Reportagelieder

geschrieben von Das Gespräch führte Jürgen Gechter

5. September 2013

Gespräch mit Bernd Köhler, alias »Schlauch«

März-April 2007

Es wird im Frühjahr eine neue CD mit Liedern von Schlauch geben, die in den letzten Jahren entstanden sind. Mit dabei sind der Gitarrist Hans Reffert, Laurent Bürkle aus dem Elsass mit seinem Akkordeon und Christiane Schmied, die von der elektronischen Musik her kommt. Buchen kann man die Gruppe unter dem Namen: »das kleine elektronische Weltorchester« (ewo2)

Mehr Infos unter: www.ewo2.de

antifa: Um Bernd Köhler alias »Schlauch«, den kämpferischen Liedermacher aus Mannheim, war es lange Zeit still geworden. Jetzt ist im letzten Jahr bei JumpUp die CD »Schlauch live«, ein Mitschnitt aus dem Jahr 1989, herausgekommen. Davor eine Single, die du zusammen mit Kolleginnen und Kollegen von Alstom-Mannheim aufgenommen hast. Was hat dich bewogen wieder auf den Plan zu treten?

Bernd Köhler: Es ging mir wie vielen aus der Zunft. Die einschneidenden Veränderungen Ende der 80er-Jahre waren auch einschneidend für das Liederschreiben und -singen, auch eine Variante von Degenhardts »Zwischentöne sind nur Krampf im Klassenkampf«. Es kann Situationen geben, in denen es komisch wird, als ewiger Mutmacher daherzukommen, wo man einfach nichts mehr sagen will und kann, auch wenn einem viel durch den Kopf geht. Kurz, ich habe ein rundes Jahrzehnt zur Reflexion gebraucht. Den Liedermacher haben dann die Kolleginnen und Kollegen vom Turbinenbauer Alstom in Mannheim herausgefordert – eine tolle, motivierende Truppe, der ich 2003 für ihren Kampf um die Arbeitsplätze das »Résistance-Lied« geschrieben habe.

antifa: Auf deiner authentischen und lebendigen Live-CD singst du unter anderem vom Kampf gegen das AKW in Brokdorf, von Nicaragua oder zu den Stahlarbeiterstreiks im Ruhrgebiet. Warst du überall vor Ort?

Köhler: Es war mein Prinzip, über das zu singen und zu berichten, was ich selbst gelebt oder erlebt hatte. Zeitnah, aktuell, Reportagelieder sozusagen. Da musst du schon bei Aktionen vorn mit dabei gewesen sein oder bei Streiks. Aber es gab auch Geschichten, die ich nur vom Hörensagen, aus Filmen oder Büchern kannte, die mich aber so bewegten, als wäre ich dabei gewesen.

So war der Ausgangspunkt für das Nicaragualied ein kurzer Filmstreifen, auf dem durch das Auge des Kameramanns der für ihn tödliche Schuss eines Nationalgardisten festgehalten wurde. Titel des Liedes, das musikalisch fast atonal daherkommt: »Der Film reißt ab«.

antifa: Und was haben uns diese doch etwas angestaubten Lieder heute noch zu sagen?

Köhler: Nun ja, es sind erzählte Geschichten und Geschichte, in denen sich vor allem Haltungen vermitteln und das hat ja doch eine zeitlose Komponente. Und viele der Themen sind heute fast aktueller als damals. Außerdem sind einige Lieder durch die Instrumentierung und die Arrangements von Hans Reffert und Barbara Lahr auch musikalisch ein echter Hammer.

antifa: Du bist Mitglied der VVN-BdA. Warum?

Köhler: Mitglied der VVN wurde ich, wie viele aus meiner Generation, über die Auseinandersetzung mit der Zeit des Hitlerfaschismus. Es waren ja unsere Eltern, die den Weg in den Faschismus und in den Weltkrieg mitgemacht hatten und die Erinnerungen an diese »große Zeit« bestimmten bei uns so manche Familienfeier. Ende der 60er-Jahre war es dann die rebellische Studentenbewegung, bzw. die APO, die den radikalen Bruch mit dieser Vergangenheit herausgefordert hat. Wir entdeckten plötzlich, dass es neben den mystifizierten Kriegshelden und -geschichten auch Leute gab, die den Mut hatten, sich dem Terror der Nazis entgegenzustellen. Die für ihre Überzeugung verfolgt, eingesperrt und umgebracht wurden. Die VVN war ihre Organisation und in deren Tradition sah ich mich mit meinen Ansichten und Absichten.

antifa: Einer deiner Songs auf der CD trägt den Untertitel »Nazis raus aus unserer Stadt«. Dieser Slogan ist in den letzten Jahren immer weiter verdrängt worden. Ist er vielleicht nicht mehr zeitgemäß?

