Widerstands in Österreich, man findet sein Schicksal auch in der Dauerausstellung der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin.

Am 20. Mai 1907 erblickte Franz Jägerstätter als Franz Huber, Sohn der ledigen Bauernmagd Rosalia, in St. Radegund/OÖ, das Licht der Welt. Sein leiblicher Vater starb 1915 im Ersten Weltkrieg. Seine Mutter heiratete 1917 Heinrich Jägerstätter, der den jungen Franz adoptierte. Schon bald begann sich Franz Jägerstätter als Heranwachsender für Bücher, darunter auch religiöse Literatur zu interessieren. Der Wehrkraft-Zersetzer weiterlesen »

Wozu das?

3. Oktober 2018

Zum Beitrag von General Moissejew in der Juli-August-Ausgabe. Ich weiß natürlich um die Schwierigkeiten und Belastungen einer Redaktion, deshalb vorweg sowieso ein großes Dankeschön für eure Arbeit. Nun aber zum Anlass: Wie konnte der Artikel von Moissejew denn »durchgehen«? Bei allem Respekt für die russischen Veteranen und für Moissejews Wirken in der FIR und für das Bedürfnis, der Russophobie etwas entgegenzusetzen: Dieser durch und durch militaristische und verklärende Artikel erreicht genau das Gegenteil! Er entwertet meines Erachtens leider das ganze Heft, weil er auch nicht als Art eines Meinungsstreits fungieren kann …

Friedbert Mühldorfer, München

Vor 60 Jahren

geschrieben von Gerhard Hoffmann

30. September 2018

Die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald wird eingeweiht

Der sonore Klang der Glocke von Buchenwald ertönte am 14. September 1958 zum ersten Mal. Der zweite Septembersonntag war in der Deutschen Demokratischen Republik der Gedenktag für die Opfer des Faschismus. An jenem versammelten sich über 80.000 Menschen, darunter 4000 ausländische Gäste, um an der Einweihung der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald teilzunehmen. Eine Urnenschale mit Asche und blutgetränkter Erde aus zweiundsechzig faschistischen Mordstätten war am Vortag in die Gruft des Glockenturms eingebracht worden. In den Feuerschalen der Pylonen an der Straße der Nationen mahnten die Flammen. Die feierliche Einweihung der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte nahm der erste Ministerpräsident der DDR, Otto Grotewohl, vor. In seiner Ansprache sagte er: Vor 60 Jahren weiterlesen »

Der Appell von Mailand

30. September 2018

KZ-Verbände wenden sich an die europäischen Regierungen

Am 1. Juli organisierte der italienische Verband der FIR, ANED, ein Treffen der Internationalen Lagerkomitees in Mailand. Nach einer sehr fruchtbaren Debatte über die gemeinsamen Aufgaben, über die Arbeit mit und in den Gedenkstätten und mit den jungen Generationen, beschlossen sie den »Mailänder Appell«, eine Erklärung zur gemeinsamen Aufgaben und ein Appell an alle Gewählten und Verantwortlichen in den verschiedenen nationalen und europäischen Institutionen.

APPELL VON MAILAND, 1. Juli 2018

Die Präsidenten, Vizepräsidenten und Generalsekretäre der Internationalen Komitees der Nazi Konzentrationslager haben sich – auf Initiative der Associazione Nationale Ex Deportati Nei Campi nazisti (ANED) – am 1. Juli 2018 in der Casa della Memoria in Mailand getroffen. Angesichts der aktuellen Bedrohungen gegen das Gedächtnis und gegen die Zukunft Europas und seiner MitbürgerInnen, veröffentlichen wir folgenden feierlichen Aufruf: Der Appell von Mailand weiterlesen »

Die Hoffnung währte kurz…

geschrieben von Friedbert Mühldorfer

30. September 2018

Gedanken anlässlich der Einweihung eines Erinnerungs-Ortes

In München wurde kürzlich eine Erinnerungs-Stele an den 1944 von den Nazis Ermordeten Ludwig Holleis eingeweiht. Er gehörte zum Umfeld der »Antinazistischen Deutschen Volksfront«, einer Gruppe, die in Kontakt mit Organisationsstrukturen widerständiger Kriegsgefangener und Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion in Oberbayern versucht hatte, Kriegsende und Befreiung zu beschleunigen. Hier Auszüge aus der Rede des Vertreters der VVN-BdA bei dieser Feierlichkeit:

»Sommer 1945: Angehörige der von den Nazis Ermordeten bemühten sich um würdige Gräber, aus Lagern und Zuchthäusern Befreite kehrten zu ihren Familien zurück und erfuhren vom oft furchtbaren Schicksal von Freunden und Nachbarn. Aber sie waren sich in diesem Sommer doch recht sicher, dass all dieses Leid nur der Öffentlichkeit bekannt gemacht werden müsse, um die Augen zu öffnen für das, was in den zwölf Jahren des Naziregimes wirklich geschehen war. Dieser Sommer der Hoffnung währte nur kurz. Die Hoffnung währte kurz… weiterlesen »

Kämpfer sein und Melodie

geschrieben von Dirk Krüger

27. September 2018

Vor 70 Jahren starb der Dichter und Publizist Alfred Kerr

Am 10. Mai 1933 warfen die Nazi-Barbaren auch die Bücher Alfred Kerrs auf den Scheiterhaufen der deutschen Kultur. Der achte Rufer grölte den »Feuerspruch«: »Gegen Verhunzung der deutschen Sprache! Für Pflege des kostbarsten Gutes unseres Volkes! Ich übergeben den Flammen die Schriften von Alfred Kerr!«

Der so »geehrte« wurde als Sohn einer wohlhabenden Familie 1867 in Breslau geboren und hatte sich vor allem als streitbarer Theaterkritiker, aber auch als Publizist und Schriftsteller (Gedichte und Reisebücher) einen Namen gemacht. Ihn hatten die Nazis bereits weit vor 1933 auf ihren Todes-Listen vermerkt. Kämpfer sein und Melodie weiterlesen »

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