Wer wurde geehrt?

geschrieben von Ulrich Schneider

8. Februar 2018

Briefmarken als Spiegel offizieller Geschichtsbilder

Im Herbst 2017 erlebten Freunde schöner Briefmarken eine echte Überraschung – zwei Sonderbriefmarken für den ehemaligen Buchenwald-Häftling Walter Krämer. Herausgegeben wurden diese Marken im Nennwert von 0,70 € (Normalbrief) von der Kreisvereinigung Siegen-Wittgenstein der VVN-BdA als Reaktion auf die Entscheidung einer regionalen Abstimmung über den »bedeutendsten Siegen-Wittgensteiner«. Gewonnen hatte bei dieser Presseabstimmung mit einer überzeugenden Mehrheit Walter Krämer. Im Rahmen des Angebotes »Briefmarke Individuell« der Deutsche Post entwickelte die Kreisvereinigung die beiden Marken, die jetzt zum Blockpreis von 20,00 € vertrieben werden. Das Interesse – nicht allein in der Region – an diesen Briefmarken ist groß. Wer wurde geehrt? weiterlesen »

Putins Söldner?

geschrieben von Thomas Willms

8. Februar 2018

Russische Politik und die extreme Rechte in Europa

Die auffällige Nähe des russischen Staates zu diversen extrem rechten Akteuren in Westeuropa ist in den letzten Jahren immer deutlicher geworden und bedurfte dringend der Analyse. Der in Österreich forschende Anton Shekhovtsov hat nun die erste Gesamtdarstellung des Themenkomplexes vorgelegt. Das Ergebnis ist erschöpfend detailliert, methodisch vielfältig, politikwissenschaftlich faszinierend und politisch desillusionierend. Alles bearbeiten konnte der vielsprachige Autor trotzdem nicht. So hätte man gern ein eigenes Kapitel zu Alexander Dugin, dem russischen Lieblingsideologen deutscher Neonazis gelesen oder mehr zum Verhältnis von Jürgen Elsässers »Compact« zur in Paris ansässigen russischen Stiftung »Institut de la Democratie et de la Cooperation« erfahren, ganz zu schweigen von den Auftritten von AfD-Politikern und anderen deutschen Rechten im Donbass. Das Werk enthält selbst in seinen Nebenaspekten Erschütterndes. So erfährt man, dass sich der russische Auslandssender »Voice of Russia« in den 90ern Jahren nicht zu schade dafür war, dem berufsmäßigen Auschwitzleugner Ernst Zündel eine eigene Sendereihe einzurichten. Putins Söldner? weiterlesen »

Kein Frieden in Jerusalem

geschrieben von Heinrich Fink

8. Februar 2018

Erinnerung an 70 Jahre Nakba

Der württembergische »Verein zur Unterstützung palästinensischer Kinder« hat bereits vor zehn Jahren zum Kennenlernen der Situation des palästinensischen Volkes eine Wanderausstellung gestaltet, in der die Flucht und Vertreibung der Palästinenser gezeigt wird, die 1948 mit der Gründung des Staates Israel begann. Sie erschien wie eine Widergeburt nach zweitausendjährigem Exil der Juden. Für die Palästinenser aber wurde sie zu einer Zeit der Verfolgung, sie wurden Flüchtlinge im eigenen Land. Um den durch Hitlerdeutschland verfolgten Juden in Palästina eine Heimat zu geben, wurde dort neues Unrecht geschaffen. Dies war eine Katastrophe, die die Palästinenser mit dem arabischen Begriff »Nakba« bezeichnen. Mit seiner Ausstellung wollte der Verein zum Frieden durch Aufklärung der Geschichte im Nahen Osten beitragen. Kurz und bündig werden von den Autoren die Wurzeln des Palästinaproblems aufgezeigt. Kein Frieden in Jerusalem weiterlesen »

Mörderische Kontinuitäten

geschrieben von Ernst Antoni

8. Februar 2018

Ausstellung »Nie wieder. Schon wieder. Immer noch« in München

»Das Klima in Deutschland hat sich verändert. Die Grenzen des Sagbaren haben sich verschoben, extrem rechtes Gedankengut ist bis in die Mitte der Gesellschaft vorgedrungen.« So der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München, Dieter Reiter (SPD), in seinem Geleitwort zu Ausstellung und Katalog »Nie wieder. Schon wieder. Immer noch. Rechtsextremismus in Deutschland seit 1945«.