Köhler: Aus Erfahrung weiß ich, dass der Slogan, wenn es hart auf hart kommt, z.B. bei Blokadeaktionen, stimmig und aktuell ist. Vergleichbar mit dem witzigeren »Nazis verpisst euch, keiner vermisst euch«. Das Lied hat im übrigen den Titel »Gute Tradition« und erzählt die Geschichte des antifaschistischen Widerstandes in meiner Heimatstadt bis zu den Mannheimer Interbrigadisten, die in Spanien gefallen sind.

antifa: Du bist auch Grafiker und hast für die VVN-BdA das Logo zur Forderung nach einem NPD-Verbot entwickelt. Wie stehst du selbst zu dieser Forderung?

Köhler: Ich finde die Forderung uneingeschränkt richtig. Die NPD ist die wichtigste Sammelbewegung im rechtsextremen Spektrum und sieht sich, auch wenn sie das nicht offen benennt, in der Nachfolge des Dritten Reichs. Man muss nur einige NPD-Demos erlebt haben, dann kennt man den wahren Charakter dieser Partei. Und sie dockt mit ihrer Hetze gegen Juden, Ausländer oder Behinderte am dumpfesten nationalen Sumpf an. Diesem Einfluss muss konsequent entgegen getreten werden, das ist die im Grundgesetz verankerte Lehre aus der Zeit des Hitlerfaschismus. Und der Staat ist verpflichtet dem Grundgesetz in diesem Sinne Geltung zu verschaffen, mit all seinen Möglichkeiten und der ganzen Wucht seines Staatsapparats. Wozu er da fähig ist, hat er gegenüber uns Antifaschisten oder Linken ja nur zu oft und spürbar bewiesen.

Kein schlechter Anfang

geschrieben von Dr. Seltsam

5. September 2013

Dr. Seltsam besuchte für uns die Berlinale

März-April 2007

Das Jahr als meine Eltern im Urlaub waren

Originaltitel: O Ano em que Meus Pais Saíram de Férias

Produktionsland: Brasilien

Erscheinungsjahr: 2006

Länge (PAL-DVD): 104 Minuten

Originalsprache: portugiesisch, jiddisch

Selten hatte das Berliner Filmfest solch viel versprechenden Anfang. Die Filme der ersten beiden Tage beschäftigten sich auf ganz unterschiedliche Weise mit dem Thema Faschismus. Durch diese kleine Überforderung bekam man einen Begriff davon, wie vielfältig und interessant die Medienwelt unter dem Diktat eines »verordneten Antifaschismus« sein könnte oder wie angenehm, falls Antifaschismus eine selbstverständliche Grundhaltung von Medienschaffenden wäre.

Edith Piaf war nicht nur eine wunderbare Schnulzensängerin und Chansonnette, sondern hielt auch unter dem Einfluss ihrer Freundin Marlene Dietrich Kontakt zur Résistance. Genauso wenig wie Picasso in Paris unter deutscher Besatzung verboten war, wurden auch die populären Piaf-Konzerte von der Gestapo geduldet. Sie wurde sogar gefragt, ob sie für die Bewacher in einem Gefangenenlager singen würde. Die Piaf entsprach diesem wahrhaft unsittlichen Antrag, brachte aber ihren Fotografen mit, der viele deutliche Fotos von den Gefangenengesichtern machte.

Die nutzten Angehörige der Résistance dann für falsche Ausweise, die den Genossen zur Flucht verhalfen. Eine Heldentat, für die sich ein Deutscher in den Himmel loben würde, in Frankreich erschien sie so klein und normal, dass die Piaf sie später nicht einmal einer Erwähnung für wert befand. So taucht diese bemerkenswerte Szene in dem Eröffnungsfilm »La Mome« oder »La vie en rose« von Olivier Dahan mit der kongenialen Sängerin Marion Cotillard und Gerard Depardieu auch gar nicht auf. Wir aber wissen davon und sehen diesen tränenseligen Musikfilm daher mit ganz anderen Augen.

Dann die Überraschung! Ich hasse Fußballfilme, dieses blöde Hinterherlaufen hinter dem Lederbalg, nur um der eigenen Nation Lustschreie zu entlocken, ist für mich gerade nach den beiden deutschen Versionen Bern 1954 und Sönke Wortmanns WM-Film eine Vorstufe rassistischer Hetze. Das widerliche Fahnenschwenken gar ein Rückfall in grinsende Barbarei. Aber dann im Gegenteil dieser Film: »o ano em que meus pais sairam de ferias«, zu deutsch: »Das Jahr, als meine Eltern im Urlaub« waren von Cao Hamburger aus Brasilien. Der Film schildert aus der Sicht eines neunjährigen Jungen, der natürlich nichts als Fußball im Kopf hat und Torwart werden will, den Faschismus unter der brasilianischen Militärdiktatur im Jahre 1970, als Brasilien mit Pelé in Mexiko Fußballweltmeister wurde.

