Mörderische Kontinuitäten

geschrieben von Ernst Antoni

8. Februar 2018

Ausstellung »Nie wieder. Schon wieder. Immer noch« in München

»Das Klima in Deutschland hat sich verändert. Die Grenzen des Sagbaren haben sich verschoben, extrem rechtes Gedankengut ist bis in die Mitte der Gesellschaft vorgedrungen.« So der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München, Dieter Reiter (SPD), in seinem Geleitwort zu Ausstellung und Katalog »Nie wieder. Schon wieder. Immer noch. Rechtsextremismus in Deutschland seit 1945«.

Ende November vergangenen Jahres eröffnet, wird die materialreiche Sonderausstellung noch bis zum 2. April 2018 als Ergänzung der ständigen Ausstellung über die Vor- und Frühgeschichte des NS-Regimes und dessen massenmörderische Praxis im Münchner NS-Dokumentationszentrum zu sehen sein. »Ausstellung und Begleitband«, schreibt Reiter, »führen eindrücklich vor Augen, dass rechtsextreme Ideologien und Gewalttaten nicht mit dem Unrechtsregime des Nationalsozialismus untergingen, sondern – in unterschiedlicher Intensität und unterschiedlichen Ausformungen – fortleben und die Geschichte der Bundesrepublik und des wiedervereinigten Deutschlands bis heute begleiten und mitprägen«. Mörderische Kontinuitäten weiterlesen »

Training für den Straßenterror

geschrieben von Janka Kluge

8. Februar 2018

Neue Gemeinsamkeiten zwischen gewaltbereiten Rechten

Auf den ersten Blick ist es um die Hooligans nach den Aufmärschen der Gruppe »Hooligans gegen Salafisten« (HoGeSa) im Herbst 2014 in Köln und Hannover ruhiger geworden. Das betrifft aber vor allem die Schlagzeilen der großen Zeitungen, in der Realität sind sie weiter aktiv. Der Journalist und Fanforscher Robert Claus hat jetzt in seinem Buch »Hooligans« die Entwicklung dieser Fanszene nachgezeichnet.

Bereits im Vorwort benennt er vier wichtige Entwicklungen der letzten Jahre. Zum einen geht der Alterungsprozess an niemanden vorbei, auch nicht an Fußballschlägern. Es gibt also inzwischen mehrere Generationen von Hooligans, die sich nicht nur durch ihr Alter unterscheiden, sondern auch in ihrem Verhältnis zur Gewalt. Viele der Älteren sind inzwischen bei Rockerclubs oder in der Türsteherszene aktiv. Hier können sie ihre Aggressionen und ihre Gewaltbereitschaft im Rahmen partiell krimineller Strukturen ausleben. Training für den Straßenterror weiterlesen »

Kein Schlussstrich

geschrieben von Axel Holz

8. Februar 2018

Fritz Bauer noch einmal live hören

Eine Audio-Veröffentlichung der Gespräche, Interviews und Reden aus Fernseharchiven von 1961 bis 1968 erinnert an den hessischen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer. Der Initiator der Frankfurter Auschwitzprozesse von 1963 bis 1965 war Sozialdemokrat, Antifaschist, zurückgekehrter Emigrant und ein kluger Jurist, der sich für ein demokratisches Deutschland ebenso leidenschaftlich einsetzte, wie für die gründliche Aufarbeitung der Nazi-Verbrechen und gegen die Schlussstrichmentalität seiner Zeit. Solch eine Kehrtwende im Umgang mit der Nazi-Vergangenheit musste sich in Deutschland erst mühselig durchsetzen, heute gehört sie zu den Grundpfeilern der Gedenkpolitik. Kein Schlussstrich weiterlesen »

Tiefpunkt der Aufarbeitung

geschrieben von Markus Roth

8. Februar 2018

Wie ein Rachedrama den NSU-Komplex verständlich machen will bleibt unklar

Wenn ein Film, der die Verbrechen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) zum Thema hat, von der Kritik gefeiert wird und nun auch in die engere Auswahl für den begehrten Filmpreis Oscar kommt, lohnt es sich genauer hinzuschauen. Fatih Akin, prominenter Regisseur des Jugendfilms »Tschick« (2016), hat mit »Aus dem Nichts« einen Selbstjustiz-Thriller vorgelegt, dessen internationale Aufmerksamkeit einerseits der Koproduktionsfirma Warner zu verdanken ist, wohl aber auch dem Umstand, dass dem Ausland mal (pop-)kulturell erklärt werden sollte, was da eigentlich bei den deutschen Sicherheitsorganen schiefgelaufen ist mit der NSU-Mordserie (2000-2007). Kein Wunder also, dass die deutsche Filmförderung auch 750.000 Euro zugeschossen hat. Seit Mai 2017 läuft der Film auf internationalen Festivals und ist seit Ende November auch in den deutschen Kinos zu sehen. Tiefpunkt der Aufarbeitung weiterlesen »

