»Das muss weiter gehen«

17. August 2018

antifa-Gespräch mit Ulrich Rabe aus Mecklenburg-Vorpommern

antifa: Du bist einer der Mitbegründer unseres Verbandes. Was war der Auslöser für Deine Mitarbeit in der VVN und was hast Du erwartet?

Ulrich Rabe: Mein Aufwachsen als Jugendlicher in einer sächsischen Kleinstadt war geprägt von systematischer Diskriminierung durch die Nazis. Als Kind einer liberalen bürgerlichen Familie musste ich erleben, dass uns Freunde und Menschen, mit denen ich bisher einen respektvollen Umgang erlebt hatte, ignorierten und immer mehr ausgrenzten. Man hatte mich nach den Gesetzen der Nazis zum »Halbjuden« gemacht und mit 17 Jahren zur Zwangsarbeit nach Frankreich deportiert. Diesem sozialen Absturz folgten Demütigung und Gewalt in den Lagern. Auf abenteuerliche Weise gelang mir die Flucht. Nach Ende des Krieges, nunmehr als Juso, veranlassten mich diese Erfahrungen sowie der Tod von 14 Verwandten, als Delegierter an der Interzonenkonferenz zur Festlegung einheitlicher Maßstäbe für die Anerkennung als Opfer des Faschismus in Halle teilzunehmen. Die Verbrechen der Nazis sollten sich nie wiederholen dürfen. »Das muss weiter gehen« weiterlesen »

Behörden contra Verfassung

geschrieben von Ulrich Sander

17. August 2018

Vor einer neuen Bewegung gegen Berufsverbote

Die alte Bundesrepublik Deutschland wurde 40 Jahre alt. 30 Jahre davon waren solche, in denen Berufsverbote für sog. Linksextremisten galten, und von 1951 an gab es 17 Jahre lang strafbewehrte Verbote der FDJ und dann, ab 1956, auch der KPD. Rund 10.000 Kommunistinnen und Kommunisten und solche Bürger, die oft von alten Nazikadern zu Helfern der »Linksextremisten« und damit zu »Verfassungsfeinden« erklärt wurden, wanderten in die Gefängnisse. Seit dem Radikalenerlass von Willy Brandt und den Länderministerpräsidenten im Jahre 1972 bekamen die Berufsverbote für Linke im öffentlichen Dienst wieder Auftrieb. Der Marsch der 68er durch die Institutionen sollte verhindert werden, zumindest im Bereich des öffentlichen Dienstes. Zu diesem Zweck wurden 3,5 Millionen Dossiers vom Verfassungsschutz angelegt, gefüllt mit »Erkenntnissen« über Bürger, die sich politisch engagierten. Bewerber für den öffentlichen Dienst, die als linke Verfassungsfeinde galten, weil sie linken Organisationen angehörten oder diese unterstützten, wurden abgelehnt. Es wurde behauptet, sie würden »Zweifel begründen, ob sie jederzeit für die freiheitliche demokratische Grundordnung eintreten«. Sie wurden bespitzelt, überprüft, mit Fragen wie »Streben Sie den Sozialismus an?« oder »Teilen Sie Aussagen der DKP?« behelligt. Solche Befragungen wurden als Einzelfallprüfungen abgehalten, nachdem pauschale Ausschlüsse wegen der Mitgliedschaft in bestimmten Organisationen die »Sympathisanten« nicht ausreichend berücksichtigten. Behörden contra Verfassung weiterlesen »

»Erst stirbt das Recht …

17. August 2018

Auszüge aus der Rede von Rolf Gössner am 24. Mai 2018 in Solingen

Wir gedenken heute der Opfer eines der schwersten Verbrechen in der Geschichte der Republik: des Solinger Brand- und Mordanschlags vom 29. Mai 1993, bei dem fünf junge Angehörige der Familie Genç ums Leben kamen. Nur drei Tage vor dem rassistisch motivierten Anschlag hatte – nach einer verantwortungslosen Debatte um »Asylantenflut« und »Überfremdung« – eine gro-ße Koalition aus CDU, FDP und SPD das Grundrecht auf Asyl demontiert. »Erst stirbt das Recht – dann sterben Menschen«. Klarer kann man den Zusammenhang dieser beiden Ereignisse kaum formulieren, wie er seinerzeit auf einer Mauer entlang der Unteren Wernerstraße nahe des Anschlagsorts zu lesen war. Auf diesen Zusammenhang hatte ich bereits in meiner Rede anlässlich des Gedenkens zum 20. Jahrestag vor fünf Jahren hier in Solingen aufmerksam gemacht. »Erst stirbt das Recht … weiterlesen »

Waffen und Gewalt

14. August 2018

In den ersten vier Monaten dieses Jahres (Januar bis April 2018) wurden von Neonazis und Rechtsextremisten nach vorläufigen Erkenntnissen der Polizei 3.714 Straftaten begangen, darunter 174 Gewalttaten. Das ergibt sich aus den Antworten der Bundesregierung auf die regelmäßigen Anfragen von Petra Pau (Linksfraktion). Auf eine Anfrage der Grünen Innenexpertin Irene Mihalic teilte das Bundesinnenministerium mit, dass im Bereich Rechtsextremismus rund 750 Personen über eine oder mehrere waffenrechtliche Erlaubnisse verfügen. Hinzu kommen mindestens 1.200 von insgesamt 18.000 »Reichsbürgern«, die ebenfalls legal Waffen besitzen.