Die Eltern des Jungen sind Kommunisten im Widerstand und müssen sich verstecken. Das mussten viele Eltern damals und der Euphemismus, mit dem man die Kinder zu beruhigen versuchte, hieß: Die Eltern sind in Ferien. Er kommt zu seinem Großvater inmitten der Tausende von deutschen Emigranten umfassenden jüdischen Gemeinde in Sao Paolo, wo es ebenfalls zum guten Ton gehört und ganz selbstverständlich ist, gegen den deutschen Faschismus Widerstand geleistet zu haben. So wie man jetzt auch Solidarität mit den kommunistischen Studenten übt, wenn sie von der Polizei mit Pferden niedergeritten oder gefoltert werden. Neben vielem anderen ist dies das Angenehme dieses Films: Die Selbstverständlichkeit, mit der man als anständiger Mensch Antifaschist ist, eine wohltuende Grundhaltung nach den ganzen Problemfilmen des Deutschen Fernsehens, in denen die Protagonistinnen lange moralische Kämpfe führen, ob sie nun dem »Dämon Hitler« erliegen sollen oder nicht.

Hinreißende Szene, wie die alten Juden auf jiddisch über Pelé debattieren und ihrer neuen Heimat Brasilien die Daumen drücken. Im Unterschied zu den aufwändigen Rekonstruktionen der deutschen Fußballfilme sind die Sportszenen ganz einfach als Fernsehbild eingebaut und dennoch aufregend, nämlich durch die Zuschauerreaktion.

Das erste Spiel der Brasilianer geht gegen die CSSR und das erste Tor fällt für den Osten: Ein kommunistischer Student ist in der Kneipenrunde der einzige, der sich linientreu freut: Hurra, ein Sieg für den Sozialismus! Aber als dann Pelé trifft, verwandelt er sich in den wildesten Brasilienfan von allen. Das ist herzerfrischend undogmatisch und lebensecht. Und am Ende rettet er sich vor der Polizei. Ein schöner Film, besonders wegen der sympatischen Darstellung der jüdischen Menschen und von daher in jeder Hinsicht geeignet für die politische Arbeit unter Sportlern und nationalen Fußballfans, von deren Rassismus und Antisemitismus man immer hören und lesen muss.

Dagegen kann man den »semi-offiziellen« Antifafilm des Festivals, »The good German« mit George Clooney und Cate Blanchett vergessen. Er war gedacht als ein technisch brillantes Remake von »Casablanca«, doch statt seiner sollte man sich lieber zum fünfzigsten Mal das unvergleichliche Original ansehen. Leider wird genau dieser Film mit großem Brimborium in die Kinos kommen und, genau wie jetzt die Oscar prämierte lächerliche Stasilegende »Das Leben der Anderen«, unverdiente Medienaufmerksamkeit erhalten. Wir sollten dagegen den Sachsenhausenfilm »Die Fälscher« so offensiv wie möglich propagieren. Ein großartiger Antinazifim, über den ich in der nächsten Ausgabe berichten werde.

»Mein Führer«

geschrieben von Irene Runge

5. September 2013

und andere Merkwürdigkeiten

März-April 2007

Für Olga Feidianina, Kulturredakteurin von »Jüdische Zeitung«, ist die öffentliche Debatte über Dani Levys Film »Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit« seltsamer als das Kunstwerk selbst. Sie zitiert auch mich mit Sätzen wie: »Nun, auch ehrenwerte Leute machen zuweilen schlechte Filme«. Und mein Urteil: »Die Grundidee trägt nicht über anderthalb Stunden, die psychoanalytische Deutung ist laienhaft, in den Vordergrund rücken die eigentlich uninteressanten Sachen. Manches ist peinlich ungenau. Zum Beispiel die Geschichte mit der Familie. Die Kinder von Grünbaum kommen aus dem KZ – wohlgenährt und gepflegt. Ulrich Mühe als ehemaliger Professor ist elegant und kultiviert – aber dann erscheint seine Gattin und benimmt sich wie eine Frau aus dem Dorf… Man ahnt, dass Levy etwas Gutes meint, aber die Umsetzung nicht schafft. Doch wir müssen dankbar dafür sein, dass er so viel in Bewegung gesetzt hat. Was für eine Diskussion der Film entfacht! Über den Umgang mit Juden heute, den Umgang mit Geschichte – da merkt man, wie schwierig all diese Dinge nach wie vor sind.«

Ich weiß nicht, wer von Ihnen den Film gesehen hat. Wegen Levys wunderbar ernsthafter Komödie »Alles auf Zucker« hatte ich gehofft, ihm werde der unwahrscheinliche Coup einer Hitlerparodie gelingen. Das Ergebnis hat mich genervt, teilweise gelangweilt, und ich kenne nur einen ernsthaften Menschen, den Levys antidokumentarische Idee über den selbstvernarrt depressiven Diktator und dessen Vertrauen in die Heilkünste des jüdischen Schauspiellehrers Grünbaum amüsiert hat. Für mich sind Hitlers Kindheitstraumata und Erwachsenenneurosen also weiterhin nicht komisch, sondern pathologisch. Sein Name steht für ein mörderisches System, sein Wille war Zweiter Weltkrieg, die Unterjochung Europas, das Euthanasieprogramm und die beschlossene Vernichtung von Juden und Zigeunern. Das ist die Tragödie des 20. Jahrhunderts. Aber Levy hatte sich vorgenommen, die Funktionäre des Systems komödiantisch zu zersetzen. Originalton Levy: »Es gibt keine Möglichkeit, Witze über den Holocaust zu machen. Aber über die Machthaber kann man eine böse Komödie machen und sie ein Stück weit ihrer Größe entheben.« Für mich misslungen auch deshalb, weil es zynisch ist, im Dezember 1944 (!) einzusetzen, als die »Endlösung der Judenfrage« fast vollendet ist. Das zerstörte Berlin wird hier dem Führer rücksichtsvoll verschwiegen, sein Kriegsluxus ist etwas lächerlich, doch Levy wollte den Film anders vollenden, hieß es, zu sehen ist aber dies. Das Komischste ist ein Schäferhund, der sekundenlang die Pfote zum Hitlergruß hebt. Dass Levy jüdisch ist, macht den Film nicht besser, aber erklärt, warum Kritik so genierlich geübt wurde.