So einer ein Weltbürger?

geschrieben von Ernst Antoni

8. Februar 2018

An und mit Oskar Maria Graf immer wieder lernen

Ein halbes Jahr lang ist er 2017 so dagestanden. Überlebensgroß, in kurzer Lederhose mit Kniestrümpfen und Trachtenjanker, hat Oskar Maria Graf runtergeschaut und die Leute in den Blick genommen, die sich vor dem »Literaturhaus« in Münchens Innenstadt tummelten. Mit dem Fassaden-Foto wurde für die anlässlich seines 100. Todestages dort gezeigte Ausstellung über sein Leben und Werk geworben. Und ein bisschen auch für das zum »Literaturhaus« gehörende Lokal. Eine »Brasserie«, die sich seit geraumer Zeit dem Dichter zu Ehren »Oskar Maria« nennt und die unter anderem ihr eher edles Essgeschirr mit Graf-Zitaten dekoriert hat. So einer ein Weltbürger? weiterlesen »

Editorial

geschrieben von Regina Girod

13. Dezember 2017

Die Antifaschistin Silvia Gingold wird vom Verfassungsschutz bespitzelt und als »Linksextremistin« diffamiert und das Kasseler Verwaltungsgericht findet dieses Vorgehen rechtmäßig. Diesem politischen Skandal haben wir das Spezial unserer Ausgabe gewidmet (Seite 13-16), denn er zeigt deutlich, dass das alte Feindbild »kommunistischer Antifaschismus« in der Bundesrepublik Deutschland ungebrochen fortlebt. Angesichts einer besorgniserregenden Rechtsentwicklung, in der die AfD bereits auf allen Ebenen gegen eine imaginäre »Antifa« mobilisiert, ein fatales Zeichen. Doch solcher Art rechte Schulterschlüsse könnten zunehmen. In ihrem Beitrag auf Seite 3 konstatiert Cornelia Kerth: »Schon gibt es die ersten Kooperationen zwischen CDU und AfD: gemeinsam haben sie in Sachsen-Anhalt die Einrichtung einer Enquete-Kommission zum ›Linksextremismus‹ beschlossen.« Die VVN-BdA stellt sich dieser Entwicklung entschieden entgegen. Unter der Losung »Stoppt die AfD. Aufstehen gegen Rassismus. Unsere Alternative heißt Solidarität!« kämpft sie gemeinsam mit vielen Bündnispartnern gegen die Bedrohung der Demokratie. Unsere nächste öffentlichkeitswirksame Aktion findet aus Anlass des AfD-Bundesparteitags am 2. Dezember in Hannover statt.

Nicht nur in der Bundesrepublik, sondern europaweit und auch darüber hinaus verschieben sich im Augenblick die politischen Kräfteverhältnisse nach rechts. Den Rechtsruck in Österreich kommentiert unser Autor Gerald Netzl aus Wien(Seite 5).Doch es gibt auch Ermutigendes zu berichten. Am Jahrestreffen des zur VVN-BdA gehörenden Vereins »Kämpfer und Freunde der Spanischen Republik 1936 – 1939« nahmen Anfang Oktober in Berlin acht ausländische Delegationen teil. Ihre Vereine und Verbände haben sich, wie wir, der Bewahrung des Vermächtnisses antifaschistischer Kämpfe und seiner Nutzung für die demokratischen Bewegungen heute verschrieben. Auf den Seite 22 und 23 dokumentieren wir zwei Beiträge ausländischer Gäste und informieren auf Seite 31 über eine Ausstellung, die aus diesem Anlass von Graz nach Berlin geholt wurde.

