Ersatzveranstaltungen

geschrieben von Florian Gutsche

9. März 2023

NS-verherrlichende Gedenkveranstaltungen in Budapest (11.2.) und Sofia (25.2.)

In diesem Jahr konnte man sehen, dass antifaschistische Interventionen etwas bewegen können. Weder in Budapest noch in Sofia konnten die Neonazis ihre Veranstaltungen so durchführen, wie sie es während der letzten zehn Jahre gewohnt waren.

Von staatlicher Seite gab es in Budapest das Verbot der vom Blood&Honour-Ableger organisierten Gedenkveranstaltung im Városmajor-Park. In Sofia wurde der abendliche Fackelmarsch zu Ehren des glühenden Antisemiten Hristo Lukov ebenfalls verboten. Die als Wanderung getarnte Neonaziveranstaltung, bei der der Ausbruchsversuch der faschistischen Truppenverbände während der Belagerung Budapests durch die Rote Armee mit allerlei Nazi-Devotionalien nachvollzogen wird, konnte jedoch wieder stattfinden. Die Teilverbote der alljährlichen Spektakel sind die direkte Reaktion auf die international gewachsene Aufmerksamkeit für diese Veranstaltungen. Dass diese auch weltweit Beachtung fanden, ist das Resultat kontinuierlicher internationaler antifaschistischer Aufklärungsarbeit unterschiedlicher Organisationen. Ersatzveranstaltungen weiterlesen »

Festung Österreich

geschrieben von Heide Hammer / Diana Leah Mosser

9. März 2023

Wie sich auch in der Alpenrepublik der Rassismus breit macht

Ende Januar wurde in Niederösterreich – nach Wien das bevölkerungsreichste Bundesland Österreichs – der Landtag gewählt. Wenig überraschend verlor dabei die ÖVP zehn Prozentpunkte ihrer Stimmen, während die FPÖ zehn Punkte dazugewann. Überrascht hat das niemanden, weil die Österreichische Volkspartei – auch wenn sie es vielleicht nicht wahrhaben möchte – seit mehreren Jahren in einem oder mehreren Korruptionsskandalen steckt, während die Freiheitlichen vor ihren Wähler*innen behaupten können, dass sie sich der Verantwortlichen des Ibiza-Skandals entledigt hätten. Und auch vor 2019 hatte die ÖVP große Schwierigkeiten, als glaubwürdig zu gelten, was wohl daran liegen mag, dass es sich bei der Zielgruppe der ÖVP überwiegend um Arbeitgeber*innen und Landwirt*innen (=Großgrundbesitzer*innen) handelt – volksnah ist lediglich die Macht, die von der immer autoritärer werdenden Führung ausgeht. Im Vergleich dazu ist die FPÖ ein undisziplinierter Haufen. Festung Österreich weiterlesen »

Objekte der Forschung

geschrieben von Ulrich Schneider

9. März 2023

Die Verbände der Überlebenden des NS werden immer interessanter

Es ist bemerkenswert, dass mit dem biologischen Verschwinden der Zeitzeugengeneration in den KZ-Gedenkstätten und der geschichtspolitischen Erinnerungsarbeit in verschiedenen europäischen Ländern die ehemaligen Häftlinge, die Mitglieder von Überlebendenverbänden jetzt in den Fokus nachgeborener Historiker*innen geraten. Bekanntlich entstanden bereits unmittelbar nach der Befreiung vom Faschismus die ersten Organisationen der Überlebenden. Sie bildeten Amicales, Komitees, Lagergemeinschaften, nationale Interessenverbände und internationale Dachorganisationen. Es ging ihnen um einen antifaschistisch-demokratischen Neubeginn und um eine Erinnerungskultur aus der Sicht der Verfolgten. Objekte der Forschung weiterlesen »

Esthers Vermächtnis

geschrieben von Janka Kluge

9. März 2023

Ihr letztes Interview gab sie zwei Studenten

Kurz vor ihrem Tod hat sich die bereits gesundheitlich angeschlagene Esther Bejarano noch einmal bereit erklärt mit zwei jungen Studenten, Florian und Kay, ein langes Gespräch über ihr Leben und ihren Kampf zu führen. Esther war in der Nacht davor gestürzt und lag über Stunden hilflos in der Wohnung, weil sie den Notknopf nicht erreichen konnte. Als sie hörte, dass die beiden Studenten bereits nach Hamburg gekommen sind, reißt sie sich zusammen und empfängt sie. Der Journalist Sascha Hellen, der den Kontakt hergestellt hat, schreibt in der Einleitung: »Mit einem flotten Spruch bricht Esther Bejarano gleich das Eis – und das obwohl sie Schmerzen hat vom Sturz in der Nacht, den Stunden auf dem kalten Steinboden. Die beiden wissen, was es bedeutet, dass Frau Bejarano dem Treffen unter diesen Voraussetzungen zugestimmt hat.« Esthers Vermächtnis weiterlesen »

Vertrauen zerstören

9. März 2023

Interview mit Reiner Schneider von der Kampagne Entnazifizierung.Jetzt

atifa: Euer Projekt gibt es nun seit zweieinhalb Jahren. Ihr habt 850 rechte oder rassistische Vorfälle bei den deutschen Sicherheitsbehörden gesammelt, um zu unterstreichen, dass es keine Einzelfälle sind. Was sind eure Erkenntnisse darüber hinaus? Was hat euch überrascht? Gab es zum Beispiel regionale Unterschiede, besondere Netzwerke zum Beispiel mit der AfD? Vertrauen zerstören weiterlesen »