Als Brecht das System Hitler im aufhaltsamen Aufstieg eines Arturo Ui verfremdete, ordnete der Schauspielunterricht die theatralisch-politische Bewegung in der mörderischen Intrige bis über Stalingrad hinaus ein. Levys Schauspiellehrer Grünbaum dient therapeutischen Zwecken. Was folgte, würde er Hitler vom persönlichen Leid heilen? Brecht warnt am Ende: »Der Schoß ist fruchtbar noch«, Levy endet mit »Heilt euch selbst«, seine Massen glückstaumelnd inmitten von Kulissen. Olga Feidina schreibt, 56 Prozent der Bundesbürger wären laut Umfragen gegen besagten Film, doch es bleibe offen, »wie viele von den besagten 56 Prozent es nicht gut finden, dass man Hitler respektlos verarscht und ihn lieber als einen (bösen) Übermenschen sehen wollen.« Dass, wie beim »Untergang«, lauthals befürchtet wurde, hier könne es zur Identifikation mit Hitler und seinesgleichen kommen, hat nichts mit den Filmen, aber viel mit der Angst beim Aufbrechen erstarrter Geschichtsmythen zu tun. Wer diese Sorge teilt, sollte unbedingt zur Abschreckung ins Kino gehen!

Erniedrigt und verbraucht

geschrieben von Regina Girod

5. September 2013

Sonderausstellung zu Häftlingsbordellen in der Gedenkstätte
Ravensbrück

März-April 2007

»Sex-Zwangsarbeit in NS-Konzentrationslagern«

Eine Werkstattausstellung der Gedenkstätte Ravensbrück in Kooperation mit »Die Aussteller«, Wien und dem Institut für Kunst im Kontext, UdK Berlin.

15. Januar bis 30. September 2007 im Garagentrakt der Gedenkstätte Ravensbrück, geöffnet Dienstag bis Sonntag von 9.00 Uhr bis 17.00 Uhr.

Das erste Mal habe ich Anfang der 90er-Jahre davon gehört, in der Diskussion um das Niethammer-Buch über die roten Kapos. Der hatte über das Häftlingsbordell in Buchenwald geschrieben, in dem gefangene Frauen zur Sex-Arbeit gezwungen wurden. Die Reaktionen darauf waren heftig, wie immer, wenn an ein Tabu gerührt wird. Denn das passte nicht in das Bild vom Häftlingsalltag in Konzentrationslagern. Dass SS-Leute gefangene Frauen auch sexuell folterten und missbrauchten wusste man aus Filmen und Büchern. Aber Häftlinge, die doch selbst Opfer waren? Irgendwie unvorstellbar. 60 Jahre brauchte es, bis im Mai 2005 eine Gruppe von Wiener Studenten unter Leitung ihrer Professorin Carola Sachs eine Ausstellung präsentierte, die dieses Unvorstellbare dokumentierte und an die Stelle von Verschweigen und Verdrängung nüchterne Aufklärung setzte. Doch was heißt nüchtern? Trotz äußerst dürftiger Quellen und Materiallage, von einer richtigen Ausstellung kann eigentlich gar keine Rede sein, verlässt man die Präsentation schockiert und betroffen über die ungeheure Entwürdigung, die sie bezeugt.

Denn, wie immer im Wirkungsbereich deutscher Amtsstuben, war alles akribisch geregelt. Basierend auf einem Erlass Heinrich Himmlers vom Mai 1943, wurden zunächst in Mauthausen und Gusen, später in allen großen Konzentrationslagern, sogar in Auschwitz, Häftlingsbordelle eingerichtet. Die Frauen dafür kamen aus Ravensbrück, meist trugen sie den schwarzen Winkel der Kriminellen. Für ein halbes Jahr Arbeit im Bordell hatte man ihnen die Entlassung versprochen. Eigentlich waren die Bordellbesuche Bestandteil eines Prämiensystems für besondere Arbeitsleistungen, doch die Mehrzahl der ausgemergelten Häftlinge war zu hohen Arbeitsleistungen körperlich gar nicht mehr in der Lage und auch nicht zur Inanspruchnahme solcher »Vergünstigungen«. Also waren es meist so genannte »Funktionshäftlinge«, und unter diesen wiederum vor allem Kriminelle, die die Möglichkeit nutzten. Juden und Russen waren von den Besuchen ausgeschlossen.