 

Unser Titelbild

13. Dezember 2017

Demonstration gegen Rassismus und Hass im Bundestag, 22. Oktober, Berlin. Foto: Gabriele Senft

Demonstration gegen Rassismus und Hass im Bundestag, 22. Oktober, Berlin. Foto: Gabriele Senft

Demonstration gegen Rassismus und Hass im Bundestag, 22. Oktober, Berlin. Foto: Gabriele Senft

Offensiv untergründig

geschrieben von Ernst Antoni

10. Dezember 2017

Flotter Geheimdienst-Dreier vor Bundestags-Kontrollgremium

Es mag einmal eine gute Idee gewesen sein, die Chefs der drei deutschen Geheimdienste im Oktober gemeinsam vor dem zuständigen Parlamentarischen Kontrollgremium antreten zu lassen. Öffentlich, genauer: »medienöffentlich«. Die Zielvorstellung hieß »Mehr Transparenz«.

Die Tätigkeit eines bislang geheim tagenden, für Geheimdienste zuständigen Parlaments-Ausschusses sollte ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt werden. Dies ließen sich die geladenen Vertreter von Verfassungsschutz (VS), Bundesnachrichtendienst (BND) und Militärischem Abschirmdienst (MAD) nicht zweimal sagen und machten sich an die Präsentation ihres sonst untergründigen Wirkens.

Eigentlich ging es ja um eine, die jeweiligen Dienste seit langem begleitende, mal singuläre, mal gemeinsame Skandalgeschichte. Nicht immer, aber sehr oft bei Sachverhalten, die mit der NS-Vergangenheit, mit Kontinuitäten und neofaschistischen Entwicklungen bis heute zu tun haben. Mit Übergriffen auf Grund- und Individualrechte, Bespitzelungen, Überwachungen, Abhöraktionen, V-Leute-Einsätze…Und, immer wieder um den eigentümlich verschleierten Blick nach rechts und den umso schärferen auf alles von den Diensten als »linksextremistisch« definierte.

Es hätte eine spannende Anhörung werden können. Kritische Abgeordnete – der bis zum Ende seiner Parlamentszeit kontinuierlich an den Themen bleibende Grüne Christian Ströbele etwa oder, soweit sich für sie überhaupt Möglichkeiten ergaben, »Linken«-Parlamentarier – hatten es schwer. Während sich die Geheimdienst-Vertreter ganz offen »untergründig« präsentierten, »Peinlichkeiten« (meist ultrarechte Vorfälle und Verflechtungen betreffend) durchaus zugaben und formal bedauerten, um daraufhin noch mehr Geld, noch mehr Personal und noch mehr unkontrollierte »Geheimhaltung« zu fordern.

Österreich hat gewählt

geschrieben von Gerald Netzl, Wien

10. Dezember 2017

Und die Rechte wurde gestärkt

Das Ergebnis der Nationalratswahl am 15. Oktober 2017 brachte einen Gewinn der politischen Rechten und einen Verlust der politischen Linken. Die ÖVP ging mit einem Wahlprogramm in den Kampf, das kaum noch an den ursprünglichen katholischen Grundwerten dieser Partei orientiert war, dafür umso stärker an das Programm der rechtspopulistischen FPÖ erinnerte. Das war gut kalkuliert: 38 % der ÖsterreicherInnen halten den Komplex »Zuwanderung, Asyl und Migration« für das relevanteste Thema, um das sich die nächste Regierung kümmern müsse (abgeschlagen auf Platz 2 mit 18 % die Bildung). Man darf unter »kümmern müssen« eine restriktive Handhabung verstehen. ÖVP-Spitzenkandidat, der 31-jährige Außenminister Sebastian Kurz, hatte die besten Umfragewerte aller Regierungsmitglieder. Ähnlich Emmanuel Macron hat sich Kurz sonst inhaltlich kaum positioniert und präsentierte sich als »über den Dingen schwebend«. Noch Mitte 2016 lag die Volkspartei in Umfragen bei 20 %, die FPÖ hingegen bei bis zu 34 (!) %. Kurz darf sich berechtigt als persönlichen Sieger sehen dem es gelang, die Mitbewerber mit deutlichem Abstand auf die Plätze zu verweisen.

