Widerstand und Widersprüche

geschrieben von Hans Rentmeister

20. April 2015

Ein Roman über eine antifaschistischen Familie

 

Zögernd forschen und berichten heute Angehörige der zweiten Generation über das Leben, den Kampf und die Leiden ihrer Familienangehörigen während des Faschismus. Die Autorin und ihr Ehemann gehören zu dieser zweiten Generation. Christel Weiß versucht, einseitigen Betrachtungen auf anspruchsvolle Weise zu widersprechen. Anhand der eigenen Familiengeschichte schildert sie in ihrem Roman die Zeit vom Beginn des vorigen Jahrhunderts bis 1945. Basis der Handlung sind real existierende Personen wie Fritz und Lea Große, Albert Hähnel, Rudolf Harlaß, Edith und Kurt Kretzschmar, Max Müller, Lilli und Jakob Segal, Curt Wach. Diese realen Protagonisten werden mit fiktiven Personen und Handlungen verknüpft. So kann die Form einer strengen Dokumentation gesprengt und eine spannende Handlung entwickelt werden.

Da war nicht nur einer… eine proletarische Familien-Saga Roman von Christel Weiß, 2015, BS-Verlag-Rostock, ISBN 978-3-86785-321-7, Preis 19,90€

Da war nicht nur einer… eine proletarische Familien-Saga
Roman von Christel Weiß, 2015,
BS-Verlag-Rostock, ISBN 978-3-86785-321-7, Preis 19,90€

Komplexe historische und politische Abläufe auf der Basis gründlich recherchierter Fakten werden bildhaft, ohne die üblichen Standardbegriffe in die Handlung eingefügt.

Erlebbar wird, wie sich die Masse des deutschen Volkes in das faschistische Regime integrierte und es in nicht unerheblichem Maße aktiv trug. Bohrend wiederholen sich im Roman die Fragen: Wie konnte ein Volk, unabhängig von Herkunft und Bildungsgrad, einem solchen menschenverachtendem Regime folgen? Warum zeigten die Aufklärungsversuche der Antifaschisten so wenig Erfolg? Diese Fragen sind nicht nur historische Fragen. Es sind Fragen der jüngeren Geschichte und Gegenwart.

Der Roman führt uns in eine Proletarierfamilie aus dem Erzgebirge, die später vor allem in Chemnitz gewirkt hat. Ein paralleler Handlungsort ist Berlin in den 30er Jahren bis zur Befreiung 1945. Plastisch wird das Leben und die Armut der ›einfachen‹ Menschen im Erzgebirgischen und Sächsischen dargestellt. So gut, dass es nicht nur Lehrenden sondern auch Lokalhistorikern als Bild dienen könnte. Auf diese Weise werden Wurzeln der Klassenkämpfe in dieser Zeit sichtbar. Aus dem Kampf um ein bisschen mehr sozialer Gerechtigkeit entwickelte sich das politische Engagement der Romanfiguren, das bei jenen mit stabilen moralischen Werten und gesundem Menschenverstand zwangsläufig in ein Engagement gegen die Nazis mündete.

Der Kampf der aktiven Nazigegner im Roman begann in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts und reicht bis zur Befreiung 1945. Es sind Gewerkschafter, Kommunisten, Sozialdemokraten, atheistische Juden, Christen usw. Es gibt keine Fokussierung auf eine bestimmte Partei oder Organisation. Wenn auch zahlenmäßig klein, so doch breit im sozialen Spektrum wäre das Handeln dieser Nazigegner unter zivilisatorischen Umständen nicht spektakulär. In jener Zeit aber war ein solcher Widerstand nicht weniger lebensgefährlich als etwa Attentatsversuche. Wie das Buch zeigt, führte er zu schwersten persönlichen Konsequenzen auch für die Familie, bis hin zu den minderjährigen Kindern. Der Roman schildert anschaulich die Illegale Arbeit aber auch Denunziation, KZ und die Repressalien der Nazis, bis hin zum Todesurteil für mehrere Familienangehörige. Familiärer Zusammenhalt und die Solidarität Außenstehender lässt die Familie die schweren Eingriffe in ihr Leben überstehen.

Ein Großteil der Opfer des Faschismus ist nach der Befreiung zur Tagesordnung, d.h. zum Ringen um das Überleben und für eine bessere Zukunft, übergegangen. Erinnerungen aufzuschreiben, war nicht ihre Sache. Aber ihre Erfahrungen darüber, wie es zum Faschismus kam, wie es unter ihm war und wie sich einige gewehrt haben, sind brandaktuell. Faschistischer Ungeist beeinflusst immer noch bzw. erneut deutsches und europäisches Leben. Geschichte wird in der BRD verfälscht, in dem man die Leiden auf einige wenige, dem Zeitgeist genehme Opfergruppen und Personen reduziert, Opferhierarchien schafft und einige Gruppen marginalisiert. So entstehen neue Geschichtslügen.

