US-Machtergreifung

geschrieben von Juliet Schnabel

8. September 2024

Einflussreiche Netzwerke hinter Trump sind weit in der Gesellschaft verankert

»Fight, fight, fight!«, rief Trumps Gefolge dem Kandidaten der Republikaner zu, als er nach dem Attentatsversuch am 13. Juli mit blutverschmiertem Gesicht und erhobener Faust von der Bühne eskortiert wurde. Seitdem jedoch bei den Demokrat:innen sich Joe Biden von seiner Kandidatur zugunsten von Kamala Harris zurückzog, befindet sich Trumps Lager im freien Fall. Dabei scheinen weder die Faschismusvorwürfe gegen Trump noch die Gegenüberstellung von Harris als Staatsanwältin und Trump als Verbrecher ausschlaggebend für den Stimmungsumschwung zu sein. Stattdessen hängt Trump und seinen Schergen vor allem der Vorwurf an, sie seien »weird«, das heißt seltsam, komisch, bizarr. US-Machtergreifung weiterlesen »

Diversity is our strength

geschrieben von Ulrike Schmidt

8. September 2024

Widerstand gegen extrem rechte Gewalt in England

Jahrelang haben nicht nur extrem rechte Politiker wie Nigel Farage (Reform UK, früher UKIP), sondern auch Politiker der lange regierenden Tories, mit ihrer rassistischen Propaganda gegen Geflüchtete den Boden für neo-faschistische Gewalt bereitet. So sprach die ehemalige Innenministerin, Suella Braverman, etwa von einer »Invasion« von Geflüchteten und forderte, dass Großbritannien aus der Europäischen Menschenrechtskonvention austreten solle. Die aktuellen Ausschreitungen durch Nazis und Rassisten gegen Geflüchtete können daher nicht überraschen.

Der Wahlerfolg der rechten »Reformpartei« unter Nigel Farage bei den Parlamentswahlen im Juli hat das Selbstvertrauen der extremen Rechten verschiedener Schattierungen gestärkt. Der einschlägige Aktivist Tommy Robinson (Defence League) organisierte mehrere große Aufmärsche in den vergangenen Monaten. 15.000 Anhänger versammelten sich am 27. Juli auf dem Trafalgar Square in London. Unsere von »Stand Up to Racism« organisierte Gegendemo hatte nur 5.000 Menschen mobilisieren können. Diversity is our strength weiterlesen »

Winter is coming

geschrieben von Markus Roth

8. September 2024

Erfahrungen von linker Praxis unter rechter Macht

Im Herbst zeichnet sich die reale Gefahr ab, dass die AfD in ostdeutschen Bundesländern an die Hebel der Staatsmacht oder zumindest der Regionalmacht gelangt. Im August waren deshalb antifaschistische Aktivist*innen aus Polen, Ungarn, Österreich und Italien auf Rundreise, um in Ostdeutschland von ihren Erfahrungen mit rechten Regierungen zu berichten. Auf dem Tourplan standen Berlin, Cottbus, Jena und Leipzig. Winter is coming weiterlesen »

Wie eine Fliege ausspucken

geschrieben von Thomas Hacker

8. September 2024

Seit dem Krieg gegen die Ukraine radikalisiert sich die russische Politik nach rechts

Mit Beginn des Eroberungskrieges am 24. Februar 2022 hat sich die russische Politik deutlich radikalisiert. Neben geostrategischen Argumenten ließ das Regime von Anfang an keinen Zweifel an seiner Mission der Wiederherstellung alter imperialer Größe und seiner Zuständigkeit für die »Russische Welt« (russki mir). Revanchismus und völkisches Gedankengut wurden stets klar kommuniziert. Wie eine Fliege ausspucken weiterlesen »

Klasse ist überall

geschrieben von Peps Gutsche

8. September 2024

Vom Klassenunbewusstsein zur Gemeinwohlorientierung

Die Schwarze Journalistin Ciani-Sophia Hoeder beschäftigt sich in diesem Buch damit, wie Klassenunterschiede alle Lebensentscheidungen, die wir treffen, beeinflussen, wobei gleichzeitig wenig über Klasse gesprochen wird. Die aktuellen Debatten rund um Klassismus als Diskriminierung aufgrund des sozialen Status ergänzt Hoeder durch einen strukturellen Blick auf den Kapitalismus und das dahinter stehende Menschenbild.

