Druck der Straße

geschrieben von Peps Gutsche

1. November 2024

Internationale Perspektiven auf den gesellschaftlichen Einfluss von Protesten

In seinem Buch »Die neue Protestkultur« bietet Tareq Sydiq eine tiefgehende Analyse der gegenwärtigen Protestbewegungen und von deren gesellschaftlichen Auswirkungen. Am Beispiel von Hongkong, sozialen Bewegungen in Deutschland, der feministischen Bewegung im Iran und der Revolution und Gegenbewegung im Sudan werden die Dynamiken, die diese Bewegungen prägen, aufgezeigt. Thema ist ebenso, wie die vermeintlich spontanen Proteste mit sozialen Bewegungen verknüpft sind. Druck der Straße weiterlesen »

Sind wir unter uns?

geschrieben von Frank Nonnenmacher

1. November 2024

Widerstand der Roten Kapelle: Katja Ostheimers Buch zu Elisabeth Schumacher

Beim ersten Durchblättern des Buchs von Katja Ostheimer fällt auf: Die Autorin hat in der Reihe »Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus« das Ergebnis einer Recherche zu Elisabeth Schumacher aus der Roten Kapelle vorgelegt, die viele Jahre gedauert haben muss. Sie zitiert sehr viele bislang unveröffentlichte Dokumente, viele persönliche Briefe, die aber neben dem Privaten immer einen Eindruck zum jeweiligen Zeitgeschehen vermitteln, und schließlich zeigt sie im Vergleich zu biografischer Literatur anderer Opfergruppen ungewöhnlich viele Fotos der Protagonisten, fotografisch hochwertige Porträts, viele »Schnappschüsse« von Ausflügen – zum Teil sogar mit Autos – an einen See oder bei Wanderungen in den Schweizer Bergen. Es müssen fröhliche und weltoffene Menschen gewesen sein, von denen da die Rede ist. Sind wir unter uns? weiterlesen »

Feinfühliges Porträt

geschrieben von Kristin Caspary

1. November 2024

Der Spielfilm »In Liebe, Eure Hilde« und die Widerstandsgruppe »Rote Kapelle«

Im September 2021 erschien im Kulturteil der antifa eine Besprechung zu einer Dokumentation, die sich mit dem häufig verdrängten Widerstand der »Roten Kapelle« beschäftigte. Im letzten Satz des Textes wies ich damals darauf hin, dass eine »größere filmische Aufarbeitung der Geschichte der zahlreichen Frauen der Roten Kapelle« bislang ausstehe. Drei Jahre später gehört dieser Satz revidiert, denn der Spielfilm »In Liebe, Eure Hilde« von Regisseur Andreas Dresen nimmt sich genau dieser Aufgabe an.

Hilde Coppi war Widerstandskämpferin in Berlin und Mitglied des Netzwerks »Rote Kapelle«. Sie war auch Freundin, Frau und Mutter, sie war verliebt und liebevoll, ruhig und reserviert, schüchtern vielleicht und manchmal ängstlich, auch witzig und klug. Sie war treu, stolz und unerschrocken, selbst im Angesicht größter Gefahr. Feinfühliges Porträt weiterlesen »

Strategischer Kulturkampf

geschrieben von Harry Friebel

1. November 2024

Michael Kraske und Dirk Laabs zur schleichenden Machtergreifung der AfD

Björn Höcke, Chefideologe der AfD in Thüringen für eine völkisch-nationalistische Diktatur in Deutschland, darf laut Gerichtsentscheid »Faschist« genannt werden. Höcke hat seine rassistische Ideologie maßgeblich aus den Schriften des italienischen Kommunisten Antonio Gramsci (1891–1937) abgeleitet. Gramsci hatte gelehrt, dass man für den revolutionären Kampf als erstes die Meinungsführerschaft (kulturelle Hegemonie) in der Gesellschaft gewinnen muss, um als zweites dann die politische Macht zu gewinnen. Höcke hat Gramscis »linke« These nach »rechts« gewendet. Höcke: »Nur, wenn man den Zeitgeist beherrscht, kann man die kulturelle Hegemonie erwerben« (S. 20).

