Kärnten: Ustaša- Gedenken

geschrieben von Gerald Netzl

3. Februar 2019

Jedes Jahr im Mai treffen sich mehrere tausend Rechte bei einer Gedenkveranstaltung am Loibacher Feld/Libuško polje in Bleiburg/Pliberk in Kärnten zum größten Faschistentreffen in Europa. Sie gedenken der faschistischen kroatischen Ustaša, der Domobrani, der Wehrmacht und der Waffen-SS.

Bei der Gedenkfeier unter Schirmherrschaft der stramm rechten katholischen Kirche Kroatiens und des Vereins »Bleiburger Ehrenzug« werden von nicht wenigen Anwesenden in Kroatien verbotene – in Österreich bis dato erlaubte – Symbole der Ustaša-Bewegung zur Schau gestellt. Allerdings wurde Ende 2018 eine Verschärfung des österreichischen »Abzeichengesetzes« in Aussicht genommen, welches nunmehr auch das Tragen des Ustaša-Abzeichens unter Strafe stellt (Ergebnis lag zu Redaktionsschluss noch nicht vor.). Zurück zum Treffen: Nahmen 1990 »nur« einige hundert (Exil-) Kroaten an der Gedenkfeier teil, waren es ein Jahr später schon 1.100 und 1995 15.000 Personen. Der traurige Höhepunkt wurde 2015 mit 30.000 Teilnehmern erreicht, darunter NPD-Funktionäre und österreichische Neonazis des Netzwerks »Blood & Honour«. Mit der Zahl der Rechten stieg auch der Widerstand der Antifaschistinnen und Antifaschisten. Zivilgesellschaft und antifaschistische Verbände verfolgen gemeinsam das Ziel, ein Verbot des Treffens zu erreichen. In der zweiten Jahreshälfte 2018 gab es große Bemühungen darum und es scheint, als wäre eine Sensibilisierung der österreichischen katholischen Kirche, die eine wichtige Rolle spielt, gelungen. Kärnten: Ustaša- Gedenken weiterlesen »

Sofia: Der Lukov-Marsch

geschrieben von Ulrich Schneider

3. Februar 2019

Seit 2003 organisieren Neofaschisten, extreme Rechte und Nationalisten aus Bulgarien und anderen europäischen Ländern Mitte Februar einen öffentlichen Aufmarsch in Sofia. Dabei präsentieren sie Nazi-Uniformen und faschistische Symbole und hetzen gegen Flüchtlinge, Ausländer und die türkische Minderheit im Land. Der Aufmarsch findet zu Ehren von General Hristo Lukov statt, der nach dem Zweiten Weltkrieg von Partisanen wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit hingerichtet wurde.

General Lukov war bulgarischer Kriegsminister und Leiter der ultranationalistischen Organisation »Union der nationalen bulgarischen Legionen«. Er war ein extrem brutaler Unterstützer von Hitler. In der Regierung wirkte er mit aller Kraft darauf, sich an der rassistischen Vernichtungspolitik zu beteiligen und bulgarische Juden in die faschistischen Todeslager zu schicken. Er unterstützte auch die Idee, zehn bulgarische Divisionen an die Ostfront gegen die Rote Armee zu schicken. All das ist in Bulgarien und Europa bekannt. Sofia: Der Lukov-Marsch weiterlesen »

Woher wir kommen

geschrieben von Heide Janicki, Paul Pockrandt

3. Februar 2019

Die Braunschweiger VVN erinnert an Robert Gehrke

Die Erinnerungen von Robert Gehrke ruhten lange Jahre unentdeckt im Bundesarchiv. Er beschreibt die Jahre vor der Novemberrevolution. Seine Anmerkung, das habe sich »vor mehr als 35 Jahren« zugetragen, lässt den Schluss zu, dass er sie Anfang bis Mitte der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts aufgeschrieben hat. Auch wenn er in dieser Niederschrift die Position des beobachtenden Berichterstatters einnimmt, so ist es doch sein eigenes Leben, an dem wir teilnehmen dürfen. Robert hat als organisierende, vorwärtstreibende Kraft in die Geschicke der Arbeiterinnen und Arbeiter Braunschweigs eingegriffen. Woher wir kommen weiterlesen »