Dabei kombiniert die Autorin politische Analyse und Interviewauswertungen mit ihrer persönlichen »Klassenreise« vom Aufwachsen mit einer alleinerziehenden Mutter hin zur aktuellen, akademisierten Mitte. In verständlicher Sprache und mit prägnanten Sätzen macht sie deutlich, wie unterschiedlich das Verhalten von Menschen bewertet wird, je nachdem, welcher Klasse sie zugehörig sind. »Klasse ist überall«, so Ciani-Sophia Hoeder und reitet dabei in den unterschiedlichen Kapiteln durch Themen wie Bildung, Dating, Essen, Sorgearbeit und Umgang mit Geld. Sie unterteilt dabei in fünf Klassen: die prekäre Klasse, eine aktuelle Mitte (studierte Personen mit neu entstandenen Berufsfeldern oder Wissenschaftler_innen), eine klassische Mittelklasse (mit traditionellen Werten und Berufen), eine wohlständige Klasse und die Überwohlständigen (aka Superreiche). Immer dabei im Blick: das Wechselverhältnis und das Zusammenspiel von Klasse, Geschlecht und Race. Klasse ist überall weiterlesen »

Profitiert und stabilisiert

geschrieben von Ulrich Schneider

8. September 2024

Katholische Perspektive auf Zwangsarbeiter

Es ist schon etwas Besonderes, wenn eine katholische Kirchengemeinde ein Buch über Zwangsarbeit in der Nazizeit herausgibt. Tatsächlich gibt es – nach der Aufarbeitung in den verschiedenen Bistümern – einzelne Werke zu diesem Thema. Auch in den Einrichtungen der katholischen Kirche waren Zwangsarbeiter eingesetzt.

Das vorliegende Buch der St.-Gallus-Gemeinde in Frankfurt am Main fällt dennoch aus dem Rahmen. Die Gemeinde fühlt sich seit vielen Jahren mitverantwortlich für die Aufarbeitung des Schicksals der mehreren tausend Zwangsarbeiter, die für den Rüstungsbetrieb Adlerwerke nach Frankfurt zuerst gelockt, dann verschleppt wurden und unter schlimmen Bedingungen als Sklavenarbeiter tätig sein mussten. Das Buch ist insofern ein »Gemeinschaftswerk«, als neben historischen Darstellungen Berichte ehemaliger Zwangsarbeiter und anderer Zeitzeugen in diesen Band aufgenommen wurden. Profitiert und stabilisiert weiterlesen »

»Remigration« als Ziel

geschrieben von Janka Kluge

8. September 2024

Die Correctiv-Recherchen zum Treffen von Rechten bei Potsdam nun als Buch erhältlich

Gut ein halbes Jahr ist seit der aufsehenerregenden Recherche von Correctiv zu dem Treffen von Konservativen, AfDlern und »Identitären« am 25. November 2023 bei Potsdam inzwischen vergangen. Dort war nicht zuletzt im Hinblick auf extrem rechte Machtoptionen durch sich weiter abzeichende AfD-Wahlerfolge über massenhafte Deportationen von Teilen der Bevölkerung diskutiert worden. Nun veröffentlichte der Investigativjournalist Markus Bensmann zusammen mit Correctiv das Ergebnis der Recherchen in umfangreicherer Form. Correctiv ist ein Medienunternehmen, das nach Eigenangaben »investigativen und aufklärerischen« Journalismus verbreitet. Es wurde 2013 gegründet und begann im Juli 2014 seine Arbeit. Ein Augenmerk, aber nicht der einzige, sind Recherchen zur AfD und anderen rechten Gruppen. Das jetzt veröffentlichte Buch hat den großen Vorteil, dass die Autor:innen auf viel Hintergrundwissen zugreifen können. »Remigration« als Ziel weiterlesen »

Im Widerstand gegen Nazis

geschrieben von Dorothee Schmitz-Köster

8. September 2024

Frauen bekämpfen die faschistische Diktatur. Eine großartige Ausstellung in Berlin