Der Österreicher ist ein zwiespältiges Wesen: Er hat den Wunsch nach neuen Gesichtern, nach neuer Politik, nach Veränderungen. Jedoch soll sich bei ihm selbst möglichst wenig ändern, dafür halt bei den anderen…

Der SPÖ-Wahlkampf wird mit »Pleiten, Pech und Pannen« am besten beschrieben (nachzulesen als »Affäre Silberstein«), sodass das Halten des Ergebnisses von 2013 und das Erreichen des 2. Platzes fast wie ein Wunder erscheint. Kanzler Christian Kern war (ebenfalls!) ein attraktiver Spitzenkandidat. Die SPÖ hat laut Wählerstromanalysen wieder kräftig an die FPÖ verloren, aber in gleich hohem Ausmaß von den Grünen gewonnen. Zu Recht wird die Sozialdemokratie als Bewahrerin des Wohlfahrtsstaates gesehen und wurde von vielen dafür und für ihre bisherige klare abgrenzende Haltung gegenüber der FPÖ gewählt. Wo, abgesehen von Großbritannien, hat eine sozialdemokratische Partei zuletzt NICHT verloren?

Die Grünen sind DER Verlierer der Wahl. Nach 31 Jahren im Nationalrat fliegen sie raus. Ermüdungs- und Abnutzungserscheinungen sowie massive interne Konflikte führten zum Antritt des Grünen-Abgeordneten Peter Pilz mit einer eigenen konkurrierenden Liste. Die Partei NEOS (= »Neues Österreich«, wobei »Neoliberale« ehrlicher wäre) hat ihr Ergebnis gehalten.

Es werden spannende Koalitionsverhandlungen – abseits der inhaltlichen Überschneidungen gibt es doch auch Wunden, die der schmutzige Wahlkampf geschlagen hat, sowie tiefsitzende Ressentiments unter den Entscheidungsträgern (hier bewusst nur die männliche Form). Unmittelbar nach der Wahl 2013 wünschten sich die WählerInnen laut Umfrage eine SPÖ-ÖVP-Koalition, 2017 eine ÖVP-FPÖ-Koalition – die wird wohl auch kommen.

 

Nazialarm im Bundestag

geschrieben von Cornelia Kerth

10. Dezember 2017

Erste Kooperationen mit der AfD in Landtagen

12.000 Menschen demonstrierten am 22. Oktober rund um den Bundestag, einige Hundert direkt davor zur ersten Sitzung des neuen Parlaments gegen die AfD. 12,6 Prozent der Wähler haben sie gewählt. Noch am Wahlabend hat Spitzenkandidat Gauland allen anderen – den 87,4 Prozent, die andere Parteien gewählt haben, den 25 Prozent, die nicht gewählt haben und den vielen, die nicht wählen durften – gedroht: »Wir holen uns unser Land zurück und wir holen uns unser Volk zurück«. Er spricht es nie offen aus, aber das »Zurück« verortet das handelnde »Wir« ganz deutlich in der deutschen Vergangenheit.

94 Sitze hat die AfD gewonnen, 92 Abgeordnete bilden ihre Fraktion. Die »Abtrünnigen« haben für das gleiche Programm kandidiert. Gewählt haben ihre Wählerinnen sie nicht trotz Höcke, sondern auch wegen ihm und wegen all der extrem rechten Positionen und Provokationen, die im Wahlkampf öffentlich wurden. Wie sonst wäre zu erklären, dass ihr Stimmenanteil sich seit ihrem Kölner Parteitag, bei dem Frau Petri und ihre angeblich gemäßigten Anhänger völlig isoliert waren, stetig nach oben entwickelt hat?

Gerd Wiegel, Referent der Linksfraktion im Bundestag, hat die neuen Abgeordneten aufgelistet und die verfügbaren Informationen ausgewertet. Bei 30 von ihnen ist eine politische Einschätzung bisher nicht möglich, vorläufig 40 rechnet er der »Parteirechten« zu.

Darunter der Vorsitzende der Jungen Alternative, Markus Frohnmaier (»Wenn wir kommen, wird aufgeräumt«), der Freiburger Staatsanwalt Thomas Seitz, der SPD, Grüne und Linke als »Verräterbande« und Geflüchtete als »Invasoren« bezeichnet, der Berliner Naturwissenschaftler Gottfried Curion, der von »Geburten-Djihad« spricht und die »Entheimatung« der Deutschen halluziniert und Siegbert Dröse aus Sachsen, dessen PKW das Kennzeichen »L-AH 1818« trägt.