Und das ging dann so: Der Häftling stellte auf einem extra dafür entwickelten Formblatt einen Antrag auf Bordellbesuch. Dieser wurde vom Lagerkommandanten entschieden und die Erlaubnis auf dem Appell öffentlich erteilt. Der Besuch kostete zwei Reichsmark, von denen angeblich eine Mark die Frau erhielt. (In Wirklichkeit bekamen die Frauen kein Geld und wurden auch nicht, wie versprochen, vorzeitig entlassen). Vor dem Besuch musste der Mann sein Glied vorzeigen, es wurde desinfiziert, dann hatte er 15 bis 20 Minuten Zeit für den Geschlechtsverkehr, der nur in liegender Stellung zu vollziehen war. Durch ein Guckloch in der Tür war die Kontrolle darüber gewährleistet. Für die Frauen gab es keine Verhütungsmöglichkeiten, abgesehen von Waschungen mit Kresollösungen. So kam es immer wieder zu Schwangerschaften, viele infizierten sich mit Geschlechtskrankheiten. In diesem Fall wurden sie nach Ravensbrück zurückgebracht, im dortigen Revier nahm man Schwangerschaftsabbrüche vor und benutzte die Erkrankten als Objekte für Medikamentenversuche.

Irma Trsak, eine ehemalige Ravensbrücker Häftlingsfrau, erinnert sich: »Zurückgekommen sind sie als Wracks. Die mussten am Tag weiß ich wie viele Männer empfangen, sie waren ruiniert, krank, einige sind nachher gestorben.« Von den Frauen, die überlebten, stellten die meisten aus Scham nach dem Krieg keinen Antrag auf Entschädigung. Denn schon in der Häftlingshierarchie standen die Rückkehrerinnen auf der untersten Stufe, schließlich hatten sie sich freiwillig gemeldet. So gehörten sie für Jahrzehnte zu den vergessenen Opfern des KZ-Systems.

Um so wichtiger, dass die Ausstellung »Sex-Zwangsarbeit in NS-Konzentrationslagern« nach ihrer Präsentation in der als Bordell genutzten Baracke 1 von Mauthausen, nun noch bis zum 30. September in der Gedenkstätte Ravensbrück zu sehen ist. Ergänzt durch Filmausschnitte, in denen sich Ravensbrückerinnen an das Geschehen erinnern und einige Bücher und Manuskripte zur Problematik sexualisierter Gewalt gegen Frauen. Man muss das gesehen haben. Die Wiener Studierenden Gruppe »Die Aussteller« hat hier mit sichtbar wenig Mitteln eine aufklärerische Großtat vollbracht, die ihresgleichen sucht.

Guernica und die Bilder

geschrieben von Ernst Antoni

5. September 2013

Zum Gedenken an die Kunsthistorikerin Jutta Held

März-April 2007

Ihr Forschungsspektrum war groß. Promoviert hat sie 1961 über »Farbe und Licht in Goyas Malerei«. Goya beschäftigte die Kunsthistorikerin Jutta Held im Laufe der weiteren Jahrzehnte immer wieder. Mit zunehmend geschärftem Blick auf Entstehungsbedingungen und Wirkungsmöglichkeiten bildender Kunst in unterschiedlichen gesellschaftlichen Verhältnissen und historischen Epochen.

Zu ihren Arbeiten gehörten Untersuchungen wie »Der spanische Bürgerkrieg und die bildenden Künste«, eine »Sozialgeschichte der Malerei. Vom Spätmittelalter bis ins 20. Jahrhundert« (mit Norbert Schneider) und viele Veröffentlichungen, die sich kritisch mit dem eigenen Fach, der Kunstgeschichte, auseinandersetzten. Mit besonderem Blick auf die Zeit des NS-Faschismus und die Entwicklung nach 1945.

Am 27. Januar 2007 ist Jutta Held im 74. Lebensjahr in Karlsruhe verstorben. Von 1974 bis zu ihrer Emeritierung im Jahr 2000 wirkte sie als Professorin an der Universität Osnabrück, lehrte dazwischen auch als Gastprofessorin in Zürich und Los Angeles und motivierte eine ganze Generation von Studentinnen und Studenten, sich in ihrem Fach auch mit sozialen, politischen und feministischen Ansätzen in Kunst und Kunstwissenschaft zu befassen.

Daneben war sie eine nimmermüde Initiatorin und Organisatorin von wissenschaftlichen Symposien und Herausgeberin von Aufsatzsammlungen zu Themenbereichen, die ihr am Herzen lagen: »Kunst und Alltagskultur«, »Metropolenkultur«, »Kunstgeschichte an den Universitäten im Nationalsozialismus«. Dieses Engagement bündelte sich schließlich in der von ihr 1985 gegründeten »Guernica-Gesellschaft«, mit dem Ziel, »zur Erforschung der antifaschistischen Kunst und Antikriegskunst beizutragen.«

Die »Guernica-Gesellschaft« ist bis heute ein – in unserer Zeit der Kunst- und Kunstgeschichtsmoden und ihrer marktwirtschaftlichen Verwertbarkeit – leider recht an den Rand gedrängter Verbund von Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftlern und anderen Kunstinteressierten geblieben (Näheres dazu unter www.guernica-gesellschaft.de). Zu den zahlreichen Publikationen der Gesellschaft gehört vor allem das seit 1999 erscheinende Jahrbuch »Kunst und Politik«, das Jutta Held bis zu ihrem Tod betreut hat.