Der Roman versteht sich daher nicht nur als Geschichts- und Geschichtenbuch, als Denkmal für Menschen, die es verdient haben. Man erkennt das an den eingeflochtenen Passagen, die einen Bezug zu heutigen Ereignissen herstellen. Besonders deutlich wird das im Anhang, wo u.a. aufgelistet wird, welche Namen von Schulen, Straßen, Plätzen, Betrieben usw., die zu DDR-Zeiten nach Antifaschisten benannt wurden, die im Buch eine Rolle spielen, nach 1989 entfernt wurden.

Das Buch »Da war nicht nur einer…« ist jedem Leser, ob jung oder alt, zu empfehlen. Unaufdringlich fordert es auf, gegen jede faschistische Tendenz aktiv zu werden.

Lebensaufgabe: Zeugnis ablegen

geschrieben von Axel Holz

20. April 2015

Uli Rabes Autobiografie ist erschienen

 

Bereits vor einigen Jahren erschien das Buch »Halbjude?« von Ullrich Rabe, dem langjährigen Vorstandsmitglied der VVN-BdA in Mecklenburg-Vorpommern. Darin hatte der Autor seine lebenslange Beschäftigung mit der rassischen Stigmatisierung thematisiert, die ihm die Nazis aufgestempelt hatten. Nur durch eigene Initiative und Glück war Ullrich Rabe den Nazis zum Kriegsende in ein Kriegsgefangenenlager der Alliierten entkommen, wo er den Tag der Befreiung erlebte, als US-amerikanische und marokkanische Wach-Truppen mit Schüssen in die Luft den Sieg über das Nazi-Regime feierten. Als sogenannter Halb-Jude überlebte er die rassische Verfolgung – anders als sechzehn seiner ermordeten jüdischen Verwandten, wurde in der Organisation Todt dienstverpflichtet und musste im besetzten Frankreich schwere Aufräumarbeiten nach alliierten Luftangriffen durchführen. Anders als in seinem früheren Buch beschreibt er in seiner Autobiografie diesmal nicht nur seinen schwierigen Lebensweg aus einer jüdischen bürgerlichen Arzt-Familie durch die Ausgrenzungen und Bedrohungen der Nazi-Zeit, sondern auch seinen Weg in eine neue Gesellschaft, die ihm Bildung, berufliche Perspektiven und gesellschaftliche Anerkennung zukommen lies. Dieser Weg führte ihn vom Betriebsschlosser über den Ingenieur für Schweißtechnik zum Institutsleiter und Wissenschaftsattaché der DDR in Tokio bis zum Dozenten an der Hochschule für Seefahrt in Rostock. Ullrich Rabe hat sich u.a. auch an ein Tabuthema gewagt, das viele Opfer des Nazi-Regimes ihr Leben lang weiter begleitet hat. Wie gingen die Menschen, die unter der Nazi-Herrschaft ihre Mitbürger ausgrenzten oder dies stillschweigend in Kauf nahmen, nun mit ihm und seiner Familie um? Und wie gelang es ihm zusammen mit seiner Familie, mit den Traumatisierungen des Faschismus fertig zu werden, mit der erlebten Ausgrenzung, mit der politisch gewollten Entmündigung und Entrechtung?

In seinem neuen Buch beschreibt der Autor, wie ihm mit neun Jahren als nichts ahnendem Jungen von seinem Klassenkameraden das Stigma »Jude« aufgeprägt wird. Sein weiteres Leben und das seiner Familie werden nun durch die Rassegesetze und die Rassenhetze der Nazis bestimmt, so dass er sich schließlich das Abitur illegal erschleichen muss. Besonders hart trifft ihn die Isolation durch Klassenkameraden und die Ausgrenzung im Freundeskreis der Familie. Der Druck der Nazi-Ideologie auf die Bevölkerung wird immer stärker spürbar, aber auch die Erfahrung, wie persönliche Beziehungen Sympathie erhalten können und Schutz ermöglichen. Mit seiner Deportation durch die Organisation Todt erfährt er, wie er als Sklavenarbeiter in Frankreich nur noch als Nummer existiert, erlebt Hunger und willkürliche Erschießungen von Gefangenen in seinem Umfeld. Erst nach einer abenteuerlichen Flucht in die Kriegsgefangenschaft beginnt er, sich wieder als Mensch zu fühlen, muss sich aber Nazi-Offizieren im Kriegsgefangenenlager wiedersetzen, die dort noch immer das Sagen haben. Illegal über die Sektorengrenze zurückgekehrt zu seiner sächsischen Familie, trifft er tatsächlich auf seine Eltern, die den Holocaust überlebt haben und sich in den Neuaufbau des Landes stürzen. Erst dort erfährt er, wie viele seiner Verwandten dieses Glück nicht hatten, weil sie von den Nazis ermordet wurden. Keiner ahnte damals, dass die Rasseideologie der Nazis die Opfer noch lange nach ihrer Befreiung verfolgen würde und die Spur der zerstreuten Überlebenden seiner Familie bis nach Schweden führen sollte. Erst 2012 erfährt Ulrich Rabe, dass über mehrere Etappen dort eine überlebende Cousine gestrandet war, die auch ihren verschollen geglaubten Vater wieder traf, aber wie ihr Vater die schrecklichen Erlebnisse der Nazi-Zeit nicht verarbeiten konnte. Beider Leben endete durch Suizid.