Der älteste Abgeordnete des Bundestags, der traditionell die erste Sitzung eröffnet hätte, zitierte die Aussage des italienischen Neofaschisten Mario Consoli, der Holocaust müsse »ein Mythos bleiben, ein Dogma, das jeder freien Geschichtsforschung entzogen bliebt und als Vize-Präsidenten schlug die AfD mit Albrecht Glaser einen Kandidaten vor, der Muslimen das Grundrecht auf freie Religionsausübung entziehen will. Dass Glaser in drei Wahlgängen nicht gewählt wurde, trug der Fraktionsvorsitzenden eine Einladung in die Tagesthemen ein, in der sie über Demokratie, Grundgesetz und den Islam dozieren durfte. Das lässt erahnen, dass auch nach den Wahlen Medienpräsenz und Themen der AfD gesichert bleiben.

Ganz sicher ist, dass 94 Abgeordnete rund 400 Mitarbeiterinnen in Bundestags- und Wahlkreisbüros einstellen werden. Angesichts der geringen Dichte an eigenem Personal, dürften diese zu einem erheblichen Teil der alten und der »neuen« Rechten entstammen, dem Umkreis der »Jungen Freiheit« und der Sezession, den Identitären und verschiedenen Burschenschaften. Wir wissen, welche Macht, die »Deutsche Stimme« im Verbund mit der sächsischen Landtagsfraktion der NPD und ihren Mitarbeitern in Sachsen entfalten konnte. Nicht zufällig hat die AfD dort und ganz besonders in der Sächsischen Schweiz ihre besten Ergebnisse erzielt.

Kaum weniger als 500 aus Steuergeldern bezahlte Nazis und ihnen Nahstehende werden in den nächsten vier Jahren versuchen, ihren Einfluss in Deutschland zu vergrößern. Es ist unser Auftrag, das zu verhindern.

Dabei können wir nicht bei der AfD stehen bleiben. Breiter Protest gegen die extreme Rechte im Land muss auch die in die Verantwortung nehmen, die ihnen den Weg bereitet und rassistische Diskurse gesellschaftsfähig gemacht haben: Die hessische CDU mit ihrer Kampagne gegen die doppelte Staatsbürgerschaft, Thilo Sarrazin mit »Deutschland schafft sich ab«, die SPD, die ihn nicht ausgeschlossen hat und die Medien, die das Machwerk zum Bestseller gemacht haben. Breiter Protest muss auch gegen die gerichtet werden, die im Windschatten der AfD nach rechts außen streben, wie die CSU, die eine angeblich »rechts offene Flanke schließen« will. Schon gibt es die ersten Kooperationen zwischen CDU und AfD: gemeinsam haben sie in Sachsen-Anhalt die Einrichtung einer Enquete-Kommission zum »Linksextremismus« beschlossen.

Die AfD zu isolieren bedeutet auch Kritik an jenen, die glauben, Wähler und Wählerinnen zurückzugewinnen, indem sie Themen und Haltungen von rechts übernehmen oder nach rechts korrigieren, von »Obergrenze« bis »man habe sich die Haltung zu den Flüchtlingen zu einfach gemacht.« Nicht der Aufruf des »dienstältesten« Abgeordneten Solms (FDP) auf Ausgrenzung und Stigmatisierung zu verzichten, darf die nächsten vier Jahre bestimmen, sondern der Appell, den »Aufstehen gegen Rassismus« an alle neugewählten Abgeordneten gerichtet hat: Keine Zusammenarbeit mit der AfD!

Das wollen wir gemeinsam mit vielen Bündnispartnern noch einmal deutlich machen, wenn die AfD beim Bundesparteitag am 2. Dezember in Hannover ihren Einzug ins Parlament feiern und Björn Höcke in den Bundesvorstand wählen will: Stoppt die AfD. Aufstehen gegen Rassismus. Unsere Alternative heißt Solidarität

 

Stolz auf die »Leistungen der deutschen Soldaten in zwei Weltkriegen«, Deutschland als »Marionetten«-Staat, »Siegermächte« und Araber und Sinti und Roma als »kulturfremde Völker« – solche Äußerungen des Spitzenpersonals gingen breit durch Medien. Die Wähler und Wählerinnen hat es zumindest nicht gestört. Auch »Protest« hat eine Richtung.

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