»antifa«Ausgabe Jan.-Feb. 2007

5. September 2013

Jan.-Feb. 2007

Editorial

geschrieben von Regina Girod

5. September 2013

Jan.-Feb. 2007

Das neue Jahr hat begonnen – Anlass für die Redaktion, die in dieser Zusammensetzung seit zwei Jahren für die antifa verantwortlich zeichnet, Danke zu sagen. Zuerst natürlich unseren Lesern, die dafür gesorgt haben, dass die Auflage in dieser Zeit annähernd konstant geblieben ist. Wir sind froh über die vielen Rückmeldungen, die wir zu jeder Ausgabe erhalten. Als ehrenamtlich arbeitendes Gremium ist es uns nicht immer möglich, alle Zuschriften auch zu beantworten. Mit der Einrichtung der Leserbriefseite haben wir versucht, etwas von den Meinungen, die uns erreichen, widerzuspiegeln. Besonders wichtig finden wir es, regelmäßig Beiträge auch aus den Landesverbänden der VVN- BdA zu publizieren, die sich nicht an den Verbandsseiten beteiligen. Hier würden wir gern noch mehr Angebote erhalten. Der größte Erfolg aber wäre für es uns, wenn in diesem Jahr der Durchbruch geschafft würde, antifa auch in den östlichen Landesverbänden zur Mitgliederzeitung zu machen. Die Redaktion ist gern bereit, auf Foren und Veranstaltungen in diesen Ländern Rede und Antwort zu allen Modalitäten zu stehen.

Der zweite Dank gilt natürlich unseren Autoren, viele von Ihnen, wie Hans Canje, der die Redaktion mehr als zehn Jahre lang führte, sind uns schon lange verbunden. An dieser Stelle möchten wir unserem langjährigen Autor Gerhard Leo, herzliche Genesungswünsche übermitteln. Für uns ist es aber auch immer wieder spannend und anregend, neue Autoren kennen zu lernen. In dieser Ausgabe hat Klaus Polkehn das erste mal für uns geschrieben. Wir hoffen auf weitere Beiträge aus seiner Feder.

Ende Januar werden wir eine Sondernummer der antifa herausbringen, die, in sehr hoher Auflage gedruckt, die Kampagne der VVN -BdA für ein Verbot der NPD begleiten wird.

Unsere Bitte an alle Leser: Tragt dazu bei, dass diese Kampagne, das Herzstück unserer politischen Arbeit im Jahr 2007, ein Erfolg wird.

Meldungen

5. September 2013

Jan.-Feb. 2007

Die monatelangen Proteste gegen die Errichtung eines Neonazi-Zentrums im niedersächsischen Delmenhorst führten zum Erfolg. Die städtische Wohnungsgesellschaft brachte mit Unterstützung einer Spendensammlung das vorgesehene Hotel in ihren Besitz und verhinderte damit den Kauf durch den Neonazi-Anwalt Rieger.

An anderen Orten besitzen die Neonazis jedoch bundesweit etwa 20 Immobilien, die als Veranstaltungs- oder Schulungsstätten genutzt werden. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor. In Antifa-Kreisen wird betont, dass nur ein Verbot von Neonazi-Organisationen den Ankauf weiterer Immobilien unterbinden könnte.

Nach einer Bilanz der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ haben 1 665 000 ehemalige Zwangsarbeiter oder deren Erben aus rund hundert Ländern eine einmalige Hilfe von durchschnittlich 2 625 Euro erhalten. Rund ein Drittel aller Antragsteller hat jedoch nichts bekommen. Darunter sind auch zahlreiche Fälle, in denen Anträge unbearbeitet blieben. Die Vertreterin der Linksfraktion im Stiftungskuratorium, Ulla Jelpke, forderte politische Hilfen für diese Opfer „bürokratischer Schlamperei“.

Der sächsische CDU-Bundestagsabgeordnete Henry Nitzsche machte erneut mit naziähnlichen Parolen aufmerksam. Auf einer CDU-Veranstaltung zum Thema Patriotismus wandte er sich gegen einen angeblichen „Schuldkult“ in Deutschland und erklärte, das Land dürfe „nie wieder von Mulit-Kulti-Schwuchteln in Berlin regiert“ werden. Die CDU lehnte einen Parteiausschluss ab. Als die Proteste gegen seine Tiraden nicht verstummten, erklärte Nitzsche seinerseits den Austritt aus der CDU. Er warf seiner Partei vor, ihn nach außen hin „zu verunglimpfen“, während man ihn intern toleriert habe. Nitzsche bleibt Bundestagsabgeordneter. Seine Haltung zeige, „dass rechtsextreme Gesinnungen in der Mitte der Gesellschaft und im Bundestag angekommen sind“, erklärte der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan Kramer.