Ein »Sohn der Pflicht«

geschrieben von Wolfgang Herzberg

31. Januar 2019

Zum Gedenken an Dr. Peter Kirchner

Am 9. Dezember 2018 verstarb das langjährige Mitglied des Vorstandes der Berliner VVN-BdA, Dr. Peter Kirchner. Er wurde am 20. Februar 1935 im jüdischen Krankenhaus in Berlin geboren, war seit dieser Zeit Gemeindemitglied und musste bereits als Kind, in der dunkelsten Zeit deutscher Geschichte, den gelben Stern tragen und durfte nur noch auf dem Jüdischen Friedhof spielen. Er entging gerade noch der Deportation und überlebte ab 1943 mit seiner Mutter zwei Jahre versteckt auf dem Lande. 1945 wurde der zehnjährige Junge von der Roten Armee befreit. Obwohl er während der Nazizeit nur ein Jahr zur jüdischen Schule gehen konnte, begann er sogleich in der 6. Klasse im Nachkriegs-Ostberlin, machte Abitur und studierte an der Charité Medizin. Er wurde Dr. med., Assistent am Anatomischen Institut, begann eine chirurgische Ausbildung, wechselte dann zur Neurologie und Psychiatrie und war bis zu seinem 50. Lebensjahr Oberarzt. Anschließend arbeitete er 15 Jahre als ärztlicher Gutachter. Ein »Sohn der Pflicht« weiterlesen »

Erinnerung nach vorn

geschrieben von Rosemarie Steffens

31. Januar 2019

Wenn der Naziterror verhindert worden wäre…

Auf ganz eigene Art gestalteten Schüler*innen des Leistungskurses Geschichte des Gymnasiums Dreieichschule im südhessischen Langen eine Gedenkveranstaltung für die Opfer der NS-Pogrome vor 80 Jahren.

Am Mahnmal der ehemaligen Synagoge stellten sie drei Gäste vor mit entsprechenden Auftritten.: Laura, aus der 10. Klasse des Andreas-Gymnasiums in Berlin, Rosalie Sichel, auch aus der Dreieichschule und Max Baker von der Oregon High School aus Wisconsin, USA.

»Im Rahmen des Geschichtsunterrichts«, so berichtete Laura, »haben wir alle die Aufgabe übernommen, etwas über unsere Vorfahren herauszufinden. Dabei habe ich viel Interessantes in Erfahrung bringen können«: Erinnerung nach vorn weiterlesen »

Rassismus ist alltäglich

31. Januar 2019

Rede von Romani Rose am 13. Dezember 2018 in Sachsenhausen

Der 16. Dezember 1942, als Himmler die familienweise Deportation unserer Menschen in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau angeordnet hat, hat sich tief in das kollektive Gedächtnis unserer Minderheit eingebrannt.

Für uns Sinti und Roma ist dieses historische Datum untrennbar mit dem Verlust unserer Familienangehörigen verbunden. Der 16. Dezember 1942 ist ein Datum in der Geschichte, aber für uns ist diese Geschichte nach wie vor gegenwärtig.

Die in den Konzentrations- und Vernichtungslagern ermordeten Menschen haben keine Gräber, sie wurden verbrannt und ihre Asche in Flüsse geschüttet oder auf Äckern verstreut… Rassismus ist alltäglich weiterlesen »

Gespenstisches Comeback

geschrieben von Michael Klein

28. Januar 2019

Louis Ferdinand Célines »Die Judenverschwörung« ist wieder im Handel

Wer Louis Ferdinand Célines »Reise ans Ende der Nacht« (deutsch: zuerst 1933, nun in einer Neuübersetzung bei Rowohlt) nicht gelesen hat, dem ist eine beeindruckende Leseerfahrung entgangen. Der Roman gehört zum Kanon der Literatur des 20. Jahrhunderts. Wichtige Teile von Célines Werk, seine politischen Pamphlete, bleiben ungedruckt. Selbst eine angekündigte kritische Edition in Frankreich wurde 2018 abgeblasen. Grund: Im Vergleich zu heutigen strafrechtlich relevanten rassistischen Äußerungen seien die von Céline eine »Atombombe« (so Serge Klarsfeld). Sind die Pamphlete also nur in Antiquariaten oder in dunklen Ecken des Internets zu finden? Nein, seit neuestem erscheint bei uns sein »Hauptwerk« ganz regulär – in der regulären Nazifassung. Gespenstisches Comeback weiterlesen »