Friedensgutachten

14. August 2018

Im vergangenen Jahr seien die Kriege und Konflikte im Vergleich zum Vorjahr weiter eskaliert, beklagen die sechs führenden deutschen Friedens- und Konfliktforschungsinstitute in ihrem Friedensgutachten 2018. Sie fordern »eine unmissverständliche Verurteilung der Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht und das Gewaltverbot des Völkerrechts«, drastische Beschränkungen der Rüstungsexporte und das von der UN-Mehrheit beschlossene Atomwaffenverbot zu unterzeichnen.

Welterbe

14. August 2018

Die Akten und Tonaufzeichnungen des von Generalstaatsanwalt Fritz Bauer angestrengten ersten Auschwitzprozesses (1963 bis 1966 in Frankfurt/Main) wurden von der UNESCO zum Weltdokumentenerbe erklärt. Damit seien sie »Teil des entstehenden Gedächtnisses der Menschheit«, erklärte die Präsidentin der deutschen UNESCO-Kommission, Verena Metze-Mangold. Sie seien »Erinnerung und Mahnung an uns, zugleich an die zukünftigen Generationen, dass wir Unrecht nicht schweigend hinnehmen dürfen«.

Missbrauch

11. August 2018

Wie in Kandel wird im Fall der getöteten Susanna F. das Verbrechen für Propaganda und Hetze missbraucht. Neonazis und Rechtspopulisten beschränken sich auf die Fälle, in denen der vermutliche Täter ein Flüchtling ist, um so Stimmung zu machen, unterstützt von einem Teil der Medien. Diese Absicht wird deutlich, wenn man die beiden Fälle mit der Gesamtzahl der Verbrechen vergleicht: Im vergangenen Jahr (2017) wurden in Deutschland 2.379 Morde und Totschläge registriert, sowie durchschnittlich 20 Vergewaltigungen pro Tag angezeigt.

Gauland angezeigt

11. August 2018

Gegen die Verharmlosung des Hitlerfaschismus und seiner Verbrechen als bloßen »Vogelschiss« im Verlauf der tausendjährigen (!) deutschen Geschichte (Gauland: »Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über tausend Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte«) haben mehrere Organisationen und Personen Strafanzeige gegen den Partei- und Fraktionsvorsitzenden der AfD, Alexander Gauland, gestellt.

Zweckmäßig

11. August 2018

Nach fortwährenden Verlautbarungen über angeblich massenhaft unrechtmäßig erteilte Anerkennungsbescheide bei der Bremer Außenstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF), stellte sich heraus, dass die meisten Behauptungen unberechtigt waren. Die Zahlen mussten nach unten korrigiert werden; kriminelle Handlungen waren nicht festzustellen. Dennoch werden die Vorwürfe pausenlos zur Stimmungsmache gegen Flüchtlinge wiederholt. Überprüfungen richten sich im Übrigen nur auf positive Bescheide. Nicht überprüft werden die Ablehnungen, obwohl sich bei Klagen vor Gericht z.B. in Niedersachsen rund 40 Prozent als fehlerhaft oder unberechtigt herausstellten.

Einstellungen

8. August 2018

Eingestellt hat die Staatsanwaltschaft Berlin das Ermittlungsverfahren gegen den ehem. Verfassungsschützer Andreas Temme. Er hatte gegenüber dem Bundestags-Untersuchungsausschuss erklärt, dienstlich niemals mit einem NSU-Vorgang befasst gewesen zu sein. Als später ein Dokument das Gegenteil bewies, erklärte die Staatsanwaltschaft, eine Gedächtnislücke sei nicht auszuschließen und deshalb eine vorsätzliche Lüge nicht zweifelsfrei nachzuweisen.

Eingestellt hat die Staatsanwaltschaft Mühlhausen die Ermittlungen gegen den AfD-Partei- und Fraktionsvorsitzenden Alexander Gauland, der öffentlich dazu aufgefordert hatte, die türkischstämmige SPD-Politikerin Aydab Özuguz in Anatolien zu »entsorgen«. Laut Staatsanwaltschaft war dies keine Volksverhetzung.

Von der Staatsanwaltschaft Dresden eingestellt wurden die Ermittlungen gegen den früheren Vorsitzenden der AfD-Landtagsfraktion von Sachsen-Anhalt, André Poggenburg, der die in Deutschland lebenden Türken als »Kameltreiber« und »Kümmelhändler« bezeichnet hatte, die hierzulande »nichts zu suchen und nichts zu melden« hätten. Auch hier liege weder Volksverhetzung noch eine Beleidigung vor.

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