Meine liebe Esther …

9. September 2021

In Gedenken an Esther Bejarano

… nun hast Du uns verlassen … Wir dachten doch, Du würdest mindestens hundert Jahre alt, so voller Pläne und Zukunftswünsche, aber voller Sorgen um unser Land. Seit sechzig Jahren, als Du mit Nissim, Edna und Joram nach Deutschland kamst, warst Du, wart Ihr Teil meiner Freundes-Familie, und so viele Erinnerungen verbinden uns mit Dir! Meine liebe Esther … weiterlesen »

Ein guter Anfang

9. September 2021

Interview mit Hajdi Barz zum Antiziganismus-Bericht

antifa: Im Juni wurde der Bericht der »Unabhängi-gen Kommission Antiziganismus« dem Bundestag vorgestellt. Die Kommission hat aus 15 Studien -Em-
pfehlungen für die Politik erarbeitet. Was ist das besondere an dem Gremium, welche Rolle hattest du?

Hajdi: Besonders ist, dass überhaupt was passiert, um in größerem Rahmen die Diskriminierung von Sinti*zze und Rom*nja zu analysieren und konkrete Handlungsempfehlungen zu geben. Neu ist auch, dass an dem elfköpfigen Gremium Personen aus der Community selbst beteiligt waren. An der Analyse und der Interpretation beteiligt zu sein, ist schon mal ein wichtiger Schritt. Und auch der Inhalt der Studien ist besonders: Die Kombination aus Befragung von Betroffenen nach ihren subjektiven und kollektiven Rassismuserfahrungen und der Analyse der Strukturen und Verwaltungsvorgänge dahinter ist sehr selten. Ich selbst habe die Studie zu Empowerment, also zur Selbstermächtigung der Communitys in Deutschland koordiniert. Die dafür nötige Erfassung der rund 80 Selbstorganisationen gab es vorher noch nicht. Auffällig dabei sind zwei Ergebnisse. Zum einen arbeitet der überwiegende Teil im Bereich der sozialen Arbeit – also da, wo eigentlich der Sozialstaat präsent sein sollte, helfen die Selbstorganisationen meist ohne finanzielle Unterstützung nach. Zum anderen beschäftigt sich rund die Hälfte damit, erst einmal die Rahmenbedingungen für Selbstermächtigung herzustellen, und machen klassische Lobbyarbeit, beraten Parteien, Verbände, Bildungseinrichtungen und bieten beispielsweise Rassismus-Workshops für die Dominanzgesellschaft an. Alles wichtige Bereiche, aber eben kein klassisches Empowerment, im Sinne des Aufbaus und der Pflege von Gemeinschaften, die sich selbstbewusst in der Gesellschaft repräsentieren können und sich auf eine positive Identität durch die eigene Geschichte, Sprache usw. berufen. Wir haben in der Studie festgestellt, dass Empowerment ein sehr weites Feld ist und nicht nur bedeutet, sich gegenseitig Machtchancen zu eröffnen: Bildungsabschlüsse, Jobs, Einfluss usw. Ein guter Anfang weiterlesen »

Rechter Think Tank

geschrieben von Gerd Wiegel

9. September 2021

Vor dem Durchbruch? Die Desiderius-Erasmus-Stiftung hofft auf staatliche Finanzierung

Mit dem zu erwartenden Wiedereinzug der AfD in den Bundestag wird auch die Frage nach staatlicher Finanzierung einer parteinahen Stiftung der AfD dringlicher. Die Desiderius-Erasmus-Stiftung (DES) sitzt bereits in den Startlöchern, um die erwarteten Millionen in rechte Bildungsarbeit umzusetzen. Aber es regt sich Widerstand gegen die Finanzierung der DES, und es gibt keinen Automatismus bei der Finanzierung von Parteistiftungen. Rechter Think Tank weiterlesen »

Rom getötet

9. September 2021

Im tschechischen Teplice ist am 19. Juni der 46-jährige Rom Stanislav Tomáš nach einem Polizeieinsatz gestorben. Mehr als sechs Minuten kniete ein Polizist – ähnlich wie bei George Floyd – auf seinem Nacken. Nach offizieller Lesart starb Tomáš an einem Herzinfarkt aufgrund einer Überdosis Methamphetamin. Nach Zeugenberichten soll er sich zuerst mit einem anderen Mann gestritten und später seinen eigenen Kopf gegen ein Autofenster geschlagen haben. Der brutale Polizeieinsatz erfolgte danach. Trotz seines Drogenkonsums sehen europaweit agierende Aktivist*innen der Romabewegung in Tomáš’ Tod eine antiziganistische Gewalttat. Die tschechische Regierung sieht keinen Grund für weitere Ermittlungen.