Eine Ausstellung in Sobibor

geschrieben von Kamil Majchrzak

28. Januar 2019

Fortschritte im Kampf um die Erinnerung an die Opfer der »Aktion Reinhardt«

2018 jährte sich der 75. Jahrestag der »Aktion Reinhardt« bei der in den drei deutschen Vernichtungslagern Treblinka, Belzec und Sobibor mindestens 1,8 Millionen, vornehmlich polnische, Jüdinnen und Juden sowie Sinti und Roma ermordet wurden. Allein in Sobibor wurden dabei auf brutale Weise mittels Dieselmotoren mehr als 34 000 Kinder und erwachsene Juden und Roma aus den Niederlanden, 26 000 aus der Slowakei und 3 500 aus Frankreich vergast. Die »Aktion Reinhardt« stellt den eigentlichen Kern des Holocaust da. Eine Ausstellung in Sobibor weiterlesen »

Treffen in Rom

geschrieben von Ulrich Schneider

28. Januar 2019

Internationale Vernetzung antifaschistischer Kräfte notwendiger denn je

Offene Rassisten und extrem rechte Parteien in Regierungsverantwortung, antidemokratische, nationalistische und rechtspopulistische Parteien im Aufwind, offen faschistische und gewalttätige Gruppen auf den Straßen – mit solchen Stichworten lässt sich die aktuelle Situation in Europa beschreiben.

Vor diesem Hintergrund hatte die von ehemaligen Partisanen in Italien gegründete Organisation ANPI am 14. und am 15. Dezember zu einer internationalen Konferenz unter dem Motto »Antifaschist sein im heutigen Europa« (»Essere antifascisti oggi in Europa«) nach Rom eingeladen. Unter den gut hundert Gästen waren Vertreter antifaschistischer Organisationen sowie von Veteranenverbänden unter anderem aus Spanien, Portugal und Griechenland, aus Belgien, Deutschland, Großbritannien, Österreich, Kroatien, Slowenien und Ungarn sowie aus Polen und Russland. Grußschreiben kamen aus Frankreich, Polen und weiteren Ländern. Zumeist waren es Mitgliedsverbände der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (FIR), der seit 2004 auch Antifaschisten jüngerer Generationen beitreten können. Treffen in Rom weiterlesen »

Wiederbegegnung mit Willy

25. Januar 2019

Konstantin Wecker zu seinem Revival antifaschistischer Lieder

antifa: Warum jetzt eine neue CD mit antifaschistischen Liedern aus 40 Jahren?

Konstantin Wecker: Es ist für mich so erschreckend, dass Lieder, die ich vor 30, ja 40 Jahren geschrieben habe, heute wieder so unglaublich aktuell sind, also noch viel aktueller als damals. Ich bin groß geworden mit dem Satz »Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen«. Ich hatte auch das Glück, antifaschistische Eltern zu haben. Ich werde nie vergessen, wie meine Mama, als wir in München damals zusammen gegen die NPD demonstriert haben, zu mir gesagt hat: »Schau Konstantin, da im Rathaus war das braune Pack, aber, sag‘ a Mal, die Neonazis müssen ja noch viel dümmer sein wie die Nazis damals, denn die wissen doch, wie es ausgegangen ist.« Das ist so ein wichtiger Satz. Und ich habe mir gemerkt und aufgeschrieben, was der Widerstandskämpfer Peter Gingold am 20. Jahrestag des Wiesn-Attentats bei unserer gemeinsamen antifaschistischen Demonstration auf dem Münchner Marienplatz gesagt hat: »Wenn ich sage, dass meine Elterngeneration es nicht verhindert hat, dafür gibt es für sie eine einzige Entschuldigung: Sie konnten nicht die Erfahrung haben, was Faschismus bedeutet. Diese Entschuldigung gilt nicht mehr für die heutige und alle künftigen Generationen. Darum: Nie wieder! Wiederbegegnung mit Willy weiterlesen »

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