Nichts mit Antifa

geschrieben von Franziska Kracke

7. Januar 2022

In »Über Menschen« erinnert Juli Zeh an fehlende Brandmauern gegen rechts

Die Bestsellerautorin Juli Zeh hat nach ihrem Erfolgsroman »Unter Leuten« eine Art Fortsetzung geschrieben. Aus den Leuten wurden Menschen.

Dora lebt mit ihrem Lebensgefährten Robert in Berlin, als 2020 die Corona-Pandemie ausbricht. Robert ist überzeugt, dass die ergriffenen Maßnahmen helfen, die Pandemie zu bekämpfen. Er geht aber zu weit und wird übergriffig, als er von Dora verlangt, dass sie die Spaziergänge mit ihrer Hündin »Jochen« auf das minimal Nötigste verkürzt. Dora entflieht dieser Beziehung nach Brachen in der Gemeinde Geiwitz im Landkreis Prignitz. Der Roman ist wunderbar leicht zu lesen, auch weil er so mitten in unserer Zeit spielt. Corona, Masken auf, Impfen, »flatten the curve«. Nichts mit Antifa weiterlesen »

Viele Fragen ans Subjekt

geschrieben von Astrid Meier und Tanja Berger

7. Januar 2022

Und kaum Antworten bietet eine Ausstellung über den Holocaust

Die Ausstellung des United States Holocaust Memorial Museum stellt die ganz große Frage: Wie war der Holocaust möglich? Bei ihrer Beantwortung richtet sie sich auf die Subjektivität der Einzelnen. Ausgehend von den »gewöhnlichen Menschen« konzentriert sie sich auf alltägliche Gewalt und persönliche Handlungsoptionen. Welche Beweggründe hatten diese Menschen, ihre Nachbarn zu verraten? Warum schauten sie bei Gewalt gegen Jüdinnen und Juden zu und schritten nicht ein? Wie profitierten sie von der Ausgrenzung und Verfolgung ihrer Nachbarn oder gar ehemaligen Freunde?

Täterschaft und Kollaboration

Die mehr als zwanzig Tafeln widmen sich unterschiedlichen Motiven und verschiedenen Formen von Täterschaft und Kollaboration, aber auch von Hilfestellung oder Widerstand auf Ebene des Individuums und fragen nach den Konflikten, denen sich diese ausgesetzt sahen.

Die Ausstellung arbeitet vorwiegend mit großflächigen Fotografien; eine Vertiefung des Bildmaterials durch die recht kurzen Begleittexte geschieht nur stellenweise. Meist liefern sie beschreibende Informationen zu den Bildinhalten und heben einzelne Akteure hervor, die auch auf den Fotos selbst markiert werden. So wird der Blick gezielt auf zunächst passiv wirkende, abseits stehende Personen gelenkt. Was geht in ihnen vor, was haben sie in diesen Momenten gedacht? Scheinbar Nebensächliches soll anregen, über die Menschen vor und hinter der Kamera nachzudenken. Viele Fragen ans Subjekt weiterlesen »

Potenziale der Kränkung

geschrieben von Harry Friebel

7. Januar 2022

Aus dem Maschinenraum der antifeministischen Bewegungen

Der 35-jährige Theaterregisseur und Autor Tobias Ginsburg hat sich »undercover« in die international vielfach vernetzte Welt der Neuen Rechten begeben und berichtet in seinem Buch über seine Erfahrungen mit Männlichkeitswahn und Frauenhass. Im Vorwort notiert der Investigativjournalist Günter Wallraff zur Männlichkeitsideologie der rechten Szene: Die starre Geschlechterzuweisung »ist der wichtigste gemeinsame Nenner von Menschen, vorwiegend von Männern, deren Ideal eine Gesellschaft der Hierarchisierungen, der Ober- und Unterordnungen und der Ausgrenzungen ist«.

Milieu rechter Männerbünde

Ginsburgs Recherche führte ihn sowohl in das subkulturelle Milieu der rechten Männerbünde und Antifeministen als auch in die Welt des rechtsnationalen politischen Establishments in Deutschland, in den USA und in Polen. In dem – wie Wallraff schreibt – »Höllengang in ein Finsterreich des Männlichkeitswahns« klärt Ginsburg auf über Maskulinismus, Rassismus, Sexismus und Gewaltbereitschaft in einer Gemengelage aus AfD, Burschenschaften, Neuer Rechter und alten Nazis. So als wäre Männlichkeit gleichsam ein natürlicher Titel, der zur Überlegenheit, zur Kontrolle und zu Privilegien berechtigt, reagiert diese subkulturelle Szene angesichts des gesellschaftlichen Wandels und der Frauenemanzipation mit Kränkung, Hass und Gewalt. Der Aufstand dieser Männer mit ihren vorgestrigen Geschlechterbildern richtet sich gegen eine offene Gesellschaft, gegen Frauen und gegen die Demokratie. Potenziale der Kränkung weiterlesen »

Egozentrischer Zeitgeist

geschrieben von Nils Becker

7. Januar 2022

»Von Hitler emanzipieren« will Per Leo die deutsche Erinnerungskultur

Das neue Buch von Per Leo wurde im Spätsommer viel im deutschen Feuilleton diskutiert und gefeiert. Noch nie habe jemand sich getraut, so sehr gegen alle Seiten auszuteilen. Redaktionsmitglieder und Autor*innen der antifa haben das Buch gelesen und sich darüber ausgetauscht, hier eine Zusammenfassung ihres Gesprächs.