Für Ulrich Rabe war die Ablehnung des Rassebegriffes und jeglicher Diskriminierung eine wichtige Schlussfolgerung für sein Leben. Aber auch der Umgang mit der erlebten Nazi-Ausgrenzung beschäftigt ihn bis heute. Er stößt auf verschiedene Verarbeitungsstrategien. Er erlebt die Fortsetzung der Traumatisierung und die Verzweiflung der Opfer. Er beobachtet bei nicht wenigen Opfern den Beginn eines aktiven, neuen Lebens, das das Erlebte vergessen machen sollte. Doch er selbst entscheidet sich gemeinsam mit vielen anderen für die bewusste Erinnerung und öffentliche Auseinandersetzung mit den Nazi-Verbrechen, ihren Ursachen und seinen persönlichen Erlebnissen in der schlimmsten Zeit der deutschen Geschichte. Zeugnis ablegen – das sollte sein Vermächtnis, sein Lebenssinn werden und das vermittelt seine Autobiografie auf anrührende Weise.

Nackt unter Wölfen – 2015

geschrieben von Gerhard Hoffmann

20. April 2015

Eine ambivalente Erfahrung

 

Siebzig Jahre nach der Befreiung vom deutschen Faschismus und über fünfzig Jahre nach dem Erscheinen eines ersten Films »Nackt unter Wölfen« eine Neuverfilmung zu erarbeiten, verweist auf die nach wie vor beachtenswerte Relevanz des Romans von Bruno Apitz und ist insofern legitim. Nachvollziehen und –empfinden, was in einem faschistischen deutschen Konzentrationslager vor sich ging, in welchen Spannungs- und Konfliktfeldern sich Häftlinge und ihre Peiniger bewegten, wie sich Selbstbehauptung und illegal organisierter Widerstand herausbildeten, welche Ursachen menschliche Größe und menschliches Versagen haben konnten, welche Formen solidarischen Verhaltens sich unter welchen Umständen entwickelten … dürfte für ehemalige Häftlinge möglich gewesen, für Nachkommende ausgeschlossen sein.

Frank Beyer gelang mit dem DEFA-Film von 1963 auch durch die Mitwirkung von Bruno Apitz ein in sich schlüssiges Kunstwerk. Für den neuen Film wurden nicht der Roman, sondern Motive aus dem Roman zugrunde gelegt. So musste es zum Spagat zwischen historischer Wissensvermittlung und Handlungsgeschehen des Romans kommen. Der Handlungsstrang Rettung des dreijährigen jüdischen Jungen ist aufgenommen worden, um den Konflikt »Überleben des Kindes oder Überleben von Tausenden Häftlingen«, einer Lösung zuzuführen. In Andeutungen wird erkennbar, dass der individuelle Einsatz für die Rettung des Kindes wesentlich ist, dass jedoch das Netzwerk organisierten Widerstands Voraussetzung und Bedingung für die Lösung des Grundkonflikts sind. Die Unterbrechung der Handlung durch Rückblenden und dokumentarische Einblendungen mag interessantes filmisches Mittel sein, zerfasert den Film, trotz mancher Berechtigung. Während die Rückblende auf Pippigs Vorleben seine Motivation begründet, bedingungslos für die Rettung des Kindes einzutreten, setzen die historischen Dokumentaraufnahmen Kenntnisse voraus, damit sie als Elemente zur Entwicklung von Spannung verstanden werden können. Den furchtbaren Lageralltag im Kleinen Lager darzustellen, gehört in den Film. Ebenso das Ersäufen und Erschießen im Dorf, beobachtet aus einem Fenster, indem über die Schulter des Beobachtenden geschaut wird. Hier müssen die Zuschauer erkennen, dass von den Filmmachern die Sequenz als Metapher für »wir haben von alledem nichts gewusst« gesetzt wird. Die Pippig, Höfel, Krämer, Bochow, Rose auf der Häftlingsseite und auf der anderen die Schwahl, Kluttig, Zweiling, Mandrill … sind keine Charaktere, sie sind Typen an sich. Die »überbordende Gewalt« (FAZ), der Hang zu naturalistischer Darstellung, verleitet eher zum Abwenden als dazu, Emotionen zu wecken. Eindeutig scheint die immer wieder in Frage gestellte Selbstbefreiung der Häftlinge im KZ Buchenwald dargestellt. Wozu sonst, als zu ihrer Befreiung, hätten sich die Häftlinge bewaffnen und die »Alarmstufe III« ausrufen sollen? Was war das entschlossene Unterbrechen der Stromzufuhr für den Elektrozaun, das Gefangennehmen von SS-Leuten und das Hissen der weißen Flagge? Es war die militärische Aktion zur Selbstbefreiung der Häftlinge aus dem Innern des Lagers, als durch das Heranrücken der amerikanischen III. Armee die äußeren Bedingungen geschaffen wurden. Das Bedrücktsein auf dem Appellplatz am Ende des Films macht deutlich, dass das Freisein, für manchen nach zwölf Jahren Haft, nicht einfach zu verarbeiten ist. Tatsächlich organisierten die Häftlinge die Übergabe des Lagers an die Amerikaner, bereiteten u. a. das Totengedenken am 19. April 1945 und den Schwur von Buchenwald vor und am Abend dieses Tages gab die inzwischen legalisierte Bigband ein Jazzkonzert (Jorge Semprún: Überlebensübungen. 2013). Mehr als fünfzig Jahre nach dem DEFA-Film ist für fünf Millionen Euro ein Film gemacht worden, aufwändig, mit modernen Mitteln, auf dem heutigen Wissensstand, angepasst an neue Sehgewohnheiten und natürlich mit dem Blick auf hohe Einschaltquoten. Für Menschen mit historischen Kenntnissen und dem Willen, sich solche anzueignen, sind Zusammenhänge erkennbar. Ob der Film dazu anregt, sich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen, bleibt offen. Im besten Fall führt er vielleicht zu der Frage, was aus dem als Häftling verkleideten SS-Mann geworden sein könnte, den die GI’s als solchen nicht erkannten und den sie gutwillig laufen ließen. Im allerbesten Fall wird dieser Film dazu animieren, den Roman von Bruno Apitz zu lesen und den Film von Frank Beyer anzusehen.