Ende November vergangenen Jahres eröffnet, wird die materialreiche Sonderausstellung noch bis zum 2. April 2018 als Ergänzung der ständigen Ausstellung über die Vor- und Frühgeschichte des NS-Regimes und dessen massenmörderische Praxis im Münchner NS-Dokumentationszentrum zu sehen sein. »Ausstellung und Begleitband«, schreibt Reiter, »führen eindrücklich vor Augen, dass rechtsextreme Ideologien und Gewalttaten nicht mit dem Unrechtsregime des Nationalsozialismus untergingen, sondern – in unterschiedlicher Intensität und unterschiedlichen Ausformungen – fortleben und die Geschichte der Bundesrepublik und des wiedervereinigten Deutschlands bis heute begleiten und mitprägen«. Mörderische Kontinuitäten weiterlesen »

Training für den Straßenterror

geschrieben von Janka Kluge

8. Februar 2018

Neue Gemeinsamkeiten zwischen gewaltbereiten Rechten

Auf den ersten Blick ist es um die Hooligans nach den Aufmärschen der Gruppe »Hooligans gegen Salafisten« (HoGeSa) im Herbst 2014 in Köln und Hannover ruhiger geworden. Das betrifft aber vor allem die Schlagzeilen der großen Zeitungen, in der Realität sind sie weiter aktiv. Der Journalist und Fanforscher Robert Claus hat jetzt in seinem Buch »Hooligans« die Entwicklung dieser Fanszene nachgezeichnet.

Bereits im Vorwort benennt er vier wichtige Entwicklungen der letzten Jahre. Zum einen geht der Alterungsprozess an niemanden vorbei, auch nicht an Fußballschlägern. Es gibt also inzwischen mehrere Generationen von Hooligans, die sich nicht nur durch ihr Alter unterscheiden, sondern auch in ihrem Verhältnis zur Gewalt. Viele der Älteren sind inzwischen bei Rockerclubs oder in der Türsteherszene aktiv. Hier können sie ihre Aggressionen und ihre Gewaltbereitschaft im Rahmen partiell krimineller Strukturen ausleben. Training für den Straßenterror weiterlesen »

Kein Schlussstrich

geschrieben von Axel Holz

8. Februar 2018

Fritz Bauer noch einmal live hören

Eine Audio-Veröffentlichung der Gespräche, Interviews und Reden aus Fernseharchiven von 1961 bis 1968 erinnert an den hessischen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer. Der Initiator der Frankfurter Auschwitzprozesse von 1963 bis 1965 war Sozialdemokrat, Antifaschist, zurückgekehrter Emigrant und ein kluger Jurist, der sich für ein demokratisches Deutschland ebenso leidenschaftlich einsetzte, wie für die gründliche Aufarbeitung der Nazi-Verbrechen und gegen die Schlussstrichmentalität seiner Zeit. Solch eine Kehrtwende im Umgang mit der Nazi-Vergangenheit musste sich in Deutschland erst mühselig durchsetzen, heute gehört sie zu den Grundpfeilern der Gedenkpolitik. Kein Schlussstrich weiterlesen »

Tiefpunkt der Aufarbeitung

geschrieben von Markus Roth

8. Februar 2018

Wie ein Rachedrama den NSU-Komplex verständlich machen will bleibt unklar

Wenn ein Film, der die Verbrechen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) zum Thema hat, von der Kritik gefeiert wird und nun auch in die engere Auswahl für den begehrten Filmpreis Oscar kommt, lohnt es sich genauer hinzuschauen. Fatih Akin, prominenter Regisseur des Jugendfilms »Tschick« (2016), hat mit »Aus dem Nichts« einen Selbstjustiz-Thriller vorgelegt, dessen internationale Aufmerksamkeit einerseits der Koproduktionsfirma Warner zu verdanken ist, wohl aber auch dem Umstand, dass dem Ausland mal (pop-)kulturell erklärt werden sollte, was da eigentlich bei den deutschen Sicherheitsorganen schiefgelaufen ist mit der NSU-Mordserie (2000-2007). Kein Wunder also, dass die deutsche Filmförderung auch 750.000 Euro zugeschossen hat. Seit Mai 2017 läuft der Film auf internationalen Festivals und ist seit Ende November auch in den deutschen Kinos zu sehen. Tiefpunkt der Aufarbeitung weiterlesen »

