Vielfältig und doch vereint

geschrieben von Friedbert Mühldorfer

14. Juli 2019

Nachkommen melden sich zu Wort

»Keiner erklärte uns damals … das Wort Auschwitz. Das Schweigen über die Stationen des aufgeschobenen Sterbens und Überlebens meines Großvaters … war dennoch unüberhörbar.« Mit diesen Worten erinnert sich der 1976 in Polen geborene Kamil Majchrzak an seine Kindheit in der Familie. Erst als Erwachsener, nach der Geburt seiner Tochter, beschloss Kamil, der Einsamkeit und Isolation seines längst verstorbenen Großvaters auf den Grund zu gehen und Spurensuche zu betreiben.

Kamil Majchrzak ist einer von 22 Nachkommen von Verfolgten des Naziregimes, von Exil und Widerstand, die in einer von der Berliner VVN-BdA herausgegebenen Broschüre über den eigenen Umgang mit diesen besonderen Familiengeschichten reden. Vielfältig und doch vereint weiterlesen »

Antifaschismus als Aufgabe

geschrieben von Ulrich Sander

14. Juli 2019

Dritte Broschüre der »Kinder des Widerstandes« erschienen

Da sind 28 »Kinder des Widerstandes« im vorgerückten Alter. Sie haben sich in drei kleinen roten Büchern zu Wort gemeldet. Zuerst trauten sich die Frauen, inzwischen ist das Verhältnis 17 Frauen zu elf Männern, die über ihre Kindheit und Jugend als Nachkommen von Widerstandskämpfern und Opfern des Faschismus berichten, oder sich als Freunde dieser Menschen zu Wort meldeten.

Viele der Geschilderten waren als Zeitzeugen tätig, nun weilen sie nicht mehr unter uns, und ihre Kinder, Enkel und Freunde wurden nun zu Zeugen der Zeugen. Das Band der Erinnerungen soll nicht reißen. Antifaschismus als Aufgabe weiterlesen »

Der vorpolitische Raum

geschrieben von Markus Roth

14. Juli 2019

Ob »Bella Ciao« als Sommerhit des Jahres das Denken verändert?

Die Hymne der italienischen PartisanInnen im Zweiten Weltkrieg wurde letztes Jahr zum offiziellen Sommerhit ernannt. Die Cover-Version des französischen DJs Florent Hugel erfülle laut dem Marktforschungsinstitut GfK Entertainment alle Kriterien: eine eingängige Melodie, Urlaubsstimmung, er läuft in allen Clubs und ist weit oben in den Charts. Obwohl die Anzahl der Neuinterpretationen des Liedes seit Jahrzehnten nicht abnimmt, ist die Adelung zum Chartstürmer und »Sommerhit« dennoch eine genauere Betrachtung wert. Der vorpolitische Raum weiterlesen »

Ein »entarteter ›Entarter‹ «?

geschrieben von Reinhold Weismann-Kieser

11. Juli 2019

Emil-Nolde-Ausstellung im Hamburger Bahnhof in Berlin

Der Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin zeigt gegenwärtig eine Ausstellung, die sich mit dem »Nolde-Mythos« der Bundesrepublik der Nachkriegszeit auseinandersetzt und seine eigenen weltanschaulichen und politischen Positionen und die widersprüchliche Rezeption des Expressionismus durch den Faschismus mit seinem Opferstatus als prominentem »Entarteten« konfrontiert. Ein »entarteter ›Entarter‹ «? weiterlesen »

Nie korrigiertes Justizversagen

geschrieben von Axel Holz

11. Juli 2019

Spielfilm über die Hintergründe eines Mordprozesses

Nach langem Schweigen wurde in Deutschland das unbewältigte NS-Erbe auch künstlerisch thematisiert. Ob in den 60er Jahren mit »Die Ermittlung« von Peter Weiss und »Der Stellvertreter« von Rolf Hochhuth oder 2013 im Film »Der Rosengarten« über die Kinder vom Bullenhuser Damm und deren Mörder – seit etwa 60 Jahren gibt es eine gesellschaftliche Debatte über den Umgang der Deutschen mit ihren Kriegsverbrechern. Mit der jüngsten Verfilmung des 2011 erschienenen Romans »Der Fall Collini« von Ferdinand von Schirach durch Regisseur Marco Kreuzpainther wird diese Tradition zugespitzt. In diesem Film geht es nicht nur um die jahrzehntelange Verschleierung von NS-Kriegsverbrechen und um die Behinderung ihrer Verfolgung durch die NS-durchsetzten Eliten der 50er und 60er Jahre, sondern um das Versagen des Staates. Warum kamen eigentlich so wenige NS-Kriegsverbrecher vor Gericht? Eine Ursache dafür liegt in einem unscheinbaren Gesetz aus dem Jahre 1968, dem nach dem ehemaligen Nazi-Staatsanwalt und Ministerialbeamten benannten »Dreher-Gesetz«. Als »Einführungsgesetz zum Gesetz über Ordnungswidrigkeiten (EGOWiG)« wurde es kritiklos durch den Bundestag gewinkt und hatte doch verheerende Auswirkungen auf die Verfolgung von NS-Kriegsverbrechern. Aus Mördern machte es Mordgehilfen, deren Taten 1960 verjährt waren. Das Gesetz unterbrach sofort viele bereits laufende Verfahren. Auf dieser Grundlage mussten nun ehemaligen Wehrmachtssoldaten und SS-Leuten erst individuell niedrige Beweggründe oder andere Mordmerkmale nachgewiesen werden, um eine Verurteilung zu erwirken. Der Film bringt das vergessene Schand-Gesetz wieder ans Tageslicht und zeigt in einer auf Tatsachen beruhenden Geschichte, welche verheerende Wirkung der Staat mit einem Recht bewirkte, dass die NS-Opfer im Stich ließ und die Täter schützte. Nie korrigiertes Justizversagen weiterlesen »