Nackt unter Wölfen II

geschrieben von Hans Coppi

20. April 2015

Ein bis zum Schluss spannender Film

 

Die erneute Verfilmung von Bruno Apitz´ Bestseller – diesmal als Fernsehproduktion – begleiteten interessierte wie auch ablehnende Erwartungen. Einige fanden, dass es endlich Zeit sei, dass sich das öffentlich rechtliche Fernsehen diesem bewegenden Thema annimmt. Andere äußerten sich skeptisch. Was würde wohl von der Selbstbehauptung der Kommunisten, ihrem Widerstand im Lager und der Selbstbefreiung übrig bleiben?

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Die filmische Inszenierung beruht auf dem heutigen historischen Wissen, und hat fachwissenschaftliche Beratung ebenso einbezogen wie das mündliche Zeugnis von Überlebenden des KZ Buchenwald. Ein wichtiger Ausgangspunkt war die Wieder- und Neuentdeckung des Romans »Nackt unter Wölfen«. Der Aufbau Verlag Berlin hatte 2012 eine erweiterte Neuausgabe mit einem sorgfältig recherchierten und erhellenden Nachwort von Susanne Hantke zu historischen und biografischen Hintergründen des Schreib- und Entstehungsprozesses veröffentlicht.

Die Neuverfilmung hat eine eigenständige, neu erfundene fiktive Handlung, ist jedoch angelehnt »an Motiven des Romans«. In das Zentrum gerückt sind Gewissensentscheidungen der Häftlinge in Extremsituationen, erzählt wird von ihrem Ringen um Würde inmitten von Gewalt und der Ungewissheit, ob sie die Befreiung, die Freiheit erleben. Jeder Tag zählt in den letzten zwei Wochen des Lagers. Alles ist möglich, Überleben oder Tod. Die SS und die Häftlinge bereiten sich auf das Ende des Lagers vor. Dies ist der Hintergrund. Im Mittelpunkt des bewegenden Fernsehfilmes steht – wie in Frank Beyers unvergessenen DEFA-Film – die Rettung eines Kindes. Sie steht wie in Brechts Kaukasischem Kreidekreis im Widerstreit zu den eigenen Interessen der Protagonisten. Am 9. November 1954 erlebte das Brecht-Stück seine deutsche Premiere am Berliner Ensemble. Knapp drei Wochen später reichte Bruno Apitz bei der DEFA auf vier Seiten ein erstes Exposé über das Kind in Buchenwald ein. Trotz der Absage begann er im Eigenauftrag an dem Roman zu arbeiten. Bestärkt und begleitet durch Lektoren des Mitteldeutschen Verlages wurde »Nackt unter Wölfen« – zur Überraschung aller Beteiligten – ein Welterfolg.

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Drehbuchautor Stefan Kolditz bleibt am Kern des Romans: Häftlinge, überwiegend Kommunisten, verstecken unter Lebensgefahr ein dreijähriges Kind im KZ Buchenwald. Diese menschliche Entscheidung gefährdet die Vorbereitung des geplanten Aufstandes seitens des Internationalen Lagerkomitees. Inmitten von Chaos und Gewalt, ausgeliefert der Unberechenbarkeit und dem Sadismus der SS, zeigt der berührende Film von Philip Kadelbach in erschütternden Bildern und Dialogen die entstehenden Konflikte in ihren Konsequenzen, für Zuschauer und Schauspieler bis an die Schmerzgrenze. Was passiert, wenn die SS, die bereits etwas ahnt, davon erfährt, dass hinter der Rettungsaktion Kommunisten stehen, die einen Aufstand vorbereiten? Kurz vor Toresschluss nach jahrelangen Torturen noch das eigene Leben riskieren, für ein kleines Kind? Halten alle Genossen durch? Ein spannendes Szenarium, geht es doch bei allen Entscheidungen um das Überleben aller. An der Haltung zu dem Kind offenbaren die Häftlinge bei aller Unterschiedlichkeit ihre moralische Größe oder erleben ihr Scheitern.