So einer ein Weltbürger?

geschrieben von Ernst Antoni

8. Februar 2018

An und mit Oskar Maria Graf immer wieder lernen

Ein halbes Jahr lang ist er 2017 so dagestanden. Überlebensgroß, in kurzer Lederhose mit Kniestrümpfen und Trachtenjanker, hat Oskar Maria Graf runtergeschaut und die Leute in den Blick genommen, die sich vor dem »Literaturhaus« in Münchens Innenstadt tummelten. Mit dem Fassaden-Foto wurde für die anlässlich seines 100. Todestages dort gezeigte Ausstellung über sein Leben und Werk geworben. Und ein bisschen auch für das zum »Literaturhaus« gehörende Lokal. Eine »Brasserie«, die sich seit geraumer Zeit dem Dichter zu Ehren »Oskar Maria« nennt und die unter anderem ihr eher edles Essgeschirr mit Graf-Zitaten dekoriert hat. So einer ein Weltbürger? weiterlesen »

Editorial

geschrieben von Regina Girod

13. Dezember 2017

Die Antifaschistin Silvia Gingold wird vom Verfassungsschutz bespitzelt und als »Linksextremistin« diffamiert und das Kasseler Verwaltungsgericht findet dieses Vorgehen rechtmäßig. Diesem politischen Skandal haben wir das Spezial unserer Ausgabe gewidmet (Seite 13-16), denn er zeigt deutlich, dass das alte Feindbild »kommunistischer Antifaschismus« in der Bundesrepublik Deutschland ungebrochen fortlebt. Angesichts einer besorgniserregenden Rechtsentwicklung, in der die AfD bereits auf allen Ebenen gegen eine imaginäre »Antifa« mobilisiert, ein fatales Zeichen. Doch solcher Art rechte Schulterschlüsse könnten zunehmen. In ihrem Beitrag auf Seite 3 konstatiert Cornelia Kerth: »Schon gibt es die ersten Kooperationen zwischen CDU und AfD: gemeinsam haben sie in Sachsen-Anhalt die Einrichtung einer Enquete-Kommission zum ›Linksextremismus‹ beschlossen.« Die VVN-BdA stellt sich dieser Entwicklung entschieden entgegen. Unter der Losung »Stoppt die AfD. Aufstehen gegen Rassismus. Unsere Alternative heißt Solidarität!« kämpft sie gemeinsam mit vielen Bündnispartnern gegen die Bedrohung der Demokratie. Unsere nächste öffentlichkeitswirksame Aktion findet aus Anlass des AfD-Bundesparteitags am 2. Dezember in Hannover statt.

Nicht nur in der Bundesrepublik, sondern europaweit und auch darüber hinaus verschieben sich im Augenblick die politischen Kräfteverhältnisse nach rechts. Den Rechtsruck in Österreich kommentiert unser Autor Gerald Netzl aus Wien(Seite 5).Doch es gibt auch Ermutigendes zu berichten. Am Jahrestreffen des zur VVN-BdA gehörenden Vereins »Kämpfer und Freunde der Spanischen Republik 1936 – 1939« nahmen Anfang Oktober in Berlin acht ausländische Delegationen teil. Ihre Vereine und Verbände haben sich, wie wir, der Bewahrung des Vermächtnisses antifaschistischer Kämpfe und seiner Nutzung für die demokratischen Bewegungen heute verschrieben. Auf den Seite 22 und 23 dokumentieren wir zwei Beiträge ausländischer Gäste und informieren auf Seite 31 über eine Ausstellung, die aus diesem Anlass von Graz nach Berlin geholt wurde.

 

Unser Titelbild

13. Dezember 2017

Demonstration gegen Rassismus und Hass im Bundestag, 22. Oktober, Berlin. Foto: Gabriele Senft

Demonstration gegen Rassismus und Hass im Bundestag, 22. Oktober, Berlin. Foto: Gabriele Senft

Demonstration gegen Rassismus und Hass im Bundestag, 22. Oktober, Berlin. Foto: Gabriele Senft

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