Antisemitismus in Deutschland bis 1933
Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wandelte sich auch in Deutschland der Antijudaismus in einen rassistisch legitimierten Antisemitismus. Stichwortgeber wurde Joseph Arthur de Gobineau, der mit seinem Werk »Versuch über die Ungleichheit der Menschenrassen« (1855) im Kontext des Kolonialismus zum ersten Mal ein geschlossenes rassistisches Weltbild begründete. Weitere Autoren leiteten daraus für die sich bildenden Nationalstaaten eine reaktionäre Legitimation ab. Diese definierten sich nicht nur über Territorium, Bevölkerung und Herrschaft, sondern zusätzlich über ein rassistisch bzw. völkisch überhöhtes Staatsvolk. Im Gegensatz dazu stand »der Jude«, der Vertreter des »Weltjudentums«, der sich angeblich in keinen völkischen Rahmen einbinden ließ.
Waren im Mittelalter »die Juden« der Inbegriff aller Schlechtigkeiten dieser Welt, so verkörperten »die Juden« in dieser Ideologie die negativen Seiten der Durchsetzung des Kapitalismus in Produktion und Gesellschaft. Schon damals entstand die von der Nazipropaganda aufgenommene Unterscheidung zwischen dem »schaffenden Kapital«, was natürlich mit der Nation und dem jeweiligen »Rasse«bild der Volksgemeinschaft verbunden war, und dem »raffenden Kapital«, dem (jüdischen) Finanzkapital, das sich nicht um die Belange der jeweiligen Nation kümmert, sondern allein dem Profitinteresse folgt. Tödliche Konsequenz weiterlesen »



