»Volksstücke« mit Anspruch

geschrieben von Ernst Antoni

11. Juli 2019

Museums-Inszenierung zu Ödön von Horváth in München

Schon der Titel der Ausstellung, ein Zitat des Dichters, hat es in sich: »Ich denke ja garnichts, ich sage es ja nur«. So oder ähnlich hätte es bei seinen Bühnen- und Filmauftritten auch Karl Valentin formulieren können, der Münchner »Linksdenker«, wie ihn Kurt Tucholsky einst wegen seiner skurrilen Formulierungen nannte. Die Ausstellung jedoch, die derzeit in den Räumen des Deutschen Theatermuseums in München zu sehen ist, handelt von einem anderen Autor: »Ödön von Horváth und das Theater« heißt sie im Untertitel. Das Titelzitat ist dem Horváth-Stück »Kasimir und Karoline« aus dem Jahr 1932 entnommen. »Volksstücke« mit Anspruch weiterlesen »

Keine Folklore

geschrieben von Florian Gutsche

5. Juni 2019

Vom »Führergeburtstag« zum Netzwerktag europäischer Neonazis

Mitte April erreichte uns durch bulgarische Antifaschisten die Nachricht, dass sich am 20. April Neonazis aus unterschiedlichen europäischen Ländern in Sofia treffen würden – unter ihnen auch die Partei »Die Rechte«. Natürlich kamen wir der Bitte aus Bulgarien nach, einige Informationen über »Die Rechte« zu Verfügung zu stellen. Außerdem veröffentlichten wir ein Statement zu diesem Treffen europäischer Neonazis, das durch die Wahl des Datums eindeutig Bezug auf Hitlers Geburtstag nahm. Keine Folklore weiterlesen »

Kein Anlass für Berufsverbote

geschrieben von P.C. Walther

2. Juni 2019

Nachdem das Bundesamt für Verfassungsschutz erklärt hatte, dass die AfD »überprüft« würde (was alsbald öffentlich wieder zurückgenommen werden musste), ließ Bundesinnenminister Seehofer bald darauf auch prüfen, welche Konsequenzen die Mitgliedschaft in einer solchen Partei für Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst haben könne.

Manche meinten bereits, da werde möglicherweise ein neuer Radikalenerlass etwa gegen die AfD, in deren Reihen es viele Beamte gibt, erwogen. Doch es kam anders. Die von Seehofer veranlasste Prüfung ergab, dass die Zugehörigkeit zu einer Partei oder Organisation, auch wenn sie im Verdacht einer Verfassungsfeindlichkeit stehe, »für sich betrachtet nicht zu beamtenrechtlichen Konsequenzen« führe. Entscheidend sei allein das »konkrete Verhalten« eines Beamten, dessen eigene Handlungen und Aktivitäten. Kein Anlass für Berufsverbote weiterlesen »

Mehr als eine Geste

geschrieben von Janka Kluge

2. Juni 2019

Petition zur Erinnerung an homosexuelle Opfer

Jedes Jahr wird am Jahrestag der Befreiung von Auschwitz im Bundestag an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Ein Überlebender oder eine Überlebende der Shoa spricht dann vor dem Plenum. Die Gedenkstunde findet seit 1996 statt. 2008 formulierte Bundestagspräsident Norbert Lammert: »Wir gedenken der Entrechteten, Gequälten und Ermordeten: der europäischen Juden, der Sinti und Roma, der Zeugen Jehovas, der Millionen verschleppten Slawen, der Zwangsarbeiter, der Homosexuellen, der politischen Gefangenen, der Kranken und Behinderten, all derer, die die nationalsozialistische Ideologie zu Feinden erklärt und verfolgt hatte. Wir erinnern: auch an diejenigen, die mutig Widerstand leisteten oder anderen Schutz und Hilfe gewährten.« Er betonte ausdrücklich, dass an alle Opfer erinnert werden soll. Dieser Ansatz ist wichtig, weil die Verbrechen der Nazis nicht nur die europäischen Juden betroffen haben. Sinti und Roma, russische Kriegsgefangene und große Teile der osteuropäischen Bevölkerung fielen ebenso unter das Nazidiktum des »wertlosen Lebens«. Die Formen des Mordens waren unterschiedlich, die dahinterstehende Logik aber identisch. Mehr als eine Geste weiterlesen »

Erinnern an Krieg und Befreiung

geschrieben von Gerhard Hoffmann

2. Juni 2019

10. Treffen der Nachkommen in der Gedenkstätte KZ Buchenwald

Anlässlich des 74. Jahrestages der Selbstbefreiung der Häftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald fand am Sonntag, dem 14. April 2019, im Kinosaal der Gedenkstätte das 10. Treffen der Nachkommen statt, zu dem die Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora eingeladen hatte. Nach der Einstimmung durch eine DVD . die mit historischen Fakten und eindrucksvollen Bildern beeindruckte, begrüßte Günter Pappenheim, Vorsitzender der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora und Erster Vizepräsident des Internationalen Komitees, die Anwesenden. Erinnern an Krieg und Befreiung weiterlesen »

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