Der Film kommt der Realität, dem Leben und Sterben im Lager näher. Nicht nur durch Folterszenen sondern auch durch die Einbeziehung des »Kleinen Lagers«. Im dem zeitweiligen Rückzugsort für den Jungen wird der Zuschauer mit den unvorstellbaren Zuständen, dem ständigen Hunger, dem Hindämmern schon vom Tode gezeichneter Menschen konfrontiert.

Auch wenn der Film dem Zuschauer zu einer differenzierten Sicht auf das Konzentrationslager verhilft, bleibt das politische Selbstverständnis der Protagonisten, das sich in genutzten Handlungsspielräumen äußert, eher im Vagen. Es ist jedoch ein bis zum Schluss spannender Film. Zuspitzung von Dauer baut sich auf, als das Kind von einem polnischen Häftling im Koffer ins KZ geschmuggelt wird. Entlang der Gratwanderung zwischen Vernichtung und Überleben bleibt das zu rettende Kind das Zeichen der Hoffnung auf eine Welt des Friedens und der Freiheit.

In der anschließenden Dokumentation am Abend des 1. April wurde die eher anmaßende Fragestellung »Beschützer der Schwachen oder Handlanger der SS?« unterschiedlich beantwortet. Während Volkhard Knigge, der Leiter der Gedenkstätte Buchenwald, die Rettung vieler Häftlinge und auch der über 900 Kinder durch kommunistischen Häftlinge besonders in der brisanten Endphase des Lagers und auch nach der Befreiung würdigte, bediente Frau Hertewig das Zerrbild der »Roten Kapos« aus den 1990er Jahren.

Die in ihren Rollen überzeugenden überwiegend jungen Schauspieler erklärten, dass die Arbeit an dem Film eine für sie eine wichtige Erfahrung gewesen sei. Das, was sie dargestellt haben, hat stattgefunden und darf nicht dem Vergessen anheim fallen. Der Film erreichte über 5,45 Millionen Zuschauer und war mit 13 Prozent bei jungen Leuten richtig erfolgreich, verkündete die ARD.

»Ein Panzer soll es sein!«

geschrieben von Erika Schwarz und Simone Steppan

20. April 2015

Die Geschichte des Befreiungsdenkmals in Ravensbrück

 

Unweit vom Zentrum der Stadt Fürstenberg an der Havel entfernt, an der Straße der Nationen, die zur Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück führt, kann der Besucher linkerhand einen auf einem Sockel platzierten Panzer nicht übersehen. Eine Steintafel an der angrenzenden Mauer verrät, dass Soldaten und Offiziere der Roten Armee am 30. April 1945 das ehemalige Konzentrationslager befreiten. Die Entstehung des »Panzerdenkmals«, wie die gesamte Anlage umgangssprachlich bald hieß, hat eine Geschichte, die verschieden erzählt wird.

Nachdem das 1945 erschaffene sowjetische Ehrenmal in der Fürstenberger Bahnhofstraße zu Beginn der 1970-er Jahre rekonstruiert worden war, hatten Einwohner 1974/75 die Idee, auch den Befreiern des größten Frauenkonzentrationslagers des »Dritten Reiches« ein eigenes Denkmal zu widmen. Vollendet werden sollte es zum 60. Jahrestag der Oktoberrevolution im November 1977. Da die Errichtung und Gestaltung von Gedenkstätten der Zustimmung des Ministeriums für Kultur der DDR bedurfte, wurden dort die ersten Entwürfe gemeinsam mit Vertretern des Instituts für Denkmalpflege diskutiert. Die zuständigen Partei- und staatlichen Stellen wünschten ein Denkmal mit hoher Symbolik im Rahmen der dafür zur Verfügung stehenden begrenzten finanziellen Mittel. Eine Arbeitsgruppe koordinierte das Vorhaben. Das Institut für Denkmalpflege zeichnete für die künstlerische Gestaltung der Gesamtanlage verantwortlich. Unterstützung sagte eine Panzereinheit der Sowjetarmee aus Drögen zu. Deren Komsomolzen restaurierten ein Sturmgeschütz vom Typ SAU 100 mit einer 100 mm Kanone als zentralen Teil des Monuments, obwohl es keine Panzerverbände waren, die am letzten Tag des April 1945 den Ort des Grauens erreichten, und dort 3.000 zurückgelassene kranke Häftlinge vorfanden, sondern Soldaten eines Pionier–Aufklärungsbataillons der 2. Belorussischen Front.