Das zu Ende gegangene Jahr sei laut Bundeskriminalamt ein „Rekordjahr rechtsextremistisch motivierter Gewalttaten“ gewesen, erklärte der ehemalige Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye, heute Vorsitzender des Vereins „Gesicht zeigen“. Auch während der Fußball-Weltmeisterschaft hätten sich rechtsextreme Taten gehäuft; das sei aber „unter den Tisch gekehrt“ worden. Nach Feststellung der Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linksfraktion) waren „allein die registrierten Straftaten mit rechtsextremistischem Hintergrund im ablaufenden Jahr um 50 Prozent höher als vor zwei Jahren“. Für eine genaue Analyse gebe es noch immer keine unabhängige Beobachtungsstelle für Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus nach EU-Vorbild.

Patriotismuskampagnen wie „Du bist Deutschland“ leisten der Abwertung von Frem-den Vorschub, erklärte der Bielefelder Institutsleiter Wilhelm Heitmeyer bei einer Vorstellung der neuen Ausgabe der Langzeitstudie „Deutsche Zustände“. Danach gibt es bei knapp 50 Prozent der Deutschen Fremden- und Ausländerfeindlichkeit. Die sei auch eine „Folge wachsender sozialer Desintegration.

Für eine „tragfähige Freundschaft“ zwischen Deutschland und Israel, die auch Kritik aushalte, plädierten 25 deutsche Politologen in einer gemeinsamen Erklärung. Angesichts der Einzigartigkeit des Holocaust sei es „nicht nur Israel, das Anspruch auf besondere Aufmerksamkeit, Zuwendung und freundschaftliche Kritik Deutschlands (und Europa) hat“. „Eine dem Holocaust und seinen Folgewirkungen für beide Seiten gerecht werdende deutsche Haltung bedeutet, Verantwortung für eine Transformation des israelisch-palästinensischen Konflikts zu übernehmen… Die erste Voraussetzung dafür besteht darin, das Leiden wie das Unrecht (die Gewaltsamkeit der Konfliktaustragung) auf beiden Seiten wahrzunehmen…“ Zu den Unterzeichnern des „Manifests der 25“ gehören die Professoren Karlheinz Koppe, Gert Krell, Werner Ruf, Udo Steinbach, Helmut Thielen und Wolfram Wette.

Die Humanistische Union forderte die Abberufung des Präsidenten des Bundesver-fassungsschutzamtes, Heinz Fromm, nachdem dieser sich für eine Nutzung auch durch Folter erzwungener Aussagen ausgesprochen hatte. Dies sei ein offener Ver-stoß gegen das absolute Folterverbot und zeige eine „verfassungswidrige Haltung“. Dagegen wurde Fromm von Bundesinnenminister Schäuble voll unterstützt. Man müsse „auch solche Informationen nutzen“, erklärte Schäuble.

Rückblick und Ausblick

geschrieben von Heinrich Fink

5. September 2013

Jan.-Feb. 2007

Für Mitglieder und Freunde der VVN- BdA wird das Jahr 2007 eine Reihe von Höhepunkten bringen, die wir dazu nutzen wollen, antifaschistische Positionen noch wirkungsvoller und kämpferischer in dieses Land hineinzutragen. Nachdem in einigen Landesverbänden bereits Ende 2006 der 60. Jahrestag der Gründung unserer Organisation begangen wurde, steht diese Jubiläum nun im März auch für die Bundesorganisation ins Haus. Zu den Gründern der VVN gehörten so eindrucksvolle Persönlichkeiten, wie Eugen Kogon, Hanns Mayer oder Therese Giese. In den Reihen unserer Organisation fanden sich Demokraten mit unterschiedlichen po-litischen und weltanschaulichen Positionen zusammen, um gemeinsam für eine antifaschisti-sche und demokratische Erneuerung Deutschlands zu kämpfen. Dieser Kampf wurde er-schwert dadurch, dass im Westen eine wirkliche Entnazifizierung verhindert wurde, und die antifaschistischen Ideale sowie das breite Bündnis antifaschistischer Kräfte schon bald unter die Räder des kalten Krieges gerieten. Wir sind der Meinung, dass gerade in der heutigen Zeit, in der faschistische Ideologie und Politik wieder salonfähig gemacht werden, mehr denn je ein breites Bündnis aller Demokraten nötig ist und wollen im sechzigsten Jahr ihres Beste-hens die ganze Kraft unserer Organisation darauf richten.

