Tagebuch-Aufzeichnungen von 1939 bis 1945
1970 verstarb ein Mann, der als Justizinspektor in der oberhessischen Kleinstadt Laubach 1939 bis 1945 Tagebuch führte. Der Sozialdemokrat Friedrich Kellner macht in seinen Aufzeichnungen deutlich, wieviel ein durchschnittlicher Deutscher während des Krieges darüber wissen konnte, was geschah. Seinem Enkel Robert Martin Scott Kellner ist es zu verdanken, dass diese Aufzeichnungen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden. Darüber hinaus befragte er selbst Ende der 60er Jahre in Kenntnis der Tagebücher Zeitzeugen in Hessen. Es gelang ihm nach Jahren, die verschollen geglaubten ersten Aufzeichnungen zu erhalten, die ein Freund seines Großvaters aufbewahrt hatte.
Dieser verließ 1934 Mainz, wo er sich als Justiz-inspektor nicht mehr sicher glaubte, und ließ sich in die tiefste Provinz versetzen. Zehn Tagebücher enthalten Hunderte Berichte, Schlagzeilen, Fotos, Karikaturen, Ausschnitte von Tages- oder Wochenzeitungen, die er sorgfältig ausschnitt, einklebte und kommentierte. Phrasen und dreisten Lügen faschistischer Amtsträger begegnete er mit klassischen Zitaten. Mehr noch, er deckte Widersprüche in den Aussagen über einen größeren Zeitraum auf. Als im August 1942 von Judendeportationen die Rede war, fragte er sich nach dem Wohin. Er zeichnete auf, was Soldaten auf Heimaturlaub über Mordgräuel im Osten berichteten. Bis zuletzt hoffte er auf Einsicht der Generäle, dass die Lage aussichtslos war. Den Abschluss der Aufzeichnungen bildet der Bericht eines KZ-Überlebenden.