Erwogen wurden im Sommer 1976 mögliche Standorte. Gedacht wurde an den Parkplatz vor der Gedenkstätte, eine Stelle hinter Fritz Cremers 1964 geschaffener Müttergruppe. Doch dann fiel die Entscheidung auf einen Platz an der Straße zur Gedenkstätte. Geteilte Meinungen gab es unter den Teilnehmern über die Ausrichtung des Panzers, wovon abhing, wohin seine Kanone wies, ob auf den Lebens- und Leidensort der Häftlinge des ehemaligen KZ oder auf die Kaserne der dort zu diesem Zeitpunkt stationierten sowjetischen Soldaten.

Zahlreiche Betriebe aus der Region beteiligten sich an der Finanzierung der Anlage in Höhe von ca. 140.000 DM. Dazu zählten u. a. der Kraftverkehr Oranienburg, die Schuhfabrik Zehdenick und das Möbelwerk Löwenberg.

Am 7. November 1977 fand die Einweihung des Panzerdenkmals wie geplant statt. In den folgenden Jahren wurden dort an wichtigen Feiertagen der DDR und der UdSSR Kränze niedergelegt.

Das Denkmal in Fürstenberg war kein Novum. Schon vorher wurden die sowjetischen Befreier auf diese Art und Weise geehrt. U. a. stehen seit 1945 Panzer vom Typ T 34 in Berlin im Großen Tiergarten und in Zehlendorf. Aber auch später wurden weitere ähnliche Monumente errichtet. Seit 1970 erinnert einer in Kienitz an den 31. Januar 1945, als die Rote Armee an dieser Stelle die Oder überquert hatte. Am 29. April 1980 wurde aus Anlass der Befreiung des Gefängnisses Brandenburg-Görden vor 35 Jahren in der Stadt solch ein Denkmal eingeweiht. Das Fürstenberger überlebte wie alle anderen die sogenannte Wende. Obwohl nicht unter Denkmalschutz gestellt, ist es noch immer ein Zeichen der Erinnerung.

Offizielle Veranstaltungen finden an diesem Ort nicht mehr statt, da es – wiewohl seine Geschichte vom Gegenteil zeugt – als Beweis für den verordneten Antifaschismus abgetan wird.

Nur die »Welt von Gestern«?

geschrieben von Ernst Antoni

20. April 2015

Der Abschied von Europa des Erfolgsschriftstellers Stefan Zweig

 

Als in Salzburg im April 1938 mit den Werken anderer Verfemter auch die Bücher von Stefan Zweig auf dem Residenzplatz in Flammen aufgingen, hatte der österreichische Schriftsteller die Stadt, in der er nach dem Ersten Weltkrieg über ein Jahrzehnt lang gewohnt hatte, bereits seit vier Jahren verlassen. Nicht allein die Stadt. Im Februar 1934 durchsuchte die Polizei des austrofaschistischen Regimes das Haus des damals weltbekannten Erfolgsautors (»Sternstunden der Menschheit«) und bekennenden Pazifisten. Der 1881 in Wien geborene Zweig begab sich daraufhin mit seiner zweiten Frau Charlotte nach England. Es sollte der Anfang eines Exils werden, das für das Ehepaar Zweig 1942 mit einem Doppelselbstmord in Brasilien sein Ende fand.

In Deutschland war Zweig bereits von Anfang der NS-Herrschaft an wegen seiner jüdischen Herkunft verfemt, seine Werke waren verboten und verbrannt worden. Nach dem »Anschluss« Österreichs brannten dann auch in Salzburg und anderswo die Bücher-Scheiterhaufen. Auch die Werke von Stefan Zweig, einem der meistgelesenen Autoren seiner Zeit. In mehr als fünfzig Sprachen waren in den 20er- und 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts vor allem seine Erzählungen und Novellen übersetzt worden. In einem von ihm »Hauptbuch« genannten großformatigen Notizbuch pflegte der Schriftsteller die Weltrechte seiner Bücher aufzulisten. Auch dieses »Hauptbuch« gehört zu den Exponaten einer anrührenden Ausstellung, die zuerst in Wien gezeigt wurde, derzeit in München zu sehen ist und hoffentlich danach noch an weiteren Orten.

Bis Ende vergangenen Jahres machte sie an ihrem Entstehungsort Furore, im Theatermuseum Wien, dessen Vorgängerinstitution, der Theatersammlung der dortigen Nationalbibliothek, der Autor nach seiner Emigration 1937 einen Teil seiner Handschriftensammlung vermacht hatte. »Autographen« aus den Beständen eines Menschen, der gerne und viel korrespondierte mit Autorenkolleginnen und -kollegen und anderen Berühmtheiten aus aller Welt. Handschriftliche Notizen verschiedener Schriftsteller und Publizisten, Bilder mit Widmungen und andere nicht nur historisch interessante Dokumente (neben vielen anderen etwa von Franz Kafka, Joseph Roth, Albert Schweitzer, Maxim Gorki).