Piratin mit rotem Winkel

geschrieben von Hannah Geiger

9. März 2023

Eine Doku über zwei Frauen, die sich im KZ Ravensbrück lieben lernten

Die Kamera schwenkt über erschöpfte Gesichter zahlreicher Frauen in gestreifter Häftlingskleidung, einige lächeln erleichtert und winken. Es sind befreite Häftlinge aus den Konzentrations-lagern, die nach Jahren der Gefangenschaft am 28. April 1945 im Hafen von Malmö ankommen.

Die Ankunft wurde einst von schwedischen Nachrichtenfotografen gefilmt, Schwarz-Weiß-Aufnahmen eines historischen Moments. Der schwedische Regisseur Magnus Gertten hat eine Filmtrilogie daraus gemacht, »Harbour of Hope« (2011), »Every Face Has a Name« (2015) und »Nelly & Nadine« (2022). Mit dem letzten Teil erreichte Gertten internationale Aufmerksamkeit, der Dokumentarfilm feierte bei der Berlinale 2022 Premiere und wurde mit einem Teddy-Award ausgezeichnet. Piratin mit rotem Winkel weiterlesen »

Pfadabhängigkeiten

geschrieben von Sebastian Schröder

9. März 2023

Über den Paradigmenwechsel in der deutschen Rüstungsindustrie

Olivier Kempf analysiert in der aktuellen Le Monde Diplomatique den Krieg in der Ukraine als Kampf gleichwertig ausgerüsteter Gegner in einem »symetrischen Krieg«, geführt auch mit den Waffen des 21. Jahrhunderts. Der Einsatz von Drohnen und Satelliten zu elektronischer Kampfführung führt zum Stellungskrieg und zur Materialschlacht, zum Kräftegleichgewicht ohne überlegene Seite. Die Handlungen des Gegners sind durch die intensive Aufklärung bekannt, im Krieg in der Ukraine gibt es keine militärischen Überraschungen.

Auf eine qualitativ neue Stufe möchten die -NATO und die EU ihre Armeen seit 2012 heben: Sie streben eine massive Überlegenheit durch die komplette digitale Vernetzung zusammen mit modernster Waffentechnik an. Die angestrebte Überlegenheit würde in letzter Konsequenz Unbesiegbarkeit bedeuten, da die digitalisierten NATO-Armeen dem Gegner immer mehrere Schritte voraus wären. Pfadabhängigkeiten weiterlesen »

Darüber Sprechen

geschrieben von Markus Roth

9. März 2023

In einem Antifa-Jugendroman geht es vor allem um das Kommunizieren

Seit November erscheint wöchentlich im Autonomie-Magazin (nur online) jeweils ein Kapitel einer vielschichtigen »Coming of Age«-Geschichte rund um eine antifaschistische Schüler*innengruppe aus Wiesbaden. Wie üblich in solchen Entwicklungsromanen, deren jugendliche Hauptfiguren mit sich und der Welt ringen, geht es auch hier um viele »erste Male«: Liebe, verletzte Gefühle, Schlägereien, Männlichkeitsgehabe, Überschwang und Unverständnis der (Erwachsenen-)Welt gegenüber. Dieses Erwachsenwerden findet in einem politisch sehr aufgeladenen Umfeld statt. Darüber Sprechen weiterlesen »

Imaginierte Gefahr

geschrieben von Peps Gutsche

9. März 2023

Im Eliten-Diskurs geht die Angst um, gecanceld zu werden

Adrian Daub beschäftigt sich in dem vorliegenden Buch mit dem in deutschsprachigen Feuilletons so beliebten Scheinphänomen der Cancel Culture. Der Professor für vergleichende Literaturwissenschaften an der Universität Stanford bringt mit »Cancel Culture Transfer. Wie eine moralische Panik die Welt erfasst« seine Sorge zum Ausdruck, dass oft selektiv argumentiert wird, wenn es um Cancel Culture geht – und es ein Aufjammern derer ist, deren Reden ohnehin breiteres Gehör finden. Imaginierte Gefahr weiterlesen »

Faschismus und Struktur

geschrieben von Christian Meyer

9. März 2023

Sammelband zum 70. Geburtstag von Volkmar Wölk

17 Beiträge versammelt der neue Band »Rechte Ränder. Faschismus, Gesellschaft und Staat« und deckt dabei bekannte und eher randständige Ausprägungen der extremen Rechten ab. Eine Einleitung stellt den Jubilar vor und führt kurz in die Beiträge ein. Diese sind mal stärker analytisch, mal mehr deskriptiv, mal akademisch, mal journalistisch. Die Herausgeber und Autor_innen kennen Volkmar Wölk aus unterschiedlichen Kontexten und bekennen, er habe ihnen »mit Kritik und Material immer wieder Appetit auf Themen gemacht«. Und so sind auch die Beiträge in der Nähe von Wölks Interessenschwerpunkten. Faschismus und Struktur weiterlesen »

← Ältere Nachrichten · Neuere Nachrichten →