Straftaten-Zunahme

13. Oktober 2019

8.605 rechtsextreme Straftaten in Deutschland sind im 1. Halbjahr 2019 von den Behörden registriert worden. Das ist gegenüber dem gleichen Zeitraum im Vorjahr eine Zunahme von rund 900. Darunter fallen 363 Gewalttaten und 179 verletzte Menschen.

Gegen Hass im Netz

10. Oktober 2019

Mehrere Innenministerien haben begonnen, Hass-, Beleidigungs- und Bedrohungs-Postings im Internet zu erfassen, um sie strafrechtlich verfolgen zu lassen. Von Initiativen, die das schon geraume Zeit tun, aber kaum behördliche Unterstützung erfahren haben, wird begrüßt, dass Behörden auf diesem Gebiet nunmehr endlich aktiv werden. Wissenschaftler um die Professorin Melanie Siegel an der Hochschule Darmstadt arbeiten an einer automatischen Erkennung von Hass-, Droh- und Beleidigungsbotschaften im Internet.

Mehr gegen Rechts

10. Oktober 2019

Anlässlich des ersten Jahrestages des Urteils im NSU-Prozess und des Mordes an dem CDU-Politiker Walter Lübcke forderten 50 Organisationen, Wissenschaftler und Künstler in einem Aufruf den Bundestag auf, den alltäglichen und institutionellen Rassismus stärker zu bekämpfen und dafür die notwendigen Mittel bereitzustellen. Zu den Unterzeichnern gehören der Zentralrat der Sinti und Roma, der Zentralrat der Muslime, die Initiative Schwarze Menschen und die Initiative gegen Antisemitismus. Nach Meinung der Mehrheit der Bevölkerung ist bislang zu wenig gegen rechtsextreme Umtriebe getan worden. Das erklärten 56 Prozent bei einer Befragung im Auftrag des Redaktionsnetzwerkes Deutschland (RND). Nur 15 Prozent erklärten, es werde genug getan. Weitere 15 Prozent plädierten dafür, sich um andere Bedrohungen zu kümmern. 14 Prozent machten keine Angaben.

AfD macht Druck

10. Oktober 2019

Die AfD betreibt in den Landes-Parlamenten und auch in kommunalen Parlamenten mit Anträgen und Anfragen gezielte Kampagnen gegen zivilgesellschaftliche Kräfte, mit der Absicht, die betreffenden Initiativen, Gruppen und Vereine zu diffamieren und ihnen öffentliche Unterstützung und Mittel zu entziehen. Träger und Akteure zivilgesellschaftlicher und kultureller Aktivitäten werden »diffamiert und angefeindet, sollen eingeschüchtert und verängstigt, ihr Engagement soll beschnitten und ihre Handlungsspielräume eingeengt werden«, heißt es in der Bilanz der Untersuchungen von einer Arbeitsgruppe der Marburger Universität unter Leitung der Extremismusforscher Benno Hafenegger und Hannah Jestädt.

Kein Geld für NPD

7. Oktober 2019

Bundestag, Bundesrat und Bundesregierung haben gemeinsam beim Bundesverfassungsgericht beantragt, die NPD wegen der vom Gericht festgestellten Verfassungsfeindlichkeit von der staatlichen Parteienfinanzierung auszuschließen. Zuvor muss das Gericht jedoch über eine Klage der NPD gegen die im Juni 2017 beschlossene Grundgesetzänderung entscheiden, die den Ausschluss einer verfassungsfeindlichen Partei aus der staatlichen Finanzierung ermöglicht. Abgewiesen hat das Bundesverfassungsgericht bereits die Klage der NPD gegen die von der Bundestagsverwaltung verfügte Strafzahlung in Höhe von 1,27 Millionen Euro, die bereits eingezogen wurde. Im abgelaufenen Jahr 2018 erhielt die NPD aus staatlichen Mitteln rund 880.000 Euro.