Ein Teil dieser Exponate entfaltet durch die Art ihrer Zurschaustellung, durch ihr Arrangement in den Ausstellungsräumen, die besondere emotionale Wirkung, die über das kultur- und literaturhistorische Interessante hinaus uns als heutige Betrachterinnen und Betrachter Anteil nehmen lässt an jenem erzwungenen »Abschied von Europa« des Ehepaares Zweig, vom Aufbruch nach England bis zum tragischen Ende in Brasilien. Sehen wir doch nicht mehr sämtliche Autographen, Fotos, Notizblätter, in Vitrinen und an den Ausstellungswänden, sondern einen großen Teil davon schon hineingeschlichtet in Umzugskartons, abgehängte Bilder lehnen herum: Auszug, Umzug, Exodus… Flankiert wird das von Film-, Bild- und Tondokumentationen mit Information zu Exilstationen, Lebensbedingungen, politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen in den jeweiligen Zufluchtsorten.

Der größte Ausstellungsraum ist ins Halbdunkel getaucht, in der Mitte steht schwach erleuchtet das große Modell eines Gebäudes. Es handelt sich um das 1873 zur damaligen Wiener Weltausstellung eröffnete Luxushotel Métropole, das im März 1938 nach dem »Anschluss« von den Nazis beschlagnahmt, »arisiert« und zur »Gestapo-Leitstelle« umfunktioniert wurde. Mit 842 Beschäftigten, heißt es im Katalog-Lesebuch, das zur Ausstellung erschienen ist, sei sie größer als die »Leitstelle« in Berlin gewesen.

Der faschistische Folterort Hotel Métropole hat eine wichtige Funktion in Stefan Zweigs 1941 entstandener berühmter »Schachnovelle«. Was dort vor sich ging, schildern, bedient man im Umfeld des Hotel-Modells die Audioguides und Videoprojektionen, Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die Gefangenschaft und Verhöre überleben konnten. Dunkle, lederne Gestapomäntel an den Wänden des Saales vervollständigen die Inszenierung.

Neben der »Schachnovelle« ist zweiter literarischer Haupt-Bezugspunkt aus dem Werk Zweigs sein Erinnerungsbericht »Die Welt von Gestern«, den er in seinem letzten Lebensjahr fertig gestellt hat. Der durchgängige Exilbezug macht diese Ausstellung so nicht allein zu einem historischen Informationsort. Er eröffnet gerade angesichts der individuellen Schicksale, die in diesem Falle ja nicht von den Ärmsten der Armen handeln und dennoch von zunehmendem Elend und wachsender Verzweiflung, auch wichtige Ansätze zum Verständnis heutiger Flucht- und Exilproblematik.

Aus den Landesvereinigungen und Verbänden

19. April 2015

Hier finden Sie die Beiträge aus dem Verband sowie aus den Landesvereinigungen Baden-Württemberg, Berlin, Bayern, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen: AntifaLS_2015_0506_web

Titel

18. März 2015

Befreiung in München

Befreiung Ende April 1945: US-Soldaten entfernen die »Hauptstadt der Bewegung«

Befreiung Ende April 1945: US-Soldaten entfernen die »Hauptstadt der Bewegung«

Editorial

geschrieben von Regina Girod

9. März 2015

Zwei wichtige Vorhaben der VVN-BdA Bundesorganisation im 70. Jahr der Befreiung wurden unmittelbar vor Erscheinen dieser antifa realisiert: Am 24. Februar wurde die neue Website dasjahr1945.vvn-bda.de freigeschaltet, auf der Besucher mittels einer interaktiven Karte die Befreiung der Konzentrationslager und verschiedener Städte sowie Kriegsendverbrechen der Nazis und Dokumente, die die Hoffnungen der Befreiten widerspiegeln, recherchieren können. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit bietet diese Website, die von einer Arbeitsgruppe des Bundesausschusses erarbeitet wurde, mit kurzen Texten, weiterführenden Hinweisen, Fotos und Filmausschnitten Material und Denkanregungen für das Verständnis der historischen Vorgänge vor 70 Jahren.

Und am 1. März fand in Berlin eine gut besuchte Veranstaltung der VVN-BdA unter dem Thema »Unsere Mütter, unsere Väter – und wir« statt, auf der Antifaschistinnen und Antifaschisten aus drei Generationen und aus Ost und West über Vorbilder, Ansprüche und Erfahrungen ihrer politischen Arbeit diskutierten. Mit dieser Reflektion über die Frage, wie man Antifaschismus als Erbe und Auftrag in einer nun bald 70 Jahre alten Organisation weiter geben kann, wurde eine Phase vielfältiger Veranstaltungen in Ländern und Kreisen eingeleitet, mit denen wir oft in breiten Bündnissen in den nächsten Wochen an die Befreiung von Faschismus und Krieg erinnern wollen. Sicher werden sie auch Möglichkeiten bieten, mit neuen Mitstreitern ins Gespräch zu kommen und sie für die Arbeit unserer Vereinigung zu interessieren.