Die beiden Autoren des Buchs »Angriff auf Deutschland. Die schleichende Machtergreifung der AfD«, Michael Kraske und Dirk Laabs, kommentieren: »Die Neue Rechte nennt diesen strategischen Kulturkampf in Vorbereitung auf die Machtübernahme ›Metapolitik‹« (S. 20). Höcke ist der unbestrittene Vordenker und Vorlenker dieses Kulturkampfes. Systematisch verschiebt dabei die AfD Höckes den gesellschaftspolitischen Diskurs nach »rechts« – eben um diesen Zeitgeist zu beherrschen: Es ist ein national-istischer und rassistischer Kampf um die Köpfe, um die Begriffe, um das Sagbare. Strategischer Kulturkampf weiterlesen »

Bestseller gegen die AfD

geschrieben von Ulrich Stuwe

1. November 2024

Philipp Ruch warnt vor einer Regierungsverantwortung für die extrem rechte Partei

»Dieses Buch macht Sie, macht unser Land zu Sehenden. Es lädt dazu ein, jetzt schon zu ahnen. Jetzt schon zu wissen. Was sehen wir von den Plänen, die das Antlitz der Welt und unser aller Leben verändern könnten?« Diesen hehren Anspruch an sein Buch erhebt der Autor schon im ersten Kapitel seines neuen Werkes. Philipp Ruch lässt dort erkennen, dass er kein wissenschaftlicher Publizist ist, der bierernst seine politischen Thesen darlegt. Ironisch wird er vor allem, wenn es um die Wichtigkeit dieser Publikation, ihres Autors und seiner Tätigkeit im antifaschistischen Kampf geht. Ruch ist maßgeblich am »Zentrum für Politische Schönheit« beteiligt, das bereits 2017 ein Holocaustmahnmal vor dem Wohnhaus von Björn Höcke errichtete. Seitdem kämpft das »Zentrum« gegen die AfD. Bestseller gegen die AfD weiterlesen »

Gegen den Hass

geschrieben von Axel Holz

1. November 2024

Ist das schon antisemitisch? Satire, Essays, Gedichte, Geschichten und Cartoons

»Satiren, Geschichten und Cartoons gegen den Judenhass«: Das ist der Untertitel des im Verlag Satyr im September erschienenen Buches »Sind Antisemitisten anwesend?«. Herausgeber und Autoren sind Lea Streisand, die Essays und Kolumnen für taz, Berliner Zeitung und Jüdische Allgemeine schreibt, der Berliner Autor von taz und Jungle World Michael Bittner sowie Heiko Werning, der für taz und Titanic Texte verfasst und außerdem Lesebühnenaktivist ist.

Im Band sind 80 Satiren, Essays, Gedichte, Geschichten und Cartoons gegen den Hass versammelt. Die Autoren konstatieren, dass wieder mal die Juden an allem Schuld seien, selbst am 7. Oktober 2023. In diesen schrägen Gesang würden Linke und Rechte, Migrationshintergründler und »Kartoffeln«, Islamisten und Queere ebenso einstimmen wie Neonazis, Berufszonis und DekolonialistInnen, erläutert Herausgeberin Lea Streisand im Interview mit Radio eins. Wir vergessen niemals, schreibt sie in ihrer Geschichte über den Palast der Republik, aus dem ihre Eltern am Hochzeitstag gravierte Löffel mitgehen ließen. Die Gravur lässt sich heute auf Gegenständen in so manchem ostdeutschen Küchenschrank wiederentdecken. Gegen den Hass weiterlesen »

Unbeackerter Nährboden

geschrieben von Holger Czitrich-Stahl

1. November 2024

Anton Stengl hat ein Buch über die europäische »Neue Rechte« veröffentlicht

Überall in Europa und in anderen Teilen der Welt ist die Rechte auf dem Vormarsch. In Frankreich konnte ein Wahlsieg der rechtsnationalistischen bis semifaschistischen Partei Rassemblement National (RN) im zweiten Wahlgang zur National-versammlung noch verhindert werden. In den traditionell liberalen Niederlanden ging die rechtspopulistische Partij voor de Vrijheid (PVV) von Geert Wilders als stärkste Kraft aus den Parlamentswahlen im November 2023 hervor und ist nun Bestandteil der Regierung. Und in Italien führen sie mit Giorgia Melonis Fratelli d’Italia (FdI) die Regierung an. Unbeackerter Nährboden weiterlesen »

Bedrohung AfD

geschrieben von Stephan Krull

1. November 2024

Hans-Jürgen Urban für aktiven Kampf gegen Faschisten

Die Rechtsentwicklung ist eine Bedrohung für Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter. Denn Höcke und Co. haben in ihrer autoritären Gesellschaft für die Kolleginnen und Kollegen wegen ihrer integrativen Arbeit, ihrer konträren Position zum Kapital, ihres demokratischen Anspruchs auf Mitbestimmung in Wirtschaft und Gesellschaft keinen Platz vorgesehen. Während in einigen Texten aufgrund der Zustimmung von Arbeiterinnen und Arbeitern zu Faschisten die Frage gestellt wird, ob die AfD die »neue Arbeiterpartei« sei, orientiert Hans-Jürgen Urban vom Vorstand der IG Metall mit dem Sammelband »Gute Arbeit gegen Rechts« auf Immunisierung und aktiven Kampf gegen die Faschisten. In einem Geleitwort schreibt Christiane Benner, die Vorsitzende der IG Metall: »Für mich steht fest: Wer die Demokratie stärken will, muss den Beschäftigten Sicherheit im Wandel bieten. Mehr Mitbestimmung und Beteiligung ist das Gebot der Stunde.« Bedrohung AfD weiterlesen »