Günstig für Nazis

7. Oktober 2019

Abgelehnt hat es die Staatsanwaltschaft Dortmund, Ermittlungen gegen die Neonazi-Partei »Die Rechte« einzuleiten. Das hatte der Landesverband Jüdischer Gemeinen gefordert wegen des Plakattextes »Israel ist unser Unglück!«, das der Naziparole »Die Juden sind unser Unglück« entspreche. Auf einem zweiten Plakat war zu lesen: »Wir hängen nicht nur Plakate!«, darunter kleingedruckt: »Wir kleben auch Aufkleber«. Beide Plakatversionen wurden vom Oberverwaltungsgericht Münster untersagt. Die Staatsanwaltschaft Dortmund erklärte nunmehr, für strafrechtliche Ermittlungen bestünden höhere Anforderungen. Wenn der Text verschiedene Deutungen zulasse, müsse die für den möglichen Täter günstigste Auslegung gewählt werden.

Recht für Neonazis

7. Oktober 2019

In Hessen hatte die Gemeinde Ranstadt im Europawahlkampf verfügt, dass NPD-Plakate zu entfernen seien, auf denen stand: »Stoppt die Invasion. Migration tötet. Widerstand jetzt«, weil sie den Tatbestand der Volksverhetzung erfülle und eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit darstelle. Die NPD erhob dagegen im Nachhinein Klage und bekam nunmehr vom Verwaltungsgericht Gießen Recht. Das Gericht erklärte, der NPD-Text lasse eine eindeutige Aufforderung zur Gewalt gegen Ausländer »nicht zweifelsfrei« erkennen. Zudem könne sich die NPD auf ihre Rechte als Partei berufen, Wahlkampf zu betreiben. Das Bundesverfassungsgericht habe die NPD zwar als verfassungsfeindlich eingestuft, aber nicht verboten.

IG Metall-Seminare

4. Oktober 2019

Zur Verstärkung des Kampfes gegen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus bietet die IG Metall für 2020 erneut Seminare an. Auf Anfrage können diese auch vor Ort in Betrieben und Geschäftsstellen durchgeführt werden. Zur Kofinanzierung betrieblicher Aktionen gegen Rassismus gibt es einen Aktionsfonds. Das neue Bildungsprogramm erscheint Mitte September.

Bastionen gegen Rechts erhalten

4. Oktober 2019

antifa-Gespräch mit Heinz Ratz von der Band »Strom und Wasser«

antifa: Wie bist du auf die Idee gekommen, für soziokulturelle Zentren und Jugendhäuser in Sachsen Spenden zu sammeln?

Heinz Ratz: In Sachsen, Thüringen und Brandenburg – dort finden in diesem Jahr Wahlen statt und die Prognosen sagen voraus, dass die rechten Parteien erneut triumphieren werden. Wenn man sich ausrechnet, dass die mittlerweile in Sozialausschüssen, Kulturgremien, Kommunalparlamenten mit erheblicher Einflussnahme sitzen, kann man sich vorstellen, wie sie ihren Kampf gegen eine weltoffene, basisdemokratische, selbstverwaltete Soziokultur führen: nämlich mit dem Einfrieren von Fördergeldern, mit der Kündigung von Sozialarbeitern, mit der Überprüfung von Brandschutzbestimmungen. Ich habe einfach nach den Orten gesucht, die den wichtigsten Widerstand gegen eine immer faschistischer und rassistischer denkende Gesellschaft darstellen: und das sind eben die selbstverwalteten Jugendhäuser und soziokulturellen Zentren. Bastionen gegen Rechts erhalten weiterlesen »

Erlass genügt nicht

4. Oktober 2019

Nach jahrzehntelangen erheblichen Schwierigkeiten bei der Einbürgerung von NS-Verfolgten und deren Nachkommen soll nunmehr die Einbürgerung von durch die Nazis Vertriebenen, Verfolgten und derer Nachkommen erleichtert werden. Das Bundesinnenministerium plane eine entsprechende »großzügige Erlassregelung«. Bislang war eine Einbürgerung nach dem abgelaufenen Stichtag im Jahre 1970 in der Regel nur noch dann möglich, wenn den Betroffenen oder ihren Vorfahren die deutsche Staatsbürgerschaft von den Nazis entzogen worden war. Trotz der angekündigten Verbesserung, die wiederum nicht für alle Fälle gilt, fehlt nach wie vor ein gesetzlicher Anspruch.

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