An drei der Mütter und Väter unserer Organisation erinnern wir auch in dieser Ausgabe. Dem ehemaligen Dachauhäftling Adi Maislinger, für den Hoffen und Handeln immer zusammengehörten, widmen wir unser Porträt aus Seite 19. Die aktuelle Ausstellung der Fotografien von Lore Krüger bietet uns Anlass der Frage nachzugehen, wie die Sicht Nachgeborener das Bild einer Lebensleistung verändert (Seite 31 und 32) und auf den Verbandsseiten gratulieren wir der Ehrenvorsitzenden der VVN-BdA Schleswig-Holstein, Marianne Wilke, zu ihrer Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande.

Das gemeinsame Ziel

geschrieben von Peter Christian Walther

8. März 2015

Antifaschismus ist ein wichtiges Fundament auch der Friedensbewegung

 

Am 8. Mai 1945 wurde ganz Europa vom Verbrechersystem des deutschen Faschismus und seinem Krieg befreit. Mit diesem Satz beginnt der Aufruf »Für eine neue Entspannungspolitik, Nein zur Vorbereitung auf den Krieg!«, der von einer Reihe von Aktiven aus der antifaschistischen und der Friedensbewegung unterzeichnet wurde.

Es heißt dann weiter, dass wir dieser Befreiung, – erreicht von der Antihitlerkoalition und dem antifaschistischen Widerstand in vielen Ländern, – »die Grundlagen eines Lebens in Frieden, Freiheit und Vielfalt« zu verdanken haben. Das verpflichte uns heute mehr denn je, »den Frieden in Europa zu sichern« und deshalb »Druck (zu) machen für Verständigung und Abrüstung«.

Es ist mehr als naheliegend für eine antifaschistische Organisation wie die unsere, erst recht wenn es sich um die älteste und damit wohl auch erfahrenste handelt, dem Tag der Befreiung von Faschismus und Krieg eine besondere Bedeutung zuzumessen.

Und so haben wir schon im vergangenen Herbst damit begonnen, uns mit den Möglichkeiten und Erfordernissen der Ausgestaltung dieses Tages zu befassen. Nach gründlichen Überlegungen haben wir uns entschlossen, unseren Mitgliedern, Mitgliedsverbänden und allen Freundinnen und Freunden zu empfehlen, an möglichst vielen Orten anlässlich des 70.Jahrestages nicht nur an die Befreiung von Faschismus und Krieg zu erinnern, sondern diese Befreiung auch entsprechend zu feiern.

Wir wollen so eine möglichst tiefe Wirkung in die Gesellschaft und Öffentlichkeit hinein erreichen. Das können wir selbstverständlich nicht alleine schaffen. Deshalb bemühen wir uns intensiv um Unterstützer und Bündnispartner, um gemeinsam dieses Ziel erreichen zu können.

So feiert die VVN-BdA am 8.Mai zum Beispiel in meiner Heimatstadt Frankfurt am Main auf dem traditionsreichsten Platz der Stadt, dem Römerberg vor dem Rathaus, ein mehrstündiges »Fest der Befreiung«. Dafür haben wir mit Gewerkschaften, Jugendverbänden, Jüdischer Gemeinde, Initiativen und Organisationen aus antifaschistischem, kirchlichem, sozialem, kulturellem und sportlichem Bereich und natürlich aus der Friedensbewegung, die Mitwirkung von über dreißig Unterstützer-Organisationen und Institutionen einschließlich des Oberbürgermeisters erreicht.

Ähnliches wird an vielen weiteren Orten dieser Republik geschehen. Wer sich dafür interessiert, kann bei unserer Bundesgeschäftsstelle eine Übersicht anfordern.

Neben weltanschaulichen, politischen und anderen Verschiedenheiten, wie es sie auch in unserer Organisation gibt, unterscheiden wir uns innerhalb der Friedensbewegung aktuell von einigen anderen Gruppierungen und Personen wohl darin, dass wir – wiederum aus besonderer antifaschistischer Erfahrung heraus – jede Art von Offenhalten eines Zugangs zu Positionen, die rechts außen zu verorten sind, strikt ablehnen. Das hat bei uns zu dem Ergebnis geführt, dass wir keine gemeinsamen Aktionen mit Gruppierungen und Personen durchführen, von denen wir den Eindruck haben, dass sie in dieser grundlegenden Frage keine Abgrenzung vollziehen. Die Benutzung des Spruchs, es gäbe hier weder ein rechts noch ein links, sondern nur ein »vorne«, bestätigt das. Nach unserer Einschätzung führt das nicht zur Stärkung, sondern eher zu einer Schwächung der Friedensbewegung.

Unsere Position richtet sich keinesfalls gegen die Friedensbewegung generell, der wir nach wie vor zugehören. Sie bedeutet auch nicht, dass wir mit denen, die eine andere Auffassung haben, an gemeinsamen Aktionen mit gemeinsamer Zielsetzung nicht teilnehmen würden. Das entscheidet sich im konkreten Fall nach anderen Kriterien.

Der Kampf gegen Faschismus und Krieg, gegen jede Gefahr einer wie auch immer gearteten Wiederkehr solcher Entwicklungen, aktuell sichtbar an Rechtsentwicklungen und Militarisierung auch in unserem Land, sind geradezu eine genuine Aufgabe unserer Organisation.

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