1994 erschien ein umfangreiches »Lexikon des deutschen Widerstands«. Neben Hintergrund-essays und einer Übersicht über die zahlreichen Widerstandsgruppen stellte das Buch Personen vor, die sich gegen die Nazidiktatur gewehrt hatten – und zwar 510 Männer und 47 Frauen. Unter ihnen viele, die als »Frau von …« bekannt geworden waren, als Ehefrauen, Lebensgefährtinnen, Schwestern. Hilde Coppi bekam im Lexikon nicht einmal einen eigenen Eintrag, sondern wurde unter dem Namen ihres Mannes mitaufgeführt. So war das 1994 – unglaublich, aber wahr. Im Widerstand gegen Nazis weiterlesen »

Architekt des Holocaust

geschrieben von Axel Holz

8. September 2024

Eichmann in Jerusalem: Hannah Arendts 1964 erschienenes Buch brachte eine Lawine ins Rollen

Als Banalität des Bösen charakterisierte Hannah Arendt als Reporterin beim Jerusalemer Eichmann-Prozess 1961 den Tätertyp Adolf Eichmanns. Dieser habe bei der »Endlösung der Judenfrage« eine geringere Rolle gespielt, als die Anklage unterstellt habe. Die Artikelserie erschien 1963 zunächst im New Yorker, im selben Jahr als Buch in den USA und 1964 auch in deutscher Sprache. Manche sehen in der Formulierung eine Phrase, andere eine Chiffre und ein Resümee des Buches, die nur im letzten Satz des Berichtes vorkommt und erst nachträglich in den Titel und das Vorwort des Buches aufgenommen wurde.

Der SS-Obersturmführer und Leiter des Judenreferats beim Reichssicherheitshauptamt, Adolf Eichmann, war nach dem Krieg nach Argentinien geflohen, lebte dort unter dem Namen Ricardo Klement und tauschte sich in Argentinien weiter mit Nazis aus, wie Tonbandprotokolle von Gesprächen mit dem niederländischen SS-Mann Willem Sassen belegen. Der israelische Geheimdienst hatte den Staatenlosen nach Hinweisen in Argentinien aufgespürt, 1960 festgenommen und nach Israel gebracht. Dort wurde Eichmann vom März bis Dezember 1961 der Prozess gemacht. Dieser endete mit einem Todesurteil, das im Juni 1962 vollstreckt wurde. Eichmann galt als Architekt des Holocaust. Hunderte Zeugen erschienen zum Prozess, der weltweit Aufmerksamkeit erzeugte und nicht ohne Grund auch Bonner Politiker in Unruhe versetzte. Denn anders als die Israelis befürchteten, kooperierte Eichmann umfangreich und konnte auch einflussreiche deutsche Politiker mit deren Nazivergangenheit belasten. Architekt des Holocaust weiterlesen »

Noch ein Antifafilm?

geschrieben von Markus Roth

8. September 2024

Eine bemerkenswerte Doku erzählt Geschichten autonomer Antifas

Das Filmkollektiv Leftvision hat pünktlich zu den Landtagswahlen in Ostdeutschland einen Dokumentarfilm zum autonomen Antifaschismus der 90er Jahre herausgebracht. Porträtiert werden fünf Personen, die rückblickend ihre damalige Praxis, die Risiken für Leib und Leben, die Militanz gegen Neonazis, die Repression des Staates gegen sie, die eigenen (analogen) Vorgehensweisen, die Erfolge und Begrenzungen dieser »Politik der Straße« diskutieren. Laura aus Ostberlin, die sich mit den Neonazis auch im Umland herumärgern musste; Navid, der in Göttingen dabei war als Conny Wessmann zu Tode kam; Kessy, die das Antifapressarchiv (apabiz) in Berlin mitaufgebaut hat; Torsten, der in Quedlinburg heute als Anwalt tätig ist und die wichtige Perspektive auf Antifa in nichturbanen Räumen mitliefert, und Nina, die in Hamburg bis heute aktiv ist und damals sehr viel auf Achse war, um auf dem Land zu intervenieren. Noch ein Antifafilm? weiterlesen »

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