Moria macht krank

9. September 2021

In einer im Juli veröffentlichten internationalen Studie wird festgestellt, dass der längere Aufenthalt im Flüchtlingslager Moria zu einer stark erhöhten Wahrscheinlichkeit von psychischen Erkrankungen führt. Für die Studie ausgewertet wurden anonymisierte Daten von Moria Medical Support, einer Übergangsklinik, die zwischen Januar und April 2018 medizinische Dienste im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos anbot. Demnach waren akute psychische Krisen mit der Aufenthaltsdauer verknüpft. Zu diesen Krisen zählen unter anderem Selbstmordversuche und nicht versehentliche Selbstverletzungen.

Pappas in Haft

9. September 2021

Christos Pappas ist Anfang Juli in einer Wohnung in Athen von der griechischen Polizei festgenommen worden. Er war im Oktober 2020 zusammen mit dem Parteivorsitzenden Nikolaos Michaloliakos und fünf weiteren Abgeordneten der faschistischen »Goldenen Morgenröte« zu einer 13-jährigen Haftstrafe verurteilt worden. Die Partei ist als kriminelle Vereinigung eingestuft worden. Nach seiner Verurteilung war Pappas zunächst untergetaucht.

Skandaldeal

9. September 2021

Im Prozess gegen elf Faschisten, die 2014 einen brutalen Überfall auf eine Kirmesgesellschaft im thüringischen Ballstädt verübt hatten, sind Mitte Juli neun Angeklagte zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Bei zwei weiteren Tätern wurde das Verfahren gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt. Die geringen Strafen waren Folge von Absprachen zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Aufgrund der langen Ermittlungszeit hatten die Justizorgane wohl die Verjährung der Tat befürchtet und den Angeklagten Straferlass gegen Geständnisse angeboten. Bereits im Vorfeld war der Deal von Antifaschist*innen kritisiert worden.

Späte Einsicht

9. September 2021

Unter Beteiligung des Ministerpräsidenten Bayerns, Markus Söder, des Münchener Oberbürgermeisters Dieter Reiter und weiterer Kommunalpolitiker gedachten Angehörige der Opfer aus München und Hanau sowie weitere Bürger*innen der neun Todesopfer und der fünf Schwerverletzten des Terroraktes vom 22. Juli 2016 beim Olympia-Einkaufszentrum. Die Hauptveranstaltung fand am 2017 errichteten Denkmal für die Ermordeten statt. David Sonboly schoss aus rassistischen Gründen gezielt auf Menschen. Es hatte mehrere Jahre gedauert, bis auch die Behörden von einer »klar politisch motivierten Gewalttat von rechts« sprachen, wie dies Markus Söder (CSU) beim Gedenken tat.

Holocaust relativiert

9. September 2021

Eine Hausdurchsuchung fand am 23. Juli bei einem 45-jährigen Münchener statt. Er hatte auf seiner Facebook-Seite ein zweigeteiltes Bild gepostet. Auf der unteren Hälfte war ein Foto des Eingangs des KZ Auschwitz mit dem Schriftzug »Arbeit macht frei« zu sehen, auf der oberen eine Karikatur mit einer Reihe Schwarzuniformierter mit Spritzen und dem Schriftzug »Impfen macht frei«. Smartphones und Computer des Mannes wurden beschlagnahmt. Gegen ihn wird wegen Volksverhetzung ermittelt.

Sechs Jahre Knast

9. September 2021

Die bayrische Rechtsterroristin Susanne Gemeinhardt-Seitz ist Ende Juli zu einer sechsjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat durch die Herstellung eines Brandsatzes war der Hauptgrund für die Strafe. Ihr ebenfalls aus dem neofaschistischen Milieu stammender Verteidiger Wolfram Nahrath hatte bis zum Schluss ihre Unschuld behauptet und hat inzwischen auch Revision eingelegt.

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