Andere entflammen

geschrieben von Ulrich Schneider

1. November 2024

Von Antifaschismus und Arbeitskämpfen: Claus-Jürgen Göpferts Buch »Wer nicht hören will, wird bestreikt!«

Es ist vielleicht ungewöhnlich, in antifa etwas über Arbeitskampfgeschichten zu lesen. Üblicherweise beschäftigen sich Beiträge mit historischer Erinnerung, Erfahrungen von Menschen in Flucht- und Verfolgungslagen, solidarischem Handeln gegen autoritäre Verhältnisse und Bestrebungen – nicht allein im deutschen Faschismus.

Und genau hier liegt die Klammer zu dem an dieser Stelle besprochenen Buch von Claus-Jürgen Göpfert. Göpfert, langjähriger Redakteur der Frankfurter Rundschau, hat in langen Interviews mit dem ehemaligen »Arbeitskampfbeauftragten« der Gewerkschaft Nahrung – Genuss – Gaststätten (NGG) Jürgen Hinzer nicht nur Gewerkschaftsgeschichte notiert, sondern in dem anschaulich bebilderten Buch die Menschen hinter den Nachrichten über Arbeitskämpfe in den Blick genommen. Andere entflammen weiterlesen »

Ausgabe September/Oktober 2024

8. September 2024

entstand am 24. August auf der Parade zum Christopher Street Day (CSD) unter dem Motto »Darling, I want my rights now!« (Liebling, ich will meine Rechte jetzt!) durch Magdeburgs Innenstadt. Rund 3.000 Menschen kamen. Zeitgleich haben sich etwa 250 Rechte an einer Gegendemo beteiligt. Foto: Tim Lüddemann

entstand am 24. August auf der Parade zum Christopher Street Day (CSD) unter dem Motto »Darling, I want my rights now!« (Liebling, ich will meine Rechte jetzt!) durch Magdeburgs Innenstadt. Rund 3.000 Menschen kamen. Zeitgleich haben sich etwa 250 Rechte an einer Gegendemo beteiligt. Foto: Tim Lüddemann

Als am 21. August in Jena ein AfD-Bürgerdialog mit Björn Höcke durch stabile Sitzblockaden verhindert werden konnte, schäumten die Medien über vor Verachtung. Eine Grenze sei überschritten, das Versammlungsrecht gelte schließlich auch für die AfD und die Meinungsfreiheit selbst für einen wie Höcke. Ein besorgniserregender Umschwung im öffentlichen Diskurs war das. Während wir im Bündnis mit vielen anderen auf eine Umwandlung der Passivität in genau solche massenverträglichen, friedlichen, aber robusten Aktionsformen orientieren, bläst uns der Gegenwind aus bisher unbekannter Richtung um die Nase. Offenbar ein Vorgeschmack auf die Anpassungsleistung, die von uns in Zukunft erwartet wird, und eine klare Absage an das, was wir mit »AfD bestreiken« als Handlungsstrategie beschrieben haben.

Dabei gäbe es für Journalist:innen viel Interessanteres zu besprechen als das Anrecht für Faschist*innen auf den ungebremsten Ausbau ihrer Macht. Keine Woche vergeht, ohne dass spannende Studien zur Beschreibung der Gegenwart erscheinen, oder Politik und Behörden bei unmenschlichen Entscheidungen oder Handlungen überführt werden könnten.

Um in solchen schnelllebigen Zeiten nicht den Kopf bzw. die Sprechfähigkeit zu verlieren, müssen wir uns regelmäßig selbst um tragfähige Analysen sowie darauf aufbauende Narrative und Praxen bemühen. Eine eigene Kultur der Wertschätzung, die Jena beispielsweise als großen Bewegungserfolg feiert, die aus der herrschenden Mentalität der Abwertung und verweigerten emphatischen Bezugnahme ausbricht, muss unsere Antwort sein. In den nächsten Monaten wird es unsere Aufgabe sein, alle diejenigen miteinander zu vernetzen, die genauso fassungslos, ernsthaft beschämt und resigniert vor den politischen Verhältnissen und ihrer eigenen Ohnmacht stehen. Das Wissen über Formate des Austauschs, des Kennenlernens und der gemeinsamen Handlungsfähigkeit ist vorhanden. Sie anzubieten und vorzuleben der Auftrag. Das können nur basisorganisierte und parteiunabhängige Zusammenhänge wie die VVN-BdA. Einige Anregungen finden sich in dieser Ausgabe. Nils Becker

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