Interview mit Israel Kaunatjike zum »Versöhnungs«-abkommen mit Namibia
antifa: Ende Mai wurde bekanntgegeben, dass sich die Bundesregierung und die namibische Regierung nach sechs Jahren Verhandlungen auf ein Abkommen zur »Wiedergutmachung« des Völkermords an den Herero und Nama während der deutschen Kolonialzeit geeinigt haben. Explizit ausgeschlossen wurden tatsächliche rechtliche Ansprüche auf Entschädigung. Stattdessen wurde eine Erhöhung der Entwicklungshilfe um 1,1 Milliarden Euro (aufgeteilt auf 30 Jahre) sowie eine offizielle Entschuldigung im namibischen Parlament vereinbart. Was ist schlecht an dem Abkommen?
Israel: Zuallererst kritisieren wir das Zustandekommen des Vertrags. Denn die Volksgruppen der Herero und Nama, die nach der Vertreibung durch die Deutschen überwiegend im Exil leben (mittlerweile wieder mehr als 100.000), saßen nicht mit am Verhandlungstisch. Sie sind zudem von den Hilfszahlungen ausgeschlossen, weil sie in den Nachbarstaaten von Namibia leben. Außerdem: Entwicklungshilfe kann Reparationen nicht ersetzen. Die namibische Regierung ist korrupt und wird das Geld schnell verpulvern. An der aktuellen Armut der Nachfahren der Herero und Nama wird sich nichts ändern. Ein weiterer Punkt ist die angebliche Entschuldigung durch Bundespräsident Steinmeier. Er will im Parlament von Windhuk sprechen, statt sich an die Orte zu begeben, wo seine Vorfahren gemordet haben. Wieso geht er nicht an den Waterberg oder in die Omaheke-Wüste, wo Tausende verdursteten? Es ist ein falsches Abkommen, mit den falschen Leuten. In der jetzigen Fassung wird dieser Vertrag für sehr viel Unmut sorgen. Steinmeier wird vor einem leeren Parlament sprechen. Erst der Anfang weiterlesen »





