Dass dies notwendig ist, zeigt sich allenthalben. Die offizielle Geschichtspolitik dieses Landes war auch im vergangenen Jahr ganz der Totalitarismusdoktrin verpflichtet, die eine unsägliche Verharmlosung und Relativierung faschistischer Verbrechen beinhaltet. Der Eklat von Weimar oder die Ausstellung über Flucht und Vertreibung in Berlin ließen zudem erkennen, dass weiter an der Verbreitung von Opfermythen und der Verwischung des Unterschieds zwischen Opfern und Tätern gearbeitet wird. Wir können dagegen immer wieder nur eines setzten: Aufklärung! Aufklärung über tatsächliche geschichtliche Abläufe und ihre Hintergründe, Aufklärung darüber, wem gefälschte und vereinfachte Geschichtsbilder heute dienen. Mit Hochachtung und tiefer Verbundenheit möchte ich deshalb an dieser Stelle unseren alten Ka-meradinnen und Kameraden danken, die weiterhin keine Anstrengung scheuen, ihre Erfah-rungen und Erkenntnisse als Zeitzeugen an Jüngere weiter zu geben. Ihr Engagement gehört zum Wichtigsten, was unser Verband zu leisten vermag. Gerade unsere älteren Mitglieder ha-ben durch ihre Spenden auch im vergangenen Jahr viel zur politischen Handlungsfähigkeit unserer Organisation beigetragen. Die VVN- BdA, die sich ich ausschließlich durch Mit-gliedsbeiträge und Spenden erhält, ist auch auf kleine Beträge dringend angewiesen. Herzli-chen Dank allen unseren Unterstützerinnen und Spendern.

Mit großer Sorge mussten wir auch im letzten Jahr das weitere Vordringen neofaschistischer Kräfte in unserem Land konstatieren. Mit Mecklenburg- Vorpommern zog die NPD in einem zweiten Bundesland in Fraktionsstärke in den Landtag ein. Sie ist nun auch mit Abgeordneten in mehreren Bezirksparlamenten von Berlin vertreten. Die soziale Demagogie dieser Partei, die auf die zunehmende soziale Ausgrenzung und Verarmung in der reichen Bundesrepublik Deutschland aufbaut, ist nicht ohne Wirkung geblieben. Obwohl im Jahr 2006 der Wider-stand, zum Beispiel gegen Naziaufmärsche, bundesweit stark angewachsen ist, kommen von staatlicher Seite weiterhin widersprüchliche, bis hin zu kontraproduktiven Signale. Dazu ge-hört zum Beispiel die gerichtliche Verfolgung vor allem junger Antifaschisten, die durchge-strichene Hakenkreuze tragen. Ganz offensichtlich ein Testballon, mit dem man herausfinden will, wie weit man bei der Kriminalisierung von Antifaschisten heute gehen kann. Außerdem dient er natürlich der Einschüchterung von jungen Menschen, deren Engagement eigentlich die Anerkennung der Gesellschaft finden müsste.

Die VVN-BdA wird im Januar eine bundesweite Kampagne für ein neues Verbotsverfahren gegen die NPD eröffnen. Wir wollen damit eine Mobilisierung der Öffentlichkeit gegen diese Partei erreichen, die am aggressivsten gegen die demokratische Ordnung auftritt und sich da-bei bewusst in die Tradition des Hitlerfaschismus stellt. Nur mit Druck von unten können die Regierenden dazu gebracht werden, die Demokratie zu verteidigen. Denn : Faschismus ist keine Meinung, Faschismus ist ein Verbrechen!

NPD-Verbot jetzt!

Närrische Einzelfälle

geschrieben von Ernst Antoni

5. September 2013

Der Busfahrer mit dem Hitlergruß und die „Waffennarren“

Jan.-Feb. 2007

Ein Schulbusfahrer begrüßt Realschüler bei Fahrtantritt mit dem Hitlergruß. Dann untermalt er den Schulweg musikalisch mit Klängen von Nazi-CDs. Von denen hat er genug dabei, um sie auch noch an die Kids zu verteilen. Fünf Schüler haben das der Polizei so berichtet. Andere junge Zeugen haben, laut Süddeutscher Zeitung, die Aussage verweigert. Diese seien, so der Rektor der Schule, in der Öffentlichkeit und telefonisch von rechtsextremen Jugendlichen bedroht worden, sollten sie etwas erzählen. So geschehen kurz vor Weihnachten im bayerischen Vilshofen. „Bedauerliche Einzelfälle“, nannte das der Sprecher der Stadt gegenüber der Presse.

Ebenfalls in Bayern liegt das schöne Rosenheim am Inn. TV-Zuschauer wissen, dass dort die „Rosenheim-Cops“ zugange sind. Deren realen Kollegen gelang es kürzlich, in der Stadt und in umliegenden Gemeinden größere Waffenlager auszuheben. Allerlei Schießgerät, Munition und sonstigen Sprengstoff hatten Ortsansässige gehortet und versteckt, daneben Nazi-Uniformteile und -Symbole, braunes Schriftgut und was sonst so dazugehört. Angeblich wollten sie eine Wehrsportgruppe gründen.

Über direkte Verbindungen zum organisierten Rechtsextremismus sei aber nichts bekannt, wurde betont. Ein Bürgermeister meinte, das könne auch gar nicht sein, weil die Betreffenden ja alle im Trachtenverein und anderen heimatlichen Gremien aktiv seien. Es handle sich um „Waffennarren“.

Die „Waffennarr“ kommt immer öfter in Behördenäußerungen und Medien vor – und das nicht nur in Bayern. Er passt ja auch irgendwie schön in die Saison. Zum Jahreswechsel und zum Fasching oder andernorts zum Karneval. Sie lassen es halt gern krachen, die Einzelfälle, die närrischen…

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