Regina: Es ist wichtig, das Buch zu besprechen, weil es in den meisten Rezensionen zu gut weggekommen ist. Es wirkt so, als ob potenzielle Kritiker*innen, die normalerweise Einspruch einlegen würden, vor der Medienwirksamkeit des Per Leo kapitulieren und es eben so hinnehmen. Ich denke, wir sollten uns als VVN mehr an solchen Positionen, die in der Öffentlichkeit für Wirbel sorgen, reiben. Er behandelt die Themen unseres Verbandes und stellt zumindest erhellende Fragen. Wie vermitteln wir die historische Wahrheit über den Holocaust und über den Faschismus? Wie können wir ein nicht-institutionalisiertes und nicht-ritualisiertes Gedenken wach halten in einer Zeit, in der scheinbar unendlich viele Themen um Aufmerksamkeit kämpfen? Wie können wir mit historischem Bewusstsein gegen faschistische Tendenzen heute vorgehen? Und er spricht auch unangenehme Themen an, die wir eher vernachlässigen. Egozentrischer Zeitgeist weiterlesen »

Ein literarisches Mahnmal

geschrieben von Sebastian Schröder

7. Januar 2022

Zur Novelle »Dunkelnacht« von Kirsten Boie

»Wollten ihre Männer nicht gehen lassen, die Weiber!« sagt der Dritte. Die Fleissner Agathe auch nicht! Sie ist schwanger, hat sie gesagt, wir dürfen ihn ihr nicht nehmen! Die Männer lachen.

»Ja mei, da mussten s’ halt mitkommen, die Weiber«, sagt der Führer der Jagdgruppe. »Das nenn ich Liebe!« ruft irgendwer und hebt sein Glas. »Jetzt hängen s’ gemeinsam.«

Faschismus bedeutet unerbittliche und maßlose Gewalt. Diese Gewalt in einem Jugendbuch zu zeigen hat sich Kirsten Boie, die bekannteste und erfolgreichste Kinderbuchautorin im deutschsprachigen Raum (u. a. »Die Kinder vom Möwenweg«, »Ritter Trenk«, »Sommerby«), zur Aufgabe gemacht.

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Nicht neutral

geschrieben von cobratheater.cobra

7. Januar 2022

Gastbeitrag des Kinder- und Jugendtheaters cobratheater.cobra

Wozu Theater? Diese dem Theaterbetrieb wohl innenliegende Frage stellten wir uns angesichts der Bundestagswahl 2017 noch mal neu. Denn knapp sechs Millionen Menschen wählten 94 erklärte Feinde der offenen, pluralen und demokratischen Gesellschaft in das deutsche Parlament. Vor diesem Hintergrund hielten wir, cobratheater.cobra, es für dringend notwendig, uns, auch als professionelle Theatermacher:innen, zu positionieren. Wir wollten die Möglichkeiten des Theaters als Ort, als Arbeitsweise und Kunstform nutzen, als Front, gegen die Bedrohung durch reaktionäre Gewalt, die mit dem Namen AfD nur ungenau beschrieben ist.

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Unser Rücktitel

7. Januar 2022

„Zum Herzensthema zurückkehren“

3. Januar 2022

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Maxi Schneider wird Referentin für Geschichts- und Erinnerungspolitik in der Bundesvereinigung der VVN-BdA. Im antifa-Interview beschreibt die Historikerin ihre Vorstellungen und Ziele für die neue Tätigkeit.

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Die Januar/Februar-Ausgabe ist da!

3. Januar 2022

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Mit dem neuen Jahr kommt auch die neue antifa mit einer Einschätzung des Koalitionsvertrages, einem Interview mit der Gruppe „Ciocia Basia“ zum Thema Schwangerschaftsabbrüche und einem Spezial zu 50 Jahren „Radikalenerlass“. Enjoy!

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Die gesamte Nov/Dez-Ausgabe zum Nachlesen!

19. November 2021

Liebe Leser*innen, hier findet ihr die Artikel-Verlinkungen der aktuellen antifa-Ausgabe (November/Dezember 2021). Viel Spaß beim